Veganismus als Religion?

Alle Veganer sind empört, wenn sie als religiös bezeichnet werden. Aber ist Veganismus eine Religion? Der Veganismus hat eine große Anhängerschaft, woraus neue Gruppierungen entstehen. Der Veganismus ist kein Randphänomen mehr und durchdringt alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Rund 10% der Weltbevölkerung lebt Vegan und 1,1% sind es bereits in Deutschland.

Veganer und Vegetarier setzen sich für das Tier ein. Gegründet hat die Philosophie dieser Lebensweise der Engländer Donald Watson. Er hatte im Jahr 1944 die Vegan Society gegründet. Sein Motto: „so weit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeit an Tieren für Essen, Kleidung oder anderen Zwecken vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen fördern.“ Dieser Leitsatz brachte die Vegan Society im Jahre 1979 sich als „Philosophie und Lebensart“ zu benennen.

Die politischen und ethischen Argumentationen für den Veganismus, haben eine religiöse Komponente. Denn die Leitsätze und die praktische Herangehensweise der Veganer weisen religiöse Strukturen auf. Wichtig ist das Objekt der Verehrung, das Tier, sowie die missionarischen Tätigkeiten der Veganer.

Objekt der Verehrung: Das Tier!

Veganer setzen sich für einen gerechten Umgang mit Tieren ein. Sie lehnen jeglichen Verzehr von tierischen Nahrungsmittel ab. Sie sehen das Tier als Lebewesen an, welcher ebenso wie der Mensch Schmerz verspürt. Hierbei werden nicht selten Tierschutzorganisation, wie die PETA gegründet. Interessant ist zu betrachten, dass dem Tier eine außerordentliche Stellung zukommt. Häufig hört man den Ausspruch „Der Mensch ist schuld am Leid der Tiere.“ Der Mensch, insbesondere der Fleischesser, wird dabei dämonisiert und als Ursache für den Tod der Tiere ausgemacht. Dabei wird auf das Tier fokussiert und es bekommt eine erhöhte Stellung gegenüber dem Menschen.

Das Tier, wird wie in Teilen des Hinduismus verehrt. Das Tier darf, laut Philosophie des Veganismus, nicht verletzt oder getötet werden. Ebenso hat der Bürgermeister von Limburg entschieden, das Lied „Fuchs du hast die Gans gestohlen“, zu verbieten. Der Grund für die Maßnahme ist, eine Veganerin hatte sich beschwert, in dem Lied würde dem Fuchs mit dem Tod gedroht werden. Mehr noch, werden halsbrecherische Rettungsversuche für Tiere durchgeführt oder gar Schlachthäuser angegriffen. Dazu kommt noch eine emotionale Komponente: Viele Veganer sind bereit ein Martyrium für das Tier hinzunehmen, damit dieses unbeschadet davonkommt.

Der Veganismus ist missionarisch!

„Du musst doch vegan leben, das ist doch logisch!“ heißen die meisten Antworten auf die Frage „Warum sollte ich vegan leben?!“. Religion hat per se nicht immer etwas mit einem Glauben zu tun, sondern für den Anhänger ist die Religion wahr. Im Veganismus ist das nicht anders. Dabei werden Glaubensgrundsätze für wahr gehalten und durch wissenschaftliche Erkenntnisse, eigener Erfahrung und Emotionen belegt.

Meist geht der Glaube an diese Emotionen, Statistiken und Erfahrungen soweit, dass ein Dialog unmöglich ist. Einige Veganer sind dermaßen von ihrer Meinung überzeugt, dass es keine Alternative gibt. Ebenso verhalten sich auch einige Religionen: Unser Gott ist wahr und real, wobei euer Gott nicht existiert oder gar das Böse ist.

Religion ist doch nichts Böses!

