Wen soll ich wählen?

Im September dreht sich in Deutschland alles um die bevorstehende Bundestagswahl. Dabei steht immer die Frage im Vordergrund “Wen soll ich wählen?”

Auf diese Frage versuchen die beiden großen Parteien CDU und SPD mit ihren Spitzenkandidaten, Antworten zu geben und damit möglichst viele Wähler von sich und ihrer Partei zu überzeugen. Auch die kleineren Parteien treten gegeneinander an und versuchen, auf sich und ihre Positionen aufmerksam zu machen.

Die Kirchen in Deutschland mischen sich ebenfalls ein, zumindest, insofern sie die Gläubige dazu aufrufen, wählen zu gehen und die Demokratie des Landes dadurch mitzubestimmen. Manche Kirchenvertreter stellen sich ganz bewusst auf eine Seite oder gegen eine bestimmte Partei, so wie der Trier Bischof Ackermann, der die Partei AfD für ihre Positionen und ihr kirchenpolitisches Manifest stark kritisiert.

Auch der Kölner Erzbischof Woelki mischt sich in die politische Diskussion ein und zeigte seine Position zum Umgang mit Flüchtlingen, indem er am 3. September eine Schwimmweste anzog, um zu signalisieren: Wir sitzen alle in einem Boot. Auch wenn es uns in Europa gut geht, ist es unsere menschliche Pflicht, Menschen in Not zu helfen.

Es ist zu beobachten, dass die Definition, was christlich ist und was nicht, unterschiedlich bewertet wird. Ein Beispiel dafür ist die Diskussion um die AfD. Die Alternative für Deutschland will, nach eigenen Angaben, das christliche Abendland schützen und sieht sich als christlich im Sinne der Soziallehre. Doch für einige ist die AfD eher ein Verräter christlicher Werte.

Die Frage bleibt: “Wen soll ich wählen?”

Gerade die Erwartung, eine bestimmte politische Meinung haben und vertreten zu müssen, setzt einige Menschen unter Druck. Dazu gibt es noch viele unterschiedliche Positionen zu viel diskutierten Themen, auch innerhalb der Kirche und das verunsichert viele Menschen. Manche resignieren dann und manche vertreten extreme Positionen in die eine oder andere Richtung.

Es wird Zeit, die Meinungsvielfalt innerhalb der deutschen Gesellschaft, unter den Christen und auch innerhalb der Kirche anzuerkennen und wertzuschätzen. Denn es gibt keine richtige oder falsche Meinung. Es gibt nur die eigene Meinung.

Kirchenvertreter ermutigen dazu und rufen auf, zur Wahl zu gehen und eine Stimme abzugeben, weil eine Demokratie, wie sie in Deutschland etabliert ist, von der Partizipation der Bürger lebt. Doch sie sollten auch die Gläubigen dazu ermutigen sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch auszusprechen und in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Nun ist es an der Zeit, die Vielfalt innerhalb der Kirche anzuerkennen und das griechische Wort καθολικός in seiner ursprünglichen Wortbedeutung “allumfassend” auch für die politischen Meinungen der Mitglieder anerkennen und nicht katholisch als Synonym für “einheitlich” verwenden.

Egal, welche Partei Sie wählen, wichtig ist nicht, ob sie “kirchenkonform” ist, sondern lediglich dass es mit Ihrem Gewissen vereinbar ist und Sie davon überzeugt sind, dass es die richtige Wahl ist.

Vielleicht hilft zur Entscheidung in zwei Wochen auch die Frage, die auf einem Armband steht, dass manche Jugendliche tragen: “What would Jesus do?” (Auf Deutsch: “Was würde Jesus tun?”)

Katharina Penits

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