Vatikan ist Trump(f)

Am Mittwoch sind zwei der wichtigsten Persönlichkeiten unserer Zeit aufeinander getroffen, das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus und der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Nur 30 Minuten dauerte das Treffen, dennoch war es für die Medien von außerordentlicher Brisanz. Was macht dieses Treffen so wichtig?

Kritik zuvor

Im Vorfeld war es oftmals zu Kritik des Papstes gegenüber Trump gekommen, beispielswiese über den Mauerplan an der Grenze Mexikos. Kurz vor dem Besuch hatte sich Franziskus jedoch offen gezeigt. Präsident Trump verhielt sich ähnlich und hat gesagt, er  freue sich sogar auf das Treffen. Somit stand der ersten Audienz nichts im Weg.

Gespräch der Gegensätze

Das Treffen zwischen dem Papst der Armen und dem Milliardär, klingt erst einmal nach einem Hollywood Streifen. Die Gegensätze, die dadurch deutlich werden, sprechen für das Schwarz-Weiß Weltbild eines Blockbusters und nicht für Realpolitik, doch nichts Anderes spielte sich am Mittwoch im Vatikan ab.

Beobachter empfanden die Miene des Pontifex etwa ernster als sonst, wohingegen Trump ein breites Lächeln zur Schau stellte.  Nicht nur die Mimik der Beteiligten lässt auf Gegensätze schließen, auch die Werte, für die sie einstehen, beinhalten Konfliktpotential.

Franziskus predigt Demut, Bescheidenheit, Fürsorge und Barmherzigkeit, wohingegen der Milliardär Trump, zum Beispiel durch die Trump-Tower, Reichtum zur Schau stellt. Die von Franziskus geforderte Kirche der Armen steht im Gegensatz zur politischen Linie Trumps, der ein Amerika der Superreichen propagiert. Der päpstliche Aufruf zur Solidarität mit Migranten scheint ebenfalls noch nicht beim amerikanischen Präsident angekommen zu sein, der am Liebsten, vor allem Muslimen, die Einreise in die USA verwehren möchte.

Themen

Der genaue Inhalt des Gesprächs zwischen dem Kirchenoberhaupt und dem US-Präsidenten ist geheim. Jedoch kamen sie, trotz der knappen Zeit, auch auf Streithemen wie Migration und Klimaschutz zu sprechen.

Das strittige Thema des Klimawandels, welches für den Papst ein Herzensanliegen ist, wurde angesprochen und Trump ermutigt, die Mitgliedschaft im Pariser Klimaabkommen aufrechtzuerhalten. Außenminister Rex Tillerson sagte dazu auf dem Flug von Rom nach Brüssel, dass Trump zu diesem Thema noch keine endgültige Entscheidung getroffen habe.

Nach Angaben des Weißen Hauses berieten Trump und Franziskus auch über den Kampf gegen den Terrorismus. Trump versprach dem Papst eine Investition der USA von 300 Millionen Dollar in die Hungerhilfe, um afrikanische Staaten wie den Sudan, Somalia und Nigeria zu unterstützen.

Es erfolgte auch eine Einigung beim Thema “Schutz des Lebens”, also die Einstellung gegen Abtreibung. Auch Trump sieht sich als Abtreibungsgegner. Unter der Obama-Regierung war dieses Thema ein Streitpunkt mit der katholischen Kirche.

Geschenke und Symbole

Donald Trump erhielt von Franziskus eine Medaille mit einem Olivenzweig. Außerdem gab der Papst dem Präsidenten den Wunsch mit auf den Weg, für den Frieden zu arbeiten. Trump dankte mit den Worten, „Frieden können wir gebrauchen.“ Der Republikaner erhielt außerdem die diesjährige Friedensbotschaft des Papst und drei seiner Lehrschreiben. Darunter soll auch die Umweltenzyklika „Laudato si‘“ sein. Trump versicherte die Schriften zu lesen. Franziskus erhielt eine Kiste mit Büchern von Martin Luther King und eine Bronze-Skulptur.

