Gesprächsstil prägt Führungsstil mit (31.05.2014)

Der neue Freiburger Erzbischof

Der Vatikan und das Freiburger Domkapitel haben für eine Überraschung gesorgt: Die Ernennung von Stephan Burger zum Freiburger Erzbischof kam unerwartet. Die Mühlen bei der Kandidatenfindung arbeiteten außergewöhnlich geräuschlos. Der eine oder andere Namen fiel, aber Stephan Burger war nicht dabei. Weder bei anderen noch bei ihm selbst waren irgendwelche Bemühungen zu erkennen, die Aufmerksamkeit auf seine Person zu lenken. Umso ausgeprägter war der Überraschungseffekt.

Alte Sprache – neue Ideen
Ernennungen von Personen für kirchliche Ämter mit Überraschungseffekt sind seit der Papstwahl von Franziskus angesagt. Bei dem Konklave entwickelte sich eine andere als die von den Meinungsbildnern vorhergeahnte Dynamik. Kaum jemand hatte den Kardinal von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio als Kandidaten auf dem Schirm. Gesucht wurde ein effektiver Hirte, dem man zutraute, Reformen und neue Ideen in eine verständliche und bewährte Sprache der Kirche zu packen. Die Aufmerksamkeit konnte einer auf sich ziehen, der mit wenigen Worten erklären konnte, warum die Kirche nicht so sehr auf sich selbst als vielmehr darauf schauen müsse, was sie der Welt und den Menschen zu bieten habe. Den Kardinälen ist es mit der Papstwahl gelungen, an der veröffentlichten Meinung vorbei, einen eigenen Akzent zu setzen.

Akzente bei der Besetzung von Bischofsstühlen
Von den Bischofsstühlen, die zu Beginn dieses Jahres in Deutschland vakant waren (Erfurt, Freiburg, Hamburg, Köln und Passau), sind Freiburg und Passau nun besetzt. An diesen Ernennungen wird deutlich, welche Handschrift Papst Franziskus und sein Apostolischer Nuntius in Berlin, Nikola Eterovic, seit September letzten Jahres im Amt, bei der Auswahl von Bischöfen zeigen. Eine Bischofsernennung allein erlaubt noch kein Urteil, aber zwischen zwei Punkten lässt sich eine Linie ziehen und zwei Ernennungen lassen eine Richtung erkennen: Es sind Männer, ausgestattet mit ganz unterschiedlichen Begabungen und Stärken, ihre kirchenpolitische Position betreffend eher konservativ-integrierend, mit positivem Blick auf die Volksfrömmigkeit, und mit Ohr und Sprache für die Anliegen der Menschen.

Eignungskriterien für Bischöfe
Im Juni letzten Jahres sagte Papst Franziskus bei einer Ansprache an die päpstlichen Nuntien: „Wählt gute Bischöfe aus. …Wenn (ein)er heilig ist, bete er für uns, wenn er gelehrt ist, lehre er uns, wenn er wohl bedacht ist, regiere er uns. …Seid darauf bedacht, dass die Kandidaten Pastoren nahe bei ihren Gläubigen sind. . Aber, der ist doch ein großer Theologe, ein schlauer Kopf… Na, dann soll er doch auf die Universität gehen, da wird er sicher viel Gutes tun!“ Und weiter entwickelte der Papst Kriterien, die ihm für das Bischofsamt wichtig erscheinen: „Dass sie die Armut lieben, innere Armut als Freiheit für den Herren und äußere Armut als Einfachheit und Schlichtheit des Lebens, dass sie nicht die Geisteshaltung von „Fürsten“ haben. Seid darauf bedacht, dass sie nicht ehrgeizig seien, dass sie das Bischofsamt nicht anstreben.“
(Zitat Radio Vatikan)
Die entscheidenden Qualifikationen für Bischofskandidaten nach dieser Rede von Papst Franziskus erscheinen Besonnenheit, die Nähe zu den Gläubigen, die Identifikation mit der Armut und die Bescheidenheit.

Welche Geschichten werden erzählt?
Mit der Ernennung eines neuen Erzbischofs stellen sich Fragen: Welche Schwerpunkte wird er setzen? Welchen kirchenpolitischen Kurs wird er verfolgen? Welchen Führungsstil wird er zeigen? Eine andere Frage ist: Welche Geschichten kann man über ihn erzählen? Welche Begegnungen und Erfahrungen wurden mit ihm gemacht?
Eine aufschlußreiche Episode wird in der Gemeinde St. Mauritius in St. Leon-Rot berichtet, wo Burger über zehn Jahre Pfarrer war. Ein Mitglied der Gemeinde war an der Wolga in Russland unterwegs und traf in einer römisch-katholischen Kirche auf einen Pfarrer, der vor weinenden Kindern saß. Auf die Frage, was der Anlass der Tränen sei, sagte der Pfarrer: Das Hilfswerk Renovabis hat den Zuschuss für das Sommerlager gestrichen. Jetzt sind die Kinder unendlich traurig.“
Das hilfsbereite Gemeindemitglied dachte an den hilfsbereiten Pfarrer zuhause in St. Leon-Rot und erzählte die Episode Pfarrer Burger am Telefon. Er schloß seine Erzählung: Herr Pfarrer, haben Sie irgendwo ein Konto, auf dem 1000 Euro für diese Kinder sind? Sagen Sie einfach „Ja“ oder „Nein“. Pfarrer Burger sagte „Ja“. So konnten diese Kinder an der Wolga trotz des gekürzten Zuschusses von Renovabis mit der Hilfe aus St. Leon-Rot ins Sommerlager fahren. Unbürokratisch und spontan wurde ihnen geholfen.

Der Gesprächsstil prägt den Bischof mit
Ein neuer und junger Bischof muß sein Profil und seinen Führungsstil finden. Erlebnisse und Begegnungen sagen mehr über den Persönlichkeitstyp eines Menschen aus als Spekulationen. Durch den Stil, wie über und mit dem neuen Bischof gesprochen wird, wird dieser Führungsstil mitgeprägt. Stephan Burger hat in seinem ersten Statement deutlich gemacht, dass er die Zusammenarbeit und das Gebet sucht und braucht. Damit hat er die Tür für weitere Begegnungen geöffnet.

Theo Hipp
kath.de

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