Können Fußballfans religiös sein?

Fußball und Religion – die Parallelen zwischen den beiden werden besonders deutlich während großer Turniere, oft auf internationaler Basis. Ähnlich wie die Religion, kann Fußball zu einer Art Lebensinhalt werden. Und manche Kirche wäre froh darum, eine so große Anziehung auf ihre Mitglieder auszuüben, wie ein Stadion auf seine Fans. Der Vergleich zwischen Fußball und Religion kommt nicht von ungefähr. Ob er aber angebracht ist, ist eine andere Frage.

Die Verbindung zwischen Fans und Vereinen ist ohne Zweifel eine sehr enge, die Anhänger gehen mit ihren „Idolen“ durch Dick und Dünn, jubeln im Sieg und trauern bei Verlusten ihrer Spieler. Die Gesänge erinnern Beobachter an Messefeiern, die Fans beten häufig für ihre Vereine, während sie dem Sieg entgegenfiebern. Aber sind diese Indizien Grund genug, Fußball mit einer Religion gleichzusetzen?

Wer ist Anhänger der „Religion Fußball“?

Es gibt viele gläubige Fußballer, bekennende Christen wie Muslime und Juden. Alle drei sind monotheistische veranlagt, theologisch betrachtet, ist die Zugehörigkeit zu einer anderen Religion damit ausgeschlossen. Ein Schluss könnte sein, dass die Spieler selbst nicht der „Religion Fußball“ angehören, sondern nur ihre Fans. Anders als die Spieler, die teilweise nach wenigen Saisons ihren Verein wechseln, bleiben die Anhänger ihrem Verein häufig ein Leben lang treu.

Ähnliches gilt für die Trainer, da sie ebenfalls vertraglich gebunden sind und ihre Zukunft von der Leistung der Mannschaft abhängt, fallen auch sie nicht in die Gruppe der Anhänger der „Religion Fußball“.

Gemeinsamkeiten zwischen Fußballfans und Gläubigen

Ähnlich einer Prozession verläuft der Gang ins Stadion, bereits die Anfahrt ist eine Art Vorbereitung auf das Spiel. Viele kennen es aus ihrer Kindheit, das besondere Kleid, das ordentliche Hemd, das nur am Sonntag in der Kirche oder an Feiertagen getragen wurde. Für Fußballfans sind das ihre Fanschals und Trikots.

Während des Spiels befolgen die Fans häufig Rituale – Laola-Wellen im Stadion, bestimmte Rufe oder Gesänge, mit denen die Gegner ausgebuht werden oder die eigene Mannschaft motiviert wird. Parallelen wären das Amen in der Kirche oder Gebete, die in jeder Messe vorkommen.

Einige Trikotnummern werden in Vereinen nicht mehr vergeben, oft, wenn ein Publikumsliebling in den Ruhestand geht. Sie sind auch als „geheiligte Nummern“ bekannt, von Legenden getragen.

Nicht zu vergessen: Spitznamen, die auf die „Herrlichkeit“ der Spieler verweisen. Diego Maradona, „die Hand Gottes“ oder der  „Fußballgott“.  Als solcher wurde Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern verehrt und sogar von den amerikanischen Fans bei seiner Ankunft begrüßt. Aber auch Alex Meier (Eintracht Frankfurt) trägt diesen Spitznamen. Der Spitzname ist eine eindeutige Parallele zwischen Fußball und einer Religion.

Ist Fußball nun eine Religion?

Nicht nur Spieler sind gläubig, unter den Fans sind sogar hochrangige Vertreter der Kirchen vertreten. Papst Franziskus höchstpersönlich bezeichnet sich als Fußballfan. Er sei begeisterter Anhänger der argentinischen Nationalmannschaft und eines Fußballklubs in Buenos Aires.