In Diskussionen wird klar, sobald der Satz „Veganismus ist eine Religion“ fällt, ist die Empörung groß, da der Begriff der Religion negativ geprägt ist. Dabei wird der Begriff der „Religion“ meist missverstanden: Es handelt sich beim Begriff Religion nicht um das Bild esoterischer Kartenleger auf AstroTV, sondern um einen Begriff, der alles andere als eine vegane Gruppierung denunzieren möchte. Er zeigt nur in einem anderen Kontext auf, wie sich eine bestimmte Gruppierung mit ihrer Philosophie verhält. Dabei sollen keine emotionalen-exklusiv Gründe für die Existenz des Veganismus angegriffen werden, sondern es soll aufgezeigt werden, dass religiöse Strukturen erstmal vorhanden sind. Besonders wenn massiv Emotionen in einer Religion auftreten, kann das Fass durch falsche Worte zum Überlaufen gebracht werden. Das soll präventiv bekämpft werden. Also ist der Begriff nicht „unfair“ gegenüber den Veganern, sondern ist sehr fair und sehr nützlich. Der Veganismus ist wichtig und richtig in einer Gesellschaft, in der Fleisch im Übermaß konsumiert wird. Ethische und politische Gründe für den Veganismus gibt es massenhaft und diese müssen auch angesprochen werden.

Ebenso ist wichtig zu sagen, dass die christliche Tradition und andere Religionsgemeinschaften ebenso vegane Tendenzen aufzeigen. Während der Fastenzeit wird beispielsweise bis heute in der Ostkirche auf jegliche tierischen Produkten verzichtet: Auf Fleisch, Fisch, Huhn, Milch, Käse und andere Produkte. Und auch buddhistische Mönche, sowie ein Teil der Hinduistischen Religionen ernährt sich ebenfalls vegetarisch oder vegan. Im Gegensatz zum Veganismus, wird beim Verzicht die Reinheit des Menschen und die Disziplin geübt.

Alexander Radej

Mütter, stillt in der Kirche!

Papst Franziskus hat Mütter dazu eingeladen, auch während des Gottesdienstes zu stillen. Nach wie vor stören sich viele Menschen daran, wenn Frauen in der Öffentlichkeit stillen. Das hält Franziskus für falsch, wo doch Stillen etwas Natürliches ist.

 

Wie kam es zu dem Aufruf?

Franziskus lud auch in diesem Jahr wieder einige Vatikanangestellte dazu ein, ihre Kinder von ihm in der Sixtinischen Kapelle taufen zu lassen. Diesem Aufruf folgten in dieser Woche die Familien von 28 Säuglingen. Hiermit wiederholte er seine Worte von vor zwei Jahren, als er erstmals Müttern das „Okay“ gab, auch während der Messe zu stillen. Er betonte erneut die Parallelen zur Gottesmutter Maria.

Stillen, ein Tabu in der Kirche?

Besonders in der Kirche stören sich gerade Senioren und konservativ eingestellte Menschen daran, wenn neben ihnen eine Mutter ihr Baby nährt. Äußert der Nachwuchs seinen Hunger, verlassen die Mütter daher oftmals die Messe, um in ihrem Auto, oder etwa in der Sakristei die Brust zu geben. Genau dagegen hat sich Papst Franziskus nun erneut ausgesprochen. Er erklärte den Müttern, sie sollen ohne Scham ihre Kinder stillen, wie Maria es mit Jesus getan hat. Der Aufruf des Pontifex gilt dabei nicht nur den Müttern, sondern auch all jenen, die sich hieran stören. Sie sollen das Stillen nicht nur tolerieren, sondern auch akzeptieren.

Die Alternativen

Die jüngsten Gottesdienstbesucher verschlafen oft große Teile der Messe, was es für die Eltern angenehm macht, da sie so in Ruhe selbst mitfeiern können. Wacht das Kind auf, äußert es sich oft mit lauten Hungerbekundungen. Nun haben die Eltern verschiedene Möglichkeiten: Da der Nachwuchs oft unvorhersehbar ist, sich gerne mal in unerwarteten Momenten äußert, wäre eine Möglichkeit, der Messe einfach fernzubleiben. Da der Besuch der Messe aber für einige Familien am Wochenende dazugehört, kommt „Daheimbleiben“ für sie nicht in Frage. Betreuung zu organisieren ist oft komplex. Die nächste Möglichkeit wäre, eine Flasche zu geben. Der Vorteil dieser Option ist, dass in diesem Fall auch der Vater das Baby füttern kann. Allerdings ist es eine doch sehr persönliche Entscheidung, ob man dem Kind die Flasche oder doch lieber die Brust gibt. In viele Entscheidungen, die eindeutig den Eltern obliegen, sollte sich niemand einmischen. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Messe zum Stillen zu verlassen. Der Nachteil ist, dass die Mutter auch hierdurch Teile der Messe verpasst. Natürlich gibt es Frauen, die von sich aus entscheiden, lieber im Privaten zu stillen. Falsch ist es aber, wenn sie durch andere dazu aufgefordert oder gedrängt werden. Das betonte auch Franziskus erneut.

