Dem Kirchensteuerzahler – Ein Dank

Katholiken, die regelmäßig in die Kirche gehen, blicken häufig auf sie herab: Besucher, die an Ostern und Weihnachten die üblicherweise mittelmäßig besetzten Kirchenbänke füllen, sonst aber nie gesehen werden. Deren Christsein scheint sich zweimal im Jahr Bahn zu brechen, außerdem bei Taufen, Firmungen, Hochzeiten und Beerdigungen. Ansonsten haben sie mit Kirche wenig zu tun.

Wenig, weil es noch etwas gibt, was sie mit der Kirche verbindet: die Kirchensteuer. Eine Einrichtung aus scheinbar vergangener Zeit, als der Staat die Kirche als Erziehungsanstalt und Kulturinstitut noch dringend nötig hatte und ihr nach der Säkularisation das Recht zusprach, einen verbindlichen Mitgliedsbeitrag zu erheben. Der Staat fand sich zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts sogar bereit, diesen Mitgliedsbeitrag gegen eine Aufwandsentschädigung über die Finanzämter einzuziehen.

Faulen Kirchensteuerzahler

Es ist die Kirchensteuer, welche die Mehrheit der Deutschen noch mit der Kirche verbindet, obwohl die meisten von ihnen den Sonntag lieber ausschlafen und Sport treiben, als in die Messe zu gehen. Die Abgabe zeichnet die Kirche in Deutschland aus und macht sie zu einer der reichsten Gliedern des Katholizismus weltweit.

Dennoch ist die Kirchensteuer immer wieder der Kritik ausgesetzt. In den Augen der Gegner bildet sie den bequemen Sessel, in dem scheinbare Berufskatholiken sitzen und der ihren Missionseifer untergräbt, weil die finanzielle Absicherung nicht von der Lauheit der Kirchenmitglieder bedroht ist.

So wie es Argumente gegen die Abgabe gibt, so gibt es auch Anfragen an die Kirchensteuerkatholiken und ihren seltenen Kirchenbesuch. Für jemanden, der sich bemüht, seinen Glauben in sein Leben aktiv zu integrieren, kann so ein Verhalten für fragwürdig gelten. Deswegen blicken viele gerne auf sie herab.

Der für die Kirche und Gesellschaft

Aber kaum einer möchte zu einem Verein gehen, wo die meisten auf einen herabschauen. So sind die irritierten Blicke mancher Kirchgänger keine Einladung zum Verweilen für den Kirchensteuerkatholiken, der sich an Sonntagen in die Messe verirrt.

Zudem lässt sich schwer ausmachen, was sich im Verborgenen dieser Christen abspielt. Zwar erfüllen sie nicht die klassischen Milieuindikatoren. Mit der Zahlung ihrer Abgabe ermöglichen sie aber für die Gesellschaft und die Kirchgänger viel.

Zuvorderst wäre es nicht möglich, die Seelsorge nur aus den Beiträgen der sonntäglichen Messbesucher zu bezahlen. Denn der größte Teil des Budgets der Bistümer fließt in das Personal. Dank den anonymen Beitragszahler, die ihre Hilfe kaum in Anspruch nehmen, können sich professionelle Seelsorger ihrer Berufung und ihren Gläubigen widmen.

Des Weiteren pumpen die reichen Bistümer Deutschlands jährlich große Summen in die ärmere Weltkirche. Wer die dicken Akten an Dankesschreiben durchgeblättert hat, die in den Ordinariaten für Beihilfen an afrikanische, asiatische und amerikanische Bistümern eintreffen, bekommt ein ungefähres Bild von der Bedeutung solcher Unterstützung.

Hauptsache sie sind da

Aber auch in der Liturgie sind diese Christen präsent. Zwar erfüllen sie bei weitem nicht das Sonntagsgebot. Aber an den hohen Festtagen, bei Taufen, Hochzeiten, Firmungen sind sie präsent und füllen die Kirchenbänke. Für Priester und Ministranten, die nicht selten magere Besucherzahlen haben, eine kleine Freude.

