Die Kirche muss Verteidigerin der Freizeit sein

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Die Menschen in den Industrienationen erinnern sich daran, dass neben Arbeit und Leistung auch die Muße ein wichtiger Faktor in Ihrem Leben ist. Dem zollt auch der Papst Tribut: Er erholt sich im Vatikan. Denn auch ein Kirchenoberhaupt kann nicht durcharbeiten. Damit gibt der Papst ein Statement: wie wichtig Erholung für Menschen in Industrienationen ist. Für solche Strategien leistet die Kirche wichtige Beiträge.

Burn-Out auf der Insel der Seligen
Der Westen lebt auf einer Insel der Seeligen. Hunger gibt es keinen mehr und wenn, dann zum abnehmen. Nur wenige Menschen verrichten körperliche Arbeit, durch die sie buchstäblich mit 40 vom Dach fallen. Gesetze beschränken die Arbeitszeit. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich das Konzept der Freizeit entwickelt. Durch das Wirtschaftswunder kann die Mehrzahl der Menschen in Urlaub fahren.
Dennoch nehmen Burn-Out-Phasen zu. Das Stresslevel steigt an. Die existentielle Notlage der Menschen in den Industrienationen ist dem psychischen Notstand gewichen. Es gehört zu den originären Aufgaben der Kirche, die Menschen darin zu unterstützen.

Verteidigt den Sonntag
Das Wichtigste zuerst: die Verteidigung des Sonntags. Wirtschaft und Kommunen versuchen, den freien Sonntag aufzubrechen. Für Krankenhäuser, Hotels sowie Restaurants ist es sinnvoll, am ersten Tag der Woche zu öffnen. Es erschließt sich aber nicht, wieso die Mitarbeiter von Handygeschäften und Supermärkten sonntags hinter der Kasse sitzen sollten.

Denn die Vorteile eines freien Tages für fast alle liegen auf der Hand:
Die Sonntagsruhe ist nicht nur symbolisch zu verstehen. Sie drückt das Verhalten der Menschen aus. Die Umgebungslautstärke senkt sich. Es fahren weniger Autos und die Leute mähen den Rasen nicht. Die Hektik, die an anderen Tagen herrscht, wird vermieden.

Die Menschen fühlen sich nicht allein, wenn sie weniger machen oder sich Zeit für ihre Familien nehmen. Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben. Zudem können sie nicht viel tun, weil nur wenig geöffnet hat. Die Geschäfte sind geschlossen, in Behörden und Unternehmen ist niemand zu erreichen.
Der Mensch, daran gewöhnt, zu leisten, ist durch den Sonntag ausgebremst. Das ist eine gesellschaftliche Leistung. Das gilt es zu verteidigen. Dabei bildet sich eine Allianz zwischen Kirchen, Gewerkschaften und Politik.

Platz für Spiritualität
Mit dem Sonntag verbinden die Kirchgänger die Liturgie. Zwar spielt in der säkularisierten Moderne die Messe keine Rolle mehr für die Mehrzahl der Menschen. Aber Gottesdienst ist nur eine Form von Spiritualität. Sie kennt zahlreiche Ausdrucksformen: Meditation, Körperübungen oder Stundengebet. All das braucht Ort und Zeit, damit die Menschen es in ihren Alltag integrieren können. Regelmäßige Zeiten sind ein wichtiger Faktor für die spirituelle Praxis. Dem Wochenende und speziell dem Sonntag kommt dabei eine wichtige Funktion als Ruhezeit zu. Aber auch Werktags und im Urlaub kann man sich Rituale schaffen, um mehr zu tun als ‚nur‘ seine Arbeit zu erledigen.

Die Kirche stellt die meisten Angebote für Sinnsuchende zur Verfügung. Zugleich weist sie darauf hin: der Mensch braucht nicht nur materiellen Reichtum. In kirchlichen Zentren gibt es auch Angebote wie Klangschalenmeditation oder Yoga, um die verschiedenen Bedürfnisse zu bedienen.
Christliche Einrichtungen bieten Orte zur Ruhe und Besinnung. In Klöstern und Exerzitienhäusern nimmt die Gruppe derer zu, die nur aussteigen wollen. Kein Handy, kein Computer, keine dauernden Anfragen. Nur die Freiheit, sich zu bewegen, wohin man möchte und die Option, etwa am Stundengebet der Mönche teilnehmen zu können.

Kirche: Anbieter und politische Kraft
Mit ihren Angeboten liegt Kirche im Trend. Die Menschen sehnen sich nach Ruhe. Die findet sich an fernen Stränden, aber auch in zahlreichen Institutionen direkt um die Ecke. Aber nicht mal soweit muss man fahren. Papst Franzskus verbringt die Ferien mit reduziertem Programm im Vatikan. Das zeigt: Für ein ausgeglichenes Leben braucht es drei Dinge: eine längere Zeit der Ruhe, regelmäßige arbeitsfreie Tage und Impulse, auch im Alltag zu entspannen. Kirchen ist daher als Anbieter und als politische Kraft im Interesse der Menschen gefragt.

Maximilian Röll

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