Lockführer – schlecht vertreten (14.11.2014)

Größere Gewerkschaft verspricht keine besseren Arbeitsbedingungen

Claus Weselsky gilt als der Vorkämpfer für “seine Lokführer”. Aber ist er das tatsächlich? Nach allem was bekannt wurde, streiken die Lokführer für die Schaffner. Denn die will ihr Chef auch vertreten. Haben die Lokführer aber etwas davon? Zwar sind die Arbeitsverhältnisse ähnlich – beide Berufsgruppen sind mit dem Zug unterwegs und haben ihr Privatleben auf ständig wechselnde Einsatzpläne abzustimmen. Aber würde es den Lokführern nicht mehr nutzen, wenn erst einmal ihre Arbeitssituation erheblich verbessert würde? Stattdessen unterstützen Sie die Landgewinne ihres Vorsitzenden, stehen aber in Europa am Ende der Gehaltsskala. Schaut man sich die Situation der Lokführer in Deutschland an, dann hat ihre Gewerkschaft massiv versagt.

Das Image der Lokführer wurde durch Weselsky ramponiert

Offen gestand der Vorsitzende vor der Kamera ein, dass das Ansehen der Lokführer gelitten habe. Deshalb wurde der Streik einen Tag vorher beendet.
Dass der 25. Jahrestag des Mauerfalls bestreikt werden sollte, kann man nur so verstehen, dass Weselsky das für kein nennenswertes Ereignis gehalten hat. Vielleicht bedauert er auch, dass es überhaupt zur Öffnung der DDR-Mauer kam.

Eine Gewerkschaft ohne Kommunikation mit der Gesellschaft

Offensichtlich ist die Gewerkschaft nicht in der Lage, die Öffentlichkeit zu informieren, so dass sich der Bürger ein Bild von der Situation der Lokführer machen kann. Erst nach Wochen erscheinen Zeitungsberichte, die über die Situation der Lokführer berichten. Das einzige Kommunikationsmittel ist die Streikkeule. Offensichtlich darf auch nur einer reden, nämlich der Vorsitzende, dem seine Gewerkschaft zu klein erscheint, anstatt das er etwas für die Lokführer tut. Und da ist Entscheidendes zu ändern.

Die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Lokführer

– Der Beruf wird im Schichtdienst ausgeübt. Aber anders als bei Krankenpflegekräften oder Feuerwehrleuten gibt es nicht eine feste Zeit, wann z.B. der Nachtdienst beginnt. Vielmehr erhält der einzelne Lokführer einen Einsatzplan, der zu verschiedenen Zeiten beginnt.
– Anders als Polizei und Feuerwehrleute gibt es keine angemessene Ruhestandsregelung. Faktisch müssen die Angestellten Lokführer bis zum 67. Lebensjahr arbeiten. Das hält aber kaum einer durch.
– Der Betriebsarzt, also jemand, der die Lokführer auf ihre gesundheitlichen Voraussetzungen für den Beruf untersucht und – das war früher entscheidend – in den Ruhestand schicken könnte, ist faktisch abgeschafft.
– Was die bundesrepublikanische Gesellschaft endlich zur Kenntnis nehmen muss, sind die vielen Selbstmorde, mit denen der Lokführer mindestens zweimal in seiner Berufstätigkeit konfrontiert wird. Was ist mit denen, die fünf und mehr Menschen vor ihrer Lok auftauchen sahen, ohne irgendetwas unternehmen zu können?
– Weil die Gewerkschaft nur das Kommunikationsmittel Streik in die Hand nimmt und sich sonst um keine Information der Öffentlichkeit bemüht, stehen die Lokführer am Pranger, anstatt das sich jemand um deren miserablen Arbeitsbedingungen kümmert.

Die Gehälter

Man könnte nun meinen, die Lokführergewerkschaft hätte für ihre Klientel wenigstens entsprechende Gehälter ausgehandelt. Die Maßanzüge und Krawatten des Vorsitzenden täuschen noch mehr als seine Worte. Selbst im Vergleich mit Spanien sieht das Ergebnis miserabel aus:
Während ein Lokführer in Deutschland im Alter von 40 Jahren mit Netto 1.628 Euro bezahlt wird, erhält der Schweizer Lokführer 4.455 Euro, in anderen EU-Ländern wenigstens etwas über 2.000 Euro.

Die Paradoxie: Warum folgen die Lokführer ihrem vorgeblichen Interessenvertreter?

Weil Weselsky, wie der Rattenfänger von Hameln, vorrangig das Ziel einer größeren Gewerkschaft verfolgt, will er offensichtlich die Öffentlichkeit über die Situation der Lokführer nicht unterrichten. Weil die GDL mit ihrer Informationsabstinenz nur noch das Mittel “Streik” einsetzen kann, bringt sie die Menschen gegen sich auf. Dabei könnte die Gewerkschaft mit einer soliden Information der Öffentlichkeit ihre Ziele viel besser vermitteln. Dann wäre der Bund als der einzige Aktionär gezwungen, die Lokführer mit Feuerwehrleuten und anderen, körperlich stark beanspruchten Berufsgruppen gleichzustellen. Weil ihr Gewerkschaftsvorsitzender aber die Öffentlichkeit gegen die Lokführer aufgebracht hat, muss die Regierung der Öffentlichkeit nachgeben und die Streikfolgen begrenzen. Genau das, die Handlungsmöglichkeiten der GDL einzugrenzen, sichert Weselsky die Gefolgschaft der Gewerkschaftsmitglieder. Und die streiken weiter für eine größere Gewerkschaft. Aber wären sie nicht besser dran, wenn ihre Gewerkschaft nur für die Lokführer verhandeln würde?

Die oben zusammengestellten Informationen erhielt der Autor von Lokführern.

Eckhard Bieger S.J.
kath.de-Redaktion

One thought on “Lockführer – schlecht vertreten (14.11.2014)

  1. Lieber Pater Bieger,
    mit großer Lust habe ich auch diesen Kommentar von Ihnen gelesen. Vielen Dank dafür, dass Sie meinen Horizont wieder einmal erweitert haben. Mit dem Kommentar weiß ich nun auch, dass es gute Gründe dafür gibt, dass mir das Vorgehen von Herrn Weselsky merkwürdig erscheint.

    Mit freundlichstem Gruß vom Fuß des Frankenwaldes

    Wolfgang Eßel
    Stadtsteinach

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