Politik und Religion

Die Bundestagswahl steht bevor und viele stehen vor der Frage: für wen gebe ich meine Stimme ab? Da verwundert es auch nicht, dass die Kirchen zunehmend politischen Einfluss üben. Aber darf die Kirche das oder soll sie es sogar?

Back in Time

Früher war das eigenständige Agieren der Politik losgelöst von der Kirche undenkbar. Spätestens seit der Weimarer Reichsverfassung 1919, die das Verhältnis von Staat und Kirche neu regelte, ist Deutschland ein säkularer Staat.  Bis es dazu kam, hat es einige Jahrhunderte gedauert, in denen sich Krone und Kurie, weltliche und geistliche Macht über die Herrschaft im Land uneins waren. Im Verhältnis von Kaiser und Papst ging dieser Streit noch weiter und Kriege wurden darüber geführt, wer wen ernennt und wer von beiden das letzte Wort hat.

Und heute?

Heute ist in Mitteleuropa die Abgrenzung von Kirche und Staat fest in der Verfassung verankert. Deutschland hat keine Staatskirche. Dennoch ist Gott ebenfalls in der Verfassung zu finden, die Präambel des Grundgesetzes beginnt mit: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, …“. Das Grundgesetz ist also monotheistisch geprägt. Das Verhältnis von Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften und Staat daher partnerschaftlich.

Eine gute Partnerschaft beruht auf dem Austausch von Meinungen, Normen und Werten. Jeder darf seine Positionen vertreten und man muss sich gegenseitig zuhören. Zu vernachlässigen sind die Kirchen auch nicht, durch ihre große gesellschaftliche Bedeutung erhalten sie politisches Gewicht, die Ablehnung und Zustimmung der Kirchen kann sich auch in Wahlen niederschlagen.

Der Streitpunkt

Gerade die Flüchtlingströme der letzten Jahre haben den Einsatz der Kirche wieder in den Mittelpunkt gerückt. In Deutschland unterstützen die beiden Kirchenoberen der christlichen Kirchen, Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm, den Kurs der Kanzlerin.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk zu der wachsenden Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik vollführt auch Merkel den Schulterschluss mit den Kirchen “Ich halte es mal mit Kardinal Marx, der gesagt hat: ‘Der Herrgott hat uns diese Aufgabe jetzt auf den Tisch gelegt'”. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit Marx und Bedford Strohm gingen diese wiederum auf die Kanzlerin ein -Bedford Strohm sei beeindruckt, wie die Kanzlerin versuche politische Steuerung und Humanität zu verbinden und Marx griff sogar das berühmte „Wir schaffen das“- Zitat der Kanzlerin auf, “Es wird nicht leicht, aber: Wir können das schaffen.”. Ob dieser enge Schulterschluss für beide Seiten zum Vorteil gereicht, wird sich weisen. Kritiker, wie der Autor Alexander Kissler, bezeichnen die Kirchenoberen als „Fanboys der Kanzlerin“ und sehen einen Schaden für beide Seiten.  Die Kirche verkommt zum Millieuverein, die Union wird beeinflussbar.

Der oberste Politiker

Geht es um die Einmischung in die Politik, dann lässt sich einer nicht den Mund verbieten. Papst Franziskus benimmt  sich auf der Weltbühne oft wie ein Politiker. Er hat die Annäherung zwischen den USA und Kuba moderiert. Er ruft die muslimischen Führer in der Welt auf, Terrorismus im Namen des Islam zu verurteilen. Von den Europäern fordert er eine menschliche Migrationspolitik. Trotz der weltweiten Einmischung stehen Staatsoberhäupter und Politiker bei ihm Schlange, bei den Gläubigen ist er beliebter als zu Beginn seines Pontifikats. Er gilt als Papst der Gläubigen und nicht der Kirchenoberen.

Die meisten seiner Vorgänger machten auch Politik. Ganz früher war es in der Regel christlich-beschönigte Interessenpolitik des Kirchenstaates. Oftmals skrupellos. Später mischten die Päpste gern im Wettstreit des “christlichen Abendlandes” gegen andere Mächte mit. Der polnische Papst Johannes Paul II. kämpfte gegen den Kommunismus, unterstützte die Opposition in seinem Heimatland, auch mit Geld und Druckmaschinen für Flugblätter.

Als erster Papst aus einem Drittweltland orientiert Franziskus sich  nicht an politischen Doktrinen, sein Ideal ist “eine menschliche und brüderliche Welt, in der Platz für alle ist, besonders für die Schwächsten und Verletzlichsten”. Für Franziskus sind gerade die Unterschiede zwischen den Menschen „Reichtum und Ressource“, auch kann er sich in andere hineinversetzen. Somit avanciert das Kirchenoberhaupt auch zum idealen Mediator der Weltpolitik.