Und auch was das Glaubenszeugnis angeht, kommen diese Christen nicht alltäglich, aber auf Aufforderung aus ihrem Schneckenhaus. Ein paar grobe Basics und eine ganz einfache Vorstellung wird den meisten Kindern noch mitgegeben. Und oft schicken die Eltern die Kinder auch zur Kommunion und zum Religionsunterricht.

Man kann viele Gründe finden, den Kirchensteuerchristen eine Intensivierung des Glaubenslebens anzuraten. Aber es gibt auch viele Gründe, ihnen dankbar zu sein. Daher an dieser Stelle dem Kirchensteuerzahler Danke für alles.

Maximilian Röll

Die Angst geht um

Trumps Aufruf, die Hauptstadt Israels zu verlegen, hat die christlichen Oberhäupter im Nahen Osten schockiert. Die Angst weiterer Anschläge gegen Kirchen geht um. Im Orient ist die Lage ohnehin schon prekär. Trumps Aktion jedoch destabilisiert die Region noch viel mehr.

Trump will die US Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlagern. Zugleich erkennt er Jerusalem als israelische Hauptstadt an. Ein Unding für Palästinenser. Zuerst wurde im Sechs-Tage-Krieg 1967 Ostjerusalem annektiert, was die zweite Intifada, einen Angriff Palästinas gegen Israel, auslöste. Nun verlagert Israel die Hauptstadt und findet einen mächtigen Verbündeten: US Präsident Trump. Der Aufruf zur dritten Intifada ließ nicht lange auf sich warten und die Lage in Jerusalem verschärfte sich zunehmend.

Religionen feinden sich an

Jerusalem, als Begegnungsstätte der Christen, Juden und Moslems, ist den Religionsgemeinschaften heilig. Ob die Grabeskirche, die Klagemauer oder die Al-Aksa-Moschee: Alle Religionen sind vertreten. Friede herrschte aber nie. Sei es zwischen den christlichen Konfessionen, die sich in der Grabeskirche regelmäßig, teilweise auch handgreifliche, Auseinandersetzungen liefern oder sei es der Kampf Palästinas gegen Israel, in dem sich in erster Linie zwei politische Parteien bekriegen.

Jedoch hat dieser Streit auch religiöse Dimensionen. Die größtenteils muslimischen Palästinenser und das jüdische Israel bekriegen sich um Ost-Jerusalem. In beiden Staaten ist die Religion stark verankert. Die Stadt, die beiden Religionen heilig ist, soll von den Juden eingenommen werden und das mit Hilfe des Westens. Muslime wittern eine Verschwörung gegen den Islam und Gläubige aus aller Welt sind deswegen erzürnt.

Christen haben Angst

Bischof Damian aus dem Kloster Höxter in Deutschland, drückte seine Besorgnis aus. Der Zorn der muslimischen Gläubigen richtet sich gegen den Westen. Das Christentum wird, besonders in Ägypten, als westliche Institution gesehen. Genau das wird den orthodoxen Kopten zum Verhängnis. Schon seit Jahren leiden Christen im Nahen Osten. Nun wird sich die Gewalt weiter ausbreiten und noch mehr Kirchen treffen.

Ob Klöster oder Kirchen, alle größeren Versammlungen sind in Gefahr und das nicht nur in Jerusalem. Die Gewalt gegen die christlichen Glaubensgemeinschaften, wird sich in der ganzen Welt erstrecken. Moslems haben nun die Sorge, dass sie zu ihren heiligen Stätten nicht mehr vorgelassen werden. Dieser Sorge wird nun Ausdruck verliehen, indem man die westlichen Institutionen angreift.

Sind Kirchen in Deutschland in Gefahr?

Da zu vermuten ist, dass Angriffe gegen Kirchen außerhalb des Nahen Ostens zunehmen werden, ist die Lage in Deutschland ungewiss. Jedoch ist die Gefahr außerhalb von islamischen Staaten weitgehend ungefährlich. Der Großteil der muslimischen Einwanderer oder Menschen mit Migrationshintergrund aus islamischen Ländern in Deutschland, sind weitaus säkularer als meist in den Medien dargestellt. Das belegt die Sinusstudie, welche Migranten bezüglich ihrer Religionszugehörigkeit befragt hat. Dabei gaben nur 51% der Jugendlichen an, eine tiefe Verbundenheit zu ihrer Religion zu haben. 84% geben sogar an, dass Religion Privatsache sei.

