Wo lang fliegst du in den Urlaub? (25.07.2014)

Weltweite Verunsicherung über den Absturz von Flug MH17 über der Urkraine

Diese Woche unterhielt ich mich am Arbeitsplatz mit einer Kollegin über die bevorstehenden Ferien. Sie fliegt nach Indonesien und schon beim zweiten Satz ihrer Ausführung sagte sie: „Ich habe mir erst einmal angeschaut, wo wir lang fliegen.“ – Diese kurze Episode zeigt, dass die Ereignisse um den Absturz des Fluges MH17 in der Ostukraine in der Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit angekommen sind. Überhaupt treten die derzeitigen Krisen, ob in der Ukraine oder im Gaza-Streifen, durch die Änderung von Flugrouten oder gar den Ausfall von Flügen ins Bewusstsein der Menschen.

Aus lokal wird global

Damit sind die Krisenherde voll und ganz in der Weltöffentlichkeit angekommen. Der Absturz, besser der Abschuss, des Fluges MH17 auf seinem Weg von den Niederlanden nach Asien führt mit dem Tod von 298 Menschen verschiedener Nationalitäten die einstige lokale Krise im Osten Europas zu einer weltweiten Erschütterung. Die Börsen reagieren darauf und die Menschen fragen, wie sie mit dem Flugzeug sicher von A nach B kommen.In Zeiten der Globalisierung, die sich in der Wirtschaft und den modernen Netzwerken des Internets und der Medien als selbstverständlich erweist, wollen wir Krisen und Konflikte immer noch lokal behandeln. Die Welt und auch die Politik schaut mit „zwei verschiedenen Augen“ auf die Ereignisse. Sie agiert beim Ausbau von Handelsbeziehungen und Konjunkturmaßnahmen sehr weitsichtig. Bei Konflikten hingegen wird sie kurzsichtig. Da wird dann schnell auf die Souveränität von Staaten verwiesen und Kritik mit dem „Recht auf Selbstverteidigung“ nivelliert.
So einfach funktioniert diese Logik aber nicht. Das hat der Absturz der Boeing 777-200 auf schreckliche Weise gezeigt. Die Toten sind absolut unschuldig am Konflikt. Unschuldige Tote gab es gewiss auch schon vorher. Nur sie wurden lokal betrachtet, nicht global. Doch in Zeiten einer Globalisierung müssen auch Menschenrechte, wie die Würde des Lebens jedes Einzelnen und das Recht auf Leben, global gelten. Die Weltgemeinschaft darf nicht nur zusehen und Entrechtung in Kauf nehmen.
Oder mit einem anschaulicheren Bild gesprochen: Man stelle sich vor, Syrien kann nicht überflogen werden, weil Assad einen Bürgerkrieg führt. Gaza und Israel können nicht überflogen werden, weil sie im Krieg sind. Die Türkei wird immer wieder von Unruhen  heimgesucht, gerade im Osten zu Armenien oder im Kurdengebiet, und sollte deshalb auch nicht überflogen werden. Der Irak kann nicht überflogen werden, weil die ISIS-Truppen im Vormarsch sind. Sudan und Somalia sind seit Jahren schon Krisenherde, die man auch nicht überfliegen sollte. Und die Rolle Russlands ist in vielen Konflikten unklar, so dass man es als politisches Druckmittel auch nicht überfliegen sollte. Kurzum: Der nächste Weg nach Asien ist zu. Die beliebten Ziele in Thailand und Dubai sind nur unter stark erhöhtem Aufwand zu erreichen. Wir wären dann nicht nur in einer weltweiten Reisekrise, sondern auch in einer Wirtschaftskrise, in einer weltweiten Krise. Spekulationen über den Absturz eines Air-Algérie-Fluges über Mali, und die Frage, ob möglicherweise Islamisten das Flugzeug abgeschossen haben, geben dem überzeichneten Bild von unzähligen Überflugverboten weiter neue Nahrung.

