Homo-Ehe ist keine Niederlage – aber was ist Ehe überhaupt? (05.06.2015)

Foto: Hagen411 – Fotolia.com



Das Votum in Irland für die Homo-Ehe hat in der Kirche heftige Reaktionen hervorgerufen. So bezeichnete Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin den Ausgang des Referendums als „Niederlage für die Menschheit“.

Die Reaktion verdeutlicht, hier geht es um etwas Grundsätzliches. Parolin kanzelt das Votum der Iren ab, da es das Wesen der Ehe betrifft.

Was ist Ehe?
Das Bundesverfassungsgericht urteilte 2002 über die Ehe: „Zum Gehalt der Ehe, wie er sich ungeachtet des gesellschaftlichen Wandels und der damit einhergehenden Änderungen ihrer rechtlichen Gestaltung bewahrt und durch das Grundgesetz seine Prägung bekommen hat, gehört, dass sie die Vereinigung eines Mannes mit einer Frau zu einer auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft ist, begründet auf freiem Entschluss unter Mitwirkung des Staates, in der Mann und Frau in gleichberechtigter Partnerschaft zueinander stehen und über die Ausgestaltung ihres Zusammenlebens frei entscheiden können.“ (Hervorhebungen vom Autor). Mindestens zwei Punkte erscheinen mir bedenkenswert:

„Ungeachtet des gesellschaftlichen Wandels“
Die Verfassung wurde in einer Zeit geschrieben, da das Ideal der Ehe stark durch christliche, besonders katholische Werte geprägt war. Die Ehe wurde gedacht als Bund zwischen Mann und Frau, die einander lebenslang treu sind, sich wirtschaftlich vor allem durch die Ein-Verdiener-Ehe stützen und mehrere Kinder bekommen. Dadurch bildete sie die natürliche demographische Regenerations- und Versorgungsgemeinschaft, die der Staat förderte. Doch diese Ehe gibt es nicht mehr. Die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte führte zu Veränderungen des konservativ-religiös geprägten Ehekonzeptes.

Dennoch rekurriert das Verfassungsgericht auf den traditionellen Grundsatz, Ehe sei eine Verbindung von Mann und Frau, obwohl dies nicht im Wortlaut des Grundgesetzes (Art. 6) steht. Eine rechtliche Änderung dieses Verständnisses zöge weitreichende Veränderungen nach sich.

Eine Änderung ist eine Änderung ist eine Änderung
Seit Wochen kursiert in den sozialen Netzwerken und teilweise auch in der Tagespresse die Behauptung, für heterosexuelle Paare ändere sich nichts, wenn die Homo-Ehe eingeführt wird. Diese Behauptung ist allerdings nicht nur paradox, sondern ein handfester Widerspruch.

Das alles aufzudröseln, erscheint vielleicht redundant. Es ist nicht möglich, zu behaupten, eine Änderung bringe keine Änderung hervor, und gleichzeitig darauf zu bestehen, eine Änderung durchzuführen, die gegen den Einwand, es sei eine Änderung, erhaben ist. Es ist naiv, zu meinen, dass man das Rechtsinstitut „Ehe“ für gleichgeschlechtliche Paare öffnen kann, ohne dass sich das Rechtsinstitut „Ehe“ dadurch grundlegend ändert. Unterschiedliche Sachverhalte kann man nur einander angleichen, wenn man zugesteht, dass sie unterschiedlich sind. Ermöglicht man also gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe, wird die Frage aufgeworfen, welche Bedingung jemand erfüllen muss, um von den staatlichen Privilegien dieser Rechtsform zu profitieren. Reicht es, nur auf Dauer gemeinsame Verantwortung zu übernehmen? Oder kann der Staat mehr für seine Privilegien fordern, etwa die Übernahme von Kindererziehung? Mit der Homo-Ehe muss die ganze gesellschaftliche und staatliche Institution Ehe neu überdacht werden. Eine inhaltliche Entscheidung wird schwierig und Gräben aufreißen, besonders in der CDU/CSU, die mit ihrem konservativen Erbe ringt.

Eine Entscheidung muss her
Wie auch immer die Antwort ausfällt, es muss eine Entscheidung geben. Irland ist nicht das erste Land, das diese Form der Ehe legalisiert hat, sondern bereits das zwanzigste. Die Iren waren nur die ersten, die es mit einer Volksabstimmung getan haben. Die Fragen bleiben im Raum: Was ist Ehe und was soll Ehe sein? Das ändert sich nicht von heute auf morgen mit einer Abstimmung. Das Konzept „Ehe“ muss neu mit Inhalt gefüllt werden.

