Ohne Auferstehung ist alles doof

Nur jeder zweite Christ glaubt noch an die Auferstehung Jesu. Was bleibt aber ohne die Auferstehung für Christen? Kann dann die Bibel ernstgenommen werden, kann Jesus als Vorbild dienen und kann die Kirche eine echte Alternative für die Welt sein?

Bibel doof

Für die Antike und besonders die Juden des ersten Jahrhunderts waren die Auferstehungsberichte völlig bescheuert. Niemand erwartete einen gekreuzigten Messias. Vielmehr erwarten die Juden einen Herrscher, der die römische Besatzung besiegt und das gelobte Land in die Freiheit führt. Mit dem Tod am Kreuz durch die Besatzungsmacht kann Jesus von Nazareth unmöglich dieser Messias sein. N.T. Wright zeigt die beiden Optionen auf, die Jesu Anhänger in diesem religiösen und politischen Kontext hatten. Sie konnten einen anderen “Messias” finden und ihm folgen oder sich aus der messianischen Bewegung zurückziehen. Die Option, einen Gekreuzigten weiter als Messias zu verkünden, machte also keinen Sinn, wenn nicht etwas passiert ist, das den Kontext radikal verändert.

Ohne die Auferstehung sind die Kerntexte und Botschaft des neuen Testamentes also völlig abwegig und können nicht ernst genommen werden.

Jesus doof

Auch von Jesus von Nazareth bleibt, ohne die Auferstehung, nicht viel übrig. Manche meinen sich nur auf seine Botschaft, die sie für gut und nachahmenswert einschätzen, zu beziehen.  Jesus als einen guten Menschen zu sehen, eine Inspiration für ein gelingendes Leben, wie vielleicht auch Buddha oder Gandhi.

Doch Jesu Botschaft ist nicht einfach nur nett und schön. Die Konsequenzen von Nächstenliebe, die andere Wange hinhalten und die Feinde lieben sind drastisch. Von den Schriften des Neuen Testamentes, Flavius Josephus und anderen antiken Quellen wissen wir,  die Konsequenz ist das Kreuz. Der grausamsten, erniedrigten und abscheulichsten Folter die sich die Antike Welt ausdenken konnte und letztendlich in den Tod. Damit ist dann auch Schluss, wenn die Auferstehung nicht real ist.

Jesus Botschaft bedeutet also Leiden, Verzicht und Entbehrung. Das hat nicht nur Jesus erlebt sondern viele seiner Nachfolger. Nicht nur Märtyrer, sondern alle, die sich im Namen Jesu einsetzen, für Kranke, Notleidende und in der Verkündung des Evangeliums. Ohne Auferstehung gibt es keinen Grund, warum diese Leiden und Anstrengungen einen Sinn machen. Keinen Grund sein Leben für so etwas zu “vergeuden” oder zu verlieren.

Kirche doof

Letztendlich beruht alle Hoffnung der Kirche und ihrer Botschaft auf der Auferstehung. Dabei bedeutet die Auferstehung keine Vertröstung auf das Jenseits, sondern holt das Reich Gottes in unsere Welt. Mit der Auferstehung wird Jesu Botschaft vom anbrechenden Gottesreich auf Erden bestätigt. Der Auferstandene selber bringt die neue Welt in unsere hinein. Daher können wir hoffen, die Welt Schritt für Schritt besser zu machen. Denn aus der Auferstehung folgt, dass die Welt nicht grundsätzlich schlecht, sondern grundsätzlich erlöst ist. Ohne die Auferstehung gibt es für Christen keinen Grund darauf zu hoffen und erst rechten nicht die Anstrengungen, die Welt zu verbessern, auf sich zu nehmen.

Wer also nicht an die Auferstehung glaubt, muss die Bibel als unsinnig, Jesus als gescheiterten Menschen und die Kirche als eine Horde von verrückten Weltverbesserern sehen. Die Ablehnung der Auferstehung als unmöglich kann nicht das Kennzeichen eines rationalen Christen sein, denn Christ-sein ohne Auferstehung ist völlig irrational und abwegig. An die Auferstehung zu glauben, auch wenn sie nicht komplett verstanden werden kann, kann jedoch rational sein.

Philipp Müller

War das Grab an Ostern leer?

