Der Kampf der Nationalkirchen?

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Das Panorthodoxe Konzil hat am 19.06. begonnen und soll bis zum 24.06. tagen. Vor dem Beginn sagten 4 Nationalkirchen ab, unter anderem die Russisch-Orthodoxe Kirche. Der Antiochenische Patriarch ist, aufgrund eines Streites mit dem Patriarchat von Jerusalem und den unzureichend besprochenen Konzilsdekreten, beim Konzil nicht anwesend. Die Patriarchate von Georgien und Bulgarien, sagten ebenso wegen den unzureichend geklärten Konzilsdekreten ab. Aufgrund der drei Absagen, entschied das Patriarchat von Russland dem Konzil ebenso fern zu bleiben. Auch wenn der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. das Konzil weiterführen will, stellt sich die Frage, ob die Streitigkeiten das Konzil beeinflussen könnten.

Zwischen den Patriarchaten von Antiochia und Jerusalem herrscht eine Eiszeit. Das Problem ist eine territoriale Frage. Der Streitpunkt handelt um das Land Katar, denn das Jerusalemer Patriarchat versucht Einfluss auf Katar zu gewinnen, aber Katar untersteht dem Patriarchat von Antiochia, was in der Abschlusserklärung der Heiligen Synod im Jahre 2013 festgelegt wurde. Somit kam es zum Streit zwischen beiden Kirchen, kurz nach der Unterzeichnung dieser Abschlusserklärung.
Beide Patriarchate gehören zu den ersten 5 Patriarchaten des Christentums, die neben Rom, Konstantinopel und Alexandria eine lange Tradition besitzen. Auch wenn zu beiden Patriarchaten nur wenige Gläubige gehören, ist die Absage des Patriarchates von Antiochia ein großer Verlust und lässt die Authentizität des Panorthodoxen Konzils schmälern.

Ein weiterer Streitpunkt sind die Patriarchate von Georgien und Bulgarien. Die Bulgarische Kirche, hatte schon Stellung zu den vorab diskutierten Dekreten genommen. Besonders das Dekret zur „Ehe und Familie“ soll dem bulgarischen Patriarchat missfallen. Mit dieser Argumentation baten die beiden Patriarchate um eine Verschiebung des Konzils, ebenso das russische, sowie Antiochenische Kirche.

Die Serbische Kirche hatte vorerst dem Konzil abgesagt. Am 16.06 jedoch, kurz vor Beginn des Panorthodoxen Konzils, sagte das serbische Patriarchat doch zu. Sollte das Konzil die wichtigen Streitfragen ausklammert, will die serbische Delegation ohne zu zögern das Konzil verlassen.

Das Spiel hinter den Kulissen

Die Anschuldigungen seitens der Konzilsteilnehmer richten sich auf das polarisierende Russische Patriarchat. Es ist ganz besonders von einer „Überredung anderes Patriarchate, dem Konzil fernzubleiben“ die Rede. Denn die russische Kirche will ihre Position indirekt im Konzil stärken oder mehr noch, ihre Ideen durchsetzen, da durch ihr fernbleiben die Gültigkeit der Dekrete geschmälert wird. Das ist der Tonus außerhalb des russischen Patriarchates. Gründe dafür nennt die russische Kirche in der Anzahl ihrer Gläubigen, knapp 150 Million Orthodoxe Gläubige hat die russische Kirche, das sind ca. 50 Prozent aller Orthodoxen Gläubigen.

Doch es geht nicht nur um Zahlen. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hat immer mehr unter den Repressalien seitens der türkischen Regierung zu leiden. Dadurch schwindet die Anzahl seiner Gläubigen. Ebenso muss der Ökumenische Patriarch einen türkischen Pass, laut der türkischen Staatsordnung, besitzen. Es wird vermutet, dass der Stuhl des Hl. Andreas, nach dem amtierenden Patriarchen Bartholomaios I. vakant bleiben könnte, da die Forderungen der türkischen Regierung zu umfangreich sind.

Und genau da bringt sich die russische Kirche ins Spiel. Sie könne aufgrund ihrer guten Beziehung zur russischen Politik ein Nachfolger für das ökumenische Patriarchat sein. Damit würde die Russische Kirche die Reihenfolge, in welcher Russland als 6. Patriarchat aufgezählt ist, außer Kraft setzen. Denn Rom ist das erste in der Folge der Patriarchate, welches den Ehrenvorsitz hat. Nach dem Schisma 1054 ist Rom als Patriarchat weggefallen und Konstantinopel, als Sitz des römisch-byzantinischen Kaisers, folgte. Der Sitz in Rom ist für die Orthodoxen unbesetzt. Es blieben zudem die Patriarchate Jerusalem, Antiochia und Alexandria als weitere Nachfolger. Das Problem dabei ist, dass nur Jerusalem Konstantinopel auf den ersten Rang nachfolgen könnte, möglich wäre, da die politische Situation in Antiochia und Alexandria nicht besser als in Konstantinopel ist und die Lage in Jerusalem relativ ruhig zu sein scheint.

