Chance verpasst: Das ZdK ist als Brückenbauer ungeeignet

Die Erklärung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken über neue Partnerschaftsmodelle hat in der vergangenen Woche in den Medien Furore gemacht. Das ZdK wollte damit zum Brückenbauer zwischen Lehre und Lebenspraxis werden. Doch stattdessen hat es sich ins Abseits gestellt.

Mit seinen Positionen zu Ehe und Familie hat sich das ZdK in einigen Punkten von der Lehre der Kirche entfernt. Der Passauer Bischof Stefan Oster hat dem Zentralkomitee daraufhin vorgeworfen, die Stellungen des biblischen Offenbarungsglaubens geräumt zu haben. Ersatzweise spreche die Laienvertretung von Werten, die aus dem Glauben der Bibel abgeleitet würden und die sich auch in anderen unehelichen Verbindungen wiederfinden ließen. Eine Argumentation, die es so ähnlich seit der Aufklärung gibt, in der man von allgemeinen moralischen Tugenden, anstatt von Offenbarung sprach. Schon damals reagierte das Lehramt ablehnend.

Konservative setzen sich weiter ab

Laut dem Paderborner Theologen Peter Schallenberg ist es ein riskantes Manöver, in einer aufgeheizten Situation Ansprüche abzustecken. Das ZdK macht sich nicht zur ideellen Vertreterin aller Laien, sondern wird zur Partei. So spekuliert Bischof Stefan Ostern auf Facebook darüber, viele Laien könnten sich nicht mehr vom Zentralkomitee vertreten fühlen. Und tatsächlich formiert sich etwa im Internet schon der Widerstand der konservativen Katholiken gegen das ZdK.

Laien können in der Weltkirche nichts entscheiden

Das Komitee hat in Deutschland vermutlich noch die Mehrheit der Laien hinter sich. Doch sind seine Forderungen nur weltkirchlich umzusetzen, sie müssten also auf der Familiensynode beschlossen werden. Dort haben die Laienvertreter aber nichts zu melden. Es sind die Bischöfe der Weltkirche, die sich treffen und beraten. Die Laien können zuhören, sie können beraten, entscheiden aber können sie nicht. Dem Zentralkomitee waren aber die eigenen Forderungen wichtiger als ein Dialog mit den Bischöfen. Das wird schon darin deutlich, dass die Beratung um den Fortgang des Gesprächsprozesses zeitlich eingedampft wurden, um die Erklärung zu debattieren.

ZdK isoliert sich

Es wäre ein Gebot der Klugheit gewesen, den deutschen Bischöfen eine Botschaft nach Rom mitzugeben, die auch an konservative Positionen anschlussfähig ist und vorsichtig den Graben überbrücken könnte. So aber hat das ZdK nur eines erreicht: Eine klare Positionierung wenigstens eines deutschen Bischofs gegen die eigenen Botschaft und das Schweigen des restlichen Episkopats. Das Zentralkomitee hat sich damit aus der weltkirchlichen Diskussion verabschiedet.

Maximilian Röll

kath.de Redaktion

12 thoughts on “Chance verpasst: Das ZdK ist als Brückenbauer ungeeignet

  1. Ich würde gerne wissen, mit welchem Recht das ZdK sich als “Stimme der deutschen Katholikinnen und Katholiken” bezeichnen kann. Ich bin deutscher Katholik, fühle mich aber durch das ZdK keineswegs repräsentiert noch würde ich so etwas wünschen.

  2. Bitte, womit ist die Mutmaßung, dieses “ZK” verträte die Mehrheit der Laien, begründet, wie kann dies belegt werden?

    Für mich, Katholik und nicht konservativ, sondern schlicht romtreu, ist diese Namens(selbst)wahl nur anmaßend und irreführend. Ich stelle insoweit fest: für mich spricht dieses “ZK” nicht.

    Und: es sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, basisdemokratisch und direkt laienbezogen und sehr an meiner Lebenswelt orientiert, meine Kirchensteuer direkt an Rom bezahlen zu können. Dies wäre eine sinnvolle Neuerung.

    Der Segen unseres HERRN JESUS CHRISTUS möge unseren Heiligen Vater und Vater Benedikt XVI. und alle Christen leiten und begleiten.

