Bomben auf Kirchen

Die Gewalt des IS nimmt weiter zu. Am 11.12. gab es einen der schwersten Anschläge in Kairo. Ein Selbstmordattentäter gelangte in die Sankt Peter und Paul Kirche und sprengte sich in die Luft. Auf Facebook wurde wenig Trauer bekundet. Keine Profilbilder mit ägyptischen Flaggen umhüllt. Es fehlen sämtliche Bekenntnisse, die die Trauer der deutschen Christen ausdrücken. Europas Christen sollten sich aber mit den Kopten solidarisieren.

Im Jahre 2011 kommt es zum Paukenschlag in Ägypten: Husni Mubarak, der ägyptische Staatspräsident, tritt zurück. Tausende Demonstranten befinden sich zu der Zeit in Kairo und feiern seine Abdankung. Was den ägyptischen Christen in der Zukunft begegnen wird ist noch nicht in Sicht. Mubarak hatte versucht, Streitigkeiten zwischen Christen und Muslimen zu unterbinden. Die Muslimbrüder versuchten einen Keil zwischen beide Religionen zu treiben, doch erst als der IS in Ägypten Fuß fasste, entflammten erbitterte Angriffe auf die christliche Minderheit der Kopten.

Im Laufe der Zeit führte der IS zahlreiche Attentate auf der Sinai-Halbinsel aus. Ebenso gab es Enthauptungen an der Grenze zu Lybien. Trotz der zahlreichen Nachrichten und Fotos über die Gräueltaten des IS reagieren die Christen im Westen mäßig bestürzt. Es herrscht eine „Es ist da halt so“-Einstellung. Wenn in Frankreich, in der Stadt Saint-Etienne-du-Rouvray, ein katholischer Priester in der Kirche ermordet wird bekunden die deutschen Bischöfe Solidarität.

Tausende Tote

Die Ägyptischen Christen scheinen für die Glaubensgeschwister in Europa fremd zu sein. Vergessen zu sein scheint: Die koptischen Christen leiden mitunter am stärksten im Orient. Unter Mubarak wurden viele Schandtaten verhindert. Diese nahmen aber nach dessen Rücktritt stark zu. Das liegt einerseits am gänzlichen fehlenden staatlichen Eingreifen, aber auch am Erstarken von radikal islamistischen Gruppierungen wie den Muslimbrüdern. Unter ihren wurden die Christen stärker reglementiert und die Akzeptanz in der Bevölkerung sank tiefer als unter Mubarak. Es führte zu einer Verdrängung der koptischen Christen an den Rand der Gesellschaft und dem fehlenden Schutz der Christen vor Gewalttaten.

Der IS hob die Gewalt gegen die Kopten auf ein anderes Niveau: Kopten werden in Massenexekutionen zum Übertritt zum Islam gezwungen. Selbst dann ist das Überleben nicht hundertprozentig sicher, da der IS wahllos Menschen tötet, ob Christen oder Muslime. Es werden mehr Kirchen denn je direkt angegriffen und zerstört. Anschläge in Kirchen sind keine Seltenheit mehr. Dennoch war die Attacke in der Hauptstadt Kairo eines der größten Attentate, die die Kopten zu ertragen hatten.

Der Krieg zieht mit

Millionen Flüchtlinge wollen nach Europa. Doch nicht alle sind Muslime. Die christliche Minderheit, die nach Europa will, wird meist mit den Muslimen über einen Kamm geschoren. Denn die Kopten sehen fast gleich aus wie die Muslime. Bis auf ein kleines Kreuz an der Unterseite des Handgelenks, haben sie nur ein zweites unsichtbares Zeichen: Die Taufe. Den Kopten geht es in Flüchtlingsheimen schlecht. In einigen Lagern werden sie weiterhin von Muslimen beleidigt und sind der Gewalt weiterhin ausgesetzt. Die Verfolgung ist mit ihnen gezogen.

Die Angriffe auf Flüchtlingsheime verschlechtert ihre Situation. Einige der deutschen Mitbürger halten ebendiese Christen für Moslems und schaden Ihnen durch die Entzündung der Flüchtlingsunterkünfte. Pegida und AfD sprechen sich offen gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“ aus und befürworten vehement christliche Werte. Dennoch greifen sie das Christentum an, ob Kopten oder die Griechisch-Katholischen Christen aus Syrien.

