Kirche allein Zuhause

Veränderte Bistumsstrukturen angesichts mangelnder Gläubiger und leeren Kirchen sind in Deutschland nicht mehr aufzuhalten. Die Zusammenlegung von kleinen Pfarreien zu sogenannten „Großpfarreien“ stößt oft bei den Kirchenmitgliedern auf heftigen Widerstand.

Bereits 2013 hat das Bistum Trier als eines der ersten Bistümer auf die veränderte Lage durch die abnehmende Mitgliederanzahl innerhalb der Katholischen Kirche in Deutschland reagiert. Der demographische Wandel und Priestermangel haben den Bischof von Trier, Dr. Stephan Ackermann, veranlasst die Bistumsstrukturen zu verändern. Auch Laien waren in verschiedenen Gremien an diesem Prozess beteiligt. Es wurde über verschiedene Lösungen diskutiert und dabei wurde klar, wie sich Kirche in ihren äußeren und inneren Strukturen wandeln muss, um eine Zukunft zu haben.

Demographischer Wandel und Priestermangel

Laut der Forschungsgruppe für Weltanschauungen in Deutschland lag der Anteil an Katholiken im Jahr 2016 bei 28,5 % der Gesamtbevölkerung. Dies bildet aber weder die Altersstruktur der Mitglieder noch die tatsächliche Teilnahme am kirchlichen Leben ab, sondern nur die Gesamtanzahl. Den Bistümern ist auch durch Umfragen vor Ort der hohe Altersdurchschnitt bekannt. Das führt schon seit vielen Jahren vor allem zu einem Mangel an Priestern, die nach wie vor die Leitungsaufgaben innerhalb einer Pfarrei innehaben. Langjährige Traditionen und Gruppen innerhalb einer Gemeinde können durch diese Entwicklung nun nicht mehr in der gewohnten Form bestehen oder müssen aufgegeben werden.

Eine Lösung wäre die Beauftragung von Laien in die Administration von Gemeinden und die Zulassung von Viri probati sowie Frauen zum Priesteramt. Die Kirche verschenkt durch ihre momentanen Regelungen wertvolle Berufungen und lässt damit frustrierte Menschen zurück. Aber auch die Berufsgruppe der Pastoral-, und Gemeindereferenten ist abnehmend. Starre Hierarchien innerhalb der Kirche und ein vorgeschriebener Lebensstil verhindern eine Zunahme von Mitarbeitern in der Kirche. Eine bessere Wahrnehmung von individuellen Fähigkeiten der Interessenten von Seiten der Kirche, wäre ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation, sonst wird es die Kirche in ihrer momentanen Größe bald nicht mehr geben.

Glaubensvermittlung und Sprache

„Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt“, ist ein Buch aus dem Jahr 2014 von Erik Flügge. Darin kritisiert der Autor den Sprachstil von Predigten und ist der Meinung, dass die Rhetorik und Symbolik der Kirche nicht mehr zeitgemäß sei und deshalb auch kirchenferne Menschen nicht mehr erreichen kann. Lösungsvorschläge bietet er zwar konkret nicht, aber die Rhetorik der meisten Predigten geht am Zuhörer vorbei. Symbole und Begriffe werden nicht mehr verstanden oder nur unzureichend erklärt. Einen säkular geprägten Menschen wird die Predigt damit nicht erreichen, da er oft nicht mehr fähig ist diese Symbolwelten zu verstehen.

Die Rede vom „lieben“ Gott trägt zu einem sehr oberflächlichen und weichgespülten Christentum bei. Der Mensch muss sich nicht anstrengen um Anteil am Paradies zu haben. Zentrale christliche Elemente, wie der Kreuzestod Jesu oder die Trinität werden oft gar nicht mehr angesprochen, weil den Predigern und Katecheten oft selbst die Erklärung dafür fehlt. Eine moderne, offene und an das Individuum angepasste Sprache ist hier notwendig. Die Religionspädagogik muss deshalb reformiert werden, vor allem im Bereich der Sakramentenvorbereitung, weil dort die Katechese der Jugendlichen in besonderer Form stattfindet.

Ethischer Verein oder Religion?

Die Kirche präsentiert sich in der Öffentlichkeit nicht nur als religiöse Gemeinschaft, sondern vor allem als ein Werk der „Nächstenliebe“, sprich durch Verbände wie zum Beispiel die Caritas. Der Dienst am Nächsten aus einer bestimmten ethischen Überzeugung heraus, wird für viele Menschen damit spürbar. Der Handelnde sollte aber auch seine christlichen Überzeugungen zur Sprache bringen um darzustellen, dass er aus religiösen Motiven handelt. Moralisch gut Sein ist jedem Menschen gegeben. Immanuel Kant hat das durch die Anwendung der praktischen Vernunft aufgezeigt. Dafür ist keine Religion notwendig, noch Grundvoraussetzung.