Das Neue Testament berichtet von den Frauen, die am Ostermorgen das Grab, in das Jesus am Karfreitagabend gelegt worden war, leer vorgefunden haben. Diese Berichte werden von vielen Exegeten als Legenden eingestuft. Tatsächlich habe der Leichnam noch im Grab gelegen und die Erzählungen sind Fiktion. Diese Theorie ist aus zwei Gründen fraglich: In den biblischen Texte gibt es keine Anzeichen dafür und wenn es Reliquien von Jesus gegeben hätte, wäre das geheim zuhalten gewesen?

Das Grab musste als leer hingestellt werden, weil Jesus auch mit seinem Leib auferstanden ist

Für Maria von Magdala, für die anderen Frauen, die zum Grab kamen, für Petrus und Johannes war das Grab leer. Für viele Bibelwissenschaftler ist der weggewälzte Stein dagegen nur eine nachträglich entwickelte Legende, die logischerweise erzählt werden musste, wenn Jesus tatsächlich als Auferstandener leibhaftig erschienen sein soll. Für sie steht fest: Jesus war so tot, dass er nicht in dieses Leben zurückgekommen ist. Er hatte seinen Tod vorausgeahnt und ging wohl nicht davon aus, dass der in dieses Leben zurückkehren würde. Er sollte in ein anderes Leben auferstehen. Daraus folgt eigentlich: Sein Leichnam musste wie der anderer Verstorbener im Grab liegen. Das leere Grab musste von den Anhängern Jesu deshalb postuliert werden um seine leibhafte Auferstehung plausibel zu machen. Denn wenn er leibhaftig auferstanden ist, dann muss sein Grab leer sein. Die Geschichte des leeren Grabes ist damit eine Erfindung der ersten Christen.

Der Sprung zwischen zwei Gedanken bleibt

Wer diese Schlussfolgerung, die Geschichte vom leeren Grab sei eine bloße Legende, nicht mit vollzieht, kann leicht in den Geruch eines theologischen Naivlings geraten. Ehe man sich aber mit der Rolle des Naivlings abfindet, muss man mit dem Denken innehalten. Ist die oben skizzierte Schlussfolgerung einfach so möglich?

Basis der Argumentation ist die naturwissenschaftliche Ebene. Ein Leichnam löst sich nicht in drei Tagen restlos auf.  Die daraus gefolgerte Behauptung, das leere Grab sei Produkt einer Legendenbildung und nicht real leer gewesen, scheint logisch stringent zu sein. Doch diese Legende ist nicht auf der naturwissenschaftlichen Ebene überprüfbar, sondern ist auf der psychologischen angesiedelt. Es ist erst einmal nur eine Hypothese, die besagt: die Anhänger haben, um ihre Predigt von der leiblichen Auferstehung Jesu zu untermauern, die Legende vom leeren Grab entwickelt. Lassen sich in der Überlieferung Hinweise finden, die zumindest vermuten lassen, es habe in dem Grab noch etwas gegeben? Diese Andeutungen müssten von den Vertretern der These, das Grab sei nicht leer gewesen, angeführt werden. Drei gewichtige Punkte sprechen gegen die Hypothese der Legendenbildung:

1. Die biblischen Texte tendieren zur Eindeutigkeit.

Die Textsammlung aus vier Evangelien, Apostelgeschichte, Briefen und Apokalypse geht insgesamt davon aus, dass Jesus nicht ein gewöhnlicher Toter ist, für den es irgendwann ein Weiterleben nach seinem Ableben gibt, sondern dass mit ihm etwas Entscheidendes passiert ist. Die These lautet etwa so: „Der Grabstein war weggerollt, er ist nicht verwest, nicht nur seine Seele ist dem Tod entronnen, sondern auch sein Leib.“ Da die heute vorliegenden Texte erst später aufgeschrieben wurden, hätte die Erfindung eines leeren Grabes in den Gemeinden weiter erzählt werden müssen und damit auch überprüft worden sein. Es hat sich um einen größeren Personenkreis gehandelt. Paulus beschreibt im 1. Korintherbrief, den er um das Jahr 55, also etwa 20 Jahre nach den Ereignissen geschrieben hat, die die Anzahl der beteiligten Personen eher konstatierend:

Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der «Missgeburt». 1 Kor. Kap. 15, 3-8