Sicherlich sind einige Gemeinsamkeiten zwischen Fußballfans und Gläubigen nicht zu leugnen. Diese Parallelen treffen wohl auch auf die Anhänger anderer Sportarten zu – nicht in allen Ländern ist Fußball die dominante Sportart. In den USA wäre der Vergleich von Football mit einer Religion wohl ebenso angebracht. Der Superbowl wäre demnach ein Pilgerfest, für das Anhänger große Strapazen auf sich nehmen. Berührpunkte hätte das Christentum demnach auch mit der Begeisterung für Bands oder Sänger. Die Konzerte lösen ebenfalls Ekstase und Begeisterung bei Fans aus.

Allerdings lässt sich dieses Konzept auch beinahe alles übertragen, was Menschen glücklich macht. Die größte Übereinstimmung ist das an Ekstase grenzende , das die Teilnahme verspricht.

Ebenso eindeutig sind allerdings die Unterschiede: Die Hoffnung auf den Sieg, seine Stars persönlich zu treffen, selbst die Hoffnung auf den Titel, all das macht glücklich. Der großen Gefühle zum Trotz, kann der Fußball, anders als wahre Religion, sein Heilsversprechen nicht über den Tod hinaus einhalten. Selbst ein Weltmeistertitel, der Pokal in der Champions League oder der Gewinn der Meisterschale in der Bundesliga, all das hält letztlich bis zur nächsten Meisterschaft, während die Religion über ein ganzes Leben präsent ist. Auch ein Schweinsteiger, der trotz Verletzungen weiter auf dem Platz steht und tapfer für seine Mannschaft kämpft – sich aufopfert – ist nicht und zwar lange nicht gleichzusetzen, mit einem Gott, der für menschliche Sünde am Kreuz gestorben ist.

Trotz aller Gemeinsamkeiten, überwiegen die Unterschiede. Da Fußball weder eine Religion ist, noch einen Exklusivitätsanspruch innehat, stellt die Anhängerschaft auch keinen Widerspruch zur Religiosität dar.

Siehe auch:

Fußball – die Männerreligion

Die Fußball-Religion

Marlen Heßler

Wenn der Palmsonntag zur Hölle wird

Verbrannte Palmzweige, tote Menschen, viele Verletzte. So sah der Palmsonntag in zwei koptischen Kirchen in Alexandria und Tanta aus. Attentäter waren während der Liturgie in die Markus-Kathedrale eingedrungen, in der Papst Tawadros II. zelebriert hat, verschafft und eine Bombe gezündet. Nicht weit entfernt detoniert ein zweiter Sprengsatz in Tanta, einer Stadt nördlich von Kairo. Die blutige Bilanz: 17 Tote in Kairo und 27 in Tanta.

In Ägypten schwebt die Bevölkerung ständig in Terrorgefahr. Seit 2005 häufen sich die Attentate auf der Sinai-Halbinsel. Al-Qaida und mittlerweile der Islamische Staat bedrohen die Gegend zunehmend. Seit 2011 nahmen die Übergriffe auf Kopten auch in Oberägypten zu, was in Unterägypten und dem Sinai Alltag war. Anschläge auf ihre Kirchen und die Ermordung koptischer-Christen sind alltäglich geworden.

Die Diskriminierung findet ebenso durch den Staat statt. Die Regierung ist seit dem Putsch von as-Sisi nicht mehr an der Sicherheit der Kopten interessiert. Mehr noch, sie sind den Herrschenden ein Dorn im Auge. Da as-Sisi ein islamisches Land nach Scharia Richtlinien errichten will, versuchen die Kopten sich systematisch dagegen zu verteidigen. Die Konversionen werden von islamischer Seite erzwungen, wer sich dagegen wehrt, kann inhaftiert werden.

Im Osten nichts Neues

Die Bilanz des Terrors: Das Massaker von el-Koscheh 2001; 3 Anschläge auf koptische Kirchen mit einem Toten im Mai 2006; Der Anschlag Weihnachten 2009 auf eine Kirche in Nag Hammadi mit sechs getötete Kopten; Der Bombenanschlag in Neujahr 2011 in Alexandria; 7. Mai 2011 Salafisten greifen die St.-Mina-Kirche in Kairo an; Mai 2016 geplünderte und zerstörte Häuser von Christen im Nildelta; Februar 2017 der Massenexodus vom Sinai aufgrund der Bedrohung des IS; 9. April 2017 Anschläge auf die St.-Markus-Kathedrale und auf eine Kirche in Tanta mit knapp 44 Toten. Die Liste ließe sich weiter fortführen.

