Anders leben oder Unglaubwürdigkeit

Es ist eine Last in der Welt zu leben. Die Politik driftet ins „Postfaktische“  ab. Der Journalismus liegt im Sterben und über Gott reden kann man nicht mehr. Was aber, wenn Ersteres nicht stimmt und Letzteres nicht so sein muss?

Dialog in der Gesellschaft

Die große Rede vom „postfaktischen“ Zeitalter ist unsinnig. Brexit und Trump Wählern kreieren ihre Ansichten über die Welt und Politik nicht ohne Realitätsbezug oder wie es ihnen gefällt. Das so interpretierte Phänomen ist durch eine Vertrauenskrise des Journalismus bedingt. Die Bereitschaft an einer These festzuhalten, obwohl ihre Falschheit durch Nachrichtemedien gezeigt wurde, ist keine Ablehnung von Fakten. Die Vertrauenskrise des Journalismus zeigt die komplexe dahinterliegende Realität. Das Problem ist wie Wahrheit kommuniziert werden kann und warum dem Fact Checker Glauben geschenkt werden sollte.

Das Vertrauen als Grundgut des Journalismus ist verbraucht. Unabhängig von der Wahrheit des „Lügenpresse“ Vorwurfs, zeigt dieser Vorwurf das Fehlen von Vertrauen in Teilen der Gesellschaft. Durch seine strukturelle Offenheit für Manipulation kann dem Journalismus im digitalen Zeitalter nicht Glauben geschenkt werden. Daher ist es für einen Menschen sinnvoll Politikern, Kommentatoren oder Blogs zu glauben, die das eigene Weltbild teilen und unterstützen. Ihre eigenen Überzeugungen geben diesen Informationen zusätzliche Relevanz und bestätigen die Wahrscheinlichkeit ihrer Validität. Im Sinne einer Korrespondenztheorie unterstützen sie sich gegenseitig. Ein Fact Checker muss, um diese Informationen in Zweifel zu ziehen, erst einmal gegen die subjektive Überzeugung argumentieren. Der an der angegriffenen Überzeugung festhaltende Mensch ist also gerade nicht post- oder antifaktisch, sondern hält seine Überzeugung für ein Faktum. Die Krise des Journalismus führt also zum Zusammenbruch des gesellschaftlichen Dialogs und zum wirtschaftlichen Niedergang des herkömmlichen Journalismus.

Dialog über den Glauben

Der Dialog über den Glauben ist ähnlich zusammengebrochen. Von Minderheiten wie den „New Atheists“ abgesehen, gibt es in der Gesellschaft keine prinzipielle Ablehnung gegen ein Reden von Gott. Es weckt kein Interesse und wird als irrelevant eingeschätzt. Das Vertrauen auf Wissenschaft und Fortschritt  bietet eine grundsätzlich überzeugende Weltsicht, in der Gott nicht gebraucht wird. Um Gott in den Blick zu bringen, müsste also erst einmal dieses Vertrauen erschüttert werden. Eine schwierige Aufgabe in einer Umgebung, die dieses Vertrauen durch praktische Erfolge der Wissenschaft verstärkt. Doch im Beispiel des Fact Checkers liegt eine weitere Möglichkeit: Die Aufdeckung von Fehlinformationen durch journalistische Mittel hat in der Vergangenheit funktioniert. Durch Vertrauen, das dem Journalismus entgegengebracht wurde, konnten Wähler überzeugt werden. Der Journalismus hat das Vertrauen verloren und auch religiöse Menschen bekommen von ihren Mitmenschen wenig Vertrauen entgegengebracht. Der Missbrauch Skandal, das Fehlverhalten von Bischöfen und Priestern sowie wenige extreme Christen färben die öffentliche Meinung von allen Gläubigen negativ. Die Negativbeispiele haben zwar mit dem einzelnen Gläubigen erst einmal nichts zu tun, zerstörten aber in der öffentlichen Meinung das Vertrauen auch in den einzelnen Gläubigen.