So und nicht anders

Die Kirchen sind da, wenn die Politik die Bodenhaftung verliert. Sie werfen Barmherzigkeit, Fürsorge, Humanität und Nachhaltigkeit in die politische Waagschale, wenn Politiker, Gläubige und Bürger von Eigeninteresse und Hedonismus überrollt werden. Dabei hat die Kirche nicht allein die Wahrheit gepachtet, auch Kritik muss einen Platz haben. Bedingungslose Zustimmung ist dabei ebenso wenig notwendig wie Opposition. Die Kirche muss, aufgrund ihrer moralischen und ethischen Verpflichtung, ihre Positionen aufzeigen, mahnend ins politische Geschehen eingreifen, darf aber dabei nicht ihre gesellschaftliche und spirituelle Funktion vergessen. Zuviel Politik als auch zu wenig kann schädlich sein.

Als Christ allerdings sollte man auch in seiner politischen Entscheidung die urchristlichen Themen nicht außen vorlassen. Bei der Wahlentscheidung kann man sich an den Kernthemen von Papst Franziskus Flüchtlingsfrage und Humanität, Gerechtigkeit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit orientieren.

Wenn es bei der Entscheidung noch hapert: https://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/254930/bundestagswahl-2017 .

Julia Westendorff

 

Vatikan ist Trump(f)

Am Mittwoch sind zwei der wichtigsten Persönlichkeiten unserer Zeit aufeinander getroffen, das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus und der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Nur 30 Minuten dauerte das Treffen, dennoch war es für die Medien von außerordentlicher Brisanz. Was macht dieses Treffen so wichtig?

Kritik zuvor

Im Vorfeld war es oftmals zu Kritik des Papstes gegenüber Trump gekommen, beispielswiese über den Mauerplan an der Grenze Mexikos. Kurz vor dem Besuch hatte sich Franziskus jedoch offen gezeigt. Präsident Trump verhielt sich ähnlich und hat gesagt, er  freue sich sogar auf das Treffen. Somit stand der ersten Audienz nichts im Weg.

Gespräch der Gegensätze

Das Treffen zwischen dem Papst der Armen und dem Milliardär, klingt erst einmal nach einem Hollywood Streifen. Die Gegensätze, die dadurch deutlich werden, sprechen für das Schwarz-Weiß Weltbild eines Blockbusters und nicht für Realpolitik, doch nichts Anderes spielte sich am Mittwoch im Vatikan ab.

Beobachter empfanden die Miene des Pontifex etwa ernster als sonst, wohingegen Trump ein breites Lächeln zur Schau stellte.  Nicht nur die Mimik der Beteiligten lässt auf Gegensätze schließen, auch die Werte, für die sie einstehen, beinhalten Konfliktpotential.

Franziskus predigt Demut, Bescheidenheit, Fürsorge und Barmherzigkeit, wohingegen der Milliardär Trump, zum Beispiel durch die Trump-Tower, Reichtum zur Schau stellt. Die von Franziskus geforderte Kirche der Armen steht im Gegensatz zur politischen Linie Trumps, der ein Amerika der Superreichen propagiert. Der päpstliche Aufruf zur Solidarität mit Migranten scheint ebenfalls noch nicht beim amerikanischen Präsident angekommen zu sein, der am Liebsten, vor allem Muslimen, die Einreise in die USA verwehren möchte.

Themen

Der genaue Inhalt des Gesprächs zwischen dem Kirchenoberhaupt und dem US-Präsidenten ist geheim. Jedoch kamen sie, trotz der knappen Zeit, auch auf Streithemen wie Migration und Klimaschutz zu sprechen.

Das strittige Thema des Klimawandels, welches für den Papst ein Herzensanliegen ist, wurde angesprochen und Trump ermutigt, die Mitgliedschaft im Pariser Klimaabkommen aufrechtzuerhalten. Außenminister Rex Tillerson sagte dazu auf dem Flug von Rom nach Brüssel, dass Trump zu diesem Thema noch keine endgültige Entscheidung getroffen habe.

Nach Angaben des Weißen Hauses berieten Trump und Franziskus auch über den Kampf gegen den Terrorismus. Trump versprach dem Papst eine Investition der USA von 300 Millionen Dollar in die Hungerhilfe, um afrikanische Staaten wie den Sudan, Somalia und Nigeria zu unterstützen.