Die Gefahr ist in Deutschland sicherlich nicht gebannt, jedoch sollte Ruhe bewahrt werden. Dennoch sollten Gläubige tagtäglich dafür beten und hoffen, dass Glaubensanhänger, egal welcher Religion, im Nahen Osten vor jeglichem Krieg und Leid verschont bleiben. Denn besonders dort ist die Not am größten und es besteht zurzeit keine Aussicht darauf, dass sich die Lage, besonders in Jerusalem, bessern wird.

Alexander Radej

Besinnlichkeit to go

Der Advent wird als Zeit der Besinnlichkeit bezeichnet, in der man sich auf das Weihnachtsfest vorbereitet. In den Predigten zu den Adventssonntagen hören wir den Aufruf uns bewusst eine Auszeit zu nehmen. Immer mehr Bistümer setzen zunehmend dabei auf digitale Angebote, um besinnliche Impulse für die Adventszeit zu geben. Doch sind solche Angebote auf WhatsApp und Co. vereinbar mit „Besinnlichkeit“?

Besinnlichkeit – Was ist das?

Im Woxikon Wörterbuch wird Besinnlichkeit als „stimmungsvolle Zeit, in der Menschen zum Nachdenken und Innehalten kommen“ bezeichnet. Der Begriff tritt auch in Kombination mit Adjektiven wie „nachdenklich“, „leise“ und „aufmerksam“ auf. Wir wünschen uns gegenseitig vor Weihnachten „frohe und besinnliche Festtage“ und im Radio spielt „Stille Nacht“. Die Aufforderung zu Ruhe und Auszeit ist allgegenwärtig. Viele Kirchengemeinden bieten im Advent besondere Meditationsabende oder Exerzitien an. Besonders in Großstädten zeigen die leicht steigenden Besucherzahlen, dass Angebote gefragt sind um sich eine Auszeit vom Weihnachtsstress zu gönnen. Doch viele schaffen es in der Vorweihnachtszeit nicht diese Veranstaltungen wahrzunehmen, wollen aber dennoch nicht auf die geistlichen Impulse im Alltag verzichten. Dafür werden von den Kirchen immer mehr sogenannte „Online-Adventskalender“ angeboten, welche die Nutzer täglich mit spirituellen Inhalten versorgen sollen.

AppVentskalender

Fast sämtliche deutschen Bistümer haben einen digitalen Adventskalender auf ihrer jeweiligen Homepage. Dort werden täglich geistliche Impulse in Form von Bildern, Videos, Texten oder Bibelzitaten veröffentlicht. Doch immer mehr Veranstalter richten sich aktiv an die Netzgemeinde und versenden die Impulse über E-Mail, WhatsApp oder Social Media. So brauchen sich Nutzer nicht mehr täglich die Mühe machen und auf die jeweilige Internetseite gehen. Sie können die Inhalte direkt und überall auf ihr Handy empfangen und auch sofort mit anderen teilen. Die Impulse via Messenger sollen vor allem Jugendliche ansprechen und die Möglichkeit schaffen, „inmitten von Geschenkekauf und Weihnachtsstress kurz innezuhalten und diese besondere Zeit selbst als Geschenk wahrzunehmen“, heißt es vom KAB-Diözesanverband aus dem Bistum Münster. Um die Inhalte zielgruppengerecht zu transportieren, setzen die Organisatoren verstärkt auf visuelle und auditive Impulse. „Das kann ein kurzes Video oder ein schneller Song sein.“ Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigt, dass die Impulse via E-Mail oder WhatsApp auf viel Resonanz stoßen. Im vergangenen Jahr haben einige Veranstalter mehrere Tausend Anmeldungen für ihren digitalen Adventskalender vermeldet.

