Vergebung ist ein Geschenk (04.09.2015)

Der Erlass von Papst Franziskus zur Vergebung von Abtreibungen zeigt: die Kirche will Leid lindern, sie will Sünde vergeben, nicht nur jenen, die von einer Abtreibung betroffen sind.

Das neue Schreiben zum Heiligen Jahr

Papst Franziskus hat die bestehenden Regeln über Beichte und Abtreibung ausgesetzt. Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit dürfen alle Priester auch bei Abtreibungen die Absolution erteilen. Frauen, die eine Abtreibung durchgeführt haben, als auch die daran Beteiligten, können um Vergebung bitten und diese auch erhalten. Bislang war diese Absolution in den meisten Ländern nur den Bischöfen oder ihren Beauftragten möglich. Nun kann sie in allen Staaten erteilt werden.

Leben ist heilig, nicht nur für Christen

Die Kirche vertritt dabei auch weiterhin die Position, dass jedes Leben heilig, somit unantastbar ist. Nicht nur gläubige Christen vertreten diesen Standpunkt. Im Grundgesetz ist fest verankert, dass jeder Mensch Würde besitzt, egal welchen Alters, Geschlechts oder Religion er/sie ist. Wann diese Würde beginnt, ab welchem Zeitpunkt der Entwicklung von einem „Menschen“ die Rede ist, darüber streiten sich noch immer viele Menschen, nicht nur Katholiken oder Mediziner.

Geschenk begründet keine Ansprüche

Bisher vorgebrachte Kritik an der Entscheidung des Papstes beruht auf einem grundsätzlichen Missverständnis, nämlich aus einer Geste der Barmherzigkeit Ansprüche abzuleiten. Kritische Stimmen fordern, die Kirche solle endlich vom Sündendenken abweichen. Doch damit reagieren sie auf die Regelung des Papstes mit einer Forderung. Doch Barmherzigkeit ist ein Geschenk. Es widerspricht der Logik des Geschenks, als Beschenkter Forderungen zu stellen.

Die Aufgabe der Kirche

Franziskus weiß um die Rolle der Kirche im Leben vieler Menschen. Er kennt den Wunsch vieler Sünder, die Vergebung und Unterstützung der Kirche zu erhalten. Darin besteht die Aufgabe der Kirche: nicht zu verurteilen und an den Pranger zu stellen, sondern Trost, Vergebung und Barmherzigkeit zu spenden.

Die Bedeutung für Betroffene

Viele, die von einer Abtreibung direkt oder indirekt betroffen sind, tragen psychische Narben und Schmerzen mit sich. Doch ihre Schuld kann ihnen vergeben werden, in diesem Jahr einfacher als sonst. Diese Chance kann für viele ein Grund sein, sich wieder mehr der Kirche zuzuwenden, ihr wieder mehr Vertrauen zu schenken und in ihr Gottes Liebe zu finden.

Die Kirche versteht und vergibt

Franziskus weiß, dass viele die Prinzipien der Kirche nicht mehr verstehen. Er möchte diese Prinzipien jedoch nicht einfach über den Haufen werfen. Wer ein Menschenleben beendet, begeht eine Sünde. Daran wird sich auch nach dem Heiligen Jahr nichts ändern. Dennoch öffnet der Papst die Pforten, bemüht sich um Kompromisse und macht Schritte auf die Menschen zu. Franziskus ruft in Erinnerung, dass Christus, und damit die Kirche, reuigen Sündern Barmherzigkeit schenkt. Doch aus diesem Geschenk der Gnade kann man keine Ansprüche ableiten.

Judith Wallacher
kath.de-Redaktion

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