Der Terror gegen Christen in Ägypten hält seit Jahren an. Deswegen wundert es nicht, dass die St.-Markus-Kathedrale in Alexandria zum Ziel wurde. Man stelle sich einmal vor, dass im Petersdom ein Anschlag verübt würde. So fühlten sich Kopten in aller Welt am Palmsonntag. Die Bombe detonierte in den hinteren Reihen, sodass der koptische Papst diesem Anschlag entging. Mangelnde Sicherheit für Christen ist derzeit in Ägypten zur Normalität geworden.

As-Sisi – der Gegenspieler

Am 3. Juli 2013 wurde Präsident Mursi vom General und Verteidigungsminister Abd al-Fatah as-Sisi gestürzt. Bei den Präsidentschaftswahlen in Ägypten im Jahre 2014 wurde er als neuer Präsident von Ägypten bestätigt. Jedoch wurden Stimmen laut, die dem Sieger Wahlbetrug vorwarfen. Jedoch hielt sich as-Sisi mit eiserner Hand an der Macht. Er stellte sich als Kopten-Freund dar und wollte die Unterdrückung der Koptischen-Christen im Land bekämpfen. Als im Jahr 2015 ein Enthauptungsvideo von koptischen Christen in Lybien bekannt wurde, rief as-Sisi zum Vergeltungsschlag gegen den IS auf. Am 16. Februar 2015 wurde die Stadt Darna vom ägyptischen Militär bombardiert.

Jedoch nahm die Christenfeindlichkeit im Land zu. In Ägypten existiert eine sogenannte Dschisja-Kopfsteuer, die Nichtmuslime entrichten müssen. Eine klare Diskriminierung. Ebenso ist Konversion zur koptischen Kirche verboten, und Mischehen illegal. Kirchen dürfen nur mit einer speziellen Genehmigung des Staates saniert oder neu gebaut werden. Ausländische Missionare dürfen nicht nach Ägypten einreisen, es sei denn, die Reisen dienen sozialen Wohltätigkeiten. Koptische Frauen werden in Ägypten des Öfteren entführt und zur Konversion, sowie Zwangsehe mit muslimischen Männern, gezwungen. Der Staat bemüht sich nur mäßig, diese Probleme zu beseitigen. Die versprochene Verbesserung seitens as-Sisi steht noch aus. Seit Regierungsantritt hat sich die Situation nur verschlechtert.

Reformation des Islams?

Bischof Anba Daniel aus dem koptisch-orthodoxen Kloster in Höxter-Brenkhausen, fordert eine Reformation des Islams. Er weist darauf hin, dass die Diskriminierung der Kopten durch die mangelnde Bildung der Muslime entsteht. Denn oft sind es die ungebildeten Schichten, die Übergriffe auf die Kopten fordern. Jedoch muss die Bildung auch in den Moscheen stattfinden und nicht nur in den Schulen. Denn da wo der Islam gelehrt wird, entsteht auch der Hass gegen das Christentum.

Jedoch lassen sich die Probleme in Ägypten nicht alleine durch die Bildung von Muslimen beseitigen. Auch auf Regierungsebene muss nachgebessert werden. Gesetze müssen beseitigt werden, welche die Diskriminierung der Kopten fördern. Die Kopfsteuer muss abgeschafft und der Schutz christlicher Einrichtungen und Kirchen festgelegt werden. Sonst werden die Kopten aussterben und Ägypten wird ein rein muslimisches Land werden.

Alexander Radej

Die Bibel verschwindet aus den deutschen Haushalten

Immer weniger Menschen greifen regelmäßig zur Bibel. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE (Erfurt) im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Obwohl knapp über die Hälfte der Deutschen eine Bibel besitzen, lesen nur die wenigsten regelmäßig darin.