Nachfolge als Lösung

Für das Problem des Vertrauens im Journalismus  wurde noch keine Lösung gefunden. Doch das Vertrauensproblem des einzelnen Gläubigen kann behoben werden, indem sie die Vertrauenswürdigkeit in ihrem Handeln vorleben. Kurz: heiliger werden. Gottes- und Nächstenliebe konsequent umzusetzen, auch wenn es schwer fällt – und bis zum Ende. Nicht abstrakt, sondern in der jeweiligen Situation. Nicht mal kurz die Welt retten, sondern dem Gegenüber zuhören, die Oma besuchen, eine Familie gründen oder sich ganz für ein Leben mit Gott zu entscheiden. Im Kleinen einen Unterschied machen anstatt die großen Probleme zu lamentieren.  Dieses sichtbar andere Leben führt zu Fragen und zeigt die Ernsthaftigkeit des Glaubens. Der Glauben erweist sich so nicht als Vertröstung ins Jenseits oder einer vagen Hoffnung, sondern als eine konsequente Überzeugung und wirksame Realität. Die Wirksamkeit Heiliger in der Ermöglichung der Kommunikation wird bewiesen durch einen Blick in die Geschichte der Kirche. Die Christen der ersten Jahrhunderte lebten ihren Glauben in der Verfolgung auf eine Weise, die die Umwelt veränderte bis das Christentum selber Staatsreligion wurde. Dabei setzten sie nicht bei großen Problemen und gesellschaftlichen Missständen an, was in der Verfolgung auch nicht möglich ist. Stattdessen lebten sie ihren Glauben auf einer persönlichen Ebene, im Umgang untereinander und im Festhalten an der Nachfolge Christi.

Dabei geht es nicht um ein Mittel für eine Missionierung im Sinne einer argumentativen Überzeugung, sondern um einen Dialog zu ermöglichen. Für eine Umkehr oder Missionierung sind andere Faktoren nötig. Aber ohne Heilige, deren Leben die Begegnung mit authentischen Glaubenden ermöglicht, kann die Sendung Jesu, Zeugen zu sein, nicht erfüllt werden. Also  sollten wir Christen uns nicht an den großen Problemen der Welt kaputt reiben, sondern in den kleinen Dingen des Alltags heilig werden.

Philipp Müller

Geht es hier mit rechten Dingen zu?

In einem bayerischen Dorf sterben innerhalb von sechs Jahren fünf aktive Mitglieder der Kirchengemeinde. Da alle zwischen 50 und 64 Jahre alt waren, vermutete Endre Graf Esterházy eine übernatürliche Ursache. Er forderte vom Bistum Passau eine kirchliche Untersuchung an. Bischof Stefan Oster solle einen Inquisitor schicken. Das Bistum lehnte dies ab, da es die Inquisition nicht mehr gebe und das Bistum die Häufung der Todesfälle nicht prüfen könne. Zu Recht, den es gibt eine rein natürliche Erklärung für die Häufung, die Inquisition hat damit nichts zu tun und die Forderung beruht auf einer, aus christlicher Sicht, problematischen Weltanschauung.

Statistische Erklärung

Bei einer Häufung von Vorfällen vermuten wir intuitiv einen Zusammenhang. Doch das ist eine statistische Fehleinschätzung. In einer zufälligen Verteilung treten immer Häufungen auf. Statistisch ist eher das Fehlen solcher ein Zeichen für Manipulation. Eine wirklich gleichmäßige Verteilung ist nur durch Absicht erreichbar. Da Esterházy selbst eine menschliche Fremdeinwirkung bei den Todesfällen ausschließt, gibt es keinen guten Grund in dieser Sache einen tieferen Sinn zu suchen. Sie sind statistisch keine Besonderheit. Die Todesfälle sind tragisch und für die Gemeinde ein schwer zu verkraftender Verlust. Darüber hinaus sind sie aber Teil der Realität.

Inquisition ist ein anderes Thema

Auch die Forderung nach einem Inquisitor ist nicht sinnvoll. Die Inquisition war nicht mit der Aufklärung von unerklärlichen Ereignissen betraut, sondern mit der Durchsetzung der orthodoxen katholischen Lehre. Dafür wurde von Kirchengerichten der Glaube von vermuteten Ketzern untersucht. Wenn diese dem orthodoxen Glauben widersprachen, wurde ihnen ein Widerruf ermöglicht. Dafür wurde ihnen die Strafe häufig erlassen oder eine Milderung empfohlen. Bei einer Verweigerung des Widerrufes oder mehrmaliger Verbreitung von Häresien wurde die Person der weltlichen Gerichtsbarkeit übergeben. Da die weltlichen Gesetze die Häresie mit dem Tode bestraften, führte das meist zur Hinrichtung.