Das päpstliche Geschenk, das Umwelt-Lehrschreiben “Laudato Si“ scheint wie ein Wink mit dem Zaunpfahl, ist aber das übliche Geschenk bei Privataudienzen. Auch der Appell für den Frieden gehört zur päpstlichen Routine, obwohl dieser in Gegenwart Trumps eine andere Dimension besitzen könnte. Dieser hatte zuvor in Saudi-Arabien milliardenschwere Waffendeals abgeschlossen. “Papst Franziskus und Präsident Trump reichen der islamischen Welt die Hand, um religiöse Gewalt auszutreiben. Einer bietet Frieden durch Dialog, der andere die Sicherheit der Waffen”, twitterte Kurienkardinal Peter Turkson.

Hoffnung im Vatikan

Der Papst überzeugte wohl im Gespräch, denn Trump twitterte nach dem Treffen „Ich verlasse den Vatikan entschlossener denn je, den Frieden in unserer Welt zu verfolgen“.„Der Vatikan hingegen blieb verhaltener und sprach lediglich von „herzlichen Gesprächen“ und „guten bilateralen Beziehung“, die Standardauskunft des Vatikans. Ob das Anliegen, den Zwist aus dem vergangenen Jahr hinter sich zu lassen geglückt ist, wird die Zukunft weisen. Jedoch hofft man im Vatikan auf eine Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und Regierung in der USA besonders in den strittigen Themen: Gesundheitsversorgung und Integration von Migranten.

Wirkung Franziskus

Nach dem Gespräch zeigte sich der US-Präsident beeindruckt, „Er hat etwas, er ist wirklich gut.“, Worthülsen, die Trump jedoch auch in anderen Zusammenhängen fallen ließ.  Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, betont die Wichtigkeit der Audienz der beiden Oberhäupter: „Deshalb glaube ich, noch viel wichtiger ist tatsächlich die persönliche Begegnung, und der großen, wirklich großen Persönlichkeit dieses Papstes kann man sich nur ganz schwer entziehen und es sollte mich sehr wundern, wenn nicht doch hier zumindest ein Moment des Nachdenkens gewesen ist bei dieser Audienz, bei der ja auch Trump nachher sagte, dass er das nicht vergessen werde, was er gehört habe.“. Sternberg hofft auch, dass die Begegnung einen Moment des Nachdenkens bei Donald Trump ausgelöst habe. Die langfristige Einschätzung des Zentralkomitee-Präsidenten bleibt aber nüchtern, eine Veränderung von Trumps Politik wird das Treffen nicht bewirken.

Perspektive

Vor dem Treffen war die Beziehung zwischen Papst und US-Präsidenten von Unberechenbarkeit geprägt.  Der Autor Marco Politi beschrieb die Lage als problematisch, „Es ist das erste Mal in der Nachkriegszeit, dass für den Vatikan Washington zu einer problematischen Hauptstadt geworden ist.“.

Für den Papst ging es darum Kontakt aufzunehmen. Die Vereinigten Staaten mit etwa 70 Millionen Katholiken sind für den Vatikan von großer Bedeutung. Sowohl Franziskus als auch Trump ist ihre Rolle in der Welt bewusst, der Papst als moralische Instanz und die USA als führende Weltmacht. Der Vatikan-Experte des katholischen Portals „Crux, John L. Allen Jr. erklärte, „Es ist im Interesse aller, dass die beiden gut miteinander auskommen.“.

Die konservativen Katholiken in den USA sind enttäuscht von Franziskus Modernisierungskurs, somit wird Trump für den Papst zur Schlüsselfigur, der den Hirten seinen Schafen wieder näherbringen kann.  Der Professor für Religionsstudien der Villanova-Universität (USA) sagte, „Viele amerikanischen Kardinäle sind enttäuscht (…) von einem Papst, der über Homosexuelle, Familie und Scheidung in einer Art und Weise redet, die weit von ihren Prioritäten entfernt liegt”.

Und jetzt?

