Macht beruht auf Zustimmung (11.04.2014)

Wer mitbestimmen läßt, wird stärker

Seit der Wahl von Papst Franziskus ist das Thema Mitbestimmung in der Kirche wieder aktueller geworden. Denn der neue Papst hat früh klar gemacht, dass er bessere Formen der Mitbestimmung der Bischöfe für die Weltkirche sucht.
Bei der Frage der Mitbestimmung in der Kirche geht es weniger um demokratische Entscheidungsprozesse, sondern in erster Linie um ergänzende Formen der Zustimmung. Denn da die Kirche eine Institution in der Welt ist, übt sie notwendigerweise Macht aus. Und Macht beruht zu allen Zeiten auf Zustimmung. Macht innerhalb wie außerhalb der Kirche zu haben ist daher notwendig, um Themen wirksam einzubringen, Ziele, die man mit anderen als richtig erkannt hat, durchzusetzen.

Zwei Formen der Zustimmung

Dabei kann man grundsätzlich zwei verschiedene Formen der Zustimmung unterscheiden. Eine passive Zustimmung, bei der die Anerkennung des Entscheidungsträgers durch diesen vorausgesetzt wird. Dies ist bei institutionalisierter Macht oft der Fall, z.B. bei Monarchien. Daneben gibt es die aktive Zustimmung, bei der ein Ziel oder eine Person Zustimmung durch Zustimmungsakte erhält. Ein wichtiges Instrument, diese aktive Zustimmung einzuholen, ist es, eine größere Gruppe in den Entscheidungsprozess, sei es bei der Bestimmung einer Person oder eines Zieles, miteinzubeziehen.  Die dabei beteiligte Gruppe kann beliebig groß sein, z.B. ein ganzes Volk umfassen, klassisch sind das oft Demokratien, oder nur eine Gruppe von bedeutenden Personen, wie es bei der Erhebung der deutsch-römischen Könige im frühen und Hochmittelalter der Fall war.

Die Kirche kennt eine lange Tradition der Mitbestimmung

Auch die katholische Kirche kennt verschiedene Formen der aktiven Zustimmung, sowohl im Bereich der personalen wie der ideellen Entscheidungen. Besonders bei wichtigen Entscheidungen wie Papst- oder Bischofswahlen oder in bedeutenden dogmatischen Fragen hat sie sich der Mitbestimmung bedient, um eine möglichst breite Zustimmung einzuholen. So war es bis im Mittelalter üblich, dass verschiedene Gruppen bei der Bischofswahl beteiligt wurden. Auch das Volk hatte den neuen Bischof am Ende des Wahlprozesses zu akklamieren, also zu bestätigen. Im ideellen Bereich sind vor allem die Konzilien Formen aktiver Zustimmung. Auf eine andere Möglichkeit verweist z.B. die Umfrage, die Pius XII. vor der Verkündigung des Dogmas der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel hat durchführen lassen. Damals wurden alle Bischöfe angeschrieben und zu diesem Thema über ihre Meinung befragt.

Fall Limburg: Mehr Mitbestimmung bedeutet nicht weniger Macht

Die Förderung von Mitbestimmung bedeutet keineswegs weniger Macht für die Hierarchie, sondern kann diese im Gegenteil vergrößern. Gleichzeitig kann ein Mangel an aktiver Zustimmung Macht leichter erodieren lassen.
Ein Beispiel dafür ist Limburg. Hier sind die Bischöfe seit dem Konzil stark in ein sehr aktives Gremiensystem integriert. Daraus kann ein Bischof eine Stärke ableiten. Als in den 70er Jahren bekannt wurde, dass es im deutschen Episkopat und in der Nuntiatur Bestrebungen gab, den damaligen Limburger Bischof Kempf abzusetzen, kam es zu einer großen Solidarisierungsbewegung. Durch Mitbestimmung hatte Bischof Kempf also eine Zustimmung erreicht, die machtvoll genug war, den Angriff ins Leere laufen zu lassen.
Das Gegenbeispiel ist Bischof Tebartz-van Elst. Ihm ist es nicht gelungen, die Zustimmung seiner Diözesanen zu gewinnen. Einer der Gründe war die mangelnde Berücksichtigung des Limburger Gremiensystems bei den bischöflichen Entscheidungen. Die latente Unzufriedenheit in Teilen der Diözese, sowohl bei den Entscheidungsträgern wie im breiten Kirchenvolk, trug wesentlich zu seinem Sturz bei, da ihm der Rückhalt fehlte, der ihn durch die Krisenzeit hätte tragen können.

