Der Streit um den Zölibat

Die Bischofskonferenz hat über die Ehelosigkeit der Priester diskutiert. Unterschiedliche Meldungen kursierten durch das Internet, ob der Zölibat abgeschafft oder die sogenannten „viri probati“ zur Weihe zugelassen werden könnten. Der Streit über den Zölibat ist nicht erst in der Neuzeit aufgekommen, sondern zieht sich durch die Kirchengeschichte seit 304 nach Christus.

Ehelosigkeit oder Enthaltsamkeit?

Diakone, Priester, Bischöfe und andere Kleriker besaßen vor der Weihe die Möglichkeit zur Eheschließung. Man stritt bei der ersten großen Diskussion über die Ehe der Geistlichen nicht über die Ehelosigkeit, sondern beriet sich, ob Priester enthaltsam leben sollten. Bei der Synode von Elvira im Jahre 306 wurde über die Enthaltsamkeit der Kleriker entschieden. Die Synode fordert von den Priestern, Bischöfen und anderen Geistlichen die sexuelle Enthaltsamkeit.
Der Schritt war notwendig, um die kultische Reinheit der Kleriker zu garantieren. Entscheidend war, dass sie die Liturgie rein und ohne kultische Verunreinigung feiern konnten, damit das Wirken Gottes sich im Besonderen entfaltete.

Erst im Hochmittelalter wurde die Diskussion um die Ehelosigkeit laut. 1022 ordneten Papst Benedikt VIII. und Kaiser Heinrich II. die Ehelosigkeit von Klerikern an. Im Jahre 1139 erklärte Papst Innozenz II., dass der Zölibat für alle Priester der Welt gelte. Die Ehelosigkeit hatte eine ähnliche Begründung wie zuvor: Kleriker sollten die kultische Reinheit wahren. Dies ging mit der angeordneten täglichen Zelebration von Liturgien einher. Ein Kleriker sollte immer bereit sein, eine Liturgie zu feiern.
Nicht zu vergessen ist die Vererbung des Besitzes der Kleriker. Es bestand die Sorge, dass verheiratete Priester den Kirchenbesitz an ihre Kinder weitervererben würden. Bereits verheirateten Priestern wurden die Ämter und der Besitz entzogen und Verstößen gegen den Zölibat wurden mit hohen Strafen belegt.
Die neue Verordnung des Papstes stieß auf wenig Gegenliebe. In Deutschland kam es zu Protesten während der Verlautbarungen. Besonders Kleriker niederen Standes wehrten sich gegen die neue Anordnung. Der Bischof von Passau beispielsweise entkam während der Verkündigung dem wütenden Klerus knapp.
Trotz aller Proteste war die Einführung des Zölibates erfolgreich und wurde zur Voraussetzung der Priesterweihe.

Möglichkeiten zu heiraten?

Im Laufe der Zeit traten kirchliche Ereignisse ein, die einen Kompromiss in der Thematik des Zölibates benötigten. Die Unierung mit den katholischen Ostkirchen wie der melkitischen oder ukrainischen Kirche, stellte den Zölibat infrage. In der byzantinischen Tradition des Christentums gehören verheiratete Priester zur Normalität.
Bis heute dürfen Priester vor der Weihe heiraten, jedoch nur in der katholischen Ostkirche und auch nur im Land der entsprechenden Kirche. Damit dürfen katholische unierten Christen in der Ukraine, wenn Sie zur katholischen Ostkirche gehören, heiraten.

Ebenso gibt es unterschiedliche Dispense. Der erste Dispens betrifft konvertierte Priester aus der anglikanischen oder protestantischen Kirche. Wenn sie vor der Konversion verheiratete Priester waren, ist die Ehe und Weihe rechtsgültig. Somit entstand ein kleiner Teil von verheirateten katholischen Priestern. Bei dem zweiten Dispens hat der Papst das Recht einem katholischen Priesteramtsanwärter die Ehe und Weihe zu erlauben. Das geschieht aber in den wenigsten Fällen.

Der Streit

Die heutigen Erklärungsmodelle für den Zölibat sind eher dürftig und aufgrund des fehlenden theologischen Rückhaltes aus dem Hochmittelalter entstanden. Ein Argument ist, dass Christus zölibatär lebte und es keine eindeutigen Erwähnungen in der Heiligen Schrift gibt, dass Jesus eine Frau gehabt hat. Das zweite Argument ergibt aus dem Matthäusevangelium 19,12. Hier spricht Jesus vom Zölibat als ein Geschenk Gottes, das genutzt werden könne, um zur Erfüllung zu gelangen, da sich einige Menschen aufgrund des Himmelreiches Willen in die Ehelosigkeit begeben haben.
Es gibt keine eindeutig überzeugende Erklärung für den Zölibat. Es hat seinen Nutzen in der Einhaltung der kultischen Reinheit und der Erreichbarkeit im Priesterdienst.