Die Todesstrafe auf Häresie entsprang der Verbindung von Kirche und Staat, die ab Kaiser Konstantin einsetzte. Die religiöse Einheit des Glaubens wurde Grundlage der Gesellschaft und der einzelnen Länder. Um diese Einheit zu erhalten kam es im frühen Mittelalter wiederholt zu Verurteilungen durch weltliche Herrscher ohne die Einwirkung der Kirche. Später wurden die Bischöfe beauftragt festzustellen, ob eine Häresie vorliegt. Sie sollten die Verurteilung Unschuldiger verhindern und sich für die Umkehr und Wiedereingliederung der Häretiker stark machen. Durch die engen Verbindungen zwischen Adel und den einzelne Bischöfen konnten sie diese Aufgabe jedoch nicht unabhängig erfüllen. Deshalb beauftragte der Papst unabhängige Inquisitoren, die einen gerechten und geregelten Ablauf sicherstellen sollten. [1]

Mit der Gründung der „Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition“ in 1542 entwickelte sich die „Inquisition “von der Untersuchung einzelner Häretiker zur intellektuellen und theologischen Verteidigung des katholischen Glaubens. Nach den Napoleonischen Kriegen verlor die Kongregation alle judikative Macht und konnte nur durch ihre Schriften Einfluss nehmen. Im Jahr 1908 wurde sie in „Kongregation des Heiligen Offiziums“ umbenannt und 1965 in die Kongregation für die Glaubenslehre. Heute ist die Glaubenskongregation ein theologisches Beratungsorgan des Papstes. Durchaus mit innerkirchlicher Macht verbunden, aber ohne judikative oder exekutive Kompetenzen.

Probleme eines übertrieben Glaubens an Übernatürliches

Katholischer Glaube schließt das Eingreifen übernatürlicher Kräfte nicht aus. Sie kommen jedoch nur als Ausnahmen vor. Wenn eine unkontrollierbare Macht ständig auf die Welt Einfluss nehmen würde, wären genuin freie Handlungen nur schwer möglich. Solche Handlungen setzen eine ausreichend genaue Vorrausicht von ihren Folgen voraus, um eine Handlung und ihre Folgen frei wählen zu können. Fehlt diese Freiheit, kann es in unserem Leben keine Moral geben. Wenn die Ergebnisse unseres Handelns nicht vorrausehbar sind, kann niemandem eine Verantwortung für sein Handeln zugesprochen werden. Auch würde die Liebe unmöglich. Sie setzt zwingend Freiheit voraus, da sie nur geschenkt werden kann. Doch ist die Liebe das Zentrum des christlichen Glaubens. Gottes- und Nächstenliebe ist in einer unberechenbaren Welt nicht realisierbar. Daher ist eine durch und durch magische und wundersame Welt dem christlichen Glauben fremd.

Entspannte Weltsicht

Statt in allem Überraschendem ein Eingreifen übernatürlicher Kräfte zu sehen, seien sie gut oder böse, sollten wir eine Erklärung aus den Gegebenheiten der physischen Welt suchen. Das wird nicht immer gelingen, zum einen Aufgrund unseres begrenzten Verstandes, zum andern sind nicht alle Phänomene durch materielle Ursachen zu erklären. Etwa die Existenz der Welt an sich. Der christliche Glaube enthält grundsätzlich Mysterien, etwa eine Schöpfung „ex nihilo“, die Menschwerdung und die Eucharistie. Sie sind rational kaum begreiflich und fordern einen starken Glauben. Deshalb können wir im Umgang mit weiteren Wundern und unerklärlichen Ereignissen ganz gelassen bleiben.

Philipp Müller

[1]vgl.: Michael Hesemann: Die Dunkelmänner, Augsburg 2007, S. 154-169

Christen zuerst? (02.10.2015)

Zehntausende Flüchtlinge kamen in den vergangenen Monaten in die Europäische Union. Allein in Deutschland werden in diesem Jahr bis zu 800.000 Asylsuchende erwartet. Während kurzfristig eine „Wir schaffen das“-Euphorie herrschte, nimmt die Sorge derzeit zu. Eine knappe Mehrheit der Befragten sorgen sich laut aktuellem ARD-Deutschlandtrend über die zunehmende Zahl der Flüchtlinge. Das bedeutet eine Steigerung von 13 Prozent der Besorgten allein gegenüber dem Vormonat. Zudem zieht die Bundesregierung mit dem neuen Asylgesetz die Zügel wieder fester an. Und Bundesinnenminister Thomas de Maizière spricht im Bundestag von einer Ankommenskultur, die von den Flüchtlingen eingefordert werden muss.

