Eine Beziehung mit Schwierigkeiten

Am vergangen Sonntag hat Papst Franziskus als erster Nachfolger Petri die anglikanische Kirchengemeinde „All-Saints“ in Rom besucht.  Anlass zu dem Besuch war das 200-jährige Jubiläum der Pfarrei, die am 27. Oktober 1816 gegründet wurde. Franziskus nahm an einem “Choral Evensong” teil, der mit dem katholischen Vespergottesdienst zu vergleichen ist. In seiner Predigt machte er den Gläubigen Hoffnung für die ökumenischen Beziehungen der beiden Kirchen. Auch einen Weg zur vollständigen Kircheneinheit schloss er nicht aus.
Aber: Ein solcher Weg ist steinig und problembelastet. In den letzten Jahren hat die anglikanische Kirche Entscheidungen getroffen, die die Kircheneinheit in weite Ferne rücken.

Die anglikanische Kirche/Gemeinschaft

Bis zur Reformation war die englische Kirche seit der Mission der britischen Inseln im 6. und 7. Jahrhundert Teil der westlichen Christenheit und damit der katholischen Kirche. Zur Trennung kam es unter König Heinrich VIII., der Papst Leo X. um die Annullierung seiner Ehe bat, da er sich einen männlichen Nachkommen wünschte. Nachdem Leo X. diese Bitte abgelehnt hatte, kam es zu einer Lösung der Verbindung mit Rom. 1534 verabschiedete das englische Parlament den „Act of Supremacy“. Dieser machte Heinrich und die auf ihn folgenden Könige und Königinnen anstelle des Papstes zum Oberhaupt der Kirche von England. Die Trennung war vollzogen.

Heutzutage besteht die anglikanische Kirche aus 38 Landeskirchen, die vollständig unabhängig voneinander sind. Ein verbindliches Lehramt gibt es nicht. Das oberste Kriterium der Zugehörigkeit ist die Gemeinschaft mit dem Erzbischof von Canterbury. Nach ihrem Selbstverständnis ist die anglikanische Gemeinschaft die Fortführung der Kirche der Apostel und Kirchenväter. Aktuell gehören ihr ungefähr 78 Millionen Mitglieder an. Damit ist sie die drittgrößte christliche Gemeinschaft.

Ökumenische Bestrebungen

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil kam es zu einer Annährung der katholischen und der anglikanischen Kirche. Bei einem Treffen im Vatikan beschlossen Papst Paul VI. und Erzbischof Michael Ramsey 1966 einen „ernsthaften Dialog“ einzuleiten. Diesem Beschluss folgte die Einrichtung der „Anglikanisch/Römisch-Katholische Internationale Kommission“, die die ökumenischen Beziehungen vorantreiben sollte. Sie hat bis heute Bestand.
Anfang 2015 erhielten die ökumenischen Beziehungen einen heftigen Dämpfer. Die Kirche von England weihte eine Frau zur Bischöfin. Einen Schritt, den die katholische Kirche nicht mittragen kann.

Das leidliche Thema der Frauenordination

Die Ordination von Frauen zu Priesterinnen hat sich in der anglikanischen Kirche in den 1970er Jahren etabliert. 1989 wurde die erste Frau in Massachusetts zur Bischöfin geweiht. Auf eine besondere Probe wurden die ökumenischen Beziehungen gestellt, als auch die anglikanische Mutterkirche, also die Kirche von England, anfing Bischöfinnen zu ordinieren. Am 25. Januar 2015 wurde Libby Lane zur ersten Bischöfin der Kirche von England geweiht. Vor diesem Schritt hatte im Vorhinein der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen Kardinal Walter Kasper gewarnt. Nach Kasper ist mit der Entscheidung die gegenseitige Anerkennung und Gemeinschaft unter den Bischöfen nicht mehr gegeben. Eine eucharistische Konzelebration könne somit nicht stattfinden. Gerade diese ist aber ein Merkmal einer vollständigen Kircheneinheit. Die anglikanische Kirche kehre durch diesen Schritt von der gemeinsamen Position aller Kirchen des ersten Jahrtausends ab, so Kasper. Den Dialog werde man nicht abbrechen aber seine Qualität würde darunter leiden.
Die Frauenordination ist nicht das einzige Thema, das die ökumenischen Beziehungen belastet. Auch die Bischofsweihe eines erklärten Homosexuellen sowie die Spendung eines Segens für gleichgeschlechtliche Eheschließungen erregen in Rom Anstoß.
Trotz alledem sprach Franziskus von der Möglichkeit einer „vollen Gemeinschaft“ zwischen den beiden Kirchen.

