Gewaltverzicht

Papst Franziskus hat am vergangenen Sonntag vor dem traditionellen Angelus-Gebet auf dem Petersplatz Christen in aller Welt dazu aufgerufen im Umgang mit Unrecht auf Gewalt zu verzichten.  Sie sollen sich an Jesus ein Vorbild nehmen, der selbst Gewaltverzicht lebte. Das Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ sei durch Jesus überwunden worden.

Gleiches mit Gleichem vergelten

Jesus predigt das Gesetz der Liebe, das Gewalt ausschließt. Selbst dann, wenn man definitiv im Recht sei, müsse man andere Wege finden, um sein Recht durchzusetzen. Allein durch den Verzicht auf Rache ließe sich die Spirale der Gewalt durchbrechen, gab der Papst zu bedenken.

Kinder lernen, wie es geht

Schon Kinder lernen „Der Klügere gibt nach“. Der Aufruf des Papstes erinnert ein wenig an solche Weisheiten, wie man sie Kinder lehrt. Aber es steckt noch mehr in dem Aufruf: Mit dem Versuch Unrecht mit Gewalt zu vergelten, bediene man sich selbst unrechter Maßnahmen. Damit begebe man sich prinzipiell auf die Gleiche Stufe mit dem Verursacher des ersten Unrechts.

In der Erziehung von Kindern ist das ein zentraler Aspekt. Kinder lernen, vernünftig miteinander umzugehen und über Probleme zu reden. Das bedeutet: Tut ein Kind dem anderen Unrecht an, so soll sich dieses nicht rächen. Diebstahl, Schläge oder Beleidigungen, solle man lieber tolerieren, statt sich zu revanchieren .

Ein Ausschluss der Todesstrafe?

Immer wieder wird die Todesstrafe kritisiert, die in Teilen der Welt nach wie vor als Maßnahme bei besonders schweren Vergehen vollstreckt wird. Betrachtet man die Aufforderung des Pontifex genau, könnte man zu der Annahme gelangen, dass auch die Todesstrafe nach Ansicht des Papstes illegitim sei. Denn sie stellt genau das dar, was Franziskus kritisiert: Unrecht wird mit Gewalt bzw. dem Tod vergolten.

Tatsächlich hat sich Franziskus mehrfach gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Sie spreche gegen das fünfte Gebot. Eine frühere Argumentation besagte, dass die Bestrafung um der Strafe selbst willen Folter gleichkomme. Dem Täter oder der Täterin werde durch den Tod die Möglichkeit auf Rehabilitierung geraubt, das nehme ihm ein grundlegendes Recht, wiederholte er bereits mehrfach, etwa während einer Tagung der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften im vergangenen Jahr.

Was sollen wir dann tun?

„Jesus fordert von seinen Jüngern nicht, sich dem Bösen zu unterwerfen, sondern darauf zu reagieren; nicht mit einer weiteren bösen Tat, aber mit einer guten“, sagte der Papst. Das bedeutet: Keine Selbstjustiz! Statt sich auf das Niveau des Täters zu begeben, solle man über solchen Taten stehen und lieber mit gegenteiligem Verhalten dem Bösen entgegentreten.

Wie soll es dann gerecht zugehen?

Auch hierauf geht der Papst ein: Jesus selbst lehne nicht die Gerechtigkeit ab, sondern die Rache, die instrumentalisiert werde, um angebliche Gerechtigkeit zu schaffen. Den Wunsch nach Gerechtigkeit kann Franziskus nachvollziehen, bezeichnet ihn sogar als legitim.

Das Problem ist also der Weg dahin: denn die Rache stellt selbst ein Instrument des Unrechts dar. Der Pontifex fordert die Christen dazu auf, andere Wege zu gehen, um zu Gerechtigkeit zu gelangen. Konkret will er auf das Stichwort  Barmherzigkeit hinaus. Er spricht es auch direkt an: hierin zeige sich eine höhere Verwirklichung von Gerechtigkeit. Rache hingegen sei ein Ausdruck von Hass und Gewalt.

Franziskus steht mit seiner Forderung nach Gewaltlosigkeit keineswegs allein da. Auch Bischof Felix Genn legte den Gläubigen während einer Messe im Sonntag im St.-Paulus-Dom jüngst den Verzicht auf Gewalt nahe. Die Lösung nach Genn: Negative Gefühle vor Gott tragen. Sich an Gott wenden und ihm im Gebet alles Negative anvertrauen. So könne sich der Mensch seiner unguten Gefühle entledigen, indem Gott sie auf sich nehme. Denn der Geist Gottes sei stärker als jedes menschliche Gefühl.

 

Marlen Heßler

One thought on “Gewaltverzicht

  1. Schon zu Beginn seines Pontifikats demaskierte Franziskus die Gewalt /den Krieg
    ” als Triumph der Dummheit “..

    Dass deutsche Soldaten in der Sahara den Uran-Nachschub sichern gehört auch in diese Kategorie.

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