Der Vorteil für den Ökumenischen Patriarchen ist, dass einige Kirchen der slawischen Orthodoxie dem Konzil zugesagt haben. Neben dem Serbischen Patriarchat, hat auch die Polnische Autokephale Kirche dem Konzil zugesagt. Auch das Finnländische Patriarchat, welches enge Kontakte zur russischen Kirche pflegt, ist dem Aufruf des Konzils nachgekommen. Das lässt das panorthodoxe Konzil nicht zu einem reinen Diaspora-Gesprächstreffen verkommen, sondern lässt das Konzil panorthodox wirken.

Einheit wahren – aber nicht mit anderen christlichen Gemeinschaften

Die Patriarchen und Bischöfe, welche sich dem Panorthodoxen Konzil angeschlossen haben, bemühen sich um eine Wahrung der Einheit. Es hallen die Rufe der Patriarchen, welche sich nach einer Lösung für etwaige Gesprächsthemen bemühen und rufen nach denen, die dem Konzil ferngeblieben sind. Bisher hat sich keiner der Abwesenden darum bemüht diesem Ruf zu folgen, nicht einmal, diesem Ruf zu antworten. Somit verschwindet allmählich die Vorstellung von einer gemeinsamen Orthodoxie und der Patriarch Bartholomaios I. sagte bereits, dass keiner der Teilkirchen alleine eine Überlebenschance hätte. Dabei gibt es viele innerkirchliche Differenzen, wie zum Beispiel der unterschiedliche Kalender zwischen der Griechischen und der Russischen Kirche. Diese Diskussion wurde, auf die nächste Zusammenkunft der orthodoxen Bischöfe verschoben, da die Russische Kirche, während der Zeit der Sowjetunion nicht die Möglichkeit hatte bei einer Synode über den Kalender mitzubestimmen.

Das Gespräch das am meisten Gesprächsstoff bietet, ist die Anerkennung anderer Christlicher Gemeinschaften als Kirche, allem voran die Diskussion um die Stellung der Katholischen Kirche. Seit dem zweiten Vatikanum ist klar, dass die Orthodoxe Kirche von der Rom als Kirche angesehen wird. Die Orthodoxe Kirche steht somit in ihrem ersten Panorthodoxen Konzil vor der Herausforderung, die Stellung der Katholischen Kirche zu diskutieren.

Die Orthodoxie sieht die Katholische Kirche als Sekte und somit nicht als Kirche an. Auch wenn die Exkommunikation während des zweiten Vatikanums aufgehoben wurde, bestehen große Diskrepanzen. Neben dem Primat des Papstes und der Stellung der Bistümer und Diözesen, sowie der Katholischen Ostkirche, bestehen auch dogmatische Unterschiede, wie die Unbefleckte Empfängnis. Das Alles sehen die Orthodoxen Christen als Hindernis für die Einheit. So jedenfalls das mehrheitliche Stimmungsbild.

Einige Patriarchate und Autokephale Kirchen betrachteten die Ökumenedekrete mit Skepsis und reagierten ablehnend. Was in den Dekreten stand, ist nicht im Wortlaut bekannt. Trotz alledem, halten viele Orthodoxen Bischöfe die Vereinigung zwischen West- und Ostkirche für unmöglich und somit könnten Teilzugeständnisse in diesen Dokumenten vorhanden sein. Jedenfalls wird dieses Thema eines der heißesten Debatten sein, welches das Panorthodoxe Konzil erleben wird.

Die letzte Hürde

Die letzte und schwierigste Hürde wird das Abschluss des Konzils sein. Denn vier Patriarchate fehlen und somit steht die Frage im Raum, ob dieses Konzil auch wirklich als panorthodox gelten darf. Die Russische Kirche spricht jedenfalls von einem „Vorkonziliaren Zusammentreffen“ und einer „Räubersynode“. Damit stellt die russische Kirche klar, dass für sie diese Beschlüsse nicht zutreffen werden. Andere Patriarchate haben sich bisher nicht zu der Gültigkeit des Konzils geäußert. Ebenso wird der Ökumenische Patriarch beschuldigt, ein neues „Papsttum“ zu errichten, da dieser sein Interesse vor den der anderen Patriarchate durchsetzen will.