Matthias Alexander Schmidt
kath.de-Redaktion

4 thoughts on “Homo-Ehe ist keine Niederlage – aber was ist Ehe überhaupt? (05.06.2015)

  1. Grundsätzlich ist mir das Ausmaß der Beschäftigung von kirchlich – religiöser Seite mit Ehe und Fortpflanzung zu groß.
    Ein Mensch will zuallererst geliebt werden und nicht vermehrt!!!

  2. Es gibt keine einfachen Antworten auf eine sehr differenzierte Materie.
    Ich habe erst vor einigen Monaten meine Diplomarbeit zu der Frage der sog. schichtenspezifischen Erziehung unter besoderer Berücksichtung der Schichtenproblematik in Deutschaland (west) aus dem Jahre 1973 herausgeholt, um mir noch einmal vor Augen zu führren, was Kindeswohl auch heute bedeutet!.
    Allein schon die Frage nach der größten Ebenbildlichkeit der Menschen mit Gott, sofern man die Botschaft Gottes in den Schriften der Bibel als richtungsweisende Glaubensbotschaft annehmen darf und diese nicht allein aus historisch-kritischer Sicht, aus Sicht” politischer Theologien” und aus Sicht von Herrschaftsströmungen und deren Begründungen lesen will und liest und sich zugänglich macht und dabei darauf stößt, dass der Schöpferkraft der Menschen, von Mann und Frau im Eros, in der sexuellen liebevollen Entfaltung auch im Hinblick auf Zeugung von Kindern, große Bedeutung in der Gottesverehrung und Nachfolge Gottes zukommt, wird auf eine große Menge an Fragen und auf Widerstand stoßen, wenn sich der gläubige Leser und Betrachtrer der biblischen Schriften beschränken würde die monogame heterosexuelle Ehe und/ oder, wenn er Ehe ausweiten würde auf lebenslange andauernde und treue Partnerschaften auch zwischen Gleichgeschlechtlichen. Es fällt mir selber schwer, über das Gewohnte einfach hinauszudenken, weil es Fragen, Unsicherheit mit sich bringt.
    Und es ist nicht einfach, alles zu begründen.
    Man spürt bei allem Unsicherheit. In in einer Zeit, in der sich alles an Traditionellem auflöst und gründlichen differenzierten Betrachtung unterzogen wird, die sich sowohl an objektiven Krietieren ausrichtet wie auch subjektive Befindlichkeiten miteinbezieht, ist es schwer, gegen dieses alles objektive Ehebedingungen zu statuieren, so sehr man das auch möchte.. Selbstverständlich wird ein Dialog zwischen den unterschiedlichen Interessen nicht die Wahrheit produzieren, sofern diese überhaupt gefunden wird. Es wird vielleicht Annäherungen an die Wahrheit geben, was denn nun letztlich festgeschrieben werden könne.Die Sehnsucht nach Sicherheit in Gott wird nicht rationale Begründungen ersetzen, da Christen/Innen in sozialen und bürgerlich rechtlichen verfassten Strukturen leben und auch diese aufgrund ihrer Hoffnungsbotschjaft mitggestalten und auch verändern wollen.
    Ich denke, es wird dabei bleiben müssen, was Mahatma Gandhi eoinen lebenslangen Prozess der Suche nach der Wahrheit nannte, die selbst nur wahrhaftig gesucht werden kann, ohne Vorwürfe, Vorhaltungen, Verdächtigungen, Unredlichkeiten.
    Die Liebe und Treue Gottes zu uns Menschen, wer immer wir auch sind, steht über allem.

    .

  3. Gut geschrieben! Mir gefällt die kirchliche Auffassung von Ehe: Lebensbund zweier Menschen, die zur Schöpfung neuen Lebens fähig sind. Alles andere wert-volle sind dann für mich Partnerschaften/Lebensgemeinschaften. Wie auch immer: sehr guter Text von Dir.

    • Also sind dann Ehen, die z.B. wegen Unfruchtbarkeit keine Kinder zeugen können, im Nachhinein doch keine Ehen? Oder Ehepartner, die zwar Kinder gezeugt, aber durch Krankheit o.a. verloren haben und inzwischen zu alt sind, weitere Kinder zu bekommen, sind auf einmal nur noch Lebenspartner? Mir gefällt diese Auffassung nicht…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*