Es erfolgte auch eine Einigung beim Thema “Schutz des Lebens”, also die Einstellung gegen Abtreibung. Auch Trump sieht sich als Abtreibungsgegner. Unter der Obama-Regierung war dieses Thema ein Streitpunkt mit der katholischen Kirche.

Geschenke und Symbole

Donald Trump erhielt von Franziskus eine Medaille mit einem Olivenzweig. Außerdem gab der Papst dem Präsidenten den Wunsch mit auf den Weg, für den Frieden zu arbeiten. Trump dankte mit den Worten, „Frieden können wir gebrauchen.“ Der Republikaner erhielt außerdem die diesjährige Friedensbotschaft des Papst und drei seiner Lehrschreiben. Darunter soll auch die Umweltenzyklika „Laudato si‘“ sein. Trump versicherte die Schriften zu lesen. Franziskus erhielt eine Kiste mit Büchern von Martin Luther King und eine Bronze-Skulptur.

Das päpstliche Geschenk, das Umwelt-Lehrschreiben “Laudato Si“ scheint wie ein Wink mit dem Zaunpfahl, ist aber das übliche Geschenk bei Privataudienzen. Auch der Appell für den Frieden gehört zur päpstlichen Routine, obwohl dieser in Gegenwart Trumps eine andere Dimension besitzen könnte. Dieser hatte zuvor in Saudi-Arabien milliardenschwere Waffendeals abgeschlossen. “Papst Franziskus und Präsident Trump reichen der islamischen Welt die Hand, um religiöse Gewalt auszutreiben. Einer bietet Frieden durch Dialog, der andere die Sicherheit der Waffen”, twitterte Kurienkardinal Peter Turkson.

Hoffnung im Vatikan

Der Papst überzeugte wohl im Gespräch, denn Trump twitterte nach dem Treffen „Ich verlasse den Vatikan entschlossener denn je, den Frieden in unserer Welt zu verfolgen“.„Der Vatikan hingegen blieb verhaltener und sprach lediglich von „herzlichen Gesprächen“ und „guten bilateralen Beziehung“, die Standardauskunft des Vatikans. Ob das Anliegen, den Zwist aus dem vergangenen Jahr hinter sich zu lassen geglückt ist, wird die Zukunft weisen. Jedoch hofft man im Vatikan auf eine Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und Regierung in der USA besonders in den strittigen Themen: Gesundheitsversorgung und Integration von Migranten.

Wirkung Franziskus

Nach dem Gespräch zeigte sich der US-Präsident beeindruckt, „Er hat etwas, er ist wirklich gut.“, Worthülsen, die Trump jedoch auch in anderen Zusammenhängen fallen ließ.  Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, betont die Wichtigkeit der Audienz der beiden Oberhäupter: „Deshalb glaube ich, noch viel wichtiger ist tatsächlich die persönliche Begegnung, und der großen, wirklich großen Persönlichkeit dieses Papstes kann man sich nur ganz schwer entziehen und es sollte mich sehr wundern, wenn nicht doch hier zumindest ein Moment des Nachdenkens gewesen ist bei dieser Audienz, bei der ja auch Trump nachher sagte, dass er das nicht vergessen werde, was er gehört habe.“. Sternberg hofft auch, dass die Begegnung einen Moment des Nachdenkens bei Donald Trump ausgelöst habe. Die langfristige Einschätzung des Zentralkomitee-Präsidenten bleibt aber nüchtern, eine Veränderung von Trumps Politik wird das Treffen nicht bewirken.

Perspektive

Vor dem Treffen war die Beziehung zwischen Papst und US-Präsidenten von Unberechenbarkeit geprägt.  Der Autor Marco Politi beschrieb die Lage als problematisch, „Es ist das erste Mal in der Nachkriegszeit, dass für den Vatikan Washington zu einer problematischen Hauptstadt geworden ist.“.

Für den Papst ging es darum Kontakt aufzunehmen. Die Vereinigten Staaten mit etwa 70 Millionen Katholiken sind für den Vatikan von großer Bedeutung. Sowohl Franziskus als auch Trump ist ihre Rolle in der Welt bewusst, der Papst als moralische Instanz und die USA als führende Weltmacht. Der Vatikan-Experte des katholischen Portals „Crux, John L. Allen Jr. erklärte, „Es ist im Interesse aller, dass die beiden gut miteinander auskommen.“.