Dürfen Christen bevorzugt werden 

Wenn aber über strengere Grenzkontrollen, Abschreckung und Grenzen der Aufnahmefähigkeit gesprochen wird, dann wirft das die Frage auf, nach welchen Kriterien Asylsuchende in Europa aufgenommen werden sollen. In Osteuropa gibt es derzeit dazu auch eine religionspolitische Antwort: Sie wollten nur Christen aufnehmen, erklärte die Regierung der Slowakei im Sommer. Geht das denn? Kann es eine besondere Solidarität für Christen geben, was automatisch die Muslime diskriminiert?

Asylrecht gilt für alle Menschen, nicht allein für Christen

Für manche ist die Antwort klar: Nein!
Es darf keine Einschränkung des Rechtes auf Asyl geben. Asyl ist ein Menschenrecht, also verstößt es gegen die Menschenwürde, wenn man die einen Menschen gegenüber den anderen bevorzugt und einigen das Recht auf Asyl verweigert oder es einschränkt.

Europa hat zwar christliche Wurzeln. Die Aufklärung und die Entwicklungen der Moderne und Postmoderne haben die Gesellschaften des Westens aber ihrem Erbe entwachsen lassen. Man kann also nicht mehr sagen, Europa sei dezidiert christlich. Viele orientalische Christen teilen hingegen ein hohes Maß an Kultur mit den Muslimen. Beide Gruppen sind daher genauso viel und genauso wenig geeignet für die Integration in die moderne westliche Gesellschaft.

Und im Blick auf die Christen widerspricht es deren eigenen Wertvorstellungen, andere Menschen auszuschließen, nur weil sie nicht die eigene Religion teilen. Im Gegenteil, es hat stets in Krisenzeiten des Christentums Attraktivität erhöht, dass sich seine Gläubigen nicht nur um die eigenen Mitglieder gekümmert haben, sondern um alle Menschen, die in Not geraten sind und ausgegrenzt wurden.

Dagegen spricht die geringe Bedeutung von abstrakten Rechtsbegriffen und kurzfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen. Für die Mehrheit der Bevölkerung, die nicht an der Bildung der veröffentlichten Meinung teilhat und die noch immer auf dem Land und in kleineren Städten lebt, gelten andere Grundsätze: Gefühle vor Rechtsvorstellungen, Wahrnehmung vor Theorien, Selbstverständnis gegenüber den Neuen.

Zeit ist jetzt ein Diskriminierungsfaktor 

Das Prinzip Christen-zuerst heißt aber nicht, Nur-Christen. Ein solcher Ansatz widerspräche dem Christentum, das gerade in der Debatte  auf einmal wieder eine Rolle spielen soll. Dennoch wird es eine systematisch Diskriminierung von Asylsuchenden notwendigerweise geben müssen. Das ist schon jetzt der Fall. Schon die Entscheidung der Kanzlerin, Menschen aus Ungarn nach Deutschland zu holen, hat jene Flüchtlinge diskriminiert, die es bislang nicht bis nach Ungarn geschafft haben. Was macht sie besser oder schlechter, als jene, die zwischen Budapest und Österreich über die Autobahn gewandert sind? Und wenn erst das neue Asylgesetz im Bundestag verabschiedet wird, verschlechtert das die Lage für die Neuankömmlinge. Zeit ist aber einer der ungerechtesten Diskriminierungsfaktoren. Es ist besser, andere Maßstäbe anzusetzen. Religion kann einer davon sein, auch weil sie in den Regionen, aus denen die Flüchtlinge kommen, ungemein wichtiger ist.

Wenn undogmatisch und praxisorientiert gedacht wird, dann gibt es gute Gründe, warum man Christen-zuerst sagen kann. Christen haben es relativ leicht, einen Zugang zu den Kirchen als bedeutenden, flächendeckenden Sozial- und Bildungsträgern zu finden. Moscheevereine können aufgrund ihrer Geschichte noch nicht das Potential der Großkirchen abrufen. Gerade Christen brauchen Hilfe, weil sie in ihrer Heimat besonders bedroht werden. Die meisten Flüchtlinge in Europa kommen derzeit aus Gebieten, in denen es massive Christenverfolgungen gibt. Zudem empfinden viele Menschen gegenüber christlichen Flüchtlingen mehr Gemeinsamkeiten und glauben an eine größere Integrationsbereitschaft, auch weil viele Christen im Nahen Osten überdurchschnittlich gebildet sind.

