Konziliar oder demokratisch? (14.02.2014)

Diskussion über die katholische Morallehre stellt die Kommunikation der deutschen Bischöfe auf die Probe

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat mit seinen Äußerungen zur Sexuallehre der katholischen Kirche eine breite Diskussion innerhalb des deutschen Episkopates entfacht. Aus verschiedenen Bistümern gibt es verschiedene Wortmeldungen, manche kritisch, manche mit anderen Akzenten, manche zustimmend. Die Diskussion wurde angestoßen durch die Umfrage zur Vorbereitung der vatikanischen Bischofssynode. Unabhängig von der Thematik liegen in der gegenwärtigen Kommunikation Elemente aus einer parlamentarischen Demokratie und aus einem kirchlich konziliaren Prozess zu Grunde. Sie werden in der Öffentlichkeit schnell vermischt, sollten der Sache wegen aber voneinander unterschieden werden.

Demokratisch: vom Volk gewählt, vom Volk bestimmt

In einer Demokratie geht die Macht vom Volk aus. Das drückt sich in regelmäßigen Abständen in Wahlen aus. Sie sichern dem eigentlichem Souverän, dem Volk, seine Mitbestimmung. Daher gibt es immer wieder Umfragen, die den gewählten Vertretern zeigen, wie die Stimmungslage zu bestimmten Themen und über die gewählten Vertreter selbst ist. Im Wahlkampf gilt es, mit Themen die Menschen anzusprechen, die wiederum dann auf einen Kandidaten ihre Stimmen vereinen. Die Wahl von Vertreter auf Lebenszeit kommt in Demokratien nicht, oder nur zu Repräsentationszwecken vor. Sie widerspricht der Grundlegung, dass alle Gewalt vom Volk ausgeht. Darüber hinaus gibt es in Demokratien eine Gewaltenverteilung auf legislative, judikative und exekutive Elemente. Sie sind bewusst voneinander getrennt und werden immer von den Medien kritisch durchleuchtet, weshalb sie meist als vierte Gewalt im Staat bezeichnet werden. Die Medien helfen Prozesse aufzudecken und zu korrigieren und zum Gelingen demokratischen Handelns beizutragen. Oft genügt es, wenn sie die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Gewalten neu anstoßen.

Kirchlich: nicht vom Volk gewählt, aber um das Volk besorgt

Die kirchliche Kommunikationssituation in dieser Woche kann man schnell demokratisch verstehen. Es gibt eine Umfrage zur Sexualmoral, die – wenngleich auch nicht mit wirklich repräsentativen Zahlen gemessen an der Zahl der Mitglieder der katholischen Kirche – zu Tage fördert, dass es eine große Ablehnung gibt. Unter demokratischen Gesichtspunkten müssten sich nun die gewählten Vertreter danach richten. Eine öffentliche, in den Medien ausgetragene Diskussion kann in parlamentarischen Vollzügen helfen, die notwendigen Mehrheiten für seine Seite zu erhalten. Scheinbar vollzieht sich dies momentan auch bei den deutschen Bischöfen.

Doch die Kirche ist nicht demokratisch verfasst: Nun sind zwar die Bischöfe gewählt und von Papst ernannt, sie werden aber zum ersten auf Lebenszeit (bis zum 75. Lebensjahr) und zum zweiten nicht direkt vom Volk gewählt. Daran wird schnell deutlich, dass sie vom Heiligen Geist berufene, erwählte Vertreter Jesu Christi sind. Durch die Weihe, die als Ausdruck einer ununterbrochenen Kette bis hin zu Jesus Christus reicht (apostolische Sukzession), stehen sie in seiner Verantwortung und sollen ihm dienen. Anders als im demokratischen Prinzip gibt es keine Gewaltenteilung, denn die Bischöfe haben das lehrende, richtende und ausübend handelnde Amt der Kirche inne. Damit soll die Einheit auf Jesus Christus hin gesichert werden, weshalb bischöflicher Dienst immer auch Dienst an der Einheit der Kirche ist.

Andererseits gilt es für die Bischöfe immer auch den Glauben anhand der Zeit und ihrer gläubigen Menschen im Horizont von Heiliger Schrift und Tradition zu prüfen. Insofern dürfen, sollen und müssen sie die aktuelle Diskussion und die Umfrage ernst nehmen. Ihnen ist die Sorge für die Menschen anvertraut, wenngleich sie immer auch der Lehre Jesu in der durch die Jahrhunderte gewachsenen Auslegung der Kirche verpflichtet sind. Allein durch die Umfrage können also keine lehramtlichen Aussagen abgewählt werden. Es braucht die Beratungen im Bischofskollegium.

Konziliar: vom Heiligen Geist bestimmt, von Menschen erfasst

Um diese Spannung zwischen Verbindung zu Jesus Christus und dem Hinterfragen des Zeitgeistes im Licht des Heiligen Geistes zu lösen und in die aktuelle Zeit von Menschen hinein zu verfassen, sind seit Anfang der frühen Kirche an die Konzilien ein wichtiges Instrument. Als abgestuftes Mittel dem Konzil unterstellt hat das Zweite Vatikanische Konzil die Bischofssynoden. Sie sind den Arbeitsweisen der Konzilien ähnlich und auf sie verwiesen. Ein weiteres, damit in Zusammenhang stehendes Element sind die nationalen Bischofskonferenzen.