    • Volle Ablehnung, verehrter Poster-Kollege. Weltkirchlich stehen immer mehr Menschen auf, die sich nicht mehr mit der “Vorherrschaft” der Bischöfe abfinden und sich für eine partizipative Kirche einsetzen. So verliert z.B. die Kirche in den USA so rasant Mitglieder, dass einem Angst und Bange werden kann. Inzwischen sind 30 Prozent der unter 35-jährigen in den USA nicht mehr Mitglied einer Kirche! Sollte die anstehende Synode keine wegweisenden Schritte gehen auf eine Neuformulierung der Lehre, wird sich dieser Prozess beschleunigen. Auch im deutschen Sprachgebiet.

  3. Für mich als Katholik wird es immer schwieriger, den Graben zwischen der tradierten Lehre und der Realität der Gegenwart zu überbrücken. Zum Glück gibt es Gremien wie das ZdK, das unerschrocken auf die Probleme hinweist und die Spannungen ins Wort bringt. Es ist unerhört und zeugt von unerträglicher Selbstüberschätzung, wenn Bischöfe wie Oster, Hanke oder Voderholzer meinen, sie seien im Besitz der Wahrheit. Mutig, ZdK! Weiter so!

    • Die genannten Bischöfe :verneig: vertreten nur insoweit die Wahrheit, wie sie die Lehre der Kirche (kurz: “Rom”) :verneig: vertreten. D a s allerdings ist m.E. katholisch, insoweit mag es für Sie, Blondy Schopf, eine Möglichkeit sein, Ihre Schwierigkeit zu lösen und die Konfession zu wechseln.

      Das käme natürlich für alle Mitglieder des Vereins “ZK” in Betracht, die nicht mit dem Lehramt übereinstimmen.

      Btw: “Realität der Gegenwart” – aha, und was bitte, was soll an dieser “Realität der Gegenwart”, soweit sie vom Lehramt abweicht, übernehmenswert sein?

      Und: weswegen maßen Sie, Blondy Schopf, oder dieser Verein “ZK”, es sich an, die “Realität der Gegenwart” zu definieren? Ist der Namen “ZK” wirklich zumind. insoweit treffend, daß, wie jene ZK der Vergangenheit (der SED, der KPdSU, …), Sie die Deutungshoheit über die Gesellschaft der Bundesrepublik (sofern dies mit “Realität der Gegenwart” gemeint sein sollte) usurpieren wollen?

      Schließlich: diese und die in Rede stehenden Einlassungen des Vereins „ZK“ belegen wieder, in für mich geradezu herausragender Weise, die Prophetie unseres em. Papstes Benedikt XVI., als er in Freiburg die Entweltlichung gefordert hat. Ein Kirchenlehrer, für mich, aber einer der Gegenwart und der Realität, m.E.

      • Werter Joseph,
        dass Sie das ZdK mit den Unrechtsregimen in einem Atemzug nennen, zeigt in aller Deutlichkeit, welch Geistes Kind diejenigen sind, die sich für die Rechtgläubigen in der Kirche halten. Die von Ihnen vorgenommene Gleichsetzung ist schäbig und widerspricht allem, was an jesuanischem Geist in der Kirche zu walten hat.
        Im Übrigen ist das, was Sie “Lehramt” nennen, nicht vom Himmel gefallen, sondern historisch gewachsen und damit hochkontingent. Immer wieder hat es in der Geschichte Lehrentwicklungen gegeben – die im Übrigen vielfach von “unten”, also von Laien, vorbereitet worden sind! Man denke etwa an die franziskanische Armutsbewegung im Hochmittelalter oder im 20. Jh. an die Abkehr von einem Eheverständnis, das die Fortpflanzung als primären Zweck der Ehe definiert. Ich hoffe, dass Sie dies in aller Redlichkeit zur Kenntnis nehmen wollen. Ich für meinen Teil werde nun noch deutlich dafür arbeiten, dass die vermeintlich “unumstößliche” Lehre der Kirche zur Ehe und Sexualität fortentwickelt wird. Und zwar im Sinne dessen, was das ZdK vorgelegt hat.