Skurrile Welt

Unsere moderne Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter und Tabus werden gebrochen. Es erscheint daher skurril, dass etwas so Natürliches, wie sein Baby zu stillen, weiterhin als Tabu bestehen bleibt. Menschen stören sich daran, wenn eine Mutter im Café ihr Baby stillt, sehen betont an ihr vorbei, oder starren sie an. Unsere Gesellschaft hat sich schon an so viele Dinge gewöhnt. Umso seltsamer ist es, dass sie sich noch daran stört, wenn eine Mutter ihr Kind öffentlich säugt.

Als ob die Menschen, die es stört, wenn neben ihnen ein Baby an die Brust gelegt wird, nie selbst gestillt worden wären. Niemand isst von Geburt an mit Messer und Gabel sein Abendbrot. Entscheidet sich die Mutter hingegen, aus welchen Motiven auch immer, dazu, ihr Baby mit der Flasche zu ernähren, sieht sie sich ebenfalls Anfeindungen gegenüber. Kritiker werfen dann gerne vor, dass Muttermilch wesentlich besser für das Kind wäre.

Es steht Niemandem zu, sich in die Erziehung und den Umgang mit dem Nachwuchs von anderen Menschen einzumischen. Auch hier gibt es selbstverständlich begründete Ausnahmen, aber die Frage danach, ob und wo gestillt wird, zählt nicht dazu.

 Ein neuer Kurs

Auch mit diesem Aufruf  leitet Franziskus wieder neuen Wind im Vatikan ein. Vor zwei Jahren, als Franziskus diese Einladung das erste Mal ausgesprochen hat, sorgte sie für Gesprächsstoff, insbesondere in den eigenen Reihen. Dass er sie jetzt wiederholte, kann verschiedene Gründe haben. Zum einen zeigt es, dass sich in den Augen Franziskus, nicht genug geändert hat. Zum anderen könnte es sich aber auch einfach um eine Erinnerung handeln. Sicher ist jedenfalls, dass das, was sich in der Sixtinischen Kapelle abspielt, beispielhaft für alle Messen weltweit ist. Letztlich liegt es aber nicht nur an den Müttern. Ob Säugen in der Kirche je diskussionslos möglich sein wird, liegt in der Hand aller Gläubigen. Erst durch die Akzeptanz des Großteils der Gemeinde würde sich etwas ändern.

Marlen Hessler

Ziellose Ökumene?

Die Treffen mit unterschiedlichen Religionsvertretern, in Lund, Kreta, Tiflis, Kuba, Turin und anderen Städten zeigten, dass der Papst sich um den ökumenischen Dialog bemüht. Kardinal Koch äußerte sich kritisch indem er sagte, dass die Ökumenebewegung ziellos sei. Meist werden keine gemeinsamen Ziele artikuliert. Jedoch wird über ein gemeinsames Miteinander gesprochen, aber wie die Gräben überwunden werden können, bleibt unklar.

500 Jahre Luther

Am 31. Oktober traf Papst Franziskus in Schweden ein. Zusammen mit der lutherischen Kirche von Schweden, begeht er den Reformationstag. Das Treffen ist das erste seiner Art in Lund, zumal die Feier zu 500 Jahren Reformation begangen wurde. Der Papst setzt damit ein starkes Zeichen für die Ökumene und betet zusammen mit den lutherischen Bischöfen das ökumenische Gebet. Entscheidend ist hierbei nicht das gemeinsame Gebet, sondern die gemeinsame Erklärung zwischen der schwedischen Lutherischen und Katholischen Kirche. Eines der wichtigsten Themen der Deklaration: Das Abendmahl. Beide Parteien erklären, dass die religiösen Gemeinschaften sich nach einem gemeinsamen Abendmahl sehnen und dass das eines der Ziele der Einheit zwischen Lutheranern und Katholiken sei.