Die „Flüchtlingskrise“ als Chance

Der Moment der Solidarität beginnt nicht auf Facebook, sondern in den europäischen Flüchtlingsheimen. Dieser Ort soll als Begegnungsstätte dienen, damit die Europäer, die Koptischen Christen, aber auch Muslime sich gegenseitig kennenlernen können. Es sollte mehr für die Verständigung zwischen Christen und Muslimen sowie zwischen Europäern und Orientalen erreicht werden. Der „Fremde“ ist in Europa angekommen und dies sollte als Chance für eine gemeinsame Verständigung genutzt werden. Ihm sollte geholfen werden, die traumatischen Erlebnisse aus seinem Heimatland zu überwinden, und es sollten weitere Spätfolgen der seelischen Belastung verhindert werden.

Schon alleine bekennende Worte zu den Christen im Nahen Osten kann das Gefühl vermitteln, sich mit den Menschen dort zu beschäftigen. Zwar würde das den Christen nicht direkt helfen, aber eine Solidarisierung ist das Mindeste, was Europa und die europäischen Bischöfe tun können. Aber auch der einzelne Christ kann etwas tun: Nämlich sein Profilbild in eine ägyptische Fahne hüllen.

Alexander Radej

Ziellose Ökumene?

Die Treffen mit unterschiedlichen Religionsvertretern, in Lund, Kreta, Tiflis, Kuba, Turin und anderen Städten zeigten, dass der Papst sich um den ökumenischen Dialog bemüht. Kardinal Koch äußerte sich kritisch indem er sagte, dass die Ökumenebewegung ziellos sei. Meist werden keine gemeinsamen Ziele artikuliert. Jedoch wird über ein gemeinsames Miteinander gesprochen, aber wie die Gräben überwunden werden können, bleibt unklar.

500 Jahre Luther

Am 31. Oktober traf Papst Franziskus in Schweden ein. Zusammen mit der lutherischen Kirche von Schweden, begeht er den Reformationstag. Das Treffen ist das erste seiner Art in Lund, zumal die Feier zu 500 Jahren Reformation begangen wurde. Der Papst setzt damit ein starkes Zeichen für die Ökumene und betet zusammen mit den lutherischen Bischöfen das ökumenische Gebet. Entscheidend ist hierbei nicht das gemeinsame Gebet, sondern die gemeinsame Erklärung zwischen der schwedischen Lutherischen und Katholischen Kirche. Eines der wichtigsten Themen der Deklaration: Das Abendmahl. Beide Parteien erklären, dass die religiösen Gemeinschaften sich nach einem gemeinsamen Abendmahl sehnen und dass das eines der Ziele der Einheit zwischen Lutheranern und Katholiken sei.

Undefiniert bleibt der Weg zum Ziel. Zwar wird in ökumenischen Räten weiterhin über eine Lösung für die Mariologie, Eucharistie und das Evangelium diskutiert. Nach außen hin wird kein konkretes Ziel definiert, sondern überwiegend geschildert, dass beide Kirchen sich innerhalb von 50 Jahren ökumenischen Dialog angenähert haben. Ebenso wird beschrieben, dass die Taufe beide Konfessionen miteinander verbindet. Der Weg liegt im gemeinsamen Gebet und in der Verständigung zwischen den Gläubigen, sowie den Kirchenoberhäuptern. Eine Einigung in theologischen Fragen, wird der nächste Schritt sein, um den weiten Graben, den die teils heftigen Auseinandersetzungen mitverursacht haben, zu überwinden.

Die Orthodoxen als Glaubensbrüder

Ökumenische Treffen zwischen der Orthodoxen und Katholischen Kirche gab es in den letzten Jahren haufenweise: Kuba, Tiflis, Kreta. Der Besuch der unterschiedlichen Konfessionen, kurz nach dem Amtsantritt des Papstes, war mehr auf die Ökumene zwischen Orthodoxer und Katholischer Kirche ausgerichtet, als zwischen den anderen Konfessionen. Dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. wurde ein Ehrenplatz gestellt. Diese Geste zeigt eine tiefe Verbundenheit zur Orthodoxie.

