Nicht nur für die US-Geheimdienste sind wir gläsern (14.06.2013)

Die sensiblen Daten über uns liegen bei wenigen Firmen

Was passiert, wenn jeder Bürger so durchsichtig wird, dass man ihm die Restaurantempfehlungen, die Buchtitel, die Reiseziele einspielt, die genau auf ihn passen? Google und Facebook wissen das alles bereits, auch welche Seiten jemand über die Google-Suche angeklickt hat. Facebook wertet die Adjektive der Posts aus, um Prognosen für Börsenkurse machen zu können. Natürlich wird dieses ganze Wissen verkauft. Da viele sich mit Fotos und Texten auf Homepages oder Communities darstellen, brauchen Unternehmen nur die Software zu entwickeln, die aus diesen Daten Profile formen. Das kann auf die Dauer nicht ohne Folgen für die demokratische Grundordnung bleiben, denn diese setzt das entscheidungsfähige Individuum voraus, das sich selbst eine Meinung bildet.

Die gespeicherten Daten wissen mehr über uns als wir selbst

Wenn die großen Internetfirmen die Daten, die wir als Spuren unseres Surfens, unserer Telefonate, der emotionalen Äußerungen, zu denen Facebook uns verlockt, verknüpfen, dann wissen sie sehr viel über uns. Dieses Wissen behalten sie aber für sich selbst. Denn würden diese Profile den einzelnen zugänglich, würden die meisten etwas über sich erfahren, was ihnen selbst nicht bewusst ist. Aber weder Google, Yahoo, Apple noch Facebook werden diese Daten preisgeben, denn es sind die unbewussten Wünsche und Sehnsüchte, die uns Dinge kaufen lassen, die wir gar nicht brauchen. Oder müssen wir Urlaub in der Karibik machen, nur weil dort die Sandstrände so paradiesisch fotografiert sind? Auch dort gibt es menschliche Not, zerbrechende Partnerschaften, Feindschaft zwischen Geschwistern. Aber wir fahren dorthin, weil wir da das Paradies vermuten. Dabei liegt es, folgt man den spirituellen Schulen, vor unserer Haustür. Aber wir werden bereits gesteuert.

Google lenkt die Interessen seiner Nutzer – Scientology ist bereits machbar

Der Erfolg von Google lag einmal darin, dass es diejenigen Seiten zu einem Stichwort auflistete, die von anderen häufig angeklickt wurden. Das entspricht aber nicht mehr dem heutigen Werbekonzept von Google. Kennt Google die Interessen seiner Nutzer, dann kann es die Werbung einspielen, die zu dem Profil des Surfers passt. Die werbenden Firmen erreichen noch direkter die Zielgruppen, die zu ihrem Produkt, ihrem Angebot passen. Damit baut aber Google einen virtuellen Käfig um jeden einzelnen. Das kann man sich an den eingeblendeten Restauranttipps verdeutlichen. Wer z.B. nie ein griechisches Restaurant angeklickt hat, wird selbst in Griechenland auch zu McDonalds oder einem italienischen Lokal geführt. Und wie will jemand in Köln über Google eine typische Kölschkneipe finden, wenn er andernorts nur thailändisch Essen geht? Wer sich nie für Philosophie interessiert, bekommt selbst bei philosophischen Begriffen, die er eingibt, keine URL mehr unter den ersten 10 präsentiert, die auf einen philosophischen Inhalt verlinken. Motorradfahrern werden andere Banner eingeblendet als Bergsteigern. Dabei arbeitet Google ohne äußeren Zwang, aber wirksamer, weil der Surfer die Lenkung gar nicht wahrnimmt. Was Scientology mit seinen Kursen nicht erreicht hat, gelingt Google spielend. Wir alle machen mit. Das wird jetzt nur für die Konsumgüter- und Tourismus-Industrie umgesetzt. Aber wer hindert ein Regime daran, das, was für das Marketing entwickelt wurde, für politische Ziele einzusetzen. Die Reaktionen des türkischen Ministerpräsidenten auf die Demonstrationen zeigen zumindest, dass Google ihn noch nicht von der Überlegenheit seiner Verfahren überzeugen konnte. Er reagiert noch wie ein Dorfschullehrer, nicht wie ein Profi im Polit-Marketing.