Offen steht außerdem, ob die Russische Kirche sich nicht erbarmen und doch am Konzil nachträglich erscheinen wird. Klar ist, die ersten Sitzungsperioden sind abgeschlossen und einige Dokumente wurden bereits festgelegt. Somit hat die Russische Kirche kaum Diskussionsmöglichkeiten, es sei denn, die abgeschlossenen Dokumente werden noch einmal zur Diskussion geöffnet.

Damit ist ebenso unklar, wie lange das Konzil wirklich dauern wird. Die Beratungszeit beträgt eine Woche und wenn, wie von der Serbischen und Bulgarischen Kirche angemerkt, soviel Diskussionsbedarf herrscht, könnte das Konzil verlängert oder eine zweite Tagungsperiode eingeführt werden. Und wenn zusätzlich noch einer der vier fehlenden Patriarchate später erscheint, sind erst recht weitere Diskussionen von Nöten. Es bleibt spannend wie sich das Konzil entwickeln und wie es am Ende rezipiert wird. Es bleibt die Hoffnung, dass das Konzil nicht, wie unzählige Konzilien nach 1054, als Räubersynode enden wird.

Alexander Radej

Religion als Privatsache

Die 4. Berliner Religionsgespräche behandelten den Terror, der durch die monotheistischen Religionen entsteht. Das wichtigste Beispiel war der islamistische Terror des IS. Nicht nur der Islam, sondern alle monotheistischen Religionen wurden als Gewaltquelle untersucht. Der Historiker der Humboldt-Universität in Berlin, Jörg Baberowski, meint, dass Religion Privatsache sei. Beim Kongress „Freude am Glauben“ ist die Angst vor dem ansteigenden Privatglauben und der Mangel an religiösem Wissen groß. Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft ist für den Glaubenden nicht selten ein schweres Bekenntnis, da oft verachtende Fragen zu seinem spirituellen Leben folgen. Die Religion steht heute im Konflikt zwischen der Bekennungspfllicht und dem Rückzug ins Private.

Gefahren durch monotheistische Religionen

Die monotheistischen Religionen, vor allem der Islam, stehen unter dem Verdacht, gewalttätig zu sein. Jedenfalls wenn man die Nachrichten in den Medien verfolgt. Die Anschläge in Paris und Brüssel zeigen das Ausmaß der Gewalt. Die Frage, die sich stellt lautet, ob Religionen gewalttätig sind. Religionen beeinhalten gewaltfördernde und gewaltpräventive Themen. In der Bibel oder dem Koran sind beide Seiten der Medaille zu finden. Rational betrachtet sind diese Bücher Gedankengut, das aus der Tradition entstanden ist. Per se ist Religion nicht gewalttätig, sondern wird vom Individuum und von der Gesellschaft interpretiert und gelebt. Der glaubende Mensch ist also dafür verantwortlich, auf welchen Teil seiner Heiligen Schrift er sich bezieht.

Neben der eigenen religiösen Meinung, welche angenommen und gelebt wird, gibt es religiöse Autoritäten, wie Bischöfe oder Imame, die die religiöse Praxis der Glaubenden beeinflussen. Diese bilden die Lehrmeinung der Bevölkerung. Die Interpretation des eigenen Glaubens wird zum Teil von den geistlichen Autoritäten vorgegeben. So bezieht sich der Islamische Staat vorwiegend auf gewaltverherrlichende Teile des Korans und reißt diese aus dem Kontext.

Säkularisierung von Staat und Religion

Die Säkularisierung trennte den Staat von der Religion. Die Frage, die sich seit dem stellt lautet, ob die vom Staat getrennte Religion nicht genauso gefährlich ist, wie eine mit dem Staat verbundene Religion? Bei den 4. Berliner Religionsgesprächen ist die Antwort „Ja, sie ist genauso wirksam.“. Religiöse Gruppierungen bilden ihre eigenen Dynamiken. Der Staat bestimmt zwar über ein Kopftuchverbot oder Kreuze in Schulen, kann aber nicht die Lehrmeinungen diktieren. Der Staat kann höchstens auffällige Gemeinden beobachten, ist aber bei der Aufklärung von den Gemeinden abhängig.