Zwar gaben 60 Prozent der Befragten an, Mitglied einer christlichen Kirche zu sein, nicht alle von ihnen haben aber auch eine heilige Schrift im Haus. Ganze 44 Prozent besitzen nach eigener Aussage keine eigene Bibel.

Woran könnte das liegen?
Immer weniger Menschen besuchen die Kirche oder sehen sich selbst als gläubig an. Dass diese Personen keine Bibel besitzen, ist daher nicht verwunderlich. Es bleibt allerdings die Schere zwischen der Anzahl der Personen, die Mitglied in einer Kirche sind – aber dennoch keine Bibel besitzen. Die Mitgliedschaft in einer Kirche ist nicht automatisch mit persönlichen Glauben verbunden. Einige Personen sehen die Aufgaben der Kirchen im sozialen Bereich, etwa als Betreiber von Kindertagesstätten oder Krankenhäusern. Beim Auszug nehmen junge Leute oft nur das „Nötigste“ mit. Wer nicht regelmäßig in der Bibel liest, der wird sie auch eher nicht in die neue Wohnung mitnehmen.

Die Bibel online?
Die Heilige Schrift ist mittlerweile auch online verfügbar: Ob als E-Book, auf verschiedenen Seiten im Internet oder auch in Apps. Wer schnell etwas sucht, wird so leichter fündig, als bei der manuellen Suche.

Die teils nicht mehr modernen Formulierungen stoßen gerade bei der jüngeren Generation immer öfter auf Unverständnis. Die Bibel war früher präsenter im Alltag der Gläubigen, sie lernten von Kindes an, die Sprache zu verstehen und auch hinzunehmen, wenn Passagen schwieriger zu verstehen waren. Der jüngeren Generation fehlt oft die Geduld, sich mit der religiösen Sprache auseinanderzusetzen.
Kinderbibeln helfen dabei, dem Nachwuchs die Bibel näherzubringen. Nicht jeder ist allerdings begeistert von der Idee, die Bibel moderner zu formulieren. Die Befürchtung, die Botschaft würde dadurch verzerrt. Eine neuere Übersetzung wäre also eine Idee, um mehr Menschen für die Bibel zu begeistern, wird aber alleine nicht die Lösung sein.

Ist das überhaupt schlimm?
Die Bibel ist nach wie vor ein Bestseller weltweit. Viele Erzählungen werden noch immer mündlich weitergegeben. Kinderbücher enthalten oft Ausschnitte – etwa die Geschichte von Daniel in der Löwengrube oder David gegen Goliath. Auch die Kinderbibel bietet Eltern die Möglichkeit, ihren Kindern die heilige Schrift näher zu bringen und das kindgerecht. Es muss also nicht immer eine „ganze“ Bibel sein.

Glauben hängt nicht davon ab, ob jemand die Bibel selbst gelesen hat. Nicht jeder liest gerne. Andererseits enthält die Bibel wichtige Grundsätze christlichen Lebens und Handelns. Wer die Bibel liest, kann also nur gewinnen.
Dass jemand nicht regelmäßig in der Bibel liest, bedeutet auch nicht, dass die Person die Inhalte nicht kennt. Selbst Personen, die nicht gläubig sind, kennen meistens wenigstens einige Passagen. Insgesamt entspricht die sinkende Zahl der Gläubigen, Gottesdienstbesucher oder Bibelleser einem Trend, den die Kirchen erkannt haben und nun versuchen, gegenzusteuern. Ein Beispiel sind Aktionen und Feste, wie auch der Weltjugendtag, der sich heute größerer Beliebtheit erfreut denn je.  Franziskus ist weltweit beliebt: Der Pontifex twittert seit 2013, seine Nachrichten werden in neun Sprachen veröffentlicht. Knapp 33 Millionen Menschen folgen dem Papst – wesentlich mehr als US-Präsident Donald Trump.