Nach Luther

Am Dienstag fand das 500. Jubiläum des Reformationstages statt. Was können wir Katholiken aus der Reformationsfeier mitnehmen und kann das ein Anfang für mehr Ökumene sein?

Für die Einen ist das Reformationsjubiläum die Erinnerung an den „Akt der Befreiung“, für die Anderen eine „Revolution wider den Heiligen Geist“. In den zahlreichen Feiern zur Reformation wurde aber auch gezeigt was uns eint.

1517

Ob Luther am 31. Oktober 1517 die Thesen wirklich an eine Kirchentür nagelte, bleibt unklar. Doch auf dieses Datum fällt die Veröffentlichung der Thesen. In diesen zeigte der Mönch und Theologe Martin Luther auf, mit welchen Dingen der katholischen Kirche er nicht einverstanden war. Es folgte die Reformation, die Erneuerung. Obwohl Luther die katholische Kirche nur reformieren wollte, entstand daraus die evangelische Kirche.

2017

500 Jahre sind seit dem berühmten „Thesenanschlag“ vergangen. Für Arbeitnehmer in Deutschland ist das ein Grund zu feiern, denn es gibt einen bundesweiten Feiertag. Die Veranstalter haben sich noch mehr einfallen lassen. Zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen und Gottesdienst sollten uns im ganzen Jahr begleiten. Der Ansturm bleibt aus, die FAZ titelt mit „Luther ist die Pleite des Jahres“, die Besucherzahlen fast aller kirchlichen Großveranstaltungen seien weit hinter den Prognosen zurückgeblieben. Zur zentralen viermonatigen „Weltausstellung Reformation“ in der Lutherstadt Wittenberg, die auf eine halbe Million Besucher ausgelegt ist, waren nach knapp vier Wochen nur 40.000 gekommen. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat die Planungen als “wohl überdimensioniert und zu ambitioniert” bezeichnet.

Luther für uns

Auch Katholiken haben sich an den Feierlichkeiten beteiligt, und versucht „mehr Luther zu wagen“.

Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, tut etwas was lange undenkbar war und zitiert Luther, „Wenn du nun mit Christo Eins bist, was willst du mehr haben?“. Noch vor 100 Jahren, zum 400. Jahrestag, wurde von katholischer Seite ausschließlich abwertend über Martin Luther geschrieben, dass er als Verantwortlicher für die Spaltung der abendländischen Kirche galt. Auch die Schuld für den Dreißigjährigen Krieg ließ sich bei Luther finden. Die Verbreitung der Thesen führte ausschließlich zu Zwietracht und Streit.

Erst durch die Lutherforschung im 20. Jahrhundert wurde ein historisch differenzierteres Bild des Reformators entworfen. Dabei half die Einordnung Luthers in die Frömmigkeit und Mystik seiner Zeit. Somit zielte Luther nicht auf die Spaltung der Kirche an, sondern lediglich darauf Missstände aufzudecken. Erst 50 Jahre gemeinsamer ökumenischer Dialog führt dazu, dass es auch für einen katholischen Christen möglich war Texte Luthers mit Anerkennung zu lesen und von seinen Gedanken zu lernen. Diese Entwicklung wird von Kardinals Marx äußerst positiv eingeschätzt.

Die andere Seite

Kardinal Marx bedauert jedoch, dass uns die volle Einheit untereinander noch nicht geschenkt ist und es die Gläubigen immer noch in getrennten Kirchen leben. „Diese Tatsache schmerzt, widerspricht sie doch zutiefst dem Willen Christi, der um die Einheit der Seinen gebetet hat.“, so Marx. Für ihn ist es jedoch ein Grund die Bemühungen um die Einheit der Kirche nicht einzustellen.