Die konservativen Katholiken in den USA sind enttäuscht von Franziskus Modernisierungskurs, somit wird Trump für den Papst zur Schlüsselfigur, der den Hirten seinen Schafen wieder näherbringen kann.  Der Professor für Religionsstudien der Villanova-Universität (USA) sagte, „Viele amerikanischen Kardinäle sind enttäuscht (…) von einem Papst, der über Homosexuelle, Familie und Scheidung in einer Art und Weise redet, die weit von ihren Prioritäten entfernt liegt”.

Und jetzt?

Zum Ende der Audienz wünschte man sich „Good Luck“. Trump gab sich beeindruckt, Franziskus ging zum Alltagsgeschäft über. Insgesamt hatten sich viele von der Audienz mehr erhofft. Einen Papst der stärker auf die moralischen Verpflichtungen der USA pocht und mehr fordert. Das Treffen war letztendlich mehr von der Kleidung Melania und Ivanka Trumps geprägt, als von klaren politischen, ethischen und religiösen Ansagen. Es handelte sich zwar um das erste Treffen, jedoch hätte der Papst mit klareren Linien und konkreteren Forderungen aufwarten können. Bei Trump handelt es sich wirklich um eine Schlüsselfigur, da er die Geschicke der Welt verändern könnte, im Hinblick auf dessen politische Brisanz hätte auch der Papst seine Münze in den Topf werfen müssen.

Julia Westendorff

 

Was ist der Papst?

Nicht erst seit der umstrittenen KZ-Lager Äußerung von Papst Franziskus sind die Gemüter erhitzt. Der Papst polarisiert. Unumstritten ist auch, dass er Dinge anders macht als seine Vorgänger und oftmals ein Vorreiter ist. Was macht Franziskus zum Vorbild?

Papst als Deutscher

Im Jahr 2005 wurden wir Papst. Mit Benedikt XVI. war seit mehr als 500 Jahren wieder ein Deutscher Papst. Papa Ratzi wurde zum Popstar. Das Merchandise mit Papstartikeln und das „Wir sind Papst“ wurde omnipräsent.

Das Blatt wendete sich jedoch: 2005 wurde der Ausspruch „Wir sind Papst“ von der Gesellschaft für Deutsche Sprache auf den zweiten Platz der Wörter des Jahres 2005 gesetzt. Im Jahr 2009 verlor Papst Benedikt XVI. seine Popularität bei den Deutschen, „Wir sind peinlich. Die seltsamen Entscheidungen des Papstes Benedikt XVI.“ titelte die taz und bei Maybrit Illner wurde über das Thema „Sind wir noch Papst? Religion im Rückwärtsgang?“ gesprochen. Die Popularität des deutschen Papstes war am Tiefpunkt und wurde erst durch seinen Rücktritt 28.02.2013 wieder erhöht. Mit dem zweiten Papst der Geschichte, der vom Amt zurücktrat, ließ sich plötzlich wieder etwas anfangen, nur waren wir eben nicht mehr Papst.

Papst als Jesuit

Als Nachfolger von Papst Benedikt XVI. wurde erneut eine Rarität unter den Päpsten gewählt: Jorge Mario Bergoglio ist der erste Lateinamerikaner und der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri. Eine Überraschung, denn seine Wahlchancen galten als gering. Auch der Name Franziskus war eine Neuerung und zeigte schon gleich das Wahlprogramm des neuen Kirchenoberhauptes an, „eine arme Kirche für die Armen“.

Franziskus als Papst der Armen

Es zeigte sich, Franziskus nimmt sein Wahlprogramm ernst. Einige Veränderungen waren im Auftreten des Papstes zu beobachten, sein Brustkreuz ist aus Eisen, er trägt orthopädische Schuhe und wohnt im Gästehaus des Vatikans.

Auch in seinen Gesten ist zu erkennen, dass er die Armen nicht vergessen hat. So ließ er Duschen für die Obdachlosen bauen und Schlafsäcke verteilen, außerdem feierte den Abschluss des Heiligen Jahres mit Obdachlosen aus ganz Europa.

Franziskus als Papst des Volkes

Vielen Päpsten wurde die große Distanz zu den Gläubigen vorgeworfen. In einer Milieustudie über „religiöse und kirchliche Orientierungen“, die von der Medien-Dienstleistung GmbH (MDG) 2013 durchgeführt wurde, schnitt Papst Benedikt XVI. und die Bischöfe schlecht ab, sie seien zu rückwärtsgewandt. Bei Franziskus verhält es sich anders, sein Papa Mobil ist nicht gepanzert und offen. Oft sieht man ihn Kinder halten oder Kranke umarmen.

