Geht es hier mit rechten Dingen zu?

In einem bayerischen Dorf sterben innerhalb von sechs Jahren fünf aktive Mitglieder der Kirchengemeinde. Da alle zwischen 50 und 64 Jahre alt waren, vermutete Endre Graf Esterházy eine übernatürliche Ursache. Er forderte vom Bistum Passau eine kirchliche Untersuchung an. Bischof Stefan Oster solle einen Inquisitor schicken. Das Bistum lehnte dies ab, da es die Inquisition nicht mehr gebe und das Bistum die Häufung der Todesfälle nicht prüfen könne. Zu Recht, den es gibt eine rein natürliche Erklärung für die Häufung, die Inquisition hat damit nichts zu tun und die Forderung beruht auf einer, aus christlicher Sicht, problematischen Weltanschauung.

Statistische Erklärung

Bei einer Häufung von Vorfällen vermuten wir intuitiv einen Zusammenhang. Doch das ist eine statistische Fehleinschätzung. In einer zufälligen Verteilung treten immer Häufungen auf. Statistisch ist eher das Fehlen solcher ein Zeichen für Manipulation. Eine wirklich gleichmäßige Verteilung ist nur durch Absicht erreichbar. Da Esterházy selbst eine menschliche Fremdeinwirkung bei den Todesfällen ausschließt, gibt es keinen guten Grund in dieser Sache einen tieferen Sinn zu suchen. Sie sind statistisch keine Besonderheit. Die Todesfälle sind tragisch und für die Gemeinde ein schwer zu verkraftender Verlust. Darüber hinaus sind sie aber Teil der Realität.

Inquisition ist ein anderes Thema

Auch die Forderung nach einem Inquisitor ist nicht sinnvoll. Die Inquisition war nicht mit der Aufklärung von unerklärlichen Ereignissen betraut, sondern mit der Durchsetzung der orthodoxen katholischen Lehre. Dafür wurde von Kirchengerichten der Glaube von vermuteten Ketzern untersucht. Wenn diese dem orthodoxen Glauben widersprachen, wurde ihnen ein Widerruf ermöglicht. Dafür wurde ihnen die Strafe häufig erlassen oder eine Milderung empfohlen. Bei einer Verweigerung des Widerrufes oder mehrmaliger Verbreitung von Häresien wurde die Person der weltlichen Gerichtsbarkeit übergeben. Da die weltlichen Gesetze die Häresie mit dem Tode bestraften, führte das meist zur Hinrichtung.

Die Todesstrafe auf Häresie entsprang der Verbindung von Kirche und Staat, die ab Kaiser Konstantin einsetzte. Die religiöse Einheit des Glaubens wurde Grundlage der Gesellschaft und der einzelnen Länder. Um diese Einheit zu erhalten kam es im frühen Mittelalter wiederholt zu Verurteilungen durch weltliche Herrscher ohne die Einwirkung der Kirche. Später wurden die Bischöfe beauftragt festzustellen, ob eine Häresie vorliegt. Sie sollten die Verurteilung Unschuldiger verhindern und sich für die Umkehr und Wiedereingliederung der Häretiker stark machen. Durch die engen Verbindungen zwischen Adel und den einzelne Bischöfen konnten sie diese Aufgabe jedoch nicht unabhängig erfüllen. Deshalb beauftragte der Papst unabhängige Inquisitoren, die einen gerechten und geregelten Ablauf sicherstellen sollten. [1]

Mit der Gründung der „Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition“ in 1542 entwickelte sich die „Inquisition “von der Untersuchung einzelner Häretiker zur intellektuellen und theologischen Verteidigung des katholischen Glaubens. Nach den Napoleonischen Kriegen verlor die Kongregation alle judikative Macht und konnte nur durch ihre Schriften Einfluss nehmen. Im Jahr 1908 wurde sie in „Kongregation des Heiligen Offiziums“ umbenannt und 1965 in die Kongregation für die Glaubenslehre. Heute ist die Glaubenskongregation ein theologisches Beratungsorgan des Papstes. Durchaus mit innerkirchlicher Macht verbunden, aber ohne judikative oder exekutive Kompetenzen.

Probleme eines übertrieben Glaubens an Übernatürliches

Katholischer Glaube schließt das Eingreifen übernatürlicher Kräfte nicht aus. Sie kommen jedoch nur als Ausnahmen vor. Wenn eine unkontrollierbare Macht ständig auf die Welt Einfluss nehmen würde, wären genuin freie Handlungen nur schwer möglich. Solche Handlungen setzen eine ausreichend genaue Vorrausicht von ihren Folgen voraus, um eine Handlung und ihre Folgen frei wählen zu können. Fehlt diese Freiheit, kann es in unserem Leben keine Moral geben. Wenn die Ergebnisse unseres Handelns nicht vorrausehbar sind, kann niemandem eine Verantwortung für sein Handeln zugesprochen werden. Auch würde die Liebe unmöglich. Sie setzt zwingend Freiheit voraus, da sie nur geschenkt werden kann. Doch ist die Liebe das Zentrum des christlichen Glaubens. Gottes- und Nächstenliebe ist in einer unberechenbaren Welt nicht realisierbar. Daher ist eine durch und durch magische und wundersame Welt dem christlichen Glauben fremd.

Entspannte Weltsicht

Statt in allem Überraschendem ein Eingreifen übernatürlicher Kräfte zu sehen, seien sie gut oder böse, sollten wir eine Erklärung aus den Gegebenheiten der physischen Welt suchen. Das wird nicht immer gelingen, zum einen Aufgrund unseres begrenzten Verstandes, zum andern sind nicht alle Phänomene durch materielle Ursachen zu erklären. Etwa die Existenz der Welt an sich. Der christliche Glaube enthält grundsätzlich Mysterien, etwa eine Schöpfung „ex nihilo“, die Menschwerdung und die Eucharistie. Sie sind rational kaum begreiflich und fordern einen starken Glauben. Deshalb können wir im Umgang mit weiteren Wundern und unerklärlichen Ereignissen ganz gelassen bleiben.

Philipp Müller

[1]vgl.: Michael Hesemann: Die Dunkelmänner, Augsburg 2007, S. 154-169

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