Wir Nutzer nehmen hin, dass  möglichst viele unserer Daten gespeichert werden. Es geht dabei nicht nur um die Telefonverbindungen, die aufgerufenen Internetseiten, die Bewegungen, die Handyprovider aufzeichnen, indem sie jeden Wechsel in ein anderes Funkfeld registrieren.

Google verwaltet den Großteil der Wissensbestände

Google hat das Ziel, jedwedes Wissen über seine Suchalgorithmen zugänglich zu machen. Da das Unternehmen genug verdient, kann es alle Bücher einscannen. Die Straßen der Städte und Ortschaften sind bereits aufgezeichnet. Auch alle Kunstschätze, Gemälde, Skulpturen, jedes Schloss und jede Kirche sind bereits gespeichert. Hinzu kommen die Personenporträts. Wenn Google die Zentralbibliothek der Welt geworden ist, dieses Ziel ist bald erreicht, dann liegt nicht nur das jeweilige Persönlichkeitsprofil aller seiner Nutzer auf einem Server des Unternehmens, sondern auch alles, was die Nutzer von Google wissen können. Auch Facebook erreicht bald eine solche Übermacht, dass nicht nur die Individuen, sondern die Institutionen verschwinden.

Facebook tritt an die Stelle von Vereinen und Kirchengemeinden

Die Altersgruppen über fünfzig tragen im Moment noch das Leben der Verbände und das, was von den Kirchengemeinden übrig geblieben ist. Wenn die letzten Vertreter dieser Generation abgetreten sein werden, organisieren sich Gemeinschaften und Gemeinden über Communities. Das ist unausweichlich, denn das Smartphone wird die Kommunikationsplattform des einzelnen. Auf dem kleinen Bildschirm laufen Mails, Posts wie auch der Nachrichtenfluss, den spiegel-online u.a. beschicken. Verbände wie Kirchen sollten überlegen, wem sie ihre Zukunft anvertrauen. Nach den oben dargelegten Sachverhalten führt das Nicht-Handeln, also der Verzicht auf eine Strategie für das digitale Zeitalter, in die eigene Selbst-Amputation. Einfach auf Facebook zu vertrauen, ist „zu einfach“. Es gibt noch weitere Bedrohungen, vor allem für die lokale Kultur

Das freie Buch wird von Amazon verwaltet.

Amazon u.a. roden die Buchhandlungslandschaft und minimieren die Zeitungsvielfalt.
Innerhalb der Buchbranche ist man sich einig, dass ein Großteil des Buchhandels verschwinden wird. Es sind nicht allein die Großen, sondern auch viele angestammte Buchhandlungen werden mit der Verbreitung des E-Books aufgeben müssen.

Da die Regionalzeitungen bereits abends das kostenfrei ins Netz stellen, was der Leser gegen eine ziemlich hohe Monatsgebühr erst morgens im Briefkasten vorfindet, schaffen sich diese Zeitungen selbst ab. Je mehr das Internet zur primären Nachrichtenquelle wird, desto mehr klicken die Leser tagesschau.de oder spiegel.de an. Es bleibt dann allenfalls der lokale Nachrichtenteil, für den sich die Leser interessieren.

Die Folgen für alle lokalen Bildungs- und Kultureinrichtungen, angefangen vom Kindergarten über die Theater, Museen und Konzertveranstaltungen werden erheblich sein, wenn die eingeübten Kommunikationsmuster, die sowohl von Institutionen wie von ihren Zielgruppen beherrscht werden, sich immer mehr auflösen. Es wird Zeit, dass die Institutionen sich mit der Gestaltung ihrer Kommunikationswege beschäftigen

Der Umfang, in dem amerikanische Geheimdienste auf Daten der großen Internetkonzerne zugreifen, sollte endlich zu einer Handlungsbereitschaft führen, das Internet aktiv zu gestalten. Das müsste auch im Überlebensinteresse der Kirchen, der Parteien, der Verbände sein, die ihre Kommunikation immer mehr über die Server wie über die Tools amerikanischer Firmen abwickeln. Europa muss sich selbst eine Internetwelt bauen.

Nur so kann es durchsetzen, dass Daten nicht über Jahrzehnte auf Servern amerikanischer Firmen liegen, sondern gelöscht werden.