Die Frage, die sich allerdings stellt, ist, ob die spirituellen Impulse bei den Nutzern nur ankommen oder auch aufgenommen werden. Groß ist die Gefahr, dass sich die Inhalte in der eingehenden Datenmenge aus Nachrichten, Bildern und Chats verlieren und nur noch gesehen, aber nicht aufmerksam wahrgenommen werden. Den Text hinter Türchen Nummer 3 liest man eventuell gerade während man auf die Bahn wartet. Die letzten Zeilen werden dann vielleicht nur noch überflogen, weil die Durchsage den Zug ankündigt. Der Impuls wird abgehakt, das Handy in der Tasche verstaut und die Alltagsroutine fortgesetzt. Das Video von Türchen Nummer 8 wird unterbrochen, weil eine eingehende WhatsaApp Nachricht aufpoppt und unsere Aufmerksamkeit beschlagnahmt.

Kann sich so Besinnlichkeit einstellen?

Wir leben im digitalen Dauerstress. Forscher gehen davon aus, dass wir alle 18 Minuten auf unser Smartphone schauen. Das sind circa 88 Mal am Tag. Wir sind rund um die Uhr in Empfangsbereitschaft. Eigentlich eine gute Voraussetzung für den Advent, geht es an Weihnachten doch darum den menschgewordenen Gott in unserer Mitte zu empfangen. Doch unsere Empfangsbereitschaft richtet sich an eingehende Nachrichten. Eine Studie der Techniker Krankenkasse von 2017 hat festgestellt, dass der ständige Konsum des Smartphones verhindert, dass man sich entspannen und konzentrieren kann. Selbst wenn das Smartphone nicht in Gebrauch, sondern nur in Sichtweite ist, lenkt es ab. Es ist zu verlockend einmal kurz „zu checken“ wer geschrieben hat. Wir schaffen es nicht mehr richtig uns nur noch auf eine Sache zu konzentrieren. Doch genau das macht die Besinnlichkeit während der Adventszeit aus: entspannen und das Weihnachtsfest mit der Geburt Christi in den Fokus nehmen.

Auch Papst Franziskus fordert für den Advent mehr „Aufmerksamkeit und Wachsamkeit.“ Besonders während der Advents- und Fastenzeit empfiehlt der Papst häufiger in der Bibel zu lesen und das Handy aus der Hand zu legen. Er selbst hat ein zwiespältiges Verhältnis zu Smartphones und Sozialen Medien. Einerseits hat er seit bereits 5 Jahren einen eigenen Twitteraccount und lässt täglich in mehreren Sprachen twittern. Andererseits mahnt er immer wieder im Umgang mit Handys, sich vor Reizüberflutung und einer mangelnden Urteilsfähigkeit zu schützen. Er betont: „Unter all den Kontakten und Chats des Alltags sollte an erster Stelle der goldene Faden des Gebetes stehen“.

Unbewusst besinnen?

Natürlich muss man sich nicht ohne technische Geräte zu Hause oder in der Kirche verkriechen, um sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen und innezuhalten. Mit dem Angebot eines christlichen Adventskalenders für das Handy passen sich die Kirchen ein Stück weit dem Zeitgeist an. Denn gerade in der Weihnachtszeit spüren Viele das Bedürfnis nach Spiritualität, die sonst nichts mit der Kirche anfangen können. Die Kommunikationsabteilung des Bistums Essen baut auf ein „Konzept aus Information, Seelsorge und Unterhaltung“ um religiöse Inhalte auf einfache Weise zugänglich zu machen. Manchmal reicht einem auch schon die bewusste Entscheidung für den Empfang der täglichen Impulse, um sich der Weihnachtsbotschaft ein Stück weit auseinander zu setzen. Selbst wenn ein Türchen einmal unbeachtet bleibt oder ein Video im Schnelldurchlauf angesehen wird, bleiben sie im Chatverlauf erhalten und können immer wieder rezipiert werden. Veranstalter aus dem Bistum Münster bieten Nutzern sogar die Möglichkeit auf die WhatsApp Impulse zu reagieren und versprechen auf jede Reaktion auch eine Antwort. Der Gedanke, mit einem Klick ein wenig Besinnlichkeit zu erhalten und sie ganz einfach in der Hosentasche verstauen zu können, erscheint besonders in der stressigen Zeit vor Weihnachten eine gute Idee. Doch es fordert auch eine gewisse Selbstdisziplin sich dabei nicht von Newstickern und anderen Benachrichtigungen auf dem Smartphone überreizen zu lassen.

Kerstin Barton