Warum Doping (28.02.2014)

Zum Fall Sachenbacher-Stehle

Ausgerechnet wir deutschen Saubermänner und -frauen stehen am Pranger – und das am letzten Tag der Olympischen Spiele mit einer Mannschaft, die ohnehin mit einem sechsten Platz für Deutschland im Medaillenspiegel schon hart genug bestraft scheint. Das gab es seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Evi Sachenbacher-Stehle positiv getestet

Die Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle wurde bei den Olympischen Spielen in Sotschi positiv auf Stimulanzien getestet. Sie selbst bestreitet vehement, vorsätzlich gedopt zu haben. Immer wieder kommt es zