Weihnachten – Ein christliches Fest?

Lebkuchen im September, Weihnachtsmärkte, die nach dem 25ten Dezember noch immer stehen, Tannenbäume und die Rede von dem Familienfest. Weihnachten ist schon lange essenzieller Bestandteil unserer Gesellschaft. Für den christlichen Charakter des Fests interessieren sich jedoch die Wenigsten. Vielmehr scheint es um behagliche Stimmung, Familie, Geschenke und gutes Essen zu gehen.
Was aber sind die Ursprünge des Weihnachtsfests?
Inwiefern ist Weihnachten heutzutage ein gesellschaftliches Phänomen?
Wem „gehört“ Weihnachten?
Und was ist der Sinn des Weihnachtsfests?

Geschichte des Weihnachtsfests

Dass die Geburt Jesu höchstwahrscheinlich nicht am 25ten Dezember stattgefunden hat, steht heute fest.
Vermutlich haben sich die Christen bei dem Datum an einem schon bekannten heidnischen Feiertag orientiert. Der 25. Dezember galt schon lange als der Geburtstag der Gottheit der unbesiegbaren Sonne (Sol invictus). In den dunkelsten Tagen des Jahres zündeten die Menschen Lichter an, um ihrem Sonnengott zu gedenken, der ihnen das Licht schenkte. Auch Jesus vergleicht sich öfters mit dem „Licht, das in die Welt gekommen ist“ (Joh 12,46) und die Finsternis vertreiben wird. Die Parallelen sind offensichtlich. Höchstwahrscheinlich haben die Christen also die Metaphorik des schon bekannten heidnischen Festtags aufgenommen und sie mit ihrem eigenem „Sonnengott“ neu gefüllt. Ein unbekannter christlicher Autor der Spätantike schreibt zu dem Thema folgendes: „Die Heiden pflegen nämlich am 25. Dezember das Fest des Geburtstages der Sonne zu feiern und zu ihren Ehren Lichter zu entzünden. Zu diesen Riten luden sie oft auch Christen ein. Da nun die Lehrer der Kirche sahen, dass sich viele Christen zur Teilnahme an diesen Festen verleiten ließen, beschlossen sie, fortan am selben Tag das Fest der wahren Geburt zu begehen.“

Weihnachten als gesellschaftliches Phänomen

Weihnachten ist aus der westlichen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Kein Fest wird in einer ähnlichen Weise zelebriert und vermarktet. Man denke nur an die unzähligen Weihnachtsmärkte, Dekorationen und Sonderangebote in den Geschäften. Überall wird versucht, die Menschen in eine weihnachtliche Stimmung zu bringen. Was dabei außen vor bleibt ist der ursprünglich christliche Charakter des Fests. Auf den meisten Weihnachtsmärkten dominieren Tannenbäume, Weihnachtsmänner und Glühweinstände die vereinzelt vorkommenden Krippendarstellungen. Ein Fest der Liebe, das als Familienfest für gemeinsames Beisammensein, gutes Essen und Geschenke steht, lässt sich besser vermarkten als die Feier der Geburt eines Religionsstifters. Die Gesellschaft hat quasi, ähnlich wie die Christen des vierten Jahrhunderts, den Termin des Weihnachtsfests übernommen, ihn mit neuen Bedeutungen gefüllt und immer weiter ausgebaut. Fast scheint es, als gebe es zwei parallel nebeneinander verlaufende Weihnachtsfeste. Das Christliche sowie das Gesellschaftliche. Ein Freund sagte mir einmal dazu: „Nur für euch Christen fängt Weihnachten erst am 25ten Dezember an“.

Wem „gehört“ Weihnachten

„Euch Christen gehört Weihnachten nicht allein“, warf mir ein anderer Freund vor einigen Jahren in einer Diskussion vor. Hatte er recht? Natürlich gehört Weihnachten als Fest niemanden und kann von jedem beliebigen Menschen nach seinen Wünschen gefeiert werden, aber der christliche Charakter sollte hierbei nicht verloren gehen. In einer Zeit, in der das Christentum immer weiter auf das Abstellgleis geschoben wird, sollten wir gerade an einem Fest wie Weihnachten, das im Gegensatz zu Ostern und anderen kirchlichen Festen noch immer von einem Großteil der Gesellschaft gefeiert wird, darauf achten, das christliche Erbe nicht vollständig aufzugeben. Bei einem Feiertag, der vielen Menschen etwas bedeutet, haben wir die Chance die Menschen zu erreichen, und auf den christlichen Charakter hinzuweisen.
Übertreiben sollten wir es jedoch nicht. Auch die Meinung derjenigen, die Weihnachten als reines Familienfest sehen, sollte respektiert werden.

Der Sinn des Weihnachtsfests?

Den Sinn des Weihnachtsfests benennen zu wollen, ist eine utopische Vorstellung. Zu individuell sind die Menschen, um sich auf einen einzelnen Sinn zu beschränken.
Für einige Menschen besteht er darin, mit der Familie beisammen zu sein, andere wollen die Geburt Jesu feiern und wieder andere wollen einfach nur ihre freien Tage genießen. Im Lukasevangelium ist von der „großen Freude“ die Rede, die die Geburt Jesu mit sich bringt. Wenn wir diese Freude zum Maßstab nehmen und sagen, dass das Weihnachtsfest dann einen Sinn hat, wenn wir Menschen, wie auch immer wir das Fest feiern, fröhlich sein können, dann haben wir sehr viel erreicht.

Lukas Ansorge  

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