Von Gottes Gnaden Papst. Wie der absolute Monarch Franziskus die Kirche nicht verändert

Papst Franziskus wurden in den ersten Jahren seines Pontifikats viele positive Eigenschaften zugeschrieben. Er sei liebenswürdig, offen und erneuernd. Die Medien freuten sich über Szenen, in denen Papst Franziskus bescheiden im Hotel wohnt, Kardinäle tadelt und auf Synoden frei diskutieren lässt. Es entstand das Konzept eines Papstes, der über der Kirche steht und charismatisch in ein angeblich verstaubtes Räderwerk hineinwirkt. Daraus ziehen manche Beobachter den Schluss, der Papst sei Teil einer modernen, demokratischen und pluralen Gesellschaft. In die wolle er die Kirche hinziehen. Doch sie tun dem Papst unrecht.

Franziskus ist nicht Teil der modernen westlichen Gesellschaft

Franziskus ist nicht Teil der modernen westlichen Gesellschaft. Und er ist nicht gegen oder über seiner Kirche Papst. Wie seine Vorgänger kann er nur in und mit der Kirche sein Amt ausüben und ist daher an die Formen und Vollmachen gebunden, die seine Position ihm zur Verfügung stellt.

Allerdings zeichnet ihn die Selbstverständlichkeit aus, mit der er die Möglichkeiten des Papsttums ausreizt und die Publicity, die er damit generieren kann. Franziskus hat es geschafft, sich als absoluter Monarch zu benehmen und dabei wie ein guter Kumpel von Nebenan zu wirken. Doch dabei handelt es sich um kein neues Phänomen.

Das Bedürfnis des Monarchen geht vor

Schon immer gelang es Monarchen, ihre Macht in volkstümliche Formen zu kleiden und ihre persönlichen Wünsche als Tugenden zu etikettieren. Ein Beispiel hierfür ist die Wohnung des Herrschers. Franziskus zog gegen den Brauch nicht in das Appartement im Apostolischen Palast, sondern blieb in der Casa Santa Marta. Das hat aber nichts mit Bescheidenheit zu tun.

Wer frisch renovierte Zimmer nicht nutzt und dafür andere Räume belegt, handelt nicht tugendhaft. Er setzt seinen Willen durch und räumt seinen Wünschen den Vorrang ein. Denn der Papst wohnt zwar selbst nur in einer Suite, im Hotel werden aber durch die dauernde Anwesenheit des Pontifex zahlreiche weitere Zimmer benötigt, etwa für die Sekretäre und den Sicherheitsapparat. Diesen Luxus gönnt sich Franziskus, denn er will lieber mit vielen anderen Menschen in einem Haus wohnen, anstatt hoch oben in den päpstlichen Gemächern.

Er folgt damit dem Beispiel von Monarchen, die sich auch das Recht herausgenommen haben, dort zu wohnen, wo sie wollten. Viele Herrscher haben nicht in den riesigen Palästen gewohnt, die heute staunend bewundert werden. Friedrich II. von Preußen etwa verbrachte die Sommermonate überwiegend im Schloss Sanssouci. Im Berliner Stadtschloss weilte er fast nie, das Neue Palais in Potsdam wurde ebenfalls kaum von ihm selbst bewohnt, sondern als „Fanfaronade“, zur protzigen Außendarstellung genutzt. Auch hier ging es nicht um Bescheidenheit. Friedrich fühlte sich in seinem Potsdamer Weingarten einfach wesentlich wohler. Doch damit enden die Ähnlichkeiten zwischen Franziskus und Friedrich II. nicht.

Franziskus und sein Kabinett

Wie ein absolutistischer König geht der Papst auch mit seiner Kurie um. Er hat schon vor Jahren mit den K9 einen Rat von Kardinälen gegründet, der über die Struktur der Kurie beraten, ohne ein Teil der Kurie zu sein. Zwar gehören einige Kardinäle zur römischen Zentrale, die meisten kommen aber aus der Weltkirche. Das Gremium kann sich auf keine verfasste Ordnung stützen. Mitglieder und Tagesordnung werden allein vom Papst bestimmt. Damit entspricht dieser Rat den Kabinettsräten der frühen Neuzeit, in der sich die Fürsten mit ausgewählten Personen in vertrautem Kreis berieten und Entscheidungen vorbereiteten. Minister und Adlige hatten zu diesen Treffen häufig keinen Zutritt, sowenig wie die Präfekten der Dikasterien zum K9-Rat.