Und kann Europa wollen, dass die nachwachsenden Generationen nur noch im Schema von Facebook und Google kommunizieren und damit auch denken können, Google und Facebook sind aus der amerikanischen Kultur hervorgegangen. Europa bewahrt seine Identität aber nur, wenn es aus seiner Kultur heraus das neue Medium gestaltet. Im Moment sieht es nicht so aus, dass das Internet zu einem kulturellen Aufschwung führt, der auf die Erfindung beweglicher Lettern durch Gutenberg folgte. Wir produzieren Datenberge, aber die sind nur relevant für Konsumforscher und Geheimdienstler.

Eckhard Bieger S.J.
kath.de-Redaktion

Alles Gute? (24.05.2013)

Zum 150. Geburtstag der SPD

Die älteste Partei in Deutschland hat in diesen Tagen Geburtstag und alle feiern mit. Beim Feiern werden die Gegenwartssorgen ausgeblendet. 150 Jahre Sozialdemokratische Partei Deutschlands sind schließlich auch kein unbedeutendes Wiegenfest. Mehr als vier deutsche Generationen haben der SPD zugejubelt, sich an ihr gerieben, ihre Forderungen abgelehnt, ihr gleichgültig gegenübergestanden oder sogar ihr Leben für die sozialdemokratische Idee gegeben. Die SPD hat sich von einem kleinen Arbeiterverein zu einer der beiden wichtigsten Parteien unseres Landes entwickelt. Es gibt also viel zu feiern und man kann sich an herausragende Momente erinnern, wie man es eben macht bei einer großen Jubiläumsfeier. Und man wünscht dem Geburtstagskind natürlich traditionell alles Gute zum Freudenfest. Beim großen Jubiläumsakt der Sozialdemokraten am vergangenen Donnerstag in Leipzig konnte man den Eindruck haben, dass es in der SPD um alles wirklich sehr gut bestellt ist, so ausgelassen war die Stimmung der Genossen und der Gäste. Doch ist dem wirklich so?

Aus den Geschichtsbüchern nicht mehr wegzudenken

Die SPD hat in ihren 150 Jahren viel geleistet: Sie hat die Rechte der Arbeiter, als eine der führenden politischen Kräfte im Kaiserreich und der Weimarer Republik, mit anderen Gruppen errungen und gefestigt. Von ihr gingen entscheidende Impulse zur Etablierung der Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Sie hat engagiert eine Öffnung der bundesrepublikanischen Politik zur DDR hin betrieben und damit die Deutsche Einheit vorbereitet. Auch viele Persönlichkeiten der Sozialdemokraten sind aus den Geschichtsbüchern nicht mehr wegzudenken: Otto Wels, der sich als Abgeordneter in der letzten freien Reichstagssitzung 1933 vehement gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz aussprach und somit die Ablehnung der SPD-Fraktion manifestierte. Kurt Schumacher, der fast die gesamte Zeit der Nazi-Diktatur im Konzentrationslager verbrachte. Willy Brandt, der als deutscher Kanzler im Andenken der Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto auf die Knie gefallen ist. Gerhard Schröder, der den Mut gehabt hat, die Agenda 2010 gegen Widerstände aus seiner Partei auf den Weg zu bringen und damit die drängenden Probleme der Gesellschaft anzugehen. Mehrere Bücher füllend könnte so fortgefahren werden.

Rivalen, die einander brauchen

Die SPD hat sich auf ihrem Jubiläum selbst gefeiert und auch die geladenen Gäste haben in die Lobgesänge eingestimmt. Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel bildeten da keine Ausnahme. Zumal die Bundestagswahl erst in vier Monaten ist und die heiße Phase des Wahlkampfes noch nicht begonnen hat. Im Moment war also noch der Schulterschluss der Parteien und besonders der beiden großen Volksparteien zu beobachten. Man freut sich an der Geschichte der SPD, an ihren Errungenschaften und der politischen Kollegialität, die eben die meiste Zeit des Berliner Alltagsgeschäfts bestimmt. In der Tat brauchen sich die SPD und die CDU: die Sozialdemokraten benötigen eine bürgerliche Regierung, die sie kritisieren können und die Union wäre nicht die heutige Union, wenn es den linken Einfluss der “Sozis” nicht gegeben hätte.

