Die sog. Sexuelle Revolution hat den Sex mit Minderjährigen befördert, auch in der katholischen Kirche. Als Daniel Cohn Bendit für den Theodor-Heuss-Preis ausersehen wurde, kam bisher verborgenes Urgestein der grünen Bewegung an die Oberfläche: Der Deckel bleibt zu. Die Akten im Archiv der Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen bleiben bis 2022 unter Verschluss. Nicht so deutlich wie die Grünen insgesamt hat sich Cohn Bendit von der Idee losgesagt, dass frühe sexuelle Erfahrungen für Minderjährige und auch Kinder förderlich seien. Eine „einvernehmliche sexuelle Beziehung zwischen Erwachsenen und jungen Menschen“ sollte straffrei bleiben und damit die einschlägigen Paragrafen 174 und 176 des Strafrechts geändert werden.
Die sexuelle Revolution war offensichtlich ein Kanal für solche Gruppierungen gewesen, über die Grüne Partei den Kindesmissbrauch hoffähig zu machen. Zumindest konnte es diese Forderung bis ins Wahlprogramm der Grünen in NRW schaffen. Es waren also nicht einzelne, sondern eine größere Gruppe von Delegierten, die Erwachsenen den ungehinderten Zugang zum sexuellen Verkehr mit Kindern eröffnen wollten. Auch die vom Direktor der Odenwaldschule eingeleitete Sexualisierung fällt in diese Zeit. Da die Bildungsreformen wesentlich im Geist der Odenwaldschule geprägt waren, muss heute konstatiert werden, dass das, was heute als Missbrauch von Kindern angeprangert wird, eine einflussreiche Strömung in der Bundesrepublik war.
Missbrauch als Befreiung
Was waren die Hintergründe? Es sei auf den Psychoanalytiker Wilhelm Reich verwiesen, der damals mehr als Sigmund Freud oder C. G. Jung das Denken beherrschte. Restriktion des Sexuellen wurde als die verfeinerte Strategie der Gesellschaft “entlarvt”, nämlich das Individuum zu unterdrücken und für den Kapitalismus gefügig zu machen. Das lag in der Tradition linken Gedankengutes. Es ist schon erstaunlich, was aus den Grünen inzwischen geworden ist. Um die Folgen des Kapitalismus zu bezahlen, sind sie zu einer Steuererhöhungspartei geworden. Nicht mehr Befreiung von den Zwängen des Kapitalismus, sondern die Gewinne des Systems abschöpfen. Offensichtlich war die sexuelle Bewegung nicht der Weg zur Befreiung, dann jetzt eben mit Geld. Den Grünen sind die Ideen ausgegangen.
Es waren nicht nur die Grünen, die die sexuellen Normen lockern wollten. Auch der Missbrauch in der katholischen Kirche wurde durch die sexuelle Revolution befördert, auch wenn Professor Pfeiffer das Gegenteil behauptet.
Missbrauch in den siebziger Jahren – auch in der katholischen Kirche
Entgegen den hier zusammengestellten Beobachtungen, dass die Achtundsechziger-Bewegung mit der von ihr ausgerufenen sexuellen Revolution die Tore für den sexuellen Missbrauch weiter geöffnet hat, kommt der von der Katholischen Kirche geschasste Kriminologe Christian Pfeiffer zu einer entgegengesetzten Einschätzung. In einem Interview mit der Kundenzeitschrift der Rossmann-Apotheken heißt es auf S.14 in 3/2013:
„Vor den Generalvikaren aller 27 Bistümer hatte ich im Herbst 2012 über eine starke Abnahme der Missbrauchstaten amerikanischer Priester berichtet. Seit den siebziger Jahren waren sie dort um fast 90 Prozent zurückgegangen. Ich stellte dar, was unsere Kollegen des John Jay College, New York, hierzu ermittelt hatten. Nur bei etwa fünf Prozent der amerikanischen Täter handelte es sich um Priester, die auf Kinder oder pubertierende Jungen und Mädchen fixiert waren. Die große Mehrheit hätte nach Einschätzung der amerikanischen Wissenschaftler als sexuelle Wunschpartner erwachsene Frauen oder auch Männer vorgezogen. Aber das war offenbar in dem extrem prüden Amerika der sechziger und siebziger Jahre nicht machbar. Und so haben sich diese Priester dann ersatzweise an Kindern und unter 16-jährigen Jugendlichen vergangen. Doch dann liberalisierte sich in den USA schrittweise die Sexualmoral. Zunehmend konnten sich so auch Priester, die Liebesbeziehungen und sexuelle Kontakte zu erwachsenen Wunschpartnern anstrebten, ihre Wünsche erfüllen. Und je mehr solche Verstöße gegen das Zölibat geschahen, umso weniger hatten diese Priester es nötig, sich ersatzweise an unter 16-Jährigen zu vergreifen.“
Mehr Forschung ist notwendig
Uninformiert, wie die katholische Kirche in die Problematik hineingeschliddert ist und gerade von Prof. Pfeiffer Entlastung erwartet, hätte man nur in den USA nachfragen müssen. Es ist wie bei anderen Tatsachenbehauptungen von Prof. Pfeiffer (zur höheren Gewaltbereitschaft im Ruhrgebiet aufgrund des Fernsehkonsums und dem Ertrinken eines Kindes als Folge von Fremdenfeindlichkeit) genau das Gegenteil richtig. Die Zahl der Missbrauchsfälle stieg in den USA seit Ende der fünfziger Jahre kontinuierlich und flaute erst 1980 wieder ab. Der Höhepunkt war 1971 mit 400 Fällen. Genauer können die Verantwortlichen ebenso wie Prof. Pfeiffer die Erhebungen nachlesen bei: Hanson, Robert Karl; Price, Shelley (2004): Sexual abuse screening procedures for positions of trust with children. In: Hanson (2004), 78 – 93.
Es ist schon erstaunlich, wie Moden das Denken bestimmen. Was als Befreiung verkauft wurde, gilt heute als Missbrauch. Immer noch hängen wie Prof. Pfeiffer viele der Ansicht an, der Zölibat sei die direkte Ursache des sexuellen Missbrauchs. Es bleiben viele Fragen zu klären.
Die Öffentlichkeit muss sich fragen, ob sie allein die katholische Kirche auf den Missbrauch festnagelt und die anderen dunklen Ecken lieber nicht ausleuchtet. Offensichtlich hat die Absage des Präsidenten des Verfassungsgerichts, die Festrede zur Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an Daniel Cohn Bendit zu halten, nicht gereicht, dass die FDP kein Problem sieht, jemanden zu ehren, der Sex mit Kindern mehrfach propagiert hat.
Die Bedingungen für ein zölibatäres Leben müssen weiter reflektiert und vertieft werden, denn nicht nur katholische Priester leben allein. In früheren Generationen war der Großteil der Bevölkerung von der Ehe ausgeschlossen. Ein Kapitel, das die katholische Kirche allerdings noch betrifft, ist der Tatbestand, dass Priester sich zu 80% an Jungen vergehen. Der Eindruck, dass der Pädophilie-Skandal in Kirche und Gesellschaft ohne Scheuklappen in den Blick genommen wird, stellt sich leider noch nicht ein.
kath.de – Redaktion