Aus Krise wird Krieg

Die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft auf zwei der großen Krisenherde ist nun sicher. Durch politische Bemühungen und Druck mittels Sanktionen mächtiger Staaten wird nun versucht, einen Frieden herbeizuschaffen. Doch allzu oft nimmt durch einen zunehmenden Druck von Außen auch der Druck im Inneren zu. Dieses physikalische Gesetz scheint sich auch in den Krisenregionen zu bewahrheiten, werden doch auch weiterhin in der Ukraine Flugzeuge, diesmal militärische, abgeschossen. Szenarien des Kalten Krieges werden wieder reaktiviert, wenn nunmehr die NATO eine neue und irgendwie auch alte Bedeutung wieder erlangt, wenn Truppenpräsenz an der EU-Außengrenze erhöht und militärische Manöver in Grenznähe durchgeführt werden und wenn die „Rhetorik des Säbelrasselns“ und der gegenseitigen Schuldzuweisungen zur Tagesordnung werden.
Dann wird aus einer lokalen Krise schnell ein Krieg – ein Stellvertreterkrieg, in dem sich zwar Großmächte nicht offen einen Schlagabtausch leisten, aber die jeweilig einem näher liegende Partei mit Militärtechnik und sonstigem Knowhow versorgen. Im derzeitigen Ukrainekonflikt scheint die russische Unterstützung sicher, aber gleichzeitig eine westliche oder amerikanische Unterstützung auf ukrainischer Seite möglich. Die Renaissance der von beiden Seiten bewusst oder unbewussten Handlungsweise wie im Kalten Krieg vor über 25 Jahren birgt aber keine Sicherheit, sondern mehr Gefahren. Die Globalisierung hat die Wirtschafts- und Lebenswelt so vereinigt, dass eine Abschottung in Blöcke, in Ost und West, nicht mehr funktioniert. Es scheint, als hätte die Politik, zumindest auf der Ebene der Konfliktlösung, keine neue Strategie außerhalb des Blockdenkens parat. Sie hat es versäumt in den vergangenen Krisen dauerhafte und gemeinsame Lösungen zu entwickeln, die sich auch an einem Erfolg messen lassen. Stattdessen stellen der ISIS-Vormarsch im Irak und die nicht enden wollenden Anschläge in Afghanistan die  Militäroperationen der vergangenen Jahre in Frage.

Aus Konfrontation in Konsultation

Im Fall des Absturzes in der Ostukraine ist die Anwesenheit von Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eine große Chance. Jene Organisation, in der sich alle Großmächte befinden, kann ein Motor sein, aus der Konfrontation heraus in eine Konsultation zu kommen. Auch die Übertragung der Aufklärungsarbeit des Absturzes an eine im bisherigen Konflikt neutrale Nation wie den Niederlanden kann den Impuls zur Entspannung in sich tragen. Nur dazu müssen alle Parteien aus einer emotionalen, von Wut, Hass und Schmerz geleiteten Handlungsweise zu einem sachlichen Arbeiten übergehen, was wohl angesichts verschiedener Kommandanten der prorussischen Separatistenbewegung kein Leichtes sein dürfte.
Genauso kann und sollte die Rolle der Vereinten Nationen wieder stärker in den Blick rücken. Jene Institution, die aus den Lehren der beiden großen Weltkriege hervorging, kann mehr vermitteln als sanktionieren. Die Konsultation mit Konfliktparteien sollte ihr wichtiger sein, als die bloße Verabschiedung von Resolutionen und der damit zumeist vermittelte Anschein, dieser oder jener Konflikt sei nun für die UNO passé. Warum kann man nicht auf verschiedenen Ebenen über eine demilitarisierte Zone mit Sonderstatus in der Ostukraine nachdenken. Blauhelme könnten die Absturzstelle für die Aufklärung sichern und ähnlich wie in Serbien oder im Kosovo, erbeutete oder gelieferte Waffen und Waffensysteme gesichert zurücknehmen. Politisch gut verhandelt könnte für Separatisten und Ukraine dies eine Lösung sein, in der keine der Konfliktparteien einen allzu großen Ansehensverlust erleidet.

Jakobusimpuls

Der 25. Juli ist der Tag des Heiligen Apostels Jakobus. Die historischen Quellen um seine Person mögen schillernd sein, eines ist klar: Jakobus war viel unterwegs und bringt die Menschen auf die Wege. Mehr denn je zieht sein Grab in der Stadt Santiago de Compostela in Nordspanien Pilger an. Sie brechen aus ihren gewohnten und zum Teil festgefahrenen Zusammenhängen auf, legen einen beschwerlichen Weg zurück und bekommen neue Impulse für ihr Leben. Für die Ukraine ist der Weg hin zum Frieden und zu einer Lösung ebenso langwierig und beschwerlich. Doch es braucht jetzt einen Aufbruch von beiden Seiten, unterstützt durch internationale und neutrale Vermittlungsorganisationen. Solche Gespräche könnten auch auf neutralem Boden stattfinden, zum Beispiel in den Niederlanden. Dann wäre ein Ort gewählt, der ob der Vielzahl der niederländischen Toten von Flug MH17 an die Ernsthaftigkeit der Parteien appellieren und ermahnen würde, damit das Sterben der Flugzeuginsassen nicht als Kollateralschaden eines lokalen Kriegsschauplatzes abgetan wird, sondern als Samenkorn einer neuen Perspektive internationaler Friedensverhandlungen.

Sebastian Pilz
Kath.de

Und wieder gerät der Nahe Osten in die Falle der Gewalt (11.07.2014)

Israel fordert die Bewohner der Gazastreifens, die an der Grenze zu Israel wohnen, die Orte Beit Lahia, Beit Hanoun, Abasan al-Kabera, and Abasan al-Saghira auf, ihre Häuser zu verlassen. Mit solchen Warnungen pflegt Israel allgemein Militärschläge anzukündigen. Die Hamas stellt sich gegen die Aufforderung Israels und hält die Bewohner an, zu bleiben.

Eiserner Wille zur Selbstbehauptung und Menschenverachtung
Anhand dieser tragischen Szene verdeutlichen sich die Ursachen des Konfliktes in Israel und Palästina. Auf der einen Seite behauptet Israel seine Vorrangstellung in der Region mit allen Mitteln. Auf der anderen Seite ist das Blutvergießen, zumindest bei der radikalen Hamas, ein kalkuliertes Mittel der Politik.
Es ist kein erklärtes politisches Ziel, Blutvergießen zu vermeiden und menschliches Leben zu schützen. Wichtiger als Menschenleben sind machtpolitische Ziele. In dieser Situation verhalt der Klageschrei von Väter und Mütter, Brüder und Schwestern, die Opfer der Gewalt beklagen müssen. Wahrgenommen wird er nur dann, wenn er in das eigene Propagandakonzept passt – und so wird die Klage um Menschenleben selbst zu einem Teil des Gewaltzyklus gemacht.

Das Klima wird explosiv gehalten

Frieden ist gewiss nicht einfach. Aber auch derart festgefahrenen Feindbilder entstehen auch nicht von selbst. Jetzt, wo die Situation im Nahen Osten wieder eskaliert, wird Blut fließen und ist schon geflossen. Die Mechanismen, die dies verhindern hätten können, sind durch die Morde an jungen Menschen ausgeschaltet worden. Diese Morde aber konnten nur ihre geradezu symbolische Wirkung entfalten und zum Anlaß einer neuen Eskalation werden, weil sie in ein entzündetes Klima fielen.
Die ständige Kriegsrhetorik gegen Israel in der palästinensisch-arabischen Welt auf der einen Seite und die rücksichtslose Unterdrückung der Palästinenser durch die israelische Siedlungspolitik: neue Siedlungen werden gebaut, Land wird konfisziert, Äcker werden zerstört, schüren die Emotionen.

Gewaltbereite Machtpolitik ist Dummheit
Hinter solchem Verhalten aber steckt der machtpolitische Irrtum, dass Menschen gebrochen werden können, wenn genügend Gewalt angewendet wird. Darin aber besteht die Dummheit der blinden Macht: dass durch Gewalt politische und zwischenmenschliche Konflikte gelöst werden könnte. Der Blick in die Geschichte lehrt, immer wieder neu, dass mit Gewalt „gelöste“ Konflikt über Jahrhunderte schwelen können und nur auf die Gelegenheit warten, sich neu zu entzünden.
Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, hat in einer Friedensbotschaft nach dem Besuch des israelischen Staatspräsidenten Simon Peres und des Palästinenserpräsidenten Machumd Abbas herausgestellt, dass der einzige Weg zum Frieden darin bestehe, einer neuen Generation zu vermitteln, dass die Logik der Gewalt nicht funktioniere.