Auch sein neuestes Schreiben „Amoris Laetitia“ ist nicht Produkt eines demokratischen Prozesses. Die Familiensynode hat über das Schreiben nicht abgestimmt, wie das in einem Parlament geschieht. Zwar haben die Bischöfe noch nie so offen in der Geschichte dieser Institution debattiert. Auch wurden die Themen selten so kontrovers von den Teilnehmern behandelt und bis zuletzt um Formulierungen gerungen. Doch diese Formulierungen waren weniger an die Öffentlichkeit gerichtet, sondern an den Papst. Sie dienten ihm als Ratschlag für sein eigenes Schreiben. Franziskus stand es frei, wie er mit den Unterlagen umgeht. Nicht umsonst wurde der Text so spannungsvoll erwartet und als Werk des Papstes bezeichnet, nicht als Produkt der Familiensynode.

Auch die Kardinalernennungen der vergangenen Jahre kamen häufig überraschend. So hat der Papst viele Bischöfe aus den Entwicklungsländern zu Kardinälen kreiert. Bischofsstühle und Ämter, die traditionell mit dem Kardinalshut verbunden waren, konnten hingegen leer ausgehen. So wurden beim vergangenen Konsistorium weder der Archivar des vatikanischen Geheimarchivs noch der Erzbischof von Philadelphia ernannt, obwohl deren Position eine Kreierung wahrscheinlich gemacht hätten. Dagegen erhielten andere Hirten den Purpur, die bislang keine weltkirchliche Relevanz besaßen, etwa der Bischof von Santiago de Cabo Verde, dessen Bistum auf einer unabhängigen Inselgruppe im Atlantik liegt, von dessen Existenz selbst Fachleute nur selten etwas gehört haben.

Wieso der Papst die Lehre unberührt lässt

Nur in einem Aspekt zeigt sich Franziskus in der Linie seiner Vorgänger: in Fragen der Lehre. Zwar signalisiert er den Ortskirchen immer wieder, die Gläubigen weniger mit Strenge zu behandeln, sondern mehr mit Barmherzigkeit, auch lockert er an mehreren Stellen disziplinäre Vorschriften. So werden Frauen und Männer, die Laien sind, stärker an Leitungsämtern in der Kirche beteiligt. Aber er verweist bei theologischen Fragen immer wieder auf den Katechismus, auf die Verlautbarungen seiner Vorgänger und auf die Glaubenskongregation. Er setzt eigene Akzente, ohne die Bestimmungen seiner Vorgänger in fundamentalen Fragen zu korrigieren.

Doch wieso rüttelt Franziskus an allem, aber nicht am Fundament der Kirche? Nicht an der Hierarchie, den strengen Dogmen und dem mystischen Zauber, der dem Vatikan innewohnt? Wieso fährt er an vielen Tagen aus der modernen Casa Santa Marta in den apostolischen Palast, um in der Bibliothek seiner Vorgänger Gäste zu empfangen, die von Kammerherren und Schweizergardisten herangeführt werden?

