Eisdusche – die Ice Bucket Challenge (05.09.2014)

Frieren für einen guten Zweck
Sie ist nass, kalt und sogar lebensgefährlich – und doch machen viele tausend Menschen mit: die sogenannte Ice Bucket Challenge. Hierbei geht es darum, dass sich Personen oder Gruppen gegenseitig nominieren, ein Video von sich aufzunehmen, in dem sie sich einen Kübel kalten Wassers (als Cold Water Challenge der Vorläufer der Ice Bucket Challenge) oder einen Eimer voller Eis über den Kopf schütten. All dies muss innerhalb von 24 Stunden nach der Nominierung geschehen. Die eigentliche Idee hierzu stammt von US-Amerikanern, die mit dieser Herausforderung dazu aufrufen wollten, für die Erforschung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, zu spenden und damit über ALS zu informieren. Die beiden Challenges haben sich zu einem viralen Phänomen entwickelt. Ungezählte Prominente, angefangen bei Sportlern, Musikern hin zu Superreichen und Politikern haben mitgemacht. Auch weniger bekannte Persönlichkeiten und ganz normale Menschen stellten ein Video von sich ins Internet, in dem sie eine Eisdusche nehmen. Doch warum hat sich ein solch riesiger Hype um die Ice Bucket Challenge entwickelt?

Zum einen hat die Ice Bucket Challenge so viele Nachahmer gefunden, da sie ein karitatives Ziel hat. Die ursprüngliche Idee war, entweder zu spenden und somit die demütigende Eisdusche zu umgehen. Oder aber sich das Spenden zu sparen und im Internet nass machen zu lassen. Diese Dynamik hat sich mit den Wochen, welche die Challenge im Netz herumgeisterte, verselbstständigt und die meisten Teilnehmer der Wasserplanscherei machen sich viral lächerlich und spenden einen Geldbetrag zur Erforschung der Nervenkrankheit. So können sich die Herausgeforderten zum kühlen Videodreh dadurch motivieren, dass sie damit etwas Gutes tun. Zum anderen hat der Charakter der Herausforderung zur rasanten Verbreitung der Challenges beigetragen. Niemand möchte vor seinen Freunden als Angsthase oder Spielverderber dastehen. Zumal viele Prominente bei der Wasserspielerei mitgemacht haben. In einer Reihe mit Günther Jauch, Bastian Schweinsteiger und Helene Fischer zu stehen, scheint für viele attraktiv zu sein.

Was Aufmerksamkeit erregt, ist nicht einfach gut
Dabei sollten die Challenges nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn bei einer Cold Water Challenge in Deutschland ist ein 35jähriger Mann von einer Treckerschaufel erschlagen worden. Mitglieder eines Kegelvereins hatten die Herausforderung angenommen und wollten sich von mehreren tausend Litern, die sie in die Schaufel eines Traktors gefüllt hatten, erfrischen lassen. Das landwirtschaftliche Fahrzeug kippte jedoch unter dem Gewicht der Wassermasse vornüber und erschlug einen Familienvater. Zudem sollte man sich als Teilnehmer fragen, für welchen Zweck man spenden möchte. Von Katholiken wurde beklagt, dass für die Erforschung der ALS embryonale Stammzellen verwendet werden. Dies wird jedoch von der kirchlichen Lehre abgelehnt. Viele Teilnehmer der Challenges zogen es vor, lieber für andere Projekte zu spenden, da sie dort einen größeren Bedarf an Hilfe und Unterstützung sahen.

Die Kirchen machen mit
Die Ice Bucket Challenge hat sogar die Kirche erreicht. Nachdem viele Kirchenmitglieder, von Messdienergruppen bis zu Pfarrern, sich einen Kübel eiskaltes Wasser über den Kopf gegossen hatten, kam der Trend auch beim altehrwürdigen Wort zum Sonntag an. Pfarrer Gereon Alter, einer der Sprecher, vollzog vor einer Woche die Übergießung vor laufender Kamera. Er kommentierte seinen Wagemut damit, dass die Challenge etwas sehr Christliches habe und sicherlich auch Jesus gefallen hätte. Für Bedürftige und Notleidende zu spenden, ist mit Sicherheit sehr christlich. Aber sich dafür von Wasser übergießen zu lassen, kann allenfalls als Erinnerung an die Taufe verstanden werden. Biblisch belegen lässt sich die Ice Bucket Challenge leider nicht. Aber vielleicht kann eine Teilnahme des Papstes die Challenge in den Schatz der christlichen Tradition einfügen! Nominiert wurde der Heilige Vater bereits mehrere Male. Ob er die Herausforderung angenommen hat, ist bislang nicht bekannt.

Problematik des Sich-zur-Schau-stellen
Selbstverständlich können auch Christen an den nassen Herausforderungen teilnehmen. Keine Frage, besonders, wenn man die kalte Dusche mit Humor nimmt und auch wohlüberlegt für eine gute Sache spendet. Doch sollte man sich an eine Weisung Jesu für das Spenden halten: „Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6,1-4) Zu Spenden, ohne sich einen Eimer Wasser über den Kopf kippen zu lassen, ist auch erlaubt.

Roland Müller
kath.de-Redaktion

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