Genau in diesen Zusammenhang hinein sind die aktuellen Ereignisse zu verorten. Papst Franziskus öffnet gegenwärtig in der katholische Kirche ein Fenster, auf dass „frische Luft einziehe“, ähnlich wie einst Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberief. Es ist bezeichnend, dass seine baldige Heiligsprechung nach Ostern in die Zeit des Pontifikates von Papst Franziskus fällt. Am gleichen Tag wird auch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen, der in der Sexualmoral der Kirche mit seinen Enzykliken und den Katechesen zur Theologie des Leibes starke Akzente gesetzt hat.

Wie auch zwischen diesen beiden Päpsten eine Spannung zwischen Moderne und Tradition festzustellen ist, braucht es diese Auseinandersetzung auch in der aktuellen Debatte. Sie muss aber auf dem kirchlichen, dem konziliaren Weg erfolgen und nicht scheinbar demokratisch über die Medien geführt werden. So entsteht lediglich ein uneiniges Bild von Kirche, was weder dem Einheitsdienst der Bischöfe auf Jesus Christus hin dient noch wirklich demokratisch im weltlichen Sinne ist und auch nicht sein kann. Nur in einem wirklichen Dialog der Bischöfe miteinander, nicht via Zeitungen, kann eine reflektierte Theologie der Ehe entstehen, die Erzbischof em. Robert Zollitsch diese Woche angekündigt hat und die dann nach Rom zur Bischofssynode weitergereicht werden kann.

Die Bedeutung der modernen Medien könnte für diesen konziliaren Weg insofern die Zukunft vereinfachen, als dass sie ein Konzil, eine Synode oder eine nationale Bischofskonferenz schnell und kostengünstig ohne ein Zusammenkommen der Bischöfe an einem Ort ermöglichten. Wenn Gebetsgruppen via Facebook und Skype weltumspannend praktizieren können, wenn der päpstliche Segen „Urbi et Orbi“ via Fernsehen in die Welt gehen kann, dann können sich Bischöfe auch schnell zu ihren notwendigen konziliaren Beratungen „treffen“. Was für die Weltkirche noch eine Zukunftsmusik ist, kann für die deutschen Bischöfe das Gebot der Stunde sein und muss nicht bis zur persönlichen Vollversammlung aller im Herbst in Fulda warten.

Sebastian Pilz
kath.de-Redaktion

2 thoughts on “Konziliar oder demokratisch? (14.02.2014)

  1. Leider stammt die Enzyklika “humane vitae” von Papst Paul VI, nicht von Johannes Paul II.
    Außerdem ist die apostolische Sukzession nicht auf allen Bischofsstühlen von Anbeginn gewahrt, bzw. vorhanden gewesen.
    Was die “reflektierte Theologie der Ehe” angeht, so sind die Experten nur bei katholischen Ehepaaren zu suchen. Wie bei der sogenannten “Theologie der Frau”, von der Papst Franziskus sprach, würden wir Betroffene uns wünschen, das mit uns gesprochen wird statt über uns. Geschieht das nicht, ist kein Bischof oder Papst ein ernst zu nehmender Gesprächspartner für uns.
    Was bedeutet, das diese Instanzen nichts haben, was wir Eheleute benötigen, jeder Input von dort ist irrelevant für uns.
    Wollen die Kleriker es wirklich so?
    Wenn sie es darauf anlegen, nur zu!
    Wir fürchten uns nicht, denn der HERR ist mit uns! Ohne Familien keine Berufungen, so die Hauptamtlichen uns nicht respektvoll begegnen, ernten sie, was sie säen. :)

  2. Sehr geehrter Herr Pilz,
    wo haben Sie eigentlich Logik studiert?
    “Doch die Kirche ist nicht demokratisch verfasst: Nun sind zwar die Bischöfe gewählt und von Papst ernannt, sie werden aber zum ersten auf Lebenszeit (bis zum 75. Lebensjahr) und zum zweiten nicht direkt vom Volk gewählt. Daran wird schnell deutlich, dass sie vom Heiligen Geist berufene, erwählte Vertreter Jesu Christi sind.”
    Wie soll an einem Einsetzungsverfahren “schnell” deutlich werden, dass Bischöfe vom Heiligen Geist berufen sind. Rückgeschlossen: überall, wo Amtsträger nicht demokratisch gewählt werden, wird deutlich, dass… ???
    Das ist für einen kath.de Wochenkommentar überaus peinliche Argumentation.
    Und dann: Bitte lassen Sie doch endlich mal die Finger von der Sexuallehre. Der Papst scheint es ja zu verstehen, wenn er darauf hinweist, dass Jesus Christus anderes und mehr zu sagen hat. Und die Äußerungen auch gläubiger Katholiken zu diesen Themen zeigen ja, dass hier die Anschlussfähigkeit der traditionellen katholischen Sexualmoral an die Gegenwart der Menschen längst verloren gegangen ist. Und das ist keineswegs nur ein Vemittlungsproblem. Also: In der MItte stehen andere Dinge.
    Und noch eins zur Demokratie: Könnte es nicht sein, dass der Heilige Geist auch in Prinzipien wirkt wie dem “quod omnes tangit, ab omnibus approbari debet”?
    Alles in allem: Ihr Kommentar wirkt hilflos.

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