2. Die Christen verehren die Reliquien Verstorbener

Die Reliquien der Märtyrer genießen seit den Anfangszeiten Verehrung. Das zeigt, wie die Christen zwischen ihren Heiligen und Jesus unterschieden haben. Über den Gräbern der Märtyrer wurden Kirchen erbaut und ihre Reliquien verehrt. Es gibt eine solche Kirche auch für Jesus. In der Grabeskirche, bei der nach der Tradition das Grab Jesu lag, werden jedoch keine Gebeine Jesu verehrt. Die Reliquienverehrung wird nicht auf Jesus angewandt. Die Christen unterscheiden zwischen normalen Toten, deren Gebeine sie verehren und dem besonderen Schicksal Jesu.

Die Berichte sind so eingebettet, dass eine von der Hinrichtung Jesu verunsicherte und enttäuschte Anhängerschaft auf die Botschaft, Jesu lebe, skeptisch reagierte. Die Anhänger Jesu, vor allem die Männer, müssen erst “zum Glauben kommen.” Die psychologische Erklärung, die Anhänger Jesu seien durch die Hinrichtung Jesu nicht so beeindruckt gewesen, dass sie von dem Fortbestand seiner Mission überzeugt gewesen wären, findet sich mit keiner Andeutung im Kontext der Berichte von den Erscheinungen Jesu. Wenn also die These, das Grab könne gar nicht leer gewesen sein, mit der psychologischen Hypothese verknüpft wird, die Anhänger Jesu hätten die Berichte erfunden, dann ist die Verknüpfung nicht schlüssig. Es gibt dafür keine überzeugenden Anhaltspunkte im Kontext der Berichte. Vielmehr wird erzählt, dass die Anhänger Jesu erst überzeugt werden mussten. Auch die Erklärung auf der biologischen Ebene muss daher geprüft werden.

3. Reliquien Jesu wären verehrt worden

Die Christen sind bei den anderen Toten, außer bei Maria, immer davon ausgegangen, dass es Reliquien gibt, deren Platz man im Auge behielt. Gäbe es solche Reliquien von Jesus, dann hätten einige seiner Anhänger, nicht zuletzt die Frauen, die am Ostermorgen seinen Leichnam einbalsamieren und endgültig lagern wollten, im Geheimen das Grab weiterhin besucht, wenn der Leichnam Jesu dort gewusst worden wäre. Es wäre wahrscheinlich auch ein Kampf entstanden, ob Reliquien aus dem Grab entnommen werden durften, um anderswo verehrt zu werden. So geschah es mit dem Kreuz. Diesem wurden Splitter entnommen und ins Abendland gebracht. Auch die Gewänder Jesu werden verehrt, aber keine Gebeine oder Zähne.

Es braucht bessere Erklärungen, was mit dem Leichnam Jesu geschehen ist.
Die christliche Tradition argumentiert nicht naturwissenschaftlich oder mit anderen externen Kriterien, sondern nennt als einzige Garantie die Glaubwürdigkeit der Zeugen. Will man diese untermauern oder erschüttern, müssen offensichtlich andere biologische und psychologische Hypothesen entwickelt werden. Die wären dann auch genau zu prüfen. Bis dahin ist man intellektuell nicht minderbemittelt, wenn man sich an die Berichte der Bibel als die einfachere und direktere Erklärung hält.

Eckhard Bieger S.J.

Der Trend zum Kirchenaustritt

Kirchenaustritte gehören in Deutschland zur Tagesordnung. 2016 traten über 352000 Christen aus der katholischen oder evangelischen Kirche aus. Ein jeder Austritt wirft die Frage auf, ob die vermittelte Botschaft noch Relevanz im Leben der Menschen hat. Um dem Problem der Austritte zu begegnen, versuchen die Kirchen Gründe zu klären, die Christen dazu bewegen, sich von der Kirche abzuwenden. So auch das Bistum Essen. Im Rahmen einer Studie wurden Personen aus dem Bistum zu der Thematik des Kirchenaustritts befragt. Nun liegen die Ergebnisse vor. Wie lässt sich die Studie bewerten? Und ist der Trend zum Kirchenaustritt noch aufzuhalten?

