Fasten ist ein Lifesytle

Die Fastenzeit hat begonnen. Eine Zeit, in der viele Deutsche, ob gläubig oder nicht, 40 Tage vor Ostern auf etwas verzichten wollen. Fasten ist Trend geworden. Immer mehr Magazine versprechen, den besten Fastenguide zu haben. Abnehm- und Ersatzprodukte boomen. Egal ob zuckerfrei, vegan, magische Kohlsuppe, Trinkkuren oder  glutenfrei, die Fastentrends dominieren die Medien. Doch worauf kommt es beim Fasten an?

Fasten religiös

Die Christen kennen zwei Fastenzeiten im Jahr, die Adventszeit und die 40 Tage vor Ostern. Zurückgehend auf Aschermittwoch und Karfreitag, gibt es innerhalb der Woche dazu zwei Tage an denen man Fasten sollte. Im Islam gibt es den Fastenmonat Ramadan,
in dem die Muslime fasten tagsüber und  nachts essen. Die Juden kennen den Fastentag Jom Kippur.

Fasten historisch

Doch auch ohne die Religion gab es das Fasten. Hippokrates schrieb dazu, „Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung […] und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.“. In der Neuzeit kommen Formen des Fastens als Trauerarbeit hinzu. Auch das politische Fasten als passiver Widerstand, wie zum Beispiel bei Mahatma Ghandi ist von Bedeutung.

Fasten heute

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage der Krankenkasse DAK gaben etwa 60 Prozent der Deutschen an, fasten zu wollen. Dabei handelt es nicht mehr um eine rein religiöse Angelegenheit, da viele von ihnen kaum in der Kirche etabliert sind. Der Großteil will auf Alkohol verzichten, im Ranking dicht gefolgt von Süßigkeiten, Fleisch und Rauchen. Oftmals bleibt es nur beim guten Vorsatz, jedoch haben immerhin 59 Prozent der Befragten schon einmal in ihrem Leben gefastet. Grund ist für viele die Gesundheit.

Auch die Diätartikelanbieter profitieren von der Fastenzeit. Das Geschäft floriert. Der Verzicht ist nun einmal einfacher, wenn ein Ersatzprodukt zur Stelle ist. Für viele hat sich vegetarisches oder veganes Essen schon in ihrem Leben etabliert, für Andere ist die Fastenzeit eine Chance eben dieses auszuprobieren.

Fasten im Fernsehen

Selbst das Fernsehen springt auf diesen Trend auf und schafft mit dem TV-Format von Sat.1 „Nacktes Überleben – Wie wenig ist genug?“ ein „Extremexperiment“. Dabei verzichten sechs Kandidaten auf ihren gesamten Besitz, der in Containern einen halben Kilometer von ihren Wohnungen entfernt gelagert wird. Jeden Tag dürfen sie sich einen Gegenstand zurückholen. Ob es sie glücklicher machen wird ist fraglich. Freiwilliger Verzicht auf alles Mögliche ist mittlerweile zu einer so allgemeinen und permanenten Praxis geworden. Man hätte es vermutlich längst schon mitbekommen, wenn durch Verzicht unsere Lebenswelt zu einem schöneren und geistreicheren Ort geworden wäre.

Fasten alternativ

Beim Fasten geht es nicht allein um den körperlichen Aspekt oder darum, Pfunde los zu werden. Es ist auch eine Form des Verzichtes, des Loslassens, des Stressabbaus und soll für Körper und Seele von Nutzen sein.

Viele Organisationen fordern daher dazu auf, einmal andere Formen des Fastens auszuprobieren. Der BUND empfiehlt Plastikfasten, die Grünen und die Landeskirchen fordern den Auto-Verzicht. Die evangelische Kirche ruft mit dem Programm „7 Wochen ohne“ auf, beispielsweise Ungeduld zu meiden. Schließlich, so die Regionalbischöfin für München und Oberbayern, Susanne Breit-Keßler, leben wir „in einer aufgeregten, hektischen Welt, in der sogar Präsidenten ihre Meinung blitzartig in die Welt entlassen“, und deswegen tue es gut, „wenn wir immer wieder innehalten, uns besinnen und überlegen, was wir sagen oder tun“.