Europa ist vom Christentum geprägt

Für jeden Menschen gibt es ein Recht auf Asyl, aber in Deutschland wie in der EU gibt es kein Recht auf Asyl, was die meisten Flüchtlinge anstreben. Sowenig jemand ein Recht darauf hat, in München-Schwabing Asyl zu finden, sowenig ein Recht darauf, in Hessen oder ausschließlich in Deutschland. Wenn darüber diskutiert wird, Menschen in der ganzen EU zu verteilen, dann gilt nur das Recht eines jeden Menschen, aus einem Kriegsgebiet zu entkommen, aber nicht an einem Ort seiner Wahl aufgenommen zu werden. Viele Syrer aber fliehen nicht aus den Kriegsgebieten, sondern aus Auffanglagern im Libanon, Jordanien und der Türkei.

Anders als diese islamischen Länder ist Europa aber immer noch stark vom Christentum geprägt und wird im innenmuslimischen Diskurs, bei aller Bewunderung, als Land der Ungläubigen bezeichnet. Aus ihrer Sicht zurecht. Zwar haben die Großkirchen massiv an Einfluss verloren und die meisten Menschen leben heute an wesentlichen Regelungen des Christentums vorbei, wenn man etwa an die Sexualmoral denkt. Aber noch immer machen die Mitglieder aller Kirchen die absolute Mehrheit der Bevölkerung aus, haben die meisten Bürger zumindest an Lebenswenden direkten Kontakt zu Pastoren und Pfarrern. Am wichtigsten ist, dass unsere Vorstellungen von Gott und Religion, von sozialer Tätigkeit und Menschenbild, christlich durchprägt sind. Jenseits von atheistischen Selbstermächtigungen und kirchlichem Gejammer sind die Aufklärung und das Christentum noch immer die entscheidenden Elemente, die unser Denken und Handeln bestimmen. Bei allen Unterschieden bietet ihre Religion den Christen für ein Miteinander und für Integration wesentliche Startvorteile.

Das Christentum kannte zu aller Zeit auch eine Hierarchie der Hilfeleistungen, trotz seines universalen Charakter. Seine Neuerung war nicht, alle Menschen bei begrenzten Mitteln in gleicher Weise zu bedenken. Sondern die Christen haben als erste überhaupt Menschen außerhalb der eigenen Gemeinschaft in die karitativen Tätigkeiten integriert. Darin liegt eine Forderung an die Christen bis heute: Niemand darf sich nur für die Menschen interessieren, die seinen Glauben teilen, wohl aber vorrangig für sie.

Globale Allianz für Flüchtlinge

Maß und Mitte sind in fast allen philosophischen Richtungen der Beginn der Weisheit. Es ist vernünftig, einen besonderen Blick auf die christlichen Flüchtlinge zu haben, auch wenn nach wie vor jeder Flüchtling ein Recht auf Asyl hat. Anlässlich beschränkter Kapazitäten in Europa kann das dazu führen, dass Muslime darunter leiden können. Das weitet aber den Blick. Denn Europa kann nicht alle Flüchtlinge aufnehmen. Muss es auch nicht. Bislang gibt es zahlreiche muslimische Länder, die sich weigern, den Geflohenen Obdach zu bieten, etwas das reiche Saudi-Arabien. Das wird auch in der islamischen Welt kritisch gesehen. Ärmere muslimische Staaten ächzen hingegen unter der Last der Flüchtlinge. Ein Christen-zuerst-Faktor darf dabei nicht isoliert angewandt werden. Die reichen muslimischen Staaten müssen gedrängt werden, ihre Grenzen zu öffnen, die Armen brauchen die Unterstützung des wohlhabenden Westens. Es bedarf einer globalen Allianz, die sich um alle Flüchtlinge kümmert, die derzeit auf der Flucht sind und die Menschen nach verschiedenen Faktoren aufteilt, von denen einer auch die Religion ist.

Maximilian Röll
kath.de-Redaktion