Die Verfechter des Zölibates sehen ebenso keinen Grund zur Aufhebung da es letztendlich die Anzahl der Priesterweihen nicht nachhaltig steigern würde. Das sei an der protestantischen Kirche zu sehen, die ebenso eine Stagnation der Ordinationen zu erleben hätte. Außer Acht gelassen wir hierbei, dass andere Probleme die protestantische Kirche belasten und der Grund für die geringen Ordinationen sein können.

Die Weihe von „viri probati“ von erprobten Diakonen, wäre ein Zwischenschritt. Zuerst ermögliche man einen Übergang von Diakonen zum Priestertum und erprobt diese Lebensform. Einerseits kann mit der Erprobung überprüft werden, wie viele ständige Diakone die Möglichkeit nutzen würden, das Priesteramt zu bekleiden. Andererseits kann untersucht werden, ob die Lebensumstände eines Priesters mit einem Familienvater und Ehemann vereinbar sind.
Letztendlich würde die Zulassung von „viri probati“ das Pflichtzölibat ablösen und eine frei wählbare Ehelosigkeit von Priestern ermöglichen. Da keine theologischen, sondern kirchenrechtliche Dimensionen entscheiden, ob Priester verheiratet sein dürfen, ist die Änderung des Zölibates eine administrative Entscheidung der Kirche.
Die orthodoxen Kirchen stören sich nicht an verheirateten Klerikern, sondern sehen die Ehelosigkeit eher als notwendigen Unterschied zwischen Mönchen und Priestern. In der katholischen Kirche sind verheiratete Priester schon zum geringen Teil akzeptiert. Das zeigen die unierten Kirchen.

Bomben auf Kirchen

Die Gewalt des IS nimmt weiter zu. Am 11.12. gab es einen der schwersten Anschläge in Kairo. Ein Selbstmordattentäter gelangte in die Sankt Peter und Paul Kirche und sprengte sich in die Luft. Auf Facebook wurde wenig Trauer bekundet. Keine Profilbilder mit ägyptischen Flaggen umhüllt. Es fehlen sämtliche Bekenntnisse, die die Trauer der deutschen Christen ausdrücken. Europas Christen sollten sich aber mit den Kopten solidarisieren.

Im Jahre 2011 kommt es zum Paukenschlag in Ägypten: Husni Mubarak, der ägyptische Staatspräsident, tritt zurück. Tausende Demonstranten befinden sich zu der Zeit in Kairo und feiern seine Abdankung. Was den ägyptischen Christen in der Zukunft begegnen wird ist noch nicht in Sicht. Mubarak hatte versucht, Streitigkeiten zwischen Christen und Muslimen zu unterbinden. Die Muslimbrüder versuchten einen Keil zwischen beide Religionen zu treiben, doch erst als der IS in Ägypten Fuß fasste, entflammten erbitterte Angriffe auf die christliche Minderheit der Kopten.

Im Laufe der Zeit führte der IS zahlreiche Attentate auf der Sinai-Halbinsel aus. Ebenso gab es Enthauptungen an der Grenze zu Lybien. Trotz der zahlreichen Nachrichten und Fotos über die Gräueltaten des IS reagieren die Christen im Westen mäßig bestürzt. Es herrscht eine „Es ist da halt so“-Einstellung. Wenn in Frankreich, in der Stadt Saint-Etienne-du-Rouvray, ein katholischer Priester in der Kirche ermordet wird bekunden die deutschen Bischöfe Solidarität.

Tausende Tote

Die Ägyptischen Christen scheinen für die Glaubensgeschwister in Europa fremd zu sein. Vergessen zu sein scheint: Die koptischen Christen leiden mitunter am stärksten im Orient. Unter Mubarak wurden viele Schandtaten verhindert. Diese nahmen aber nach dessen Rücktritt stark zu. Das liegt einerseits am gänzlichen fehlenden staatlichen Eingreifen, aber auch am Erstarken von radikal islamistischen Gruppierungen wie den Muslimbrüdern. Unter ihren wurden die Christen stärker reglementiert und die Akzeptanz in der Bevölkerung sank tiefer als unter Mubarak. Es führte zu einer Verdrängung der koptischen Christen an den Rand der Gesellschaft und dem fehlenden Schutz der Christen vor Gewalttaten.