Alternative statt Verzicht

Wer auf Fleisch verzichtet, legt sich eben ein Veggie Schnitzel in die Pfanne. Die Supermarktregale sind überfüllt von veganen und vegetarischen Produkten. Auf das Auto zu verzichten, ist da schon etwas anderes. Da muss man Umdenken, Organisieren und Handeln und ein E-Bike gibt es nicht mal eben auf die Hand. Auch der Entsagung des  Internets stellt sich schwieriger da, viele sind in ihrem Beruf auf das Netz angewiesen und auch das Fasten des Internets „im Privaten“ bedeutet eine Entfremdung oder den eigenen Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben.

Diese Formen des Fastens wären ein Verzicht. Eine Möglichkeit, sich mit Luxus und Überfluss vertraut zu machen. Wenn wir einen Weg im Regen einmal zu Fuß gehen, anstatt das Auto zu nehmen, gerät uns wieder in den Blick, wie gut unsere Lebenssituation doch ist.

Eine weitere Begleiterscheinung des alternativen Fastens ist: Man sieht es dem Fastenden nicht an. Jesus selbst predigte in der Bergpredigt: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“.

Zurück zum Ursprung

Letztlich muss sich jeder selbst über den Sinn und Zweck des Fastens bewusst werden. Dabei muss man sich nicht nur mit dem körperlichen Aspekt auseinandersetzen, sondern auch bewusst etwas für seine Seele tun. Das kann Meditation sein, das Gespräch mit Gott im Gebet suchen, oder einfach bewusster zu leben. Fasten ist hilfreich für das eigene Körpergefühl und die Selbstwahrnehung, und nicht um im Gespräch mit Kollegen und Freunden zu bestehen. Fasten kann alles beinhalten: Den Verzicht auf Schminke, um mal wieder das eigene Selbstbewusstsein zu stärken, nur Hundert Wörter am Tag zu sprechen, um die Worte bewusster zu wählen, oder sich seine Zeit gezielter einzuteilen. Das alles kann helfen, sich selbst und auch Gott näher zu kommen.

Julia Westendorff

Plakative Papstkritik

Papst Franziskus hat im Vatikan nicht nur Freunde. Aber letzte Woche sind seine Gegner noch einen Schritt weitergegangen und haben Rom mit Plakaten beklebt, auf denen das Kirchenoberhaupt keine gute Figur macht. Auch die Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano“ wurde gefälscht. Wer steckt dahinter und darf man so einfach den Petrusnachfolger diffamieren?

Historisch gesehen ist die Papstkritik nichts Neues. Nahe der Piazza Navona, an der „Pasquino“ Statue, machten die Römer ihrem Unmut Luft und dies schon seit mehr als 500 Jahren. Die Machthaber Roms, die meist Päpste waren, wurden dort mit Schmähgedichten und ähnlichem bedacht. Doch die aktuelle Kritik an Papst Franziskus geht weiter.

Plakate in Rom

Nicht nur am „Pasquino“ sondern in großen Teilen der Stadt sind Plakate angebracht worden, auf denen ein Bild des Papstes und die Aufschrift in römischen Dialekt,Ey Franziskus, Du hast Behörden zwangsverwaltet, Priester entfernt, den Malteserorden enthauptet (…) Kardinäle ignoriert … – wo ist Deine Barmherzigkeit?” zu sehen ist.

Franca Giansoldati, die für die Zeitung „Il Messaggero“ schreibt, hat die Affäre verfolgt und vermutet, die Plakate sollen nach der Stimme des Volkes klingen. Dabei stecken konservative Kreise der Kurie dahinter, so Giansoldati. Für sie stellen diese nicht die Mehrheit da, jedoch steht eine gewisse Finanzkraft hinter der Plakataktion.