Vor allem in der katholischen Kirche ist die Eucharistie der zentrale Punkt, der Kern ihres Selbst. Hier geschieht etwas Unfassbares, etwas was sich im Letzten menschlicher Worte entzieht. Die persönliche Erfahrung Gottes, der in dem Moment der Eucharistie dem Gottesdienstbesucher nahe kommt, muss in einer Weise gestaltet werden, die auch der moderne Mensch begreifen kann. Durch eine an den heutigen Menschen angepasste Deutung der christlichen Symbole und Wesensinhalte und dem aktiven Gespräch über den eigenen Glauben mit Kirchenfernen kann die Kirche dann doch nicht „allein Zuhause“ sein. Kirche ist mehr als eine Institution, sie ist Reich Gottes.

Thorsten Ostwaldt

7 thoughts on “Kirche allein Zuhause

  1. Angstkirche:
    wenn sich das Reich Gottes auch in der “dunklen Seite” SEINER ” Kirche zeigt, dann sehe ich eher eine “fremde Reiche “, die, wie alle Reichen, Angst hat vor Veränderung : sie könnte ja die letzten noch verbliebenen Schafe/Zählchristen verlieren…

  2. Ich verstehe ihren Kommentar nicht ganz. Meinen Sie, dass Kirche auch Angst machen kann? Oder einfach, dass Kirche Angst vor Veränderung hat?

  3. Die Kirche ist zum FRIEDHOF verkommen. Sie hat schon längst vergessen was KATHOLISCH für einen Sinngehalt hat. Selbstherrlichkeit und Machertum haben schon längst das sagen. Sie BERUFEN sich selbst statt sich BERUFEN zulassen.Es gibt aber ein Reich Gottes in dieser Kirche die wird aber verunglimpft vom ZEITGEIST der in dieser KIRCHE vorherrscht.

  4. Hallo “Klaus”, ich entnehme mal ihrer Meinung, das Sie eher traditonell-konservativ eingestellt sind. Das meine ich nicht negativ. “Konservare”, – also etwas “bewahren” ist zunächst etwas sehr sinnvolles. Es können aber auch Dinge, Meinungen, Traditionen bewahrt werden, die dem Menschen nicht mehr dienlich sind oder einfach tatsächlich nicht mehr in den “Zeitgeist” passen. Wenn sich eine große Mehrheit einer Gruppe, also religiöse Menschen und ihre Einstellungen zu Religion, ändert, dann finde ich “Zeitgeist” nichts negatives. Im übrigen sollten Sie vorsichtig sein, wem Sie hier Berufung zu, – oder absprechen. “Berufen” werden, kann man nur von Gott. Und dies geschieht bei jedem Einzelnen, ganz persönlich. Weder Sie noch Ich können also für andere beurteilen, was oder wer “berufen” ist.

    Ich verweise hier auch auf Lk 17,20. Das Reich Gottes kann man also nicht einfach so “sehen oder bestimmen”. Im übrigen fühle ich mich auf Friedhöfen sehr wohl, da bin ich näher bei den wirklichen Dingen im Leben,-die Auseinandersetzung mit Leben und Tod.

  5. Was der Kirche fehlt, scheint mir ihre fehlende Liebe zu allen Menschen zu sein. Erreicht nicht, dass Kirche sich in ihrer Verkündigung ändert. Man muss in ihr die umgeschuldete Liebe Gottes erkennen, die in Jesus erfahrbar geworden ist, Jesus hat keine Lehrbücher herausgegeben, wohl aber Wege verkündet und gelebt, Menschen zum Leben aufzurichten. Er hat das Reich Gottes in seiner alltäglichen Praxis verkündet und bezeugt, der Vorhang im Tempel zerriss bei der Begegnung zwischen der Macht der Welt und der Macht Gottes. Jesus suchte den Dialog, buchstabierte mit Menschen einen bedeutsamen und herrschaftsfreien Glauben und legte Zeugnis dafür ab, dass Gott mit den Menschen unterwegs. Jesus verschwieg nicht die Option Gottes mit den Menschen, besonders nicht mit denen inUnfreiheit, Ungerechtigkeit und Unfrieden. Das unterscheidet diese Kirche von einem Freizeitclub. Doch Visionen haben es schwer. Selbst wenn Kirche an ihrem Kleingeist bzw. an fehlenden Mitwirkenden zeitlich scheitern sollte, Gott hält an seiner Vision fest!

    • Da gebe Ich ihnen völlig Recht. Letztendlich kommt es darauf an, dass in der Kirche jeder Mensch eine persönliche Beziehung zu Gott aufbauen kann. Dazu gehört aber auch, sich auf das Transzendente, den eigentlich unerfassbaren Gott einzulassen. Manche kann dies auch erschrecken….

  6. Die Kirche hat sich in ihrem Dogmatismus so verheddert, dass sie jetzt keinen Ausweg mehr findet. Kritische und innovative Theologen wurden weitgehend mundtot gemacht. Die Intellektuellen haben die Kirche ebenfalls zahlreich verlassen. Der Diskurs über religiöse Themen kam damit zum Erliegen. Mit Höllenangst läßt sich auch kaum jemand mehr beeindrucken und eine befreiende Kirche für Arme, Unterdrückte und Verfolgte ist im verbürgerlichten Deutschland kaum zu sehen. Woher soll der Aufbruch kommen?

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