Für eine Politik der einfachen Leute

Doch die Genossen wissen, dass ihre Zukunft nicht rosig aussieht. Bei der letzten Bundestagswahl haben sie es auf das historische Rekordtief von 23 Prozent gebracht und die Umfragen zur Wahl im September bescheinigen ihnen keinen Sieg. Natürlich müssen solche Themen bei einer Geburtstagsfeier nicht angesprochen werden – doch sie sollten vorkommen. Keine politische Partei, auch nicht die älteste Deutschlands, besteht aus einem Selbstzweck heraus. Die SPD hat sich ein Ziel auf die Fahnen geschrieben, dem sie so gut es ging treu bleiben konnte: Eine gerechte Gesellschaft. Doch in unserem Staat sieht es oft anders aus: Obwohl die Wirtschaft stark ist, wachsen die sozialen Spannungen. Die Unterschiede zwischen Wohlhabenden und Armen werden immer größer. Und das vielleicht größte Dilemma für eine politische Klasse, die zu viel um sich selbst kreist: Die Bürger zeigen kein Interesse an ihrer Politik. Bei der Bundestagswahl 2009 betrug die Wahlbeteiligung 70 Prozent. Auch ein historisches Tief. Umfragen bestätigen, dass das politische Interesse der Mitbürger stetig schwindet. Einer Partei, wie der SPD, aber auch den anderen demokratischen Parteien, kann es nicht egal sein, wenn die Politik immer mehr zu einer Sache für Fachleute wird. Sie müssen die Themen auf die Straße bringen und dort die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten abholen. Dies geschieht kaum in unserer Gesellschaft. Es ist also nicht alles gut für die SPD, die als traditionelle Partei der einfachen Leute, dieser Art von Politik umso mehr verpflichtet sein muss. Ein demütige Analyse der heutigen Situation verbunden mit dem festen Willen zu einem stärkeren Engagement für die drängenden Themen der Bürger hätte sich also besser gemacht als eine parteiübergreifende Selbstbeweihräucherung der SPD. Doch der SPD soll dennoch mit einem hoffnungsvollen “Herzlichen Glückwunsch” gratuliert werden. Mit dem Alter wächst schließlich auch die Weisheit, so zumindest sagt die Volksweisheit.

Roland Müller
kath.de-Redaktion

Tabubruch oder Segen? – Forscher klonen erstmals menschliche Embryonen (17.06.2013)

In den Vereinigten Staaten haben Wissenschaftler unter der Leitung des Stammzellenforschers Shoukhrat Mitalipov erstmals menschliche Embryonen geklont und aus ihnen Stammzellen gewonnen. Bereits im Jahr 2004 machte ebendiese Nachricht den Koreaner Hwang Woo-Suk weltweit bekannt. Ärzte und Forscher hofften schon damals, mit menschlichen embryonalen Stammzellen individuell angepasste Therapien für schwerkranke Patienten entwickeln zu können. Doch Hwang war es nie gelungen, die begehrten Zellen herzustellen. Wie sich Ende 2005 herausstellte, waren seine Arbeiten gefälscht.

 
Fast zehn Jahre später ist der umstrittene Kunstgriff einer Forschergruppe der Oregon Health and Science University in Portland tatsächlich gelungen – aus menschlichen Haut- und unbefruchteten Eizellen wurden embryonale Stammzellen hergestellt. Ausführlich stellten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse am Mittwoch dieser Woche in der Fachzeitschrift Cell vor. Embryonale Stammzellen besitzen ein größeres Wandlungspotenzial als sogenannte adulte Stammzellen, die direkt aus dem Knochenmark Erwachsener gewonnen werden können. Die embryonalen Stammzellen, die vom Körper nicht abgestoßen werden, weil sie aus der Haut des Patienten hergestellt sind,  können theoretisch in jede beliebige Art von Körperzellen transformiert werden und so kranke oder verletzte Zellen ersetzen, die bei vielen Erkrankungen – etwa Parkinson, Arthrose, multipler Sklerose oder Herzinfarkt – zerstört werden.

 
Ein Meilenstein der Forschung oder wahr gewordener Albtraum?