Neue Hoffnung durch Franziskus

Dieses Verhalten unterstreicht die Intention, die Franziskus in seinem Pontifikat verfolgt. Es geht ihm nicht darum die dogmatischen Regeln um jeden Preis aufrechtzuhalten. Er stellt die Menschen mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt seines Handelns. Er möchte die christlichen Gemeinschaften an dem einen Tisch des Herrn versammelt sehen. Weitere Beispiele für dieses menschenorientierte Handeln sind die Neuregelung für den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene oder die berühmt gewordene Aussage: „Wer bin ich, ihn zu verurteilen“ in Bezug auf Homosexualität.
Auch um den Dialog mit der anglikanischen Kirche zeigt sich der Papst weiterhin bemüht. Am 13. März findet im Petersdom das erste Gebet nach anglikanischem Ritus statt. Geleitet wird es vom anglikanischen Erzbischof David Moxon.

Lukas Ansorge

 

Veganismus als Religion?

Alle Veganer sind empört, wenn sie als religiös bezeichnet werden. Aber ist Veganismus eine Religion? Der Veganismus hat eine große Anhängerschaft, woraus neue Gruppierungen entstehen. Der Veganismus ist kein Randphänomen mehr und durchdringt alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Rund 10% der Weltbevölkerung lebt Vegan und 1,1% sind es bereits in Deutschland.

Veganer und Vegetarier setzen sich für das Tier ein. Gegründet hat die Philosophie dieser Lebensweise der Engländer Donald Watson. Er hatte im Jahr 1944 die Vegan Society gegründet. Sein Motto: „so weit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeit an Tieren für Essen, Kleidung oder anderen Zwecken vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen fördern.“ Dieser Leitsatz brachte die Vegan Society im Jahre 1979 sich als „Philosophie und Lebensart“ zu benennen.

Die politischen und ethischen Argumentationen für den Veganismus, haben eine religiöse Komponente. Denn die Leitsätze und die praktische Herangehensweise der Veganer weisen religiöse Strukturen auf. Wichtig ist das Objekt der Verehrung, das Tier, sowie die missionarischen Tätigkeiten der Veganer.

Objekt der Verehrung: Das Tier!

Veganer setzen sich für einen gerechten Umgang mit Tieren ein. Sie lehnen jeglichen Verzehr von tierischen Nahrungsmittel ab. Sie sehen das Tier als Lebewesen an, welcher ebenso wie der Mensch Schmerz verspürt. Hierbei werden nicht selten Tierschutzorganisation, wie die PETA gegründet. Interessant ist zu betrachten, dass dem Tier eine außerordentliche Stellung zukommt. Häufig hört man den Ausspruch „Der Mensch ist schuld am Leid der Tiere.“ Der Mensch, insbesondere der Fleischesser, wird dabei dämonisiert und als Ursache für den Tod der Tiere ausgemacht. Dabei wird auf das Tier fokussiert und es bekommt eine erhöhte Stellung gegenüber dem Menschen.

Das Tier, wird wie in Teilen des Hinduismus verehrt. Das Tier darf, laut Philosophie des Veganismus, nicht verletzt oder getötet werden. Ebenso hat der Bürgermeister von Limburg entschieden, das Lied „Fuchs du hast die Gans gestohlen“, zu verbieten. Der Grund für die Maßnahme ist, eine Veganerin hatte sich beschwert, in dem Lied würde dem Fuchs mit dem Tod gedroht werden. Mehr noch, werden halsbrecherische Rettungsversuche für Tiere durchgeführt oder gar Schlachthäuser angegriffen. Dazu kommt noch eine emotionale Komponente: Viele Veganer sind bereit ein Martyrium für das Tier hinzunehmen, damit dieses unbeschadet davonkommt.

Der Veganismus ist missionarisch!