Der Zauber von Franziskus generiert sich nicht allein aus seinem Charakter. Zwar war schon Jorge Mario Bergoglio ein bekannter und populärer Bischof. Auch seine beiden Vorgänger waren vor ihrer Papstwahl anerkannt und auf ihre jeweilige Art charismatisch. Doch erst die weiße Soutane hat ihnen jene Aura verliehen, die sie auf je unterschiedliche Weise mit ihrer Persönlichkeit verbanden. Das gilt auch für Franziskus. So erklären Besucher, sie verspüren bei ihm keine Distanz und der Papst achte nicht auf ein Gefälle oder eine Hierarchie zwischen sich und seinem Gegenüber. Doch setzt dieser Eindruck voraus, dass es ein Gefälle gibt. Erst das mystisch aufgeladene Amtscharisma schafft den Rahmen, in dem die Persönlichkeit des Papstes die beschriebene Wirkung entfaltet. Deswegen rüttelt der Papst bei aller Souveränität nicht an der Substanz seines Glaubens und seiner Organisation. Sie bilden die Basis seiner Macht, seines Denkens und seines Glaubens. Die Kirche wird unter ihm bleiben, was sie ist, nicht trotz, sondern wegen des Papstes, der Franziskus heißt.

Maximilian Röll

Die Kirche brennt – wir brauchen Feuerlöscher, keine neuen Fenster

Was werden nicht alles für Rezepte genannt, um gegen die Kirchenaustrittswellen und leeren Gottesdienste vorzugehen. Mitunter klingt es so, als müsse man nur die Kirche renovieren, um das Problem zu lösen. Das jedoch scheint den Ernst der Lage zu verkennen. Die Krise ist viel zu groß, um durch dekorative Ausbesserungen gelöst werden zu können, die Kirche brennt und wir brauchen Feuerlöscher.

Die Krise ist eher eine Katastrophe

In den letzten Jahrzehnten wurde viel schöngeredet, doch es hilft alles nichts: Seit Jahrzehnten gibt es einen Abwärtstrend, und zwar ausschließlich einen Abwärtstrend, in allen Kategorien. Die absoluten Zahlen der Kirchenmitglieder gehen zurück, die Gottesdienstbesucher nehmen ab, die Zahl der Menschen, die sich als Christen bezeichnen und für die der Glauben im biblischen Sinne lebenswichtig ist sinken. Nach der Firmung hat die Kirche die Jugendlichen meist ganz verloren und sie sieht sie vielleicht Jahre später erst bei der Hochzeit wieder. Die Lage ist dramatisch, man kann auch sagen katastrophal. Es scheint immer weniger möglich, Menschen von Christus zu überzeugen. Glaube ist peinlich und lächerlich geworden. Selbst in der Kirche trifft man nicht selten auf Scham, wenn es um Glaube und Kirche geht. Die gesellschaftlichen Vorbilder scheinen längst außerhalb zu sein und ein Bekenntnis zum Atheismus macht beliebter als das Bekenntnis „Katholik“ zu sein. Freude, Spaß und Lifestyle jedenfalls werden nicht mit Kirche verbunden. „Wir machen hier Sterbebegleitung“, sagte mir mal ein Pfarrer, als es um die Zukunft der Gemeinden ging.  Hier gipfelten Jahrzehnte von Pastoralerfahrung in der traurigen Erkenntnis: Es geht letztlich nur darum, den Untergang möglichst menschlich zu verwalten. An eine Umkehr wird nicht mehr geglaubt