 
Handelt es sich nun um einen Meilenstein der Forschung oder eher um einen wahr gewordenen Albtraum? Auch wenn es noch viele Jahre dauern wird, bis die jüngsten Forschungsergebnisse in die Praxis umgesetzt werden könnten: Es bleibt das ungute Gefühl, dass nun auf dem gefährlichen Weg der Manipulierung des menschlichen Lebens ein weiterer und vor allem entscheidender Schritt gemacht wurde. Die Horrorvisionen von Aldous Huxleys “Schöner neuer (Klon-)Welt” rücken erschreckend nahe.

 
Die Forscher haben menschliche Embryone und damit, wenn man so will, menschliches Leben erschaffen und danach wieder zerstört, um die Stammzellen zu gewinnen. Beides ist in Deutschland aus ethischen Gründen verboten. Was aber wohl noch schwerer wiegt: Auf Grundlage der jüngsten Forschungsergebnisse könnten theoretisch nicht nur Embryonen, sondern ganze Babys geklont werden. Eine heftige ethische Debatte ahnend wollen die Forscher aus den Vereinigten Staaten von geklonten Personen nichts wissen. Ein Baby zu klonen, sei überhaupt nicht ihr Interesse, betonen sie.

 
Die Wissenschaftler geben an, ausschließlich dem medizinischen Fortschritt zu dienen und behaupten, bisher unheilbare Leiden in Zukunft besiegen zu können. Und bestenfalls mag man ihnen abnehmen, dass sie ihre Arbeiten nicht aus materieller Profitgier, grenzenlosem wissenschaftlichen Ehrgeiz oder schlicht aus eitler Sucht nach Ruhm betrieben haben. Doch selbst wenn man dem Forscherteam lautere Motive unterstellt, ist der Preis für diesen medizinischen Fortschritt definitiv zu hoch.

 
Der Mensch ist dem Menschen nicht verfügbar

 
Menschliches Leben zu züchten, um Embryos als Vorstufe eines „Ersatzteillagers für Kranke“ zu missbrauchen und sie anschließend zu töten – das ist eine ungeheuerliche Vorstellung. Schon illegal betrieben wären derartige Experimente des Menschen am Menschen skandalös. Doch dass sie in Teilen der Welt offiziell durchgeführt werden dürfen, ohne dass Gesetze es verbieten, rührt an die Grundlagen einer humanen Gesellschaft.

 
Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, der Mensch ist dem Menschen nicht verfügbar. So oder ähnlich formulieren es nicht nur die Weltreligionen, die – wenn auch nicht immer beachtet – weltweit moralische Maßstäbe setzen. Ähnliche Prinzipien sind ebenso in der Charta der Vereinten Nationen, die von den meisten Staaten der Erde anerkannt wird, sowie in zahlreichen Verfassungen zu finden. Wenn aber die Unantastbarkeit des Menschen auch nur teilweise in Frage gestellt und nicht mehr allgemein akzeptiert wird, droht jedem der Verlust seines bisher unumstößlichen Existenzrechts. Selbst Diskussionen über wertes oder unwertes Leben sind dann kein Tabu mehr.

 
Untauglich bleibt der Versuch der Klon-Befürworter, den Embryos abzusprechen, bereits Leben darzustellen. Denn wo beginnt vollwertiges Leben, wenn nicht beim Embryo – selbst wenn dieser nur aus wenigen Zellen bestehen mag? Und wenn dem außerhalb der Gebärmutter nicht lebensfähigen Zellhaufen aus eben jenem Grund vollwertiges Menschsein aberkannt wird, wird es dann bald auch dem Demenzkranken verweigert?
Embryos zu klonen, um Rohmaterial für „Reparaturen“ anderer Menschen zu gewinnen: Solcherart Machbarkeitswahn sprengt fundamentale ethischen Grenzen. Und eine Technik und Medizin, die menschliches Leid beseitigt, alle Wünsche und Hoffnungen erfüllt, gibt es allemal nicht: Trauer und Leid, Krankheit und Behinderung gehören zum Leben. Eröffnet wurde fatalerweise ein Weg, der in Zukunft wohl sehr schnell auch als gangbar angesehen wird. Auch wenn die Tür nur einen Spalt weit geöffnet wurde -  schließen kann man sie jetzt nicht mehr. Und die Erfahrung lehrt, dass sie im Laufe der Zeit immer weiter aufgehen wird. Die Meldung aus den Vereinigten Staaten stellt nur vermeintlich einen Meilenstein des medizinischen Fortschritts dar.

Andrea Kronisch
kath.de-Redaktion