  4. Ich fühle mich vom ZdK sicher nicht vertreten und ich finde es schade, dass so klare offenkundig der katholischen Lehre widersprechende Medienarbeit durch die Deutsche Bischofskonferenz mitbezahlt wird.
    Ich finde nicht schlecht, dass es auch ein von der DBK anerkanntes Organ der katholischen Laien gibt. Ich finde aber, dass Bibelexegese und das kirchliche Lehramt nicht Aufgaben der Laien sein kann. Dafür gibt es die Kirchenlehrer unserer Zeit und der 2000 Jahre zuvor. Dafür gibt es Rom, das sich immer schon um ein konstantes Lehrgebäude bemüht.
    Ich sehe die Aufgabe des ZdK eher in der Frage, wie können sich Laien mehr innerhalb der Kirche, aber auch generell in der Caritas, Katechese und Mission/Remission besser engagieren. Wie kann die katholische Lehre besser bei den Menschen ankommen, wie kann sie besser verstanden werden. Nicht, wie kann sie verändert werden!
    Katholische Laien haben viele mögliche Betätigungsfelder an hauptamtliche Kirchenvertreter abgegeben, das Ehrenamt liegt darnieder; nur Predigten wollen alle, obwohl es nicht erlaubt ist. Da hat die ZdK genug Betätigungsfelder.

    • Sehr geehrter Herr Seitz, mit meiner Antwort darf ich Sie höflichst darauf hinweisen, dass die Laien keineswegs die Ausführungsorgane der Betsimmungen und Aufassungen sind, die das Lehramtes vorgIbt. Leider erwecken Ihre Zeilen genau diesen Eindruck. Das II. Vatikanum begreift alle Getauften als Subjekte ihres Glaubens – und spricht ihnen damit eine eigenständige Würde zu, wenn sie den Glauben in ihrem Leben bezeugen und mit Leben erfüllen. Exegese und Theologie sind auf jeden Fall auch eine Angelegenheit derer, die kein Amt in der Kirche haben. In diesem Punkt widerspreche ich Ihnen sehr energisch.

  5. Wieso soll das ZDK ein Brückenbauer sein? Auf Lateinisch heisst das doch Pontifex, das auch dem Bischof zugeordnet ist. Wenn ich daran denke, wie wenig z.B. ein Franz-Peter Tebartz-van-Elst in Limburg oder ein Gerhard Ludwig Müller in Regensburg Ponitfex = Brückenbauer waren, dann dürfen die Romtreuen ganz still sein. Das ZDK soll ein Stachel im Fleisch der Hierarchie sein, dieser Aufgabe wurde es diesmal mehr als gerecht. Weiter so!

  6. Das eine ist die Frage nach der “politischen Klugheit”. Ob es schlau war, so wenig “konziliant” auf andere existierende Lebensformen hinzuweisen, mag man bezweifeln. Aber vielleicht braucht es auch gelegentlich eines klar formulierten Standpunkts aller Beiteiligter an der “katholischen” Diskussion. Und wenn ein Kardinal Burke schon im Vorfeld der Bischofssynode über verschiedene Medien ankündigt, dass er sich zu einem offenen Widerstand gegen Papst und Synode gezwungen sieht, wenn sich auch eine geringfügige Uminterpretierung des Bildes von Familie und Partnerschaft vor den “Zeichen der Zeit” (das meine ich im Sinne des Hochgebets für besondere Anliegen) abzeichnen sollte, dann muss von Schwestern und Brüdern im Glauben auch der Wunsch geäußert werden dürfen, dass die Existenz anderer Lebensformen aufgezeigt wird und, dass die darin lebenden Menschen auf der Suche nach Gottes Heil sind.

    Das hat nach meinem Dafürhalten das ZdK getan. Ob das ZdK jetzt “die Mehrheit” der deutschen Katholikinnen und Katholiken vertritt, ist nicht klar. Jedenfalls ist das ZdK das durch die Pfarrgemeinderäte über die Diözesansynodalräte und die Verbände hin konstituierte und daher vermutlich legitimierteste Laiengremium, das es gibt. Anders z.B. das “Forum deutscher Katholiken”, dessen Mitgliedschaft man erwirbt, wenn man – nach Beteuerung der völligen Übereinstimmung mit dem Weltkatechismus (KKK) – vom Mitarbeiterkreis und Sprecher zugelassen wird.

    Ich freue mich jedenfalls über den Mut des ZdK, die Brücken, die in der Lebens- und auch Glaubens(!)realität zu Menschen in nicht-KKK-konformen Beziehungen existieren, nicht von vornherein einzureißen.

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