Das Schwinden des Glaubens hat eine lange Tradition

In der Geschichte der Kirche und des Christentums ist es nie perfekt gewesen und stets gab es Probleme, Krisen und Auseinandersetzungen. Dass die Kirchlichkeit der 50er Jahre nicht ewig wehren kann, ist selbstverständlich. Was aber neu scheint, ist das Phänomen, dass es diesmal nicht um Fragen der Kirchlichkeit oder Frömmigkeit geht, sondern um den Gottesglauben. Im 18. und mehr noch im 19. Jahrhundert, stößt man auf das Phänomen des bekennenden Atheismus, bei dem es nicht mehr um katholisch oder evangelisch, um Messopfer oder Erinnerungsmahl, sondern um die Leugnung Gottes selbst geht. Eine andere Strömung, die bei Gott nur ein Fragezeichen setzt, der Agnostizismus, das Nichtwissen und Achselzucken zur Frage nach Gott und Glaube, ist dabei heute sehr populär geworden, mitunter bereits eine Mehrheitsposition. Der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère macht in seinem Buch „Reich Gottes“ genau auf den modernen agnostischen Zeitgeist aufmerksam. Glauben kann er nicht mehr, allein schon, um in seinen französischen Intellektuellenkreisen ernst genommen zu werden: „mir wurde klar, dass ich mich dafür schämte“, so seine Bewertung einer Konfrontation über seinen Glauben. Aber auch zum Glaubensinhalt selbst stellten sich für ihn kritische Fragen ein, die keine Lösung fanden. Patrick Blossier zitierend schreibt Carrère: „wie schauerlich weht uns dies Alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit an! Sollte man glauben, dass so Etwas noch geglaubt wird?“ Carrère beantwortet dies für sich selbst so: „Herr, ich gebe dich auf. Gib du mich nicht auf.“ Über sich sagt er, er sei „ein Ungläubiger, ein Agnostiker – nicht mal gläubig genug, um Atheist zu sein.“
Immerhin scheint bei Carrère die Sehnsucht bei gleichzeitiger Unmöglichkeit ihrer Erfüllung noch da zu sein. Ist nicht genau hier der Ort, wo Kirche ansetzen muss?

Bevor es um Reformen geht, muss über den Glauben geredet werden

Was also will man mit neuen Fenstern, wenn die Kirche brennt? Das Beispiel Carrères scheint symptomatisch für abertausende christliche Biographien zu sein. Er hat seine Entscheidung wohl aus der ganz persönlichen Erfahrung abhängig gemacht. Und dieser Glaubensverlust ist es, der die Kirche wie ein Brand bedroht. Hier wäre es wichtig, Wege zu finden, wie Menschen im Glauben gefestigt und gestärkt werden können. Es erinnert an die Frage Jesu, die besonders für Europa hochaktuell ist: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?“ (Lk, 18,8).
Am Ende zählt, ob der Glaube bewahrt und vermehrt werden kann. Was muss geschehen, damit die Talfahrt nicht immer weitergeht? Sicher scheint, dass Verbands- und Strukturkatholizismen wenig bringen werden, da aus ihnen auch bisher kaum missionarische Impulse hervorgingen. Die Erneuerung wird wohl von kleinen christlichen Gruppen ausgehen, die aus sich heraus missionarisch und ansprechend wirken und so ganz neue Impulse setzen. Die Mitarbeit der Laien für die Glaubensverkündigung ist wichtiger denn je, um in Gesellschaft und Alltag die Rolle des Glaubens aufzuzeigen. Die Worte, die der hl. Franziskus einst empfangen haben soll, scheinen heute akuter denn je: „Geh, Franziskus, und bau meine Kirche wieder auf, die, wie du siehst, in Trümmern liegt.“

Josef Jung

Passen Rosenmontagsumzüge und die Fastenzeit zusammen?

Die Narren weinten am Rosenmontag, egal, ob sie es Karneval oder Fastnacht nannten. An vielen Orten wurden die Rosenmontagsumzüge wegen Sturmwarnungen abgesagt. Einige Festkomitees ließen nur verkleinerte Umzüge zu, in Köln verzichtete man etwa auf Pferde. Damit könnte die Geschichte eigentlich vorbei sein, wie der Karneval am Aschermittwoch vorbei ist. Doch viele Jecken wollen sich den Zug nicht nehmen lassen. Also wollen sie ihn, etwa in Trier, nachholen. Doch damit zerreißen sie die Einheit im liturgischen und karnevalistischen Jahreskreis, nach dem das Land tickt.

 Die Bischöfe, die darüber wachen, haben dazu keine einhellige Meinung. In Trier segnete Ackermann prophylaktisch die Entscheidungen des Komitees ab, weil man ja auch in der Fastenzeit fröhlich sein könne. Kardinal Woelki versuchte, den Zug wenigstens noch auf Laetare zu lenken, wurde aber vom Einzelhandel überstimmt, der an einem verkaufsoffenen Sonntag keinen Karnevalszug möchte. Manche Beobachter mag denken: Ist die Kirche närrisch?