„Ja und Nein“

Es blieb nicht nur bei Plakaten. Verschiedene Kardinäle, Bischöfe und Adlige der ewigen Stadt haben vergangene Woche eine E-Mail mit einer angehängten PDF-Datei erhalten. Diese enthält eine gefälschte Titelseite des „L’Osservatore Romano“, der offiziellen Vatikan-Zeitung. Über dem Foto des Papstes prangt der Titel „Er hat geantwortet“. Es bezieht sich wieder einmal auf das bekannte Problem, die angeblichen Widersprüche im Papstschreiben „Amoris Laetitia“. Zu dem päpstlichen Schreiben hatten vier Kardinäle, darunter Meisner und Brandmüller, ihre Zweifel öffentlich kundgetan. In der gefälschten Ausgabe antwortete Franziskus auf jeden Punkt mit „Sic et non“ („Ja und nein“). Diese Antwort bezieht sich auf eine Schrift des umstrittenen Philosophen Abaelards, einen der berühmtesten Kastraten des Mittelalters.

Ziel der Aktion ist es wohl, den Papst lächerlich zu machen. Unklarheit in den Aussagen, keinen festen Standpunkt vertreten oder die Wahrheit nicht zu erkennen, gilt wohl als amtsundwürdig. Für Giansoldati soll die Aktion zeigen, dass es einen Papst gibt, der nicht geeignet ist.

Werbung für Vatikan-Zeitung

Obwohl die meisten Päpste mit Opposition zu kämpfen hatten, sind doch die Methoden neu. In der falschen Ausgabe der Vatikanzeitung wird auch über Vertraute des Papstes hergezogen. Giovanni Maria Vian, der Chefredakteur der echten Vatikan-Zeitung, sieht die gefälschte Ausgabe als gute Werbung für sein eigenes Blatt. Jedoch betont er dabei: „Trotzdem sind wir etwas enttäuscht, denn der L’Osservatore Romano ist viel schöner als die Fake-Version, nicht nur in puncto Grafik, sondern auch, was das Latein angeht. Diese Fälscher sind echte Dilettanten.” Damit ist klar, welche Qualität die Kritik am Papst hat: die Plakate als auch die gefälschte Vatikan-Zeitung versprühen mehr das Flair eines Boulevards-Blattes, als ernstzunehmend recherchierten Journalismus.

„Gesunde Egal-Haltung“

Die Reaktion des Papstes lässt sich vielleicht aus einem Interview herauslesen, welches er der Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica“ gegeben hat, “Ihr seid im Boot Petri. Und dieses Boot wird manchmal, einst und jetzt, von den Wellen hin- und hergeworfen. Das darf einen nicht verwundern. Und manchmal rudern die Matrosen, die im Boot Petri ihren Dienst tun, in entgegengesetzte Richtung. Das gab es schon immer.” Der Papst hat in solchen Dingen, so antwortet er im Interview, eine „gesunde Egal-Haltung“ entwickelt. Gut für ihn, denn der Widerstand wird sicher weitergehen.

Kritik an der Kritik

Der Widerstand gegen den Papst ist nicht nur in den Medien breit getreten worden. Der Brief der Kardinäle über Aufklärung bezüglich „Amoris Laetitia“ und auch die „Antwort des Papstes“ geisterte durch die Schlagzeilen. Hier wird sichtbar, die Kommunikation findet nicht mehr intern statt, immer mehr wird an die Öffentlichkeit getragen. Das ist kein Wunder, befinden wir uns doch im medialen Zeitalter. Jedoch ist es für die Beteiligten nicht immer vorteilhaft.

Die neueste Aktion zeigt das wieder eindrucksvoll: Plakate gegen den Papst, die diesen verunglimpfen sollen, untermalen dies mit einem unvorteilhaften Bild von ihm. Kritik an Prozessen innerhalb der Kirche wird hier auf die Äußerlichkeit eines Menschen projiziert. Ein solches Vorgehen ist vielleicht für Satire, Boulevard-Zeitschriften oder ähnliches tragbar, jedoch nicht um korrekt Kritik zu üben.

Den Titel einer Zeitung zu fälschen, lässt sich vielleicht auch in das Genre Satire einordnen, damit wird aber eine Urheberrechtsverletzung begangen. Das passt in unsere postfaktische Zeit und zu den alternativen Fakten, ist aber nichts was wir uns von kirchlichen Kreisen wünschen, die doch mit der allumfassenden Wahrheit werben. Die Kirche sollte hier Offenheit demonstrieren, in Diskussion treten und Lösungen finden. Anstatt anonyme Plakate zu verbreiten, sollte offen auf Franziskus zugegangen werden. Das wäre auch im christlichen Sinne.