Der Papst wirbt um Mitbestimmung und genießt Zustimmung

Papst Franziskus stellt aktuell das beste kirchliche Beispiel für Zustimmung dar. Wer dieser Tage Rom besucht, der wird bei Generalaudienzen und beim Angelus Gebet den Petersplatz so voll finden wie selten. Dies und die große Beliebtheit, die ihm aktuell überall innerhalb wie außerhalb der Kirche entgegenschlägt, kann als Zustimmung des Volkes angesehen werden, die jedoch noch keine Mitbestimmung bedeutet. Diese kommt da ins Spiel, wo er Umfragen und weitere Tendenzen fördert, die Meinung des Volkes stärker bei den Entscheidungsprozessen zu eruieren. Dabei sind diese Befragungen für den Papst nicht bindend, sondern sie dienen ihm lediglich der Orientierung.

Ähnlich verhält es sich auch bei der Mitbestimmung der Entscheidungsträger, konkret der Bischöfe. Diese sehen sich seit der Wahl des neuen Papstes stärker gewürdigt als früher und empfinden eine neue Offenheit für ihre Ideen und Sorgen. Diese Grundstimmung wird durch Willensbekundungen des Papstes ergänzt, der Bischofssynode eine stärkere Bedeutung für das Lehramt zu geben. Mit all diesen Aspekten der Mitbestimmung und Zustimmung nimmt die Macht des Papstes nicht ab. Man gewinnt im Gegenteil den Eindruck, dass schon seit vielen Jahre kein Papst mehr so machtvoll regiert und agiert hat.

Vom Papst lernen

Für die Bischöfe und die ganze Kirche ist es daher ein wertvoller Weg, vom Papst zu lernen und die Impulse aus Rom aufzunehmen. Indem sich die kirchliche Hierarchie neu darum bemüht, Formen der Mitbestimmung zu entwickeln, kann sie mit der größeren Zustimmung der beteiligten Gruppen rechnen, Macht stärken und inner- wie außerkirchliche Projekte besser forcieren und einbringen. Entsprechend sollten die kirchlichen Hierarchien Vorstöße von verschiedenen Gruppen nach mehr Einbindung, z.B. der Freiburger Priester und Diakone in dieser Woche, auf die Möglichkeit prüfen, durch Mitbestimmung Zustimmung zu erlangen. Denn Macht beruht auf Zustimmung.

Maximilian Röll
kath.de-Redaktion

2 thoughts on “Macht beruht auf Zustimmung (11.04.2014)

  1. Macht beruht auf Zustimmung

    das ist richtig: Ihr Bischof Tebartz-van Elst gibt Millionen für seinen privaten Luxus aus.

    Franz Kaspar stimmt zu: nicht nur zu der finanziellen Verschwendung sondern entschuldigt sich nun auch für psychischen und pysischen Mißbrauch im St. Vincenzstift unter seiner Leitung. (Nachdem er Veröffentlichungen hierzu kathegorisch (katholisch) unterdrückt hat.

    Sie sind nichts anderes als eine kriminelle Vereinigung!
    Woher nehmen Sie den Anspruch, eine moralische Instiution zu sein? Schauen Sie mal in den Spiegel, dann wird Ihnen schlecht….
    Jutta Richter

  2. Ich habe Ihnen nicht das “Du” angeboten.
    Im übrigen können Sie meinen Kommentar unter meiner email-adresse in alle Welt veröffentlichen, je mehr es lesen und selbst darüber nachdenken können, um so besser.

    Hoch(miss)achtungsvoll
    Jutta Richter

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