Roma locuta, causa finita (28.03.2014)

Zum Rücktritt von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

Das geflügelte Wort „Roma locuta, causa finita – Rom hat gesprochen, der Fall ist beendet“ mag vielen in dieser Woche durch den Kopf gegangen sein, als der Vatikan die Annahme des Rücktritts von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verkündete. Einige Medien griffen dieses alte Wort, das dem Heiligen Augustinus (354-430) zugesprochen wird, sogar direkt auf. Sonst gewöhnlich im negativen Sinn als bloßes römisches Machtwort verwendet, vernehmen es in dieser Woche viele Gläubige als eine Erleichterung.

Roma locuta – Rom hat gesprochen

Bei ihrer Entscheidung über den Rücktritt haben sich Papst Franziskus und der Vatikan klug verhalten. Sie haben nicht gleich den lautstarken Rufen nach Rückzug aus den Medien und aus verschiedenen Kirchenkreisen im vergangenen Herbst entsprochen. Stattdessen beurlaubten sie den Limburger Bischof außerhalb des Bistums und warteten auf den Bericht der Prüfkommission. Nach Übergabe des Berichts Anfang März fällten sie die Entscheidung, den bereits im Oktober ausgesprochen Rücktritt von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst anzunehmen.
Damit zeigt Papst Franziskus, dass er bei aller Nähe zum Volk und allem Willen zu Reform und Veränderung in der Kirche, nicht unüberlegt oder gesteuert nach der Lautstärke der Bekundungen handelt. Seine Entscheidung ist begründet und rückgekoppelt mit der deutschen Kirche in Form der Bischofskonferenz.
Neben diesem guten Zusammenwirken von weltkirchlichen und ortskirchlichen Prinzipien setzt der Vatikan mit dem Paderborner Weihbischof Manfred Grohe den Leiter der Prüfkommission als Apostolischen Administrator ein. Das garantiert zum ersten weitere Aufklärung, schließlich hätten laut Prüfbericht der Bischofskonferenz auch andere Gremien, wie das Domkapitel und der Diözesanverwaltungsrat Mitschuld auf sich geladen (http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/limburg/pruefbericht-offenkundig-falsche-zahlen-12865360.html). Zum zweiten ist diese Personalentscheidung als Sicherheit zu verstehen, dass einen nun in der Materie erfahrener Mann in der Zwischenverwaltung des Bistums zukünftig genau auf die finanziellen Entscheidungen achtet. Des weiteren ist die Stellungnahme aus Rom auf die Zukunft hin gerichtet. Papst Franziskus appelliert an Barmherzigkeit und Versöhnung und setzt mit der Veröffentlichung in der zu Ende gehenden Fastenzeit deutliche Impulse für einen Neuanfang. Er lässt auch bewusst den Status von Bischof Tebartz-van Elst offen, um nicht durch eine erneute Personaldiskussion den Neuanfang versanden zu lassen.

Causa finita – der Fall ist abgeschlossen

Wenngleich die Medien den Fall auch weiterhin noch begleiten werden, sollten zukünftig alle innerkirchlich beteiligten Personen die Causa als abgeschlossen betrachten. So täte es auch Bischof Tebartz-van Elst gut, nunmehr zu schweigen. Zwar warteten die Medien schon auf seine Reaktion und er kann sie in einem freien Land gewiss auch äußern, nur schadet jede Äußerung mehr und mehr der Kirche von Limburg und letztlich auch ihm und seinem Ansehen. Von der Öffentlichkeit wird eben eher ein bekennender und verurteilter Steuersünder Uli Höneß mit Respekt und Hochachtung gesehen, als ein juristisch in den Bauangelegenheiten noch unbelasteter Bischof, der klarzustellen versucht, was letztlich aber als mangelnde Einsichtigkeit gedeutet wird.
Die Situation ähnelt jener, in der der Heilige Augustinus den bekannten Vers gesprochen haben soll. Im Streit mit den Pelgianern, einer frühchristlichen Gruppe von Irrlehrern, erhält Augustinus in mehreren Schriftwechseln eine Entscheidung aus Rom, die er in einer Sonntagspredigt (Sermo 131,10) im Jahr 417 seiner Gemeinde kundtut und ausruft: „Causa finita est: utinam aliquando finiatur error! – Der Fall ist beendet. Wenn doch der Irrtum endlich endete.“ Dieses Flehen des Augustinus drängt auch in diese Zeit in die deutsche Kirche wie auch in die Kirche von Limburg hinein. Möge der Fehler und das Verweisen darauf nun enden und ein Neuanfang beginnen.
Zum Abschluss der Causa gehört dabei auch die Entscheidung zur schwierigen Frage, wie es mit dem Haus am Domberg weitergeht. Ein Abriss oder eine Leerstehen des Objektes ließe sich angesichts der hohen Kosten schwer verantworten. Grundsätzlich gilt es nun vorauszuschauen hin zu einer neuen Bischofswahl in Limburg.

Vision: Entweltlichung und missionarisches Zeugnis

Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Limburg wirkt die Rede des nunmehr emeritierten Papstes Benedikt XVI., die er 2011 im Freiburger Konzerthaus hielt (http://www.faz.net/aktuell/politik/papstbesuch/papst-benedikt-xvi-die-entweltlichung-der-kirche-11370087.html), hochaktuell, wenngleich sie damals durchaus kritisch rezipiert wurde. Benedikt XVI. zitierte in der Rede Mutter Teresa, die auf die Frage, was sich an der Kirche ändern müsse, mit „Sie und ich“ antwortete. Dazu sagte Papst Benedikt: „Kirche sind nicht nur die anderen, nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe; Kirche sind wir alle, wir, die Getauften. Zum anderen geht sie tatsächlich davon aus: Ja, es gibt Anlass, sich zu ändern. Es ist Änderungsbedarf vorhanden. Jeder Christ und die Gemeinschaft der Gläubigen sind zur stetigen Änderung aufgerufen.“
Die Frage, wie eine solche Änderung aussehen müsse, beantwortet er mit dem Verweis auf Jesu Sendung, weshalb die Kirche sich immer entweltlichen müsse. Aber: „In der geschichtlichen Ausformung der Kirche zeigt sich auch eine gegenläufigeTendenz, dass nämlich die Kirche sich in dieser Welt einrichtet, selbstgenügsam wird und sich den Maßstäben der Welt angleicht. Sie gibt Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zur Offenheit. […] Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben.“
Diese Worte gelten nun auch für Limburg und hätten auch von Papst Franziskus stammen können, der nicht müde wird, die Verkündigung des Evangeliums zu fordern. Schon im Vorkonklave 2013 sagt Kardinal Bergoglio: „Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank“, so das Protokoll der Rede, das der Erzbischof von Havanna, Kardinal Ortega y Alamino, führte. Wie sehr jenes Selbstkreisen um Akten und Bauunterlagen ein Bistum in die Krise (Krankheit) führen kann, hat die causa Limburg eindrucksvoll und erschreckend gezeigt.
Nun gilt es zusammen mit Papst Franziskus das geflügelte Wort „Roma locuta, causafinata“ anzunehmen und neu zu einer verkündigenden und aus sich herausgehenden Kirche zu werden. In Limburg und in ganz Deutschland.

Sebastian Pilz
kath.de-Redaktion

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