Fakt ist, es ändert sich etwas in der Kirche. Dabei fühlt sich der ein oder andere Würdenträger auf die Füße getreten. Offenheit ist etwas, das auch der Papst für sich einfordert. Über den Brief der Kardinäle, der einfach an die Öffentlichkeit gegeben wurde, war er nicht erfreut. Dennoch gab es keine Konsequenzen für sie. Der Papst ist niemand, der Leute einfach so ihrer Würden beraubt, daher kann man mit ihm sicher auch offen ins Gespräch treten und über Missstände sprechen, so lange dies in einem angemessenen Rahmen geschieht.

Julia Westendorff

Miteinander statt Gegeneinander

Am Weltfriedenstag, dem 1. Januar, sah der Papst auf eine Welt voller Gewalt und Terror. Vor dem Hintergrund des Attentats in Istanbul, aber auch den Kriegen in aller Welt, rief Franziskus zu Brüderlichkeit und Versöhnung auf. Dabei forderte er auch von den Politikern eine gewaltfreie Politik. Aber wie kann Frieden für uns gelingen?

“Tapferkeit gegenüber Freunden”

Der Kölner Erzbischof und Kardinal Rainer Maria Woelki liefert eine Antwort. Auf der Internetseite stern.de ermuntert er zur „Tapferkeit gegenüber Freunden“. Konflikte solle man nicht verschweigen oder in die Öffentlichkeit tragen, sondern mit den Menschen besprechen, die sie betreffen.

Dieses Verfahren empfiehlt schon der Evangelist Matthäus: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde.” (Mt 18, 15ff.).

Für den Kölner Erzbischof ist also das Gespräch eine Form der Tapferkeit: „”Tapfer ist daran, dass wir nie wissen können, wie der andere reagiert; ob er sich dem Gespräch verweigert, ob er uns im Gespräch angreift, ob er sich schämt und wir das nur schwer aushalten können.”

Widerstand gegen Rechtspopulismus

In dem neuen Sammelband des Herder Verlages „“AfD, Pegida und Co. – Angriff auf die Religion?“ nimmt Woelki ebenfalls Stellung. Das Christliche solle nicht als nationales Identitätsstiftungsmerkmal missbraucht werden. „Christen unterscheiden nicht nach Herkunft, Kultur oder Religion, sondern erkennen in jedem Menschen das Abbild Gottes.”, so Woelki. Für ihn sei ein entschiedener Widerstand der Kirchen, und auch der Gläubigen gegen den Rechtspopulismus notwendig. Ausgrenzung ist das Gegenteil des Christentums.

Papst Franziskus zeigt noch einen weiteren Weg auf, die Welt brauche mehr Bescheidenheit und Wärme. Für das Kirchenoberhaupt seien diese Eigenschaften Zeichen der Stärke und nicht der Schwäche.

Ausgrenzung verhindern

In seiner Silvesteransprache fordert er auch dazu auf, junge Menschen zu unterstützen. Jugendliche und junge Erwachsene sollen ihren Platz in der Gesellschaft finden. Für Franziskus ist es ein Paradox, dass eine Gesellschaft, die die Jugend idolisiert, keinen Platz für die Jungen schafft. Integration kann Konfliktpotentiale abbauen und Verständigung schaffen. Die Gesellschaft kann von den Jugendlichen profitieren und von ihnen lernen, offen gegenüber Neuem zu sein. Wenn Alle in die Gesellschaft eingebunden werden, kann es zu einem Miteinander, statt einem Gegeneinander kommen.

Dabei ging der Papst im vergangenen Jahr mit gutem Beispiel voran. Das Jahr der Barmherzigkeit galt vor allem denen, die am Rand der Gesellschaft stehen, etwa indem er zum Abschlussgottesdienst Obdachlose aus ganz Europa empfing.

Frieden kann nicht nur im Großen beginnen, sondern auch im Kleinen, bei uns. Indem wir aufeinander zugehen, Gespräche anbieten und Lösungen finden.  Indem wir Familienbande pflegen und Menschen in unserer Mitte aufnehmen. Aber auch in dem wir Positionen beziehen und gegen Unrecht vorgehen.

Julia Westendorff