Doch auch von katholischer Seite wird Kritik an Luther geübt, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller bezeichnet die Reformation als „Revolution wider den Heiligen Geist“. Damit wendet er sich gegen eine weichgespülte Ökumene. Für Müller kann der Wunsch nach guten Beziehungen zu Nichtkatholiken nur das Ziel haben, zur vollen Gemeinschaft mit der katholischen Hierarchie und zur Annahme der katholischen Lehre hinzuführen. Kardinal Müller sieht in Luthers Absicht nicht den Kampf gegen Missbräuche, sondern es werde „absolut klar, dass Luther sämtliche Prinzipien des katholischen Glaubens hinter sich gelassen hat“. Vor allem die Abschaffung der fünf Sakramente, die Leugnung der Eucharistie und die Ämterkritik Luthers bedeuten für Müller, dass man die Reformation nicht als “Kirchenreform im katholischen Sinn” bezeichnen könne. Daher kritisiert der Kardinal auch die enthusiastische Sichtweise auf Luther, für ihn liege der Grund dafür in einer Unkenntnis der Theologie Luthers und der desaströsen Folgen dieser, nämlich die Zerstörung der Einheit mit der katholischen Kirche.

Auch Kardinal Müller spricht sich für Ökumene aus jedoch dürfe eine Versöhnung aber “nicht auf Kosten der Wahrheit” geschehen.

Das Hier und Jetzt

Kardinal Müller gilt als Hardliner. Zuletzt war er auch durch Kritik am Papst aufgefallen, nachdem Müller als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan nach seiner Amtszeit entlassen wurde. Auch im Streit um die Sichtweise der Reformation teilt er in diese Richtung aus, Viele hielten “den Papst für unfehlbar, wenn er privat spricht”, aber stellten zur Disposition, was “die Päpste der ganzen Geschichte” als Glaubensgut vertreten hätten.

Für die Gläubigen

„In den notwendigen Dingen Einheit, in den zweifelhaften Freiheit, über allem die Liebe.“, so drückt es der Kirchenvater Augustinus aus und führt uns damit vor Augen, dass trotz allem Streit um Einheit die Liebe überwiegen sollte. Trotz aller Uneinigkeiten handelt es sich sowohl bei Katholiken als auch bei evangelischen geprägten Gemeinschaften um Christen, wir sind also Brüder im Glauben.

Was uns eigentlich voneinander trennt, ist 60%der Gläubigen nicht bewusst. Eine Umfrage unter Katholischen Gläubigen ergab, für 58 % ist die Autorität des Papstes nicht wichtig. Ähnlich verhält es sich bei der Zustimmung zur Homo-Ehe: bei den Protestanten sind es 78 Prozent, bei den Katholiken 70 Prozent. Unter den Gläubigen selbst besteht kein besonders großer Unterschied, wohingegen die offizielle Meinung der Kirche stark davon abweicht.

Die Debatte um den ökumenischen Religionsunterricht, der in NRW 2018 eingeführt wird, zeigt auf, dass die Kirchen sich nach eigener Darstellung auf die veränderte Schullandschaft und die rückläufige Zahl christlicher Schüler einstellen. Damit wird eine neue Generation noch einmal anders an die Ökumene herangeführt und vielleicht ergibt sich ja daraus ein neuer Versuch der Einheit, der mehr Freiheit und Individualität im Glauben zulässt.

Julia Westendorff

 

Hinter den Papst

“Werden wir das Schwert über dem Papst zücken, so werden wir uns selber treffen.”, so heißt es in Martins Luthers Tischreden. Heute wird heftige Kritik am Papst geübt. Vor allem Konservative rügen Franziskus öffentlich in verschiedenen Formen. Aber muss das wirklich sein?

Was bisher geschah

Das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ hatte von Anfang an für „Dubia“ gesorgt.  Im Juni 2016, kurz nach der Veröffentlichung, wandten sich 45 Theologen und Philosophen vertraulich an das Kardinalskollegium und warnten vor „häretischen Thesen, Irrtümern und Zweideutigkeiten.“ Darauf folgte auch ein öffentlicher Appell.

Der österreichische Philosoph Josef Seifert erinnerte in seinem Aufsatz über Amoris laetitia an die „brüderliche Zurechtweisung“ des heiligen Petrus durch den Apostel Paulus und kritisierte das Schreiben vernichtend.