Bei der Fußwaschung am Gründonnerstag wusch er geläuterten Mafiosi die Füße, und nicht wie seine Vorgänger römischen Priestern.

Auch in Sachen Ökumene und interreligiösem Dialog zeigt sich das Kirchenoberhaupt als Vorreiter. Er feierte in Schweden den Reformationstag in einem ökumenischen Gottesdienst. Franziskus traf sich als erster Papst mit dem Patriarchen von Moskau.

Papst als Umweltschützer

Die Enzyklika Laudato si wurde weltweit von Umweltaktivisten gefeiert. Erstmalig setzte sich ein Papst mit den Folgen der Klimaerwärmung auseinander. Darin plädierte er außerdem für alternative Energien und forderte die Energiewende. Zum Weltumwelttag hielt Franziskus eine Rede in der er die Wegwerfkultur kritisierte und forderte der „Verschwendung und Vernichtung von Lebensmitteln Einhalt zu gewähren“. Ein nachhaltigerer Umgang mit Lebensmitteln wäre auch Vorteil für die Armen, da genug Lebensmittel produziert werden, diese aber ungerecht verteilt sind.

Papst als Reformer

Franziskus räumte massiv im Vatikan auf und ordnete die Vatikanbank neu. Auch berief er einen Wirtschaftsrat ein. Die Kürzung der Gehälter der Vatikanbank-Kardinäle brachte jährlich etwa 125.000 Euro, Geld, dass für soziale Projekte verwendet werden konnte. Das Kirchenoberhaupt scheut auch nicht vor Konflikten zurück, so behielt er im Streit mit dem Malteserorden die Oberhand.

Die Zweifel, die durch das Schreiben Amoris Laetitia entstanden, brachten ihn ebenfalls nicht aus der Ruhe, er schwieg dazu und verkündete schließlich alles sei gesagt worden. Es zeigt sich also, Papst Franziskus schreckt nicht vor Konflikten zurück.

Papst als Revolutionär

Kritiker werfen dem Papst vor die Kirche zu spalten wie zu Zeiten der Reformation. Andere seiner Gegner sagen, er sei nicht mehr katholisch und gebe sich als primitiver Antikapitalist, der sage, die Welt produziere die verkehrten Produkte. Vatikanexperte Andreas Englisch kann diese Meinung nicht teilen, „Für mich ist Franziskus ein notwendiger und hervorragender Revolutionär der katholischen Kirche.“ Klar würde der Papst auch Fehler machen, „aber nur wer schweigt und auf seinem Thron sitzt, macht keine Fehler. So einer ist Franziskus nicht“, so Englisch.

Papst als Vorbild

Trotz der teils kontrovers diskutierten Ansichten, kann der Papst auch für uns ein Vorbild sein. Wir sehen, wie er mit Dingen umgeht, Meinung bezieht und Flagge bekennt. Außerdem schwingt er nicht nur große Reden, sondern ist auch in seinen Taten glaubwürdig. Wir sind dabei wie der Papst zum ersten Mal Dinge tut, viele Dinge die für frühere Päpste nicht denkbar gewesen wären, er verabschiedete sich von pompösen Gewändern, hat eine Reform der Kurie angestoßen, sucht den Umgang mit Obdachlosen und Behinderten und betete 2015 mit gefalteten Händen in einer Moschee.

Die Annäherung mit anderen Religionen hat er zu einem Kernthema gemacht.  Auch innerhalb des christlichen Glaubens beweist der Papst Offenheit, das zeigt die Feier zur Reformation in Schweden, der Gottesdienst in der anglikanischen Kirche All Saints oder das heutige Treffen mit dem Patriarchen von Moskau, Bartholomaios I..

Zum Schlüsselbegriff seines Pontifikat hat Franziskus die Barmherzigkeit gemacht, in der er den Kern des Evangeliums selbst sieht. In seinen Taten zeigt er uns viel wie Barmherzigkeit umgesetzt werden kann. Und mit diesen Taten hat der Papst Erfolg, so sorgte er für die Annäherung von Kuba und den USA. Auch vermittelt das Kirchenoberhaupt zwischen den zerstrittenen Lagern in Venezuela.

Trotz aller Erfolge stößt der Papst vor allem in den eigenen Reihen auf Widerstand, vor allem in der römischen Kurie machen einige Beobachter einen Hort des Widerstands oder zumindest einen Bremsklotz aus. Unstrittig ist nur: Der Papst, der von Bischöfen und Pfarrern fordert, den “Geruch ihrer Herde” zu verströmen, hat den größten Rückhalt unter den einfachen Gläubigen.

Julia Westendorff