Glaube muss das Herz erreichen

Papst Franziskus hat für das nächste Jahr eine Bischofssynode zum Thema Jugend einberufen. Sie soll klären, wie die Kirche bei Jugendlichen ankommen kann. Die Konservativen und Liberalen haben verschiedene Ansätze, die aber an in ihrer Wurzel scheitern. Sie bleiben zu oberflächlich und bringen keinen persönlichen Glauben hervor.

Weg des geringsten Wiederstandes

Eine liberale Strategie, um Jugendliche in die Kirche zu integrieren, ist es, auf soziale Gerechtigkeit und Gemeinschaft zu setzen und kontroverse Glaubensthemen eher auszublenden und als Hindernisse für den Glauben abzutun. Ziel ist es, den Glauben möglichst einfach zu machen und die Herausforderung niedrig zu halten.

Doch egal wie gering der Anspruch ist, bleiben doch einfachere Alternativen. Auch mit anderen Gruppen kann man für Soziale Gerechtigkeit einstehen und Gemeinschaft erfahren. Diese „Bedürfnisse“ der Jugendlichen, können ohne die starke Bindung einer Kirchenzugehörigkeit befriedigt werden. Die Erwartungen und Vorstelllungen, die mit Kirche verbunden sind, führen zu einem grundlegenden Anspruch von Seiten der kirchlichen Gemeinschaft, als auch der weiteren Gesellschaft. Dieser Anspruch kann nicht so weit gesenkt werden, um mit den vielen Alternativen Konkurrenz zu machen.

Tradition und Liturgie

Der Gegenentwurf ist es, Heimat und Geborgenheit in den bekannten Traditionen zu bieten und mit der Liturgie zu überzeugen. Dabei wird entweder auf die „Erhabenheit“ der Tridentinischen Messe oder einen „hippen“ Jugendgottesdienst, mit Praise and Worship Liedern, gesetzt.

Doch dieser Entwurf zielt zu stark auf Emotionen und Gefühle und kann keine bleibende Bindung herstellen. Die Bindung zur Kirche bricht zusammen, wenn die Traditionen und Bräuche keinen Halt geben, weil sie mit dem eigenen Leben wenig zu tun haben und die emotionale Hochstimmung sich nicht mehr einstellt.

Durchbruch zu sich selber

Der einzig gangbare Weg für die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation, liegt in der Frage nach dem eigenen persönlichen Glauben. Wer ist Christus für mich? Was bedeutet die frohe Botschaft für mich? Was ist meine Beziehung zu Gott?

Die Antwort dieser persönlichen Frage muss letztendlich der Urgrund des Glaubenslebens sein. Sie muss wirkliche Konsequenz haben und Herausfordern. Aus der Antwort heraus kann dann überzeugend für Gerechtigkeit eingetreten werden, weil sie im Glauben begründet ist. Es kann authentische Gemeinschaft gelebt werden, weil Gott uns verbindet. Liturgie und Gebet werden zu einem existenziellen Erlebnis,  weil es das Treffen mit Gott als innigem Freund ist, unterstützt durch die würdige Feier und emotionale Untermalung.

Es reicht nicht, auf die Schönheit oder Gutheit einzelner Aspekte der Kirche zu setzen. Ohne die persönliche Herausforderung der Wahrheit des kirchlichen Glaubens muss die Evangelisierung der Jugend genauso scheitern, wie in der vorhergehenden Generation. Folgen wir den Konsequenzen unseres Glaubens für unser Leben? Sind wir die Herrscher über unsere Leben oder machen wir Ernst mit „Christus ist der Herr“? Wir brauchen den Mut, die Mauern um uns aufzumachen und den Glauben an uns heranzulassen. Wenn andere diesem Vorbild folgen, kann Glaube fruchtbar werden.

Philipp Müller

One thought on “Glaube muss das Herz erreichen

  1. Ich denke das Glaubensleben eines Menschen, wenn es denn gut geht, entwickelt sich und reift. So steht der Mensch immer vor zwei Fragen: Wer ist Jesus Christus an sich? Wer ist Jesus Christus für mich? Im Laufe des Lebens steht mal mehr die eine, mal mehr die andere Frage im Vordergrund, auf die das Lied des Lebens die Antwort ist. Ein Dualismus, der der das innere Glaubensleben vom äußeren abspaltet, fördert nicht die Entwicklung des ganzen Menschen, weil wesentliche Anteile seiner Person negativ konnotiert werden. Man denke dabei an die heutige Praxis der Körperoperationen und Genderdiskussion oder im Mittelalter an die Praxis der Geiselung.
    Zum Glauben gehört es dazu, dass Jesus Christus wesentlich auch als Gegenüber erfahren wird, z. B. in der Liturgie und in der Überlieferung des Glaubens, d. h. er muss der eigenen Verfügbarkeit entzogen sein, um als Person überhaupt erfahrbar zu werden. Dies scheint eine wesentliche Aufgabe dieser Zeit zu sein. Der Narzissmus scheint die heutige Seuche der Zeit gerade unter Jugendlichen zu sein, die, geprägt von symbiotischer Verschmelzung und Allmachtsphantasien, gar nicht in der Lage sind, einen Menschen als Gegenüber zu erkennen und so sich zu einem reifen und liebesfähigen Menschen zu entwickeln. Ich hoffe sehr, dass die Kirche sich wieder der Verantwortung bewusst wird, die sie für Gott und den Menschen trägt, und das Glaubensleben entsprechend gestaltet.

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