 Feiern und Bützen geht auch ohne Kirche

 Dabei können sich die Karnevalisten einen Kommentar der Bischöfe zu ihrem Umzug ganz allgemein verbitten. Denn Kirche und Fastnacht haben in der säkularisierten Gesellschaft wenig miteinander zu tun. Das Feiern und Bützen ist nur noch für die wenigsten das letzte Aufgebot vor dem Fasten, sondern eine gerne angenommene Gelegenheit, anerkannt die Sau raus zu lassen. Wenn es im säkularisierten Karnevalsvergnügen keine direkte Verbindung mehr zur Praxis der Fastenzeit gibt, dann können die Narren auch in der Fastenzeit den Rosenmontagsumzug nachholen und die Bischöfe in der Kirche sein lassen.

 Die Kirche will lieber populär sein

 Zudem schadet es den Bischöfen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht, wenn sie den zweiten Versuch der Karnevalisten absegnen. So wirken sie nicht wie verknöcherte Moralapostel, die streng auf die Einhaltung des Kirchenjahres pochen, sondern wie flexible, mitfühlende Fans karnevalistischer Fröhlichkeit, die auch in der Fastenzeit geht. Schlechte Presse wird Ackermann nicht wegen seinem Placet bekommen. Und Woelki kann sich eines konstruktiven Vorschlages rühmen, der die Interessen der Karnevalisten berücksichtigt.

Religion und Regeln

Andererseits ist die Verbindung von Fastnacht und Kirche noch vergleichsweise eng. Das Fest hängt immer noch vom Osterkalender ab und wird durch die kirchliche Tradition klar begrenzt. Die Jecken profitieren von dieser religiösen Grundierung ihrer Feier. Sie können sich ganz auf die Entfaltung konzentrieren, weil ihnen der Rahmen vorgegeben ist. Das verpflichtet auch zur Einhaltung von Regeln. Dazu gehört wesentlich: An Aschermittwoch ist Schluss. Ein Rosenmontagszug in der Fastenzeit ist fernab von dem, was die Kirche unter Karneval versteht. Es geht um Besinnung, Buße, und Umkehr. Das wird beim Karneval verfehlt. Aus religiöser Sicht ist daher der zweite Versuch abzulehnen.

Leitkultur bedeutet Verpflichtung

Durch seine Verwurzelung und seine religiöse Dimension ist der Karneval nicht nur Träger von Gaudi, sondern auch von Identität. In der Flüchtlingsdebatte ist das deutlich geworden. Flüchtlinge müssen über die Grenzen und Möglichkeiten des Karnevals aufgeklärt werden. Nicht nur, um Übergriffe zu vermeiden, sondern auch, um Integration zu ermöglichen. Wer den Karneval nicht versteht, der versteht auch einen wichtigen Teil Deutschlands nicht. Reiner Mohr spricht im Deutschlandradio vom Karneval, der „zum eisernen Kernbestand der deutschen Leitkultur gehört.“ Durch die enge Verflechtung zwischen Religion und Fastnacht-Tradition, hat die Kirche die Aufgabe, nicht nur die auf die religiöse, sondern auch auf die kulturelle Dimension hinzuweisen.

Ausnahmen müssen die Regel bestätigen

Es sprechen gute Argumente dafür, dass die Bischöfe einen Umzug in der Fastenzeit absegnen. Das Fest ist säkularisiert und die Kirche hat in den Komitees nichts zu melden. Gleichzeitig können sich die Bischöfe als verständnisvolle Hirten präsentieren. Andererseits ist es auch ihre Aufgabe, auf die Einhaltung der Ordnung im Jahreskreis zu achten und Karneval gehört indirekt dazu, gerade im katholischen Rheinland, wo sich Religion und Brauchtum vermischen. Es ist zudem Teil der deutschen Kultur geworden, in der die Kirche nach wie vor eine wichtige Rolle einnimmt. Die Bischöfe tendieren dazu, lieber populär zu sein, als harte Entscheidungen zu treffen. Einmal mag das gehen, aber nur, wenn die Ausnahme die Regel bestätigt.

Maximilian Röll