Zum Ende der Audienz wünschte man sich „Good Luck“. Trump gab sich beeindruckt, Franziskus ging zum Alltagsgeschäft über. Insgesamt hatten sich viele von der Audienz mehr erhofft. Einen Papst der stärker auf die moralischen Verpflichtungen der USA pocht und mehr fordert. Das Treffen war letztendlich mehr von der Kleidung Melania und Ivanka Trumps geprägt, als von klaren politischen, ethischen und religiösen Ansagen. Es handelte sich zwar um das erste Treffen, jedoch hätte der Papst mit klareren Linien und konkreteren Forderungen aufwarten können. Bei Trump handelt es sich wirklich um eine Schlüsselfigur, da er die Geschicke der Welt verändern könnte, im Hinblick auf dessen politische Brisanz hätte auch der Papst seine Münze in den Topf werfen müssen.

Julia Westendorff

 

Die falschen Probleme der Kirche

Es wird munter gestritten in der Kirche: Zölibat, Homosexualität, wiederverheiratete Geschiedene, Zulassung zur Kommunion bei ökumenischen Paaren, Weiheämter für Frauen und weitere Themen. Doch auf welcher Grundlage wird überhaupt gestritten? Wie wir uns und diese Probleme verstehen, ist der Ausgangspunkt, um sie zu beantworten.

Wir brauchen eine gemeinsame Grundlage, um diese Fragen zu diskutieren. Eine einheitliche Sprache und Vorstellungen, die von allen Beteiligten akzeptiert und verstanden werden. Nur wenn es eine gemeinsame Grundlage gibt, können wir verstehen, was der andere meint. Von der Grundlage aus besteht die Möglichkeit die Probleme anzugehen und eine konstruktive Diskussion zu erreichen. Ohne diese Grundlage bleibt nur die Möglichkeit, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, mit Emotionen zu überzeugen oder seine Position mit Gewalt durchzusetzen. Eine andere Meinung wird dabei gefährlich und kann nicht toleriert werden. Es gibt keine Chance gemeinsam zu Lösungen zu kommen und Fehler, auch in der eigenen Meinung, zu korrigieren.

Sprache klären

Um sinnvoll über Themen zu diskutieren, muss es allen Beteiligten möglich sein, die benutzten Begriffe zu verstehen. Aber selbst bei allgemein gebräuchlichen Begriffen ist nicht immer ein einheitliches Verständnis gegeben. Beim Begriff der Menschenwürde stellt sich etwa die Frage, ab wann sie gilt. Darüber hinaus kann mit Menschenwürde sowohl gemeint sein, dass menschliches Leben, wenn immer möglich, zu schützen ist. Aber auch Leben aktiv zu beenden, wenn es eines Menschen nicht mehr würdig erscheint.

Diese Unterschiede im Verständnis unserer gemeinsamen Sprache verhindern den Diskurs und müssen durch Reflexion und gegenseitiges Erklären ausgeglichen werden.

Weltsicht erörtern

Neben der Sprache ist die gemeinsame Weltsicht entscheidend für den Dialog. Also wie wir uns selbst und unserer Umwelt sehen und welche Werte wir einzelnen Dingen und Konzepten geben.

Diskussionen zum Umgang mit der Umwelt sind nicht möglich, solange eine Seite eine rein funktionale und mechanische Sicht der Welt vertritt, die andere Seite aber die Natur als eine eigenwertige Sache versteht. Die erste Position schließt Werte in der Natur aus, während die andere sie explizit voraussetzt.

In allen Fragen ist die Sicht der Welt Voraussetzung. Bei Fragen, die den Menschen betreffen, muss auch eine Anthropologie vorausgesetzt werden. Diese Anthropologie kann explizit oder implizit sein, doch sind Aussagen über das menschliche Handeln immer von der Vorstellung vom Menschen abhängig. Hinter der Hook-up Kultur etwa, steht eine implizite Vorstellung vom Menschen. Handlungen am eigenen und fremden Körper haben in dieser Vorstellung keine Bedeutung, weil es jeweils nur der Körper und nicht die Person ist. Damit ist Sexualität nur von Einwilligung abhängig und wird nicht mit Beziehungen in Verbindung gebracht. Sich sexuell auszuleben, ohne damit einen tieferen Sinn zu verbinden, ist für eine solche Sicht des Menschen kein Problem. Wer hingegen eine Sicht des Menschen hat, in der Körper und Geist eine Einheit bilden, kann die Hook-up Kultur prinzipiell nicht nachvollziehen. Unterschiedliche und unvereinbare Vorstellungen vom Menschen machen einen sinnvollen Dialog unmöglich.