Undefiniert bleibt der Weg zum Ziel. Zwar wird in ökumenischen Räten weiterhin über eine Lösung für die Mariologie, Eucharistie und das Evangelium diskutiert. Nach außen hin wird kein konkretes Ziel definiert, sondern überwiegend geschildert, dass beide Kirchen sich innerhalb von 50 Jahren ökumenischen Dialog angenähert haben. Ebenso wird beschrieben, dass die Taufe beide Konfessionen miteinander verbindet. Der Weg liegt im gemeinsamen Gebet und in der Verständigung zwischen den Gläubigen, sowie den Kirchenoberhäuptern. Eine Einigung in theologischen Fragen, wird der nächste Schritt sein, um den weiten Graben, den die teils heftigen Auseinandersetzungen mitverursacht haben, zu überwinden.

Die Orthodoxen als Glaubensbrüder

Ökumenische Treffen zwischen der Orthodoxen und Katholischen Kirche gab es in den letzten Jahren haufenweise: Kuba, Tiflis, Kreta. Der Besuch der unterschiedlichen Konfessionen, kurz nach dem Amtsantritt des Papstes, war mehr auf die Ökumene zwischen Orthodoxer und Katholischer Kirche ausgerichtet, als zwischen den anderen Konfessionen. Dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. wurde ein Ehrenplatz gestellt. Diese Geste zeigt eine tiefe Verbundenheit zur Orthodoxie.

In der Ökumene zwischen Orthodoxen und Katholiken wurden ebenso wie zwischen Lutheranern und Katholiken, viele Erklärungen verfasst. Die Ausführungen sind selten von theologischer Natur, sondern von politischen Zielen geprägt. In der Erklärung von Kreta, geht es vorzugsweise um eine christliche Flüchtlingspolitik. Hingegen wurde sich auf Kuba für die Hilfe im Nahen Osten ausgesprochen. Es gab dennoch ein gemeinsames Ziel, neben der humanitären Hilfe: Die Einheit der Christenheit. In den Dokumenten wird größtenteils von „Brüdern“ oder „Geschwistern“ gesprochen. Ebenso wird gesagt, dass aufgrund historischer Ereignisse die Kirchen getrennt sein und diese Geschehnisse aufgearbeitet werden sollen.

Das Bestreben ist hierbei genauso beschrieben wie in den Dokumenten von Lund, dennoch zeigt sich kein gemeinsamer Weg, sondern nur das gewünschte Ziel. Das Treffen des Papstes in Georgien lässt aber vermuten, was eine gemeinsamen Richtungen wäre: Der freundschaftliche Kontakt zu anderen Konfessionen. In Georgien nämlich wurde Papst Franziskus seitens der Georgisch orthodoxen Gläubigen als Ketzer und Herätiker beschimpft, was auf die religiöse Bildung der Gesellschaft rückschließen lässt. Die Kirche Georgiens gilt neben der russischen Kirche, als konservativste Kirche der Orthodoxie.

Wohin führen weitere Wege?

Papst Franziskus wird seinen Weg für die Verständigung zwischen religiösen Gruppen weiter gehen. Er wirkt als Botschafter der Einheit. Aufgrund seiner ständigen Besuche oder Treffen mit religiösen Oberhäuptern, versucht der Pontifex ein Vorbild für die Ökumene zu sein. Dokumente und Erklärungen  sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dennoch sind die Gesten, die der Papst auf seinen Treffen zeigt, große Schritte zu einer belebten Ökumene. Papst Franziskus nimmt den Gläubigen die Angst vor den anderen Religionen und versucht die Angst der anderen Religionen gegenüber der Katholischen Kirche zu nehmen. Er reist in die Länder, in denen der Dialog in geringem Maße gefördert wird.

Eine der nächsten Stationen des Papstes ist der Besuch des 50. Jahrestages der charismatischen Erneuerung im Jahr 2017 im Circus Maximus. Das Treffen ist während der ökumenischen Gespräche entstanden. Dazu erzählt der Papst, er sei selbst der größte Kritiker der Charismatiker gewesen, während seiner Zeit als jesuitischer Provinzial in Buenos Aires. Er fügte hinzu, dass er heute anders denke, wenn die Treffen gut gemacht sind. Genau diese Entwicklung, welche Franziskus selbst erlebt hat, versucht er in den Gläubigen zu bewirken und geht als Beispiel voraus.

Alexander Radej