Der IS hob die Gewalt gegen die Kopten auf ein anderes Niveau: Kopten werden in Massenexekutionen zum Übertritt zum Islam gezwungen. Selbst dann ist das Überleben nicht hundertprozentig sicher, da der IS wahllos Menschen tötet, ob Christen oder Muslime. Es werden mehr Kirchen denn je direkt angegriffen und zerstört. Anschläge in Kirchen sind keine Seltenheit mehr. Dennoch war die Attacke in der Hauptstadt Kairo eines der größten Attentate, die die Kopten zu ertragen hatten.

Der Krieg zieht mit

Millionen Flüchtlinge wollen nach Europa. Doch nicht alle sind Muslime. Die christliche Minderheit, die nach Europa will, wird meist mit den Muslimen über einen Kamm geschoren. Denn die Kopten sehen fast gleich aus wie die Muslime. Bis auf ein kleines Kreuz an der Unterseite des Handgelenks, haben sie nur ein zweites unsichtbares Zeichen: Die Taufe. Den Kopten geht es in Flüchtlingsheimen schlecht. In einigen Lagern werden sie weiterhin von Muslimen beleidigt und sind der Gewalt weiterhin ausgesetzt. Die Verfolgung ist mit ihnen gezogen.

Die Angriffe auf Flüchtlingsheime verschlechtert ihre Situation. Einige der deutschen Mitbürger halten ebendiese Christen für Moslems und schaden Ihnen durch die Entzündung der Flüchtlingsunterkünfte. Pegida und AfD sprechen sich offen gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“ aus und befürworten vehement christliche Werte. Dennoch greifen sie das Christentum an, ob Kopten oder die Griechisch-Katholischen Christen aus Syrien.

Die „Flüchtlingskrise“ als Chance

Der Moment der Solidarität beginnt nicht auf Facebook, sondern in den europäischen Flüchtlingsheimen. Dieser Ort soll als Begegnungsstätte dienen, damit die Europäer, die Koptischen Christen, aber auch Muslime sich gegenseitig kennenlernen können. Es sollte mehr für die Verständigung zwischen Christen und Muslimen sowie zwischen Europäern und Orientalen erreicht werden. Der „Fremde“ ist in Europa angekommen und dies sollte als Chance für eine gemeinsame Verständigung genutzt werden. Ihm sollte geholfen werden, die traumatischen Erlebnisse aus seinem Heimatland zu überwinden, und es sollten weitere Spätfolgen der seelischen Belastung verhindert werden.

Schon alleine bekennende Worte zu den Christen im Nahen Osten kann das Gefühl vermitteln, sich mit den Menschen dort zu beschäftigen. Zwar würde das den Christen nicht direkt helfen, aber eine Solidarisierung ist das Mindeste, was Europa und die europäischen Bischöfe tun können. Aber auch der einzelne Christ kann etwas tun: Nämlich sein Profilbild in eine ägyptische Fahne hüllen.

Alexander Radej

Ziellose Ökumene?

Die Treffen mit unterschiedlichen Religionsvertretern, in Lund, Kreta, Tiflis, Kuba, Turin und anderen Städten zeigten, dass der Papst sich um den ökumenischen Dialog bemüht. Kardinal Koch äußerte sich kritisch indem er sagte, dass die Ökumenebewegung ziellos sei. Meist werden keine gemeinsamen Ziele artikuliert. Jedoch wird über ein gemeinsames Miteinander gesprochen, aber wie die Gräben überwunden werden können, bleibt unklar.

500 Jahre Luther

Am 31. Oktober traf Papst Franziskus in Schweden ein. Zusammen mit der lutherischen Kirche von Schweden, begeht er den Reformationstag. Das Treffen ist das erste seiner Art in Lund, zumal die Feier zu 500 Jahren Reformation begangen wurde. Der Papst setzt damit ein starkes Zeichen für die Ökumene und betet zusammen mit den lutherischen Bischöfen das ökumenische Gebet. Entscheidend ist hierbei nicht das gemeinsame Gebet, sondern die gemeinsame Erklärung zwischen der schwedischen Lutherischen und Katholischen Kirche. Eines der wichtigsten Themen der Deklaration: Das Abendmahl. Beide Parteien erklären, dass die religiösen Gemeinschaften sich nach einem gemeinsamen Abendmahl sehnen und dass das eines der Ziele der Einheit zwischen Lutheranern und Katholiken sei.