Für die Möglichkeit eines Dialoges braucht es keine vollkommene Übereinstimmung in der Weltsicht. Jedoch muss ausreichend Ähnlichkeit und der Wille vorausgesetzt werden, sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen und ihn verstehen zu wollen.

Kirche verdeutlichen

Für innerkirchliche Fragen muss neben der Sprache und der Weltsicht auch klar sein, was die Kirche ist. Was es bedeutet Christ zu sein. Worin sich die Gemeinschaft der Glaubenden begründet. Welche Ansprüche an die Kirche gestellt werden, von Gesellschaft, Mitgliedern, geschichtlicher Verantwortung und der Offenbarung. Ohne diese dritte Bedingung ist es unmöglich, innerkirchliche Fragen zu diskutieren. Eine allgemeine Weltsicht, die auch säkular funktioniert, reicht nicht aus, da die Kirche nicht einfach ein Teil der Gesellschaft ist, sondern seine Existenz und Aufgabe durch die Offenbarung aus einer transzendenten Quelle erhält.

Bevor in der Kirche um Detailfragen gerungen wird, muss erst einmal die erodierte Grundlage eines katholischen Weltverständnisses reaktiviert werden. Wir brauchen eine Rückbesinnung und eine neue Erklärung auf die Grundlagen unseres Glaubens und der sich daraus ergebenden Vorstellung von der Welt. Nicht um sich darin gut zu fühlen, sondern um dialogfähig zu werden untereinander und mit der Welt.

Philipp Müller

Kirche in Zeiten der Glasfaser

Seit Jahren beklagen sowohl die katholische, als auch evangelische Kirche eine stete Zunahme von Kirchenaustritten. Gleichzeitig verzeichnen sie einen Rückgang an Gläubigen, die regelmäßig die Gottesdienste besuchen. Die Gründe dafür lassen sich nur schwer nachweisen. Jugendstudien zeigen jedoch, dass besonders von jungen Leuten ein Aspekt immer wieder zur Sprache gebracht wird: Die Distanzierung von der Kirche aufgrund ihrer mangelnden Präsenz im Alltag. Dabei werden religiöse Inhalte gerade in den sozialen Medien immer häufiger aufgegriffen.  

Die Bibel wird zum Drehbuch

Im vergangenen Jahr landete der amerikanische Fernsehsender HBO mit „The young Pope“ einen internationalen Erfolgs-Hit. Die Serie über den amerikanischen Papst Pius XIII. konnte trotz oder gerade wegen provokanter und skandalöser Bilder und Erzählweise Einschaltrekorde verzeichnen. Obwohl die Serie kein gutes Licht auf die Institution „Kirche“ wirft, hielt sich die Kritik aus dem Vatikan in Grenzen. Auch der Streamingdienst Netflix gab unlängst bekannt eine Produktion mit religiösem Inhalt zu planen. „Messiah“ soll eine moderne Interpretation des Neuen Testaments werden, in der ein junger Mann in der heutigen Zeit im Nahen Osten auf der Bildfläche erscheint und Wunder vollbringt. Als führender Streaminganbieter spricht Netflix vor allem viele junge Menschen an. Die positive Reaktion auf religionsbezogenen Themen in Unterhaltungsmedien zeigt, dass durchaus ein Interesse an den Inhalten vorhanden ist.