Der deutsche Staat bietet den Religionen großen Freiraum, es herrscht Religionsfreiheit. Sobald aber Gemeindemitglieder kriminell werden, interveniert der Staat. Wie aber mit stark radikalisierten Gruppierungen umgegangen wird, dafür ist noch keine geeignete Lösung gefunden worden. Diese Maßnahmen erreichen aber nicht jeden radikalen Gläubigen.

Ist Religion wirklich Privatsache?

Religion im Privatleben birgt die Gefahr, dass der Glauben von kirchlichen Lehrmeinungen abweicht und die Lehrmeinung durch den Menschen verändert wird. Dabei stellt sich die Frage, ob alle religiösen Gemeinschaften noch zeitgemäß sind. Durch unterschiedliche Gebote und Verbote, wie z.B. dem Verbot der Empfängnisverhütung in der katholischen Kirche oder dem Schweinefleischverbot im Islam, werden religiöse Gemeinschaften uninteressanter. Die Gebote werden nicht vollständig eingehalten. Somit tendieren Glaubende eher zu einem Privatglauben. Das kann aus mangelndem Glaubenswissen entstehen oder einfach schlicht durch die Verlockungen der modernen Zeit. Aus öffentlichen Räumen, wie zum Beispiel der Schule, verschwinden Kreuze. Gesellschaftlich entsteht eine Ablehnung von Religion und Religionszugehörigkeit.

Diese Entwicklung fördert die Radikalisierung von Glaubenden durch eine wachsende Ablehnung der Religion. Jede Religion verstrickt sich in Verschwörungstheorien, dass die eigene Religion, weil sie die Richtige ist, vom Bösen bekämpft wird. Letzten Endes sind in diesen Theorien die Atheisten oder die Andersglaubenden nur Schachfiguren des Bösen.

Religion ist zum Großteil zur Privatsache geworden. Glaubende müssen ungläubige Blick auf das Bekenntnis „Ja, ich bin Christ“ ertragen. Kreuze werden versteckt und nur noch in den eigenen vier Wänden gezeigt. Man will schließlich nicht ins Aus geraten, wenn man Christ ist. Unangenehme Fragen bleiben nicht aus. Die Kritik an der kirchlichen Lehrmeinung seitens des Laienstandes nimmt zu. Der Christ wird als Mensch, der an einen „imaginären Freund“ glaubt gesehen. All das führt dazu, dass der Glaubende sich mehr und mehr in der Gesellschaft ausgegrenzt fühlt und sein Christsein versteckt. Trotzdem darf nicht unterschätzt werden, dass die Radikalisierung von Glaubenden im Privaten und selten im öffentlichen Raum stattfindet.

Alexander Radej

AfD- Wahlerfolg mit zweifelhafter Haltung

Die drei Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt zeigen alle dasselbe Bild: Die Wahl ist durch das Flüchtlingsthema dominiert, die AfD gewinnt massiv an Stimmen hinzu – wenn auch mit zweifelhaften Einstellungen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Wähler bei einer großen Koalition zu den kleinen Parteien abwandern. Im Parlament gibt es keine starke Opposition und die Regierung kann machen was sie will, ohne hinterfragt zu werden. Notwendigerweise wandert ein Teil der Wähler von den großen Parteien zu den kleinen Parteien ab, welche die einzige Alternative bilden. Dieses Phänomen zeigt sich bei dieser Wahl nur allzu deutlich bei den Wählerwanderungen.

Auch eine hohe Wahlbeteiligung ist angesichts des starken Themas nicht überraschend. Zwar fällt die Thematik hauptsächlich in die Kompetenz des Bundes, doch wird die Flüchtlingsfrage als so drängend empfunden, dass viele Wähler für ihre Wahlentscheidung das Flüchtlingsthema angeben. Fast alle Parteien konnten durch diesen Effekt Nichtwähler für sich gewinnen.

Was allerdings zu denken gibt, ist ein Stimmungswandel in Europa und zunehmend auch in Deutschland. Den Flüchtlingen schlägt nicht nur Skepsis, sondern immer mehr offene Ablehnung entgegen, was sich die AfD zu eigen gemacht hat. Hier gilt es genauer hinzuschauen, mit welchen Ursachen sich Flüchtlinge und Bevölkerung auseinander zu setzen haben und mit welcher zweifelhaften Haltung die AfD die Krise beantworten will, die der Lehre Jesu diametral entgegensteht.