In der Ökumene zwischen Orthodoxen und Katholiken wurden ebenso wie zwischen Lutheranern und Katholiken, viele Erklärungen verfasst. Die Ausführungen sind selten von theologischer Natur, sondern von politischen Zielen geprägt. In der Erklärung von Kreta, geht es vorzugsweise um eine christliche Flüchtlingspolitik. Hingegen wurde sich auf Kuba für die Hilfe im Nahen Osten ausgesprochen. Es gab dennoch ein gemeinsames Ziel, neben der humanitären Hilfe: Die Einheit der Christenheit. In den Dokumenten wird größtenteils von „Brüdern“ oder „Geschwistern“ gesprochen. Ebenso wird gesagt, dass aufgrund historischer Ereignisse die Kirchen getrennt sein und diese Geschehnisse aufgearbeitet werden sollen.

Das Bestreben ist hierbei genauso beschrieben wie in den Dokumenten von Lund, dennoch zeigt sich kein gemeinsamer Weg, sondern nur das gewünschte Ziel. Das Treffen des Papstes in Georgien lässt aber vermuten, was eine gemeinsamen Richtungen wäre: Der freundschaftliche Kontakt zu anderen Konfessionen. In Georgien nämlich wurde Papst Franziskus seitens der Georgisch orthodoxen Gläubigen als Ketzer und Herätiker beschimpft, was auf die religiöse Bildung der Gesellschaft rückschließen lässt. Die Kirche Georgiens gilt neben der russischen Kirche, als konservativste Kirche der Orthodoxie.

Wohin führen weitere Wege?

Papst Franziskus wird seinen Weg für die Verständigung zwischen religiösen Gruppen weiter gehen. Er wirkt als Botschafter der Einheit. Aufgrund seiner ständigen Besuche oder Treffen mit religiösen Oberhäuptern, versucht der Pontifex ein Vorbild für die Ökumene zu sein. Dokumente und Erklärungen  sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dennoch sind die Gesten, die der Papst auf seinen Treffen zeigt, große Schritte zu einer belebten Ökumene. Papst Franziskus nimmt den Gläubigen die Angst vor den anderen Religionen und versucht die Angst der anderen Religionen gegenüber der Katholischen Kirche zu nehmen. Er reist in die Länder, in denen der Dialog in geringem Maße gefördert wird.

Eine der nächsten Stationen des Papstes ist der Besuch des 50. Jahrestages der charismatischen Erneuerung im Jahr 2017 im Circus Maximus. Das Treffen ist während der ökumenischen Gespräche entstanden. Dazu erzählt der Papst, er sei selbst der größte Kritiker der Charismatiker gewesen, während seiner Zeit als jesuitischer Provinzial in Buenos Aires. Er fügte hinzu, dass er heute anders denke, wenn die Treffen gut gemacht sind. Genau diese Entwicklung, welche Franziskus selbst erlebt hat, versucht er in den Gläubigen zu bewirken und geht als Beispiel voraus.

Alexander Radej

Ein tiefer Graben

Papst Franziskus besuchte vom 30.09 bis 02.10.2016 Georgien und Aserbaidschan. Jedoch wurde seine Reise nicht von allen Georgiern mit freudiger Stimmung aufgenommen. Konservative Kleriker und Verbände wetterten im Vorfeld gegen den Besuch des Papstes. Am Ende steht die Absage des gemeinsamen Gebetes zwischen Papst Franziskus und Patriarch Ilja II.

Sobald der Besuch des Papstes in einem Land ankündigt wird, freuen sich die katholischen Gläubigen des Landes. In Georgien war das anders. Als Papst Franziskus seinen Besuch ankündigte, rumorte es schon bei der Union für orthodoxe Eltern in Georgien. Laut den geistlichen orthodoxen Führern ist der Besuch des Papstes ein großer Fehler.