Der Papst lässt twittern

Auch die Kirchenvertreter haben das Potential der (sozialen) Medien erkannt und sehen sich unter Zugzwang. Benedikt XVI. setzte 2012 einen Meilenstein, als er als erster Papst der Geschichte eine Botschaft über den Nachrichtendienst Twitter sendete. Nach seinem Rücktritt übernahm Papst Franziskus den Account und twittert unter @Pontifex in neun verschiedenen Sprachen, darunter auch Deutsch. Vielmehr lässt er twittern. In einem Interview mit einer argentinischen Zeitung gab Franziskus zu, die modernen elektronischen Medien gar nicht zu nutzen. Dennoch erscheinen fast täglich Tweets vom Papst, bei denen es sich meist um allgemeine Glaubenssätze handelt. Und diese werden von rund 33 Millionen Menschen weltweit gelesen. Soviel Follower hat der Papst und liegt damit sogar noch vor US-Präsident Donald Trump.

„Gebetsbook“ für unterwegs

Doch nicht nur bei Twitter hinterlässt der Papst einen digitalen Fußabdruck. Seit 2014 hat er seine eigene App. „Click to Pray“ wurde vom Weltweiten Gebetsnetzwerk des Papstes ins Leben gerufen, um seine monatlichen Gebetsanliegen zu unterstützen und in erster Linie junge Menschen zum Beten zu motivieren. Mit der deutschen Version, die Anfang Mai erschien, gibt es die App nun schon sechs Sprachen. Das Prinzip der App ist mit dem von Facebook vergleichbar. Man erstellt ein Profil und kann anschließend seine persönlichen Gebete und Anliegen posten, die von anderen Nutzern kommentieren oder mit einem einfachen Klick an dem Gebet teilnehmen. Gleichzeitig sieht man wie viele andere Nutzer zur gleichen Zeit im Gebet sind. Dabei beschränkt sich die App nicht nur auf den eigenen Sprachraum, sondern zeigt Gebete von Usern weltweit an. Hinter ihren Profilen bleiben die sie jedoch weitestgehend anonym. Neben den individuellen Gebeten bekommen Nutzer dreimal tägliche eine Benachrichtigung, die sie an kurze Gebetsimpulse erinnern sollen, die zur gleichen Zeit gemeinsam mit anderen gebetet werden können.

Gottes Wort im Alltag und auf der Straße

Vor allem um junge Menschen mit religiösen Themen zu erreichen ist es wichtig sich von einem festen Ort oder einer bestimmten Zeit zu lösen. Ein Beispiel wie das funktionieren kann, liefert die Kampagne „Quote Jesus“ aus Großbritannien. In der Karwoche prangten an den Doppeldeckerbussen in London nicht wie üblich Film- und Theaterplakate, sondern Jesus Zitate. Die Aktion sorgte so für internationales Interesse, dass auch außerhalb Großbritanniens ähnliche Aktionen im Gespräch sind. Organisiert wurde das Ganze nicht von der Kirche, sondern von dem Gründer eines christlichen Fernsehsenders.

Funktioniert Kirche online?

Die wachsende Anzahl von Kirchenaustritten und Gläubigen, die nicht mehr regelmäßig Gottesdienste besuchen ist nicht zwingend ein Beweis dafür, dass Christen weniger religiös sind oder an Gott glauben. Es zeigt zunächst einmal, dass sich die Beziehung zur Religion und die Ansprüche an religiösen Institutionen wie der Kirche geändert haben. Das erkennen auch die Gemeinden und Bistümer und versuchen ihre Angebote auch dementsprechend anzupassen. Das Problem an solchen Kampagnen oder Angeboten wie der Gebets-App ist, dass sie in den meisten Fällen nur die erreichen, die bereits aktiv ihren Glauben ausleben. Auch die Integration von Meditation und Gebet in den Alltag wird nur der leisten, der Gott ohnehin regelmäßig einen Platz im Leben einräumt. Sicherlich werden die Präsenz des Papstes im Internet oder ein soziales Netzwerk für Gläubige nur wenig an den rückläufigen Gottesdienstbesuchern ändern können. Die Kirchen zeigen jedoch, dass sie für Veränderungen bereit sind und die Distanz, die viele zur Kirche aufgebaut haben, überwinden möchte.

Kerstin Barton