Die Studie

Die Studie wurde unter dem Titel „Kirchenaustritt – oder nicht? Wie Kirche sich verändern muss“ veröffentlicht. Neben den Ergebnissen einer Internet-Umfrage, an der sich über 3000 Menschen beteiligten, wurden auch 40 Interviews mit aus der Kirche Ausgetretenen ausgewertet.
Als wesentliche Gründe für den Austritt benennt die Studie „Entfremdung“ und „fehlende Bindung“. Die Kirche wird von vielen Personen als nicht mehr zeitgemäß erlebt.

Deutlich wird dies im Umgang mit Homosexuellen und wiederverheiratet Geschiedenen. Für viele Mitglieder entscheidend ist die Qualität der Seelsorge vor Ort. Besonders wichtig sind die Erfahrungen, die Menschen bei persönlichen Gottesdiensten wie Taufe, Trauung oder Beerdigung machen. Diese Erfahrungen prägen das kirchliche Bild der Betroffenen ein ganzes Leben und sind oftmals der Grund, in der Kirche zu verweilen. Schließlich gibt es ohne das Zahlen von Kirchensteuern keine kirchliche Hochzeit/Beerdigung. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von einem „Kosten-Nutzen-Kalkül“. In der Gruppe der 25- 35-Jährigen ist die Anzahl der Kirchenaustritte besonders hoch. Gerade ihnen steht die heutige Gesellschaft mit ihrer Geschwindigkeit und Pluralität nahe. Um die Kirche den Bedürfnissen der Zeit entsprechend umzugestalten, braucht es ihr Engagement.

Auswertung der Studie

Damit die Kirche trotz gesellschaftlicher Veränderungen relevant bleibt, muss sich ihr Erscheinungsbild massiv wandeln. Zu diesem Schluss kommt auch die Studie und schlägt vor, am Image der Rückschrittlichkeit zu arbeiten. Besonderer fokussiert werden soll die Gruppe der 25- bis 35-Jährigen. Herausfordernd ist laut der Studie das Verhalten gegenüber den über 90 Prozent der Kirchensteuerzahlenden, die nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Sie zu Erreichen sei ein großes zukünftiges Ziel für das Bistum.

Konkrete Folgen der Studie

Ausführlich beschäftigt sich die Studie mit dem Finden der Gründe warum Gläubige aus der Kirche austreten. Vernachlässigt werden allerdings konkreter Vorschläge, die etwas an dem Schwund ändern könnten. Die Ergebnisse lesen sich zwar schön aber was tatsächlich passieren soll bleibt unklar.


Im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger sprach der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, von immer pluraleren Formen der Verbundenheit und des Zugehörigkeitsgefühls zur Kirche. Er schlägt vor „kirchliche Lebensräume“ zu schaffen, in denen die Gläubigen frei handeln können und mit ihren Bedürfnissen ernst genommen werden. Ein solcher Lebensraum seien z.B. Segnungsgottesdienste für Neugeborene, deren Eltern den Segen Gottes für ihr Kind erbitten es aber nicht gleich taufen lassen möchten. 
Überspitzt gesagt: „Taufe light“ als Mittel aus der Krise. Natürlich muss die Kirche die sich wandelnden Bedürfnisse ihrer Mitglieder ernst nehmen aber die eigentlich Probleme liegen auf einer ganz anderen Ebene. Einer Ebene, auf die das Bistum keinen Einfluss hat.

Wer kann den Trend noch aufhalten?

Wie die Studie richtig feststellt sind es weder Kirchensteuern noch fehlende Angebote, die Menschen aus den Kirchen treiben. Vielmehr können sich die Menschen nicht mehr mit den von der Kirche vertretenden Ansichten identifizieren. Warum sich die katholische Kirche gegen Homosexualität, weibliche Priester oder Kondome stellt fragen sich auch viele Gläubige. Für diese Fragen kann die Studie keine Lösungsansätze bieten. Denn gelöst werden können sie nicht in Essen sondern Rom. Wenn die katholische Kirche in einer pluralen und individualistischen Gesellschaft noch Gehör finden möchte, muss sie sich gegenüber diesen und anderen kritischen Fragen öffnen. Sie muss sie ernst nehmen und Diskussionen zulassen. Nur dann gibt es eine Hoffnung, den steigenden Kirchenaustrittszahlen Einhalt zu gebieten.

Lukas Ansorge