Die Ablehnung war so groß, dass Massen auf die Straße gingen, um gegen den Papst zu demonstrieren. Transparente mit „Erzketzer“ oder Aussprüchen wie „Der Papst will Georgien mit seinem Besuch zu einer katholischen Kolonie machen.“, sprachen für sich. Was war das Problem des Besuches?

Tiflis lud den Papst ein

Der Besuch des Papstes ist seitens des Katholikos-Patriarchen Ilja II., dem obersten Bischof für ganz Georgien, forciert worden. Umso unverständlicher sind die Proteste seitens der orthodoxen Geistlichen. Georgien ist aber seit jeher nicht dafür berühmt, sich für die Ökumene mit den Katholiken einzusetzen. Kurz vor dem Panorthodoxen Konzil auf Kreta sagte die Georgische Kirche Bartholomaios I., dem Patriarchen von Konstantinopel, für das Konzil ab. Für sie war ein Passus entscheidend, der den Namen „Katholische Kirche“ akzeptierte. Die Delegationen, die im Vorfeld die Konzilsdokumente entworfen haben, hatten im Konzilsdekret geschrieben, dass die Orthodoxen, den historischen Namen der Katholischen Kirche akzeptiere. Das macht die Katholiken, aus orthodoxer Sicht, nicht zur Kirche im theologischen Sinne, trotzdem darf sie als solche genannt werden. Das wollte die georgisch orthodoxe Kirche nicht.

Die konservative Haltung der Georgischen Kirche spiegelte sich auch beim Papstbesuch wieder. Entscheidend war für die Demonstranten, das gemeinsame Gebet zwischen Ilja II. und Papst Franziskus zu verhindern. Das schafften sie auch. Ilja II. erteilte dem Papst eine freundliche Absage. Höchstwahrscheinlich wollte der Patriarch die orthodoxe Bevölkerung beruhigen und seine Position als Patriarch in Frage stellen lassen. Ilja II. ist im Vorfeld bei der russischen Kirche in Ungnade gefallen. Er hatte sich für eine Monarchie unter der Führung der Bagraditen-Dynastie, die von von Zar Nikolaus abgesetzten wurden, eingesetzt.

Ebenso wäre die Außendarstellung des Patriarchates gefährdet und die Teilkirche könnte als zu „ökumenefreudig“, gar unionswillig, auffallen. Das Patriarchat hingegen gab offiziell bekannt, dass sie die dogmatischen Unterschiede als einen Grund dafür ansah, das gemeinsame Gebet abzusagen.

Der einsame Papst

Trotz alledem flog der Papst nach Georgien. Er traf Ilja II. und wechselte ein paar freundliche Worte mit ihm. Am 01.10. feierte der Papst eine Messe im Micheil-Meschi-Stadion, das knapp 27.000 Plätze hat. Gekommen waren 3.000 von 110.000 Gläubigen. Nicht nur die geringe Anzahl der Gläubigen ist verwunderlich, sondern auch die fehlende Teilnahme einer orthodoxen Delegation während des Gottesdienstes. An diesem Morgen wurden keine Vertreter der Georgisch Orthodoxen Kirche im Stadion gesichtet.

Der tiefe Graben wird nicht schmaler

Seit Jahren diskutieren Orthodoxe und Katholiken miteinander. Das Schisma von 1054 wurde noch lange nicht überwunden, auch wenn Annäherungen zu beobachten sind. Immer wieder aufs Neue wird Öl in das Feuer des Schismas gegossen. Aufgrund der früh entstandenen Trennung zwischen Ost- und Westkirche, entstanden theologische Unterschiede. Diese Unterschiede müssten aufgearbeitet werden, damit die Kirchen sich annähern können.

Selbst wenn die Orthodoxen Geistlichen dazu bereit wären, zusammen mit der Katholischen Kirche, einen Schritt aufeinander zuzugehen, wären die Laien bei Weitem nicht bereit für diesen Schritt. Denn die Laien besitzen, genau wie einige Geistliche, eine zu starke Identifizierung zwischen nationaler Zugehörigkeit und Religion. Der Erzfeind der östlichen Nationen ist nach wie vor der Westen und der religiöse Feind die Katholische Kirche.

Alexander Radej