Den Hilferuf hören
Der Weg zum Frieden aber beginnt damit, dass der Klageschrei der Väter, Mütter, Brüder und Schwestern, die Opfer der Gewalt zu beklagen haben, einfach gehört und nicht aus ideologischen Gründen selektiert wird. Darin bestünde die Aufgabe der Medien: Ohne sich von einer Seite vereinnahmen zu lassen, Stimme der Opfer zu sein. Das ist das Wenige, das wir tun können, angesichts der schreienden Dummheit der Gewalt, die gegenwärtig wieder die Oberhand zu gewinnen scheint.

Theo Hipp
Kath.de

Christliche Solidarität ist angesagt (04.07.2014)

Die Lage im Nahen Osten bleibt weiterhin kritisch. Besonders in Syrien und im Irak verlaufen die Kämpfe mit den Islamisten besonders heftig. Der Westen muss sich fragen, wie mit solchen und ähnlichen Phänomenen umzugehen sei. Eine Rolle könnte dabei spielen, ob die Lage der Christen, die verfolgt werden, ein relevanter Indikator für die eigenen Entscheidungen sei?

Im Gegensatz zu den westlichen Staaten herrscht in weiten Teilen der Welt keine oder nur eine eingeschränkte Religionsfreiheit. Unter den hiervon Betroffenen stellen die Christen die größte Gruppe. Nach einer Schätzung von Open Doors aus dem Jahr 2013 gab es weltweit etwa 100 Millionen Christen, die unter Verfolgung zu leiden hatten.

Syrien und Irak sind im Weltverfolgungsindex aufgestiegen

In den letzten Jahren sind Syrien und der Irak in der Liste des Weltverfolgungsindex aufgestiegen, die aktuell die Plätze drei und vier belegen. Zurückzuführen ist das auf den zunehmenden Einfluss von gewalttätigen Islamisten in diesen Regionen. Bis vor einigen Jahren ging es den Christen in beiden säkularen Diktaturen Syrien und Irak vergleichsweise gut. Neben den Zwangsmaßnahmen, denen alle Bürger ausgesetzt waren, gab es keine oder kaum direkte staatliche Verfolgung der Christen. Im gesellschaftlichen Bereich wurden sie zudem weitgehend geduldet, wenngleich sie latenten Anfeindungen ausgesetzt waren.

Immer mehr Christen flüchten aus dem Nahen Osten

Das hat sich in den letzten Jahren tiefgreifend geändert. Dabei lassen sich auf Seiten der Christen zwei Tendenzen erkennen, damit umzugehen: Zum einem entziehen sich viele Christen dem Problem durch Flucht. Die Zahl der Christen in den beiden Staaten, in denen sie bisher relativ starke Minderheiten darstellten, nimmt seit Jahren ab. Während unter Saddam Hussein noch 1,5 Millionen Christen im Irak gelebt haben, ist die Zahl aktuell auf unter 500.000 Christen gesunken, Tendenz weiter fallend. In Syrien ist die Lage weniger dramatisch, jedoch mit einer ähnlichen Tendenz.

Die verbleibenden Christen suchen die Nähe der säkularen Regime

Als zweite Konsequenz suchen die zurückbleibenden Christen die Nähe der alten, säkularen Regimes, die ihnen zumindest eine gewisse Sicherheit in der Ausübung ihrer Religion gesichert haben. Besonders deutlich wird dies in Syrien. Unter dem Assad-Klan, der selber der religiösen Minderheit der Alawiten angehört, konnten religiöse Gruppen weitgehend unbehelligt und unabhängig nebeneinander leben. Seit sich Islamisten als die führenden Gruppen unter den Rebellen durchgesetzt haben, suchen diese Minderheit die Nähe Assads und stehend weitgehend geschlossen hinter ihm. Für den Irak kann die aktuelle Situation seit dem ISIS-Vormarsch noch nicht genau erschlossen werden. Durch das Vorrücken der Islamisten hat sich die Lage der Christen im westlichen Irak jedoch erheblich dramatisiert. Die meisten Christen sind aus den eroberten Gebieten geflohen. Hier zeigt sich die Tendenz, in eher säkular-nationale Territorien, wie in die Kurdengebiete, zu fliehen.