Undefiniert bleibt der Weg zum Ziel. Zwar wird in ökumenischen Räten weiterhin über eine Lösung für die Mariologie, Eucharistie und das Evangelium diskutiert. Nach außen hin wird kein konkretes Ziel definiert, sondern überwiegend geschildert, dass beide Kirchen sich innerhalb von 50 Jahren ökumenischen Dialog angenähert haben. Ebenso wird beschrieben, dass die Taufe beide Konfessionen miteinander verbindet. Der Weg liegt im gemeinsamen Gebet und in der Verständigung zwischen den Gläubigen, sowie den Kirchenoberhäuptern. Eine Einigung in theologischen Fragen, wird der nächste Schritt sein, um den weiten Graben, den die teils heftigen Auseinandersetzungen mitverursacht haben, zu überwinden.

Die Orthodoxen als Glaubensbrüder

Ökumenische Treffen zwischen der Orthodoxen und Katholischen Kirche gab es in den letzten Jahren haufenweise: Kuba, Tiflis, Kreta. Der Besuch der unterschiedlichen Konfessionen, kurz nach dem Amtsantritt des Papstes, war mehr auf die Ökumene zwischen Orthodoxer und Katholischer Kirche ausgerichtet, als zwischen den anderen Konfessionen. Dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. wurde ein Ehrenplatz gestellt. Diese Geste zeigt eine tiefe Verbundenheit zur Orthodoxie.

In der Ökumene zwischen Orthodoxen und Katholiken wurden ebenso wie zwischen Lutheranern und Katholiken, viele Erklärungen verfasst. Die Ausführungen sind selten von theologischer Natur, sondern von politischen Zielen geprägt. In der Erklärung von Kreta, geht es vorzugsweise um eine christliche Flüchtlingspolitik. Hingegen wurde sich auf Kuba für die Hilfe im Nahen Osten ausgesprochen. Es gab dennoch ein gemeinsames Ziel, neben der humanitären Hilfe: Die Einheit der Christenheit. In den Dokumenten wird größtenteils von „Brüdern“ oder „Geschwistern“ gesprochen. Ebenso wird gesagt, dass aufgrund historischer Ereignisse die Kirchen getrennt sein und diese Geschehnisse aufgearbeitet werden sollen.

Das Bestreben ist hierbei genauso beschrieben wie in den Dokumenten von Lund, dennoch zeigt sich kein gemeinsamer Weg, sondern nur das gewünschte Ziel. Das Treffen des Papstes in Georgien lässt aber vermuten, was eine gemeinsamen Richtungen wäre: Der freundschaftliche Kontakt zu anderen Konfessionen. In Georgien nämlich wurde Papst Franziskus seitens der Georgisch orthodoxen Gläubigen als Ketzer und Herätiker beschimpft, was auf die religiöse Bildung der Gesellschaft rückschließen lässt. Die Kirche Georgiens gilt neben der russischen Kirche, als konservativste Kirche der Orthodoxie.

Wohin führen weitere Wege?

Papst Franziskus wird seinen Weg für die Verständigung zwischen religiösen Gruppen weiter gehen. Er wirkt als Botschafter der Einheit. Aufgrund seiner ständigen Besuche oder Treffen mit religiösen Oberhäuptern, versucht der Pontifex ein Vorbild für die Ökumene zu sein. Dokumente und Erklärungen  sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dennoch sind die Gesten, die der Papst auf seinen Treffen zeigt, große Schritte zu einer belebten Ökumene. Papst Franziskus nimmt den Gläubigen die Angst vor den anderen Religionen und versucht die Angst der anderen Religionen gegenüber der Katholischen Kirche zu nehmen. Er reist in die Länder, in denen der Dialog in geringem Maße gefördert wird.

Eine der nächsten Stationen des Papstes ist der Besuch des 50. Jahrestages der charismatischen Erneuerung im Jahr 2017 im Circus Maximus. Das Treffen ist während der ökumenischen Gespräche entstanden. Dazu erzählt der Papst, er sei selbst der größte Kritiker der Charismatiker gewesen, während seiner Zeit als jesuitischer Provinzial in Buenos Aires. Er fügte hinzu, dass er heute anders denke, wenn die Treffen gut gemacht sind. Genau diese Entwicklung, welche Franziskus selbst erlebt hat, versucht er in den Gläubigen zu bewirken und geht als Beispiel voraus.

Alexander Radej