Die unterschätzte Gefahr

Trump vs. Kim Jong Un. Die Gespräche über Atomwaffen und deren Abbau sind überlagert von den Drohungen, mit denen sich die beiden gegenseitig einzuschüchtern versuchen. Das Problem an der Sache: Die meisten Westeuropäer halten weder Trump noch Kim Jong Un für einen ernstzunehmenden Politiker, der seine Drohungen tatsächlich ausführen würde. Vergessen wird dabei die Gefahr, die trotz allem in den Atomwaffen steckt. Eine Gefahr, die sich insbesondere an Hiroshima und Nagasaki zeigen lässt. Vergangenes Wochenende lud der Vatikan zu einer Konferenz, die sich mit dieser Gefahr befasste. Auch Papst Franziskus kam zu Wort und seine Aussagen könnten klarer nicht sein.

Die Konferenz im Vatikan

Vom 10. bis 11. November kamen im Vatikan Vertreter der Vereinten Nationen, der Nato sowie elf Friedensnobelpreisträger zusammen, um über eine atomwaffenfreie Welt zu sprechen. Ihr gemeinsames Ziel ist, Atomwaffen vertraglich ächten zu lassen. Unterstützung erhalten sie von Papst Franziskus, der schon im Vorfeld der Konferenz vor dem drohenden „Selbstmord der Menschen“ durch die Gefahr eines nuklearen Schlagabtauschs gewarnt hatte. Auf der Konferenz sprach der Papst von einem instabilen „Klima der Konfliktbereitschaft“ und „komplexen politischen Herausforderungen“ im Hinblick auf die aktuelle internationale Situation. Er kritisierte die Investition der Nationen in die Waffenentwicklung, die andere humanitärere Prioritäten wie den Kampf gegen Armut oder die Förderung von Frieden vernachlässigen würden. Die Entwicklung von Waffensystemen mit dem Ziel, das Menschengeschlecht zerstören zu können, bezeichnete Franziskus als unlogisch. Wahre Wissenschaft stehe immer im Dienst am Menschen. Doch auch von „Lichter(n) der Hoffnung“ sprach der Papst. Als Beispiel diente ihm ein kürzlich abgehaltenes Votum der Vereinten Nationen.

„Lichter der Hoffnung“

Am 20. September wurde den Vereinten Nationen ein Vertrag zum Verbot von Atomwaffen vorgelegt, auf den sich im Juli 122 Staaten geeinigt hatten. Das Abkommen verbietet den Einsatz von Nuklearwaffen sowie deren Herstellung, Besitz, Lagerung und Stationierung. Auch Tests von Kernwaffen und Drohungen diese einzusetzen untersagt der Vertrag. Gültig ist dieser allerdings nur in den Staaten, die ihn unterzeichnet und in ihr eigenes Recht aufgenommen haben. Nicht unterzeichnet haben den Vertrag die neun Atommächte, zu denen auch die USA, Russland sowie Nordkorea zählen. Auch Deutschland zählt nicht zu den Unterzeichnern, da die Ansicht vertreten wird eine Abrüstung sei nur mit Zustimmung der Atommächte möglich.

Vorangetrieben wurde das Abkommen von der „Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen“ (ICAN). Der in Genf ansässigen Organisation wurde in diesem Jahr für ihre Bestrebungen der Friedensnobelpreis verliehen.

Trotz dieser Meilensteine im Kampf gegen Atomwaffen wird die Thematik in der Öffentlichkeit und den Medien noch immer sehr stark von den Drohungen und Äußerungen überlagert, die Trump und Kim Jong Un äußern.

Die parodierte Gefahr

Ein Blick ins Internet zeigt: Es gibt wohl keinen anderen amtierenden Staatschef, der in ähnlicher Weise parodiert wird, wie dies bei Trump oder Kim Jong Un der Fall ist. Die beiden werden in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ernst genommen. Grund hierfür sind nicht nur die erwähnten Parodien, sondern ihr tatsächliches Verhalten, auf dem die Parodien gründen. Für viele Menschen haben weder Trump noch Kim Jong Un politisches Talent und benehmen sich auf der weltpolitischen Ebene kindisch und hochgradig unprofessionell.
Fakt bleibt jedoch: Beide sind Oberhäupter von Atommächten und haben die Möglichkeit über die Verwendung dieser zu entscheiden. Es bleibt zu hoffen, dass keiner von beiden seine Drohungen in die Tat umsetzen wird. Als inhaltslos sollte man die Drohungen jedoch nicht bezeichnen. Hierfür haben sich sowohl Trump als auch Kim Jong Un in vergangener Zeit viel zu unberechenbar gezeigt.

Der Umgang mit der Gefahr

Die potentielle Gefahr einer atomaren Katastrophe ist nicht zu leugnen. Bestärkt wird diese durch Politiker, die nur ihre eigenen bzw. die Interessen ihres eigenen Landes im Blick haben. Genau wie der Kampf gegen den Klimawandel oder den Welthunger lässt sich der Kampf gegen Atomwaffen nur gewinnen, wenn alle Länder zusammenarbeiten. Drohungen, die den Fortschritt der Abrüstungsverhandlungen bedrohen, sollten ernst genommen werden, auch wenn sie von Politikern stammen, die man selbst nicht ganz für voll nimmt. Nur wenn diesen Drohungen mit der nötigen Sachlichkeit begegnet wird, lässt sich das Ziel der vollständigen atomaren Abrüstung erreichen.

Lukas Ansorge

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