Die Lage der Christen als Indikator für die westliche Politik

Für die Politiker des christlichen Europas stellt sich die Frage, ob das Schicksal und das Verhalten der Christen in diesen Ländern für sie ein relevanter Indikator ihrer Politik sind. Dies umso mehr, als man es in diesen Staaten kaum mit Politikern und Strömungen zu tun hat, die im westlichen Verständnis demokratische, freiheitliche Ziele verfolgen. Daher müssen andere Indikatoren ausgewählt werden, mit denen der Westen die Lage in den genannten Gebieten einordnen und bewerten kann. Denn es gilt, den vielfältig aus diesen Regionen zu hörenden Ruf nach westlicher Unterstützung zu beurteilen. Während der Westen bisher Assad nur duldet, wird bereits aktiv über eine Zusammenarbeit mit dem Iran nachgedacht, um die ISIS-Truppen zu bekämpfen, während die Kurden bisher in den Überlegungen kaum eine Rolle spielen.

Bevorzugung der Christen in der Flüchtlingspolitik

In diesem Zusammenhang steht auch die Flüchtlingsfrage. Nach Schätzungen der christlichen Agentur Habeshia, die sich in der Betreuung der Flüchtlinge auf Lampedusa engagiert, bilden Christen einen großen Teil der Flüchtlinge auf der Insel. Auch viele Flüchtlinge aus Syrien sind aktuell Christen, die im Westen um Aufnahme ersuchen. Das wirft für die Politik die Frage auf, ob christliche Flüchtlinge bevorzugt behandelt werden sollten. Hierzu gibt es bereits Tendenzen. So hat der Unionspolitiker Mißfelder die Bevorzugung von Christen in der Flüchtlingsfrage gefordert, während in vielen Städten die meisten syrischen Flüchtlinge schon überwiegend Christen sind. Für eine solche Bevorzugung könnten zwei Argumente sprechen: Erstens, wenn Christen in ihren Heimatländern besonderer Gefahren ausgesetzt sind. In Syrien scheint das aktuell teilweise der Fall zu sein und auch der Leidensdruck der Christen in der Sahelzone scheint überdurchschnittlich hoch zu sein. Zweitens, wenn das Christliche als solidaritätsstiftender Faktor in den westlichen Staaten wirksam werden kann. Denn über gemeinsame christliche Wurzeln könnten die Akzeptanz und Solidarität mit den Verfolgten verstärkt werden. Schließlich ist die Haltung der Bevölkerung entscheidend für eine gelingende Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisengebieten.

Solidarität mit den Christen als politischer Faktor

Die Lage der Christen im Nahen Osten, besonders in Syrien und Irak, ist in den letzten Jahren immer schwierigerer geworden. Zugleich haben sich die dort um die Macht kämpfenden Gruppen, besonders auf der Seite der Rebellen, immer mehr radikalisiert, sodass es dem Westen immer schwierigerer fällt, seine Politik nur nach Maßstäben wie Demokratie- und Freiheitsverständnis zu ordnen. Wenn der christlich geprägte Westen die Christen im Nahen Osten in den Blick nimmt, kann er auf einen Indikator zur Einordnung der Lage zurückgreifen. Dazu kann die Kirche selbst, d.h. die kirchlichen Hilfswerke und die kirchlichen Stellen mit weltkirchlichem Auftrag beitragen: Durch eine klare Darstellung der Flüchtlingsproblematik aus christlicher Perspektive, um die Solidarität und Akzeptanz für  Flüchtlinge in der Gesellschaft zu fördern.

 

Maximilian Röll

kath.de-Redaktion