Die Rehabilitation von Donum Vitae?

Die Kirche hat Donum Vitae anerkannt. So wurden die Aussagen von Kardinal Reinhard Marx in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Doch in Wirklichkeit hat der Kardinal nur die kirchliche Position wiedergeben und eingeladen, zu ihr zurückzukommen.

In den veröffentlichten Auszügen aus einem Briefwechsel erkennt der Kardinal die Erfolge des Vereins Donum Vitae für den Schutz des ungeborenen Lebens an und äußerte sich positiv zur Beschäftigung ehemaliger Beraterinnen des Vereins durch kirchliche Stellen. Doch was genau bedeutet das für die Position der Kirche und den Konflikt mit Donum Vitae?

Kirche offen für Rückkehr

Kardinal Marx erklärte in dem vom ZdK-Präsidenten veröffentlichten Zitat, eine Einstellung ehemaliger Donum Vitae Mitarbeiter sei nur möglich, „sofern sie, was ja auch selbstverständlich ist, die dort geltenden Regeln und Festlegungen respektieren und beachten.“ Diese „Regeln und Festlegungen“ umfassen im Rahmen der bischöflichen Beratung eindeutig die Unmöglichkeit, einen Schein zur straffreien Abtreibung auszustellen. Weihbischof Ansgar Puff formuliert diese Bedingungen für das Erzbistum Köln in einer Stellungnahme noch deutlicher: „Der Eintritt einer ehemaligen donum vitae-Beschäftigten in den Dienst einer bischöflich verantworteten Schwangerschaftsberatungsstelle “esperanza” im Erzbistum Köln setzt zwingend voraus, dass sich diese Bewerberin von der bisherigen Schwangerschaftskonfliktberatungspraxis, zu der die Ausstellung des Beratungsscheins […]gehört, distanziert und sich vollumfänglich mit dem “esperanza”-Beratungskonzept identifiziert und auch bereit ist, dafür öffentlich einzutreten.“ Letztendlich laufen beide Formulierungen auf eine Bekräftigung der kirchlichen Haltung zum Beratungsschein hinaus. Ehemalige Donum Vitae Beraterinnen müssen sich von der grundlegenden und definierenden Idee des Vereins distanzieren, wenn sie in der bischöflichen Beratung arbeiten wollen.

Die Äußerungen zeigen, wie die Bundesvorsitzende von Donum Vitae Rita Waschbüsch treffend zusammenfasste, die Intention des kirchlichen Handelns. Die Abgrenzung zielt gegen den Verein und seine, nach katholischer Lehrmeinung, irrigen Positionen, nicht gegen die Menschen, die sich darin engagieren. Kardinal Marx hatte diesen Punkt bereits vor drei Jahren angesprochen und eine Ausgrenzung von Donum Vitae Mitarbeiter in der Kirche abgelehnt.

Relativer Erfolg

Kardinal Marx bestätigt das Grundanliegen Donum Vitaes als Schutz des Ungeborenen Lebens und stellt Erfolge darin fest. Der von ihm gesehene Erfolg sei „zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten.“ Damit liegt der Erfolg auf einer individuellen Ebene.

Da Donum Vitae aber auch den Schein zur straffreien Abtreibung ausstellt und damit Teil des gesellschaftlichen Phänomens des Schwangerschaftsabbruches ist, muss der Erfolg des Vereins hinsichtlich ihres Zieles „ungeborenes Leben zu schützen“ auch anhand der umfassenden Situation bewertet werden.

In Deutschland ist seit Jahren die offizielle Zahl der Schwangerschaftsabbrüche relativ konstant. Da die Erfassung nicht zwingend und damit unvollständig ist, sind die offiziellen Zahlen nur Mindestwerte und die reale Zahlen nach Expertenschätzung deutlich höher. Auf dieser umfassenden Ebene hat Donum Vitae die eigenen Ziele damit deutlich verfehlt. Ihre Strategie ist genauso gescheitert, wie das Modell der Beratung nach §219 StGB, das den Schutz des ungeborenen Lebens zum Ziel hat.

Auch die individuellen Erfolge können die Probleme mit dem Ausstellen des „Scheines“ nicht ausgleichen. Um Schwangere zu erreichen ist es offensichtlich nicht nötig, einen Schein auszustellen. Die bischöflichen Beratungsstellen haben auf der Ebene der individuellen Beratung und Hilfe ebenso Erfolge vorzuweisen und leisten eine gute Arbeit. Auch Organisationen, die ähnlich wie Donum Vitae, nicht durch die kirchlichen Strukturen getragen werden, schaffen es, Frauen zu beraten und zu helfen ohne sich an der Beratungsscheinpraxis zu beteiligen. Die Initiative 1000+ bietet etwa auch Beratungen und Hilfen an. Neben Beratungen vor Ort sind dort die Mitarbeiter auch aktiv in Foren und sozialen Netzwerken unterwegs.  Denn dort suchen viele Frauen nach Informationen und Hilfe. Das Ausstellen des Beratungsscheins kann somit auch nicht als ein effektives Mittel des Lebensschutzes gesehen werden. Wer einen solchen effektiven Lebensschutz betreiben möchte, muss sich davon distanzieren.

Die Aussagen von Kardinal Marx sind kein Einlenken der Kirche gegenüber Donum Vitae, sondern eine Einladung an eine Gruppe von Menschen, deren Strategie krachend gescheitert ist. Sie müssen nicht in Strukturen arbeiten, die Abtreibungen ermöglichen, sondern können ihre Kräfte und Talente in den funktionierenden Strukturen der Kirche einbringen. Dort ist sowohl die Beratung und Hilfe von Frauen, als auch Lebensschutz möglich.

Philipp Müller

2 thoughts on “Die Rehabilitation von Donum Vitae?

  1. Das liest sich nun klarer,denn es schien so,als ob unser Oberhirte den Verein
    Donum Vitae voll anerkennen wollte,mitsamt der Ausstellung der unseeligen
    Beratungsscheine!

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