Konservative Geistliche haben im September 2016 ihre Zweifel in einem Brief an Papst Franziskus geäußert. Die Kardinäle Walter Brandmüller, Joachim Meisner, Raymond Leo Burke und Carlo Caffarra sprachen von „ernsthafte Orientierungslosigkeit und große Verwirrung“ unter den Gläubigen im Hinblick auf das Leben in der Kirche.

Als keine Antwort auf die fünf Fragen der Kardinäle folgte, wandten diese sich im November 2016 an die Öffentlichkeit. Danach wurde starke Kritik aus beiden Lagern geübt. Auch als die Kardinäle der Dubia um eine private Audienz baten, wurden sich nicht erhört.

Neuer Zunder

In den vergangenen Wochen ist eben jene Diskussion wieder entbrannt. Zahlreiche Priester und angesehene Laien aus den Reihen der Wissenschaft haben gegenüber Papst Franziskus eine Correctio ausgesprochen. In dieser „Zurechtweisung wegen der Verbreitung von Häresien“ werfen sie Franziskus vor, mit seinem umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia sieben Häresien „angedeutet oder ermutigt“ zu haben. Unter den Unterzeichner finden sich bekannte Namen wie Roberto de Mattei, Martin Mosebach und Thomas Stark. In der Correctio wird der Papst aufgerufen diese Häresien zu verurteilen.

Inhalt der Correctio

Die Correctio begründen die Unterzeichner aus ihrer Pflicht und ihrem Recht als gläubige und praktizierende Katholiken eine Zurechtweisung an den Papst zu richten. „Das Gesetz der Kirche verlangt, dass kompetente Personen nicht schweigen, wenn die Hirten der Kirche die Herde verwirren.“. Für sie bedeute das keinen Widerspruch zur päpstlichen Unfehlbarkeit, da Papst Franziskus diese ausdrücklich nicht in Anspruch genommen habe und die Unfehlbarkeit nur unter genau definierten Bedingungen gelte. „Die Kirche lehrt, dass kein Papst behaupten kann, dass Gott ihm irgendeine neue Wahrheit offenbart habe, die von den Katholiken verpflichten zu glauben sei.“, so in der Zusammenfassung der Correctio.

Im zweiten Teil der Correctio werden „Sieben häretische Thesen“ aufgelistet, deren Verbreitung und Förderung sich Papst Franziskus schuldig gemacht hat. Der dritte Teil enthält Gründe für die „beispiellose Krise“ in die die Kirche durch Amoris laetitia geführt wurde, „der Modernismus“ und der Einfluss der Ideen Martin Luthers auf den Papst. Zur Untermalung zeigen die Unterzeichner einige Thesen Luthers auf, die „genau mit dem übereinstimmen, was von Papst Franziskus gefördert wird“.

Theorie und Praxis

In der Praxis scheiden sich die Geister: Polens Bischöfe sagen „Nein“ zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Damit stellen sie sich offen gegen die Linie von Papst Franziskus und unterstützen direkt und indirekt die Argumente der Dubia und der Correctio filialis stützen.

Der polnische Episkopat weist die Möglichkeit zurück, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen. Das sei ein Widerspruch, der nicht überwunden werden könne. Dasselbe, so die Bischöfe, gilt für jede irreguläre Verbindung.

Die polnischen Bischöfe bestätigen damit die Sorgen der Dubia-Kardinäle, die davor gewarnt haben, dass Amoris laetitia die Kirche spalte, indem ein Verhalten in einem Land weiterhin Sünde ist, im Nachbarland aber nicht mehr. Die deutsche Bischofskonferenz hingegen verfahren im Sinne des päpstlichen Schreibens und lassen in Einzelfällen wiederverheirateten Geschiedene zur Kommunion zu.

Was wollen die Gläubigen

Verfolgt man die Diskussion, wird schnell klar, dass sie sich in den oberen Reihen der Kirche abspielt: konservative Kardinäle und Wissenschaftler gegen Papst Franziskus und seine Vertrauten. Unberücksichtigt bleibt dabei die Position der Gläubigen, die doch den Großteil der Kirche ausmachen. Bei der Kirche handelt es sich um keine Demokratie, so viel weiß jeder, dennoch kann es manchmal von Nöten sein die Basis bei solchen, vielleicht „spaltenden“ Entscheidungen miteinzubeziehen.