„Du musst doch vegan leben, das ist doch logisch!“ heißen die meisten Antworten auf die Frage „Warum sollte ich vegan leben?!“. Religion hat per se nicht immer etwas mit einem Glauben zu tun, sondern für den Anhänger ist die Religion wahr. Im Veganismus ist das nicht anders. Dabei werden Glaubensgrundsätze für wahr gehalten und durch wissenschaftliche Erkenntnisse, eigener Erfahrung und Emotionen belegt.

Meist geht der Glaube an diese Emotionen, Statistiken und Erfahrungen soweit, dass ein Dialog unmöglich ist. Einige Veganer sind dermaßen von ihrer Meinung überzeugt, dass es keine Alternative gibt. Ebenso verhalten sich auch einige Religionen: Unser Gott ist wahr und real, wobei euer Gott nicht existiert oder gar das Böse ist.

Religion ist doch nichts Böses!

In Diskussionen wird klar, sobald der Satz „Veganismus ist eine Religion“ fällt, ist die Empörung groß, da der Begriff der Religion negativ geprägt ist. Dabei wird der Begriff der „Religion“ meist missverstanden: Es handelt sich beim Begriff Religion nicht um das Bild esoterischer Kartenleger auf AstroTV, sondern um einen Begriff, der alles andere als eine vegane Gruppierung denunzieren möchte. Er zeigt nur in einem anderen Kontext auf, wie sich eine bestimmte Gruppierung mit ihrer Philosophie verhält. Dabei sollen keine emotionalen-exklusiv Gründe für die Existenz des Veganismus angegriffen werden, sondern es soll aufgezeigt werden, dass religiöse Strukturen erstmal vorhanden sind. Besonders wenn massiv Emotionen in einer Religion auftreten, kann das Fass durch falsche Worte zum Überlaufen gebracht werden. Das soll präventiv bekämpft werden. Also ist der Begriff nicht „unfair“ gegenüber den Veganern, sondern ist sehr fair und sehr nützlich. Der Veganismus ist wichtig und richtig in einer Gesellschaft, in der Fleisch im Übermaß konsumiert wird. Ethische und politische Gründe für den Veganismus gibt es massenhaft und diese müssen auch angesprochen werden.

Ebenso ist wichtig zu sagen, dass die christliche Tradition und andere Religionsgemeinschaften ebenso vegane Tendenzen aufzeigen. Während der Fastenzeit wird beispielsweise bis heute in der Ostkirche auf jegliche tierischen Produkten verzichtet: Auf Fleisch, Fisch, Huhn, Milch, Käse und andere Produkte. Und auch buddhistische Mönche, sowie ein Teil der Hinduistischen Religionen ernährt sich ebenfalls vegetarisch oder vegan. Im Gegensatz zum Veganismus, wird beim Verzicht die Reinheit des Menschen und die Disziplin geübt.

Alexander Radej

Mütter, stillt in der Kirche!

Papst Franziskus hat Mütter dazu eingeladen, auch während des Gottesdienstes zu stillen. Nach wie vor stören sich viele Menschen daran, wenn Frauen in der Öffentlichkeit stillen. Das hält Franziskus für falsch, wo doch Stillen etwas Natürliches ist.

 

Wie kam es zu dem Aufruf?

Franziskus lud auch in diesem Jahr wieder einige Vatikanangestellte dazu ein, ihre Kinder von ihm in der Sixtinischen Kapelle taufen zu lassen. Diesem Aufruf folgten in dieser Woche die Familien von 28 Säuglingen. Hiermit wiederholte er seine Worte von vor zwei Jahren, als er erstmals Müttern das „Okay“ gab, auch während der Messe zu stillen. Er betonte erneut die Parallelen zur Gottesmutter Maria.

Stillen, ein Tabu in der Kirche?

Besonders in der Kirche stören sich gerade Senioren und konservativ eingestellte Menschen daran, wenn neben ihnen eine Mutter ihr Baby nährt. Äußert der Nachwuchs seinen Hunger, verlassen die Mütter daher oftmals die Messe, um in ihrem Auto, oder etwa in der Sakristei die Brust zu geben. Genau dagegen hat sich Papst Franziskus nun erneut ausgesprochen. Er erklärte den Müttern, sie sollen ohne Scham ihre Kinder stillen, wie Maria es mit Jesus getan hat. Der Aufruf des Pontifex gilt dabei nicht nur den Müttern, sondern auch all jenen, die sich hieran stören. Sie sollen das Stillen nicht nur tolerieren, sondern auch akzeptieren.