Prekäre Lage der Flüchtlinge

Ein großer Teil der Flüchtlinge hat im Krieg oder auf der Flucht Folter und Gewalt erlebt. Es ist eine Flucht ins Ungewisse, in eine komplett unbekannte Welt mit neuer Sprache, Sitten und Regeln. Besitz, Arbeitsstelle, das soziale Umfeld und vieles mehr mussten sie zurücklassen, um ihr Leben zu retten. Sie wollen arbeiten, aber vorhandene Ausbildungen und Studienabschlüsse werden oft nicht anerkannt. Dazu kommt die psychische Verfassung, sich auf das Lernen einlassen zu können, wenn der eigene Bleibestatus nicht geklärt ist oder Familienmitglieder noch in Gefahr sind.

Diese grobe Skizze zeigt die prekäre Lage, in der sich Flüchtlinge befinden, mag er im Einzelfall auch sehr unterschiedlich sein. Es sind Menschen in Not, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Die christliche Botschaft sagt dazu ganz klar: „Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.“

Sorgen der Bevölkerung

Die Menschen in Deutschland werden dadurch vor große Herausforderungen gestellt. Es gibt zahlreiche Hilfswillige, viele bringen dabei großen Einsatz auf. Oftmals ist allerdings ein schneller Erfolg nicht zu erreichen und es geht nur mühsam voran. Dazu kommen täglich Fernsehbilder von einem nicht abreißenden Flüchtlingsstrom. Das führt zu einem Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit. Berichte von Kriminalität und Belästigungen durch Flüchtlinge tun ihr Übriges.

Dort wo sich AfD Wähler zu Wort melden, kommt auch zum Vorschein, dass ihr Einsatz für Kinder, pflegebedürftige Großeltern, oder für Nachbarn, öffentlich nicht honoriert wird und finanziell zu wenig Unterstützung erfährt. Gegenüber den Flüchtlingen wird dagegen ohne Zögern Geld bereitgestellt, was zu Neid führt.

Es ist wichtig, diese Sorgen und Probleme ernst zu nehmen und Lösungswege zu diskutieren. Doch trotz unserer berechtigten Sorgen und anderen Bedürfnissen und Aufgaben, die drängend scheinen, zeigt uns die Bibel im barmherzigen Samariter, dass der nächste Notleidende im Mittelpunkt stehen muss. Ein Akt der Hilfe mit eigenem Einsatz und Geld ist das Gebot der Stunde. Dem Geschundenen muss über Nationalitäten hinweg, entgegen der alltäglichen Verpflichtungen, Sitten und Gesetze direkt geholfen werden. Hier ist nicht die erste Frage, wieso andere versagt haben oder es zu dem Leid gekommen ist, sondern wie direkt geholfen werden kann.

Programm der AfD

Hier stellt die AfD kaum eine Hilfe dar. Sie spielt die Bevölkerung gegen die Flüchtlinge aus und fordert in ihrem Parteiprogramm für Sachsen-Anhalt, eine „Einwanderungs-, Asyl- und Integrationspolitik,… die sich in erster Linie an den Bedürfnissen unseres eigenen Volkes orientiert.“ Die AfD nimmt nicht den Hilfebedürftigen in den Blick, sondern fordert „eine maximale Aufnahmequote für tatsächlich politisch Verfolgte und Flüchtlinge festzulegen, die sich am Willen der Bevölkerung orientiert und die daraus resultierenden Kosten nicht außer Acht lässt.“

Die Haltung, mit der die AfD das Kalkül der eigenen Wunschvorstellungen über den Flüchtling stellt, ist zutiefst unchristlich und letztlich gegen den Menschen selbst gerichtet. Wenn der Mensch nicht im Zentrum des Handelns steht, ist alles Kalkül umsonst. All die anderen Fragen der Fluchtursachen, der Finanzierung, der Integration, etc. dürfen nur im Hinblick auf den Hilfebedürftigen stehen. Werden sie stattdessen ins Zentrum gestellt, wird der Hilfesuchende zum Kalkül des eigenen Willens.

Sicher geht es um wichtige Fragen, die am Ende wesentlich darüber entscheiden, ob die Hilfe ankommt. Aber sie sind Folgen einer tieferen Haltung der Hilfsbereitschaft. Die AfD als Oppositionspartei, die alternative Lösungen ins Spiel bringt, ist nicht das Problem. Aber wenn sie unsere alltäglichen Verpflichtungen und Sorgen der Unterstützung des Hilfebedürftigen voranstellt, richtet sich das gegen den Menschen Selbst.

Dass dies keine Option für Christen sein kann, zeigt sich, wenn es in der Bibel heißt: „Geht weg von mir, denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet.“

Damit sollte uns die Wahl in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt nicht nervös machen, aber über einen christlichen Umgang mit den Flüchtlingen zu denken geben.

Dominique Humm