Die Gegenseite der Dubia-Kardinäle macht davon Gebrauch. Sie verteidigen Franziskus in einem offenen Brief, der auf der Website “www.pro-pope-francis.com” zugänglich ist und von jedem unterzeichnet werden kann. Somit wurden auch die ins Boot geholt, für die letztendlich das Verfahren gilt. Den kein Geistlicher kann von sich behaupten, zu wissen, wie sich wiederverheiratete Geschiedene bei einer solchen Diskussion fühlen.

Der Mitinitiator Paul Michael Zulehner, Wiener Pastoraltheologe, sagt zu dem offenen Brief, „Ich denke, wir machen auch ein bisschen Bewusstseinsbildung in der Kirche, dass man jetzt unter diesem Papst nicht im Lehnstuhl sitzenbleiben kann, sondern dass es ein kirchenhistorisches, offenes Fenster gibt, das weltkirchlich genützt werden soll.“.

Und genau das ist es was sich viele Gläubige wünschen, eine Kirche die bewegt, eine Kirche die weiterdenkt und sich auch an die Gegebenheiten der Zeit anpassen kann. Laut der 17. Shell Studie verneinen Jugendliche nicht das Existenzrecht der Kirche, schätzen sogar ihre soziale Rolle, aber vermissen  oft Antworten auf wichtige Fragen ihrer Lebensführung. Eine Kirche, die eben nicht nur auf den Entscheidungen alter  Männer fusst, sondern ein Ort der Partizipation aller sein kann.

Für 64 % der jungen Leute muss sich die Kirche ändern „wenn sie eine Zukunft haben will”. Denn für viele, vor allem junge Gläubigen, ist die Kirche nach wie vor ein verstaubter Haufen, bei dem sich nichts verändert.

 

Julia Westendorff

 

 

 

 

Politik und Religion

Die Bundestagswahl steht bevor und viele stehen vor der Frage: für wen gebe ich meine Stimme ab? Da verwundert es auch nicht, dass die Kirchen zunehmend politischen Einfluss üben. Aber darf die Kirche das oder soll sie es sogar?

Back in Time

Früher war das eigenständige Agieren der Politik losgelöst von der Kirche undenkbar. Spätestens seit der Weimarer Reichsverfassung 1919, die das Verhältnis von Staat und Kirche neu regelte, ist Deutschland ein säkularer Staat.  Bis es dazu kam, hat es einige Jahrhunderte gedauert, in denen sich Krone und Kurie, weltliche und geistliche Macht über die Herrschaft im Land uneins waren. Im Verhältnis von Kaiser und Papst ging dieser Streit noch weiter und Kriege wurden darüber geführt, wer wen ernennt und wer von beiden das letzte Wort hat.

Und heute?

Heute ist in Mitteleuropa die Abgrenzung von Kirche und Staat fest in der Verfassung verankert. Deutschland hat keine Staatskirche. Dennoch ist Gott ebenfalls in der Verfassung zu finden, die Präambel des Grundgesetzes beginnt mit: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, …“. Das Grundgesetz ist also monotheistisch geprägt. Das Verhältnis von Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften und Staat daher partnerschaftlich.

Eine gute Partnerschaft beruht auf dem Austausch von Meinungen, Normen und Werten. Jeder darf seine Positionen vertreten und man muss sich gegenseitig zuhören. Zu vernachlässigen sind die Kirchen auch nicht, durch ihre große gesellschaftliche Bedeutung erhalten sie politisches Gewicht, die Ablehnung und Zustimmung der Kirchen kann sich auch in Wahlen niederschlagen.