Die Alternativen

Die jüngsten Gottesdienstbesucher verschlafen oft große Teile der Messe, was es für die Eltern angenehm macht, da sie so in Ruhe selbst mitfeiern können. Wacht das Kind auf, äußert es sich oft mit lauten Hungerbekundungen. Nun haben die Eltern verschiedene Möglichkeiten: Da der Nachwuchs oft unvorhersehbar ist, sich gerne mal in unerwarteten Momenten äußert, wäre eine Möglichkeit, der Messe einfach fernzubleiben. Da der Besuch der Messe aber für einige Familien am Wochenende dazugehört, kommt „Daheimbleiben“ für sie nicht in Frage. Betreuung zu organisieren ist oft komplex. Die nächste Möglichkeit wäre, eine Flasche zu geben. Der Vorteil dieser Option ist, dass in diesem Fall auch der Vater das Baby füttern kann. Allerdings ist es eine doch sehr persönliche Entscheidung, ob man dem Kind die Flasche oder doch lieber die Brust gibt. In viele Entscheidungen, die eindeutig den Eltern obliegen, sollte sich niemand einmischen. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Messe zum Stillen zu verlassen. Der Nachteil ist, dass die Mutter auch hierdurch Teile der Messe verpasst. Natürlich gibt es Frauen, die von sich aus entscheiden, lieber im Privaten zu stillen. Falsch ist es aber, wenn sie durch andere dazu aufgefordert oder gedrängt werden. Das betonte auch Franziskus erneut.

Skurrile Welt

Unsere moderne Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter und Tabus werden gebrochen. Es erscheint daher skurril, dass etwas so Natürliches, wie sein Baby zu stillen, weiterhin als Tabu bestehen bleibt. Menschen stören sich daran, wenn eine Mutter im Café ihr Baby stillt, sehen betont an ihr vorbei, oder starren sie an. Unsere Gesellschaft hat sich schon an so viele Dinge gewöhnt. Umso seltsamer ist es, dass sie sich noch daran stört, wenn eine Mutter ihr Kind öffentlich säugt.

Als ob die Menschen, die es stört, wenn neben ihnen ein Baby an die Brust gelegt wird, nie selbst gestillt worden wären. Niemand isst von Geburt an mit Messer und Gabel sein Abendbrot. Entscheidet sich die Mutter hingegen, aus welchen Motiven auch immer, dazu, ihr Baby mit der Flasche zu ernähren, sieht sie sich ebenfalls Anfeindungen gegenüber. Kritiker werfen dann gerne vor, dass Muttermilch wesentlich besser für das Kind wäre.

Es steht Niemandem zu, sich in die Erziehung und den Umgang mit dem Nachwuchs von anderen Menschen einzumischen. Auch hier gibt es selbstverständlich begründete Ausnahmen, aber die Frage danach, ob und wo gestillt wird, zählt nicht dazu.

 Ein neuer Kurs

Auch mit diesem Aufruf  leitet Franziskus wieder neuen Wind im Vatikan ein. Vor zwei Jahren, als Franziskus diese Einladung das erste Mal ausgesprochen hat, sorgte sie für Gesprächsstoff, insbesondere in den eigenen Reihen. Dass er sie jetzt wiederholte, kann verschiedene Gründe haben. Zum einen zeigt es, dass sich in den Augen Franziskus, nicht genug geändert hat. Zum anderen könnte es sich aber auch einfach um eine Erinnerung handeln. Sicher ist jedenfalls, dass das, was sich in der Sixtinischen Kapelle abspielt, beispielhaft für alle Messen weltweit ist. Letztlich liegt es aber nicht nur an den Müttern. Ob Säugen in der Kirche je diskussionslos möglich sein wird, liegt in der Hand aller Gläubigen. Erst durch die Akzeptanz des Großteils der Gemeinde würde sich etwas ändern.

Marlen Hessler