Der Streitpunkt

Gerade die Flüchtlingströme der letzten Jahre haben den Einsatz der Kirche wieder in den Mittelpunkt gerückt. In Deutschland unterstützen die beiden Kirchenoberen der christlichen Kirchen, Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm, den Kurs der Kanzlerin.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk zu der wachsenden Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik vollführt auch Merkel den Schulterschluss mit den Kirchen “Ich halte es mal mit Kardinal Marx, der gesagt hat: ‘Der Herrgott hat uns diese Aufgabe jetzt auf den Tisch gelegt'”. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit Marx und Bedford Strohm gingen diese wiederum auf die Kanzlerin ein -Bedford Strohm sei beeindruckt, wie die Kanzlerin versuche politische Steuerung und Humanität zu verbinden und Marx griff sogar das berühmte „Wir schaffen das“- Zitat der Kanzlerin auf, “Es wird nicht leicht, aber: Wir können das schaffen.”. Ob dieser enge Schulterschluss für beide Seiten zum Vorteil gereicht, wird sich weisen. Kritiker, wie der Autor Alexander Kissler, bezeichnen die Kirchenoberen als „Fanboys der Kanzlerin“ und sehen einen Schaden für beide Seiten.  Die Kirche verkommt zum Millieuverein, die Union wird beeinflussbar.

Der oberste Politiker

Geht es um die Einmischung in die Politik, dann lässt sich einer nicht den Mund verbieten. Papst Franziskus benimmt  sich auf der Weltbühne oft wie ein Politiker. Er hat die Annäherung zwischen den USA und Kuba moderiert. Er ruft die muslimischen Führer in der Welt auf, Terrorismus im Namen des Islam zu verurteilen. Von den Europäern fordert er eine menschliche Migrationspolitik. Trotz der weltweiten Einmischung stehen Staatsoberhäupter und Politiker bei ihm Schlange, bei den Gläubigen ist er beliebter als zu Beginn seines Pontifikats. Er gilt als Papst der Gläubigen und nicht der Kirchenoberen.

Die meisten seiner Vorgänger machten auch Politik. Ganz früher war es in der Regel christlich-beschönigte Interessenpolitik des Kirchenstaates. Oftmals skrupellos. Später mischten die Päpste gern im Wettstreit des “christlichen Abendlandes” gegen andere Mächte mit. Der polnische Papst Johannes Paul II. kämpfte gegen den Kommunismus, unterstützte die Opposition in seinem Heimatland, auch mit Geld und Druckmaschinen für Flugblätter.

Als erster Papst aus einem Drittweltland orientiert Franziskus sich  nicht an politischen Doktrinen, sein Ideal ist “eine menschliche und brüderliche Welt, in der Platz für alle ist, besonders für die Schwächsten und Verletzlichsten”. Für Franziskus sind gerade die Unterschiede zwischen den Menschen „Reichtum und Ressource“, auch kann er sich in andere hineinversetzen. Somit avanciert das Kirchenoberhaupt auch zum idealen Mediator der Weltpolitik.

So und nicht anders

Die Kirchen sind da, wenn die Politik die Bodenhaftung verliert. Sie werfen Barmherzigkeit, Fürsorge, Humanität und Nachhaltigkeit in die politische Waagschale, wenn Politiker, Gläubige und Bürger von Eigeninteresse und Hedonismus überrollt werden. Dabei hat die Kirche nicht allein die Wahrheit gepachtet, auch Kritik muss einen Platz haben. Bedingungslose Zustimmung ist dabei ebenso wenig notwendig wie Opposition. Die Kirche muss, aufgrund ihrer moralischen und ethischen Verpflichtung, ihre Positionen aufzeigen, mahnend ins politische Geschehen eingreifen, darf aber dabei nicht ihre gesellschaftliche und spirituelle Funktion vergessen. Zuviel Politik als auch zu wenig kann schädlich sein.

Als Christ allerdings sollte man auch in seiner politischen Entscheidung die urchristlichen Themen nicht außen vorlassen. Bei der Wahlentscheidung kann man sich an den Kernthemen von Papst Franziskus Flüchtlingsfrage und Humanität, Gerechtigkeit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit orientieren.

Wenn es bei der Entscheidung noch hapert: https://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/254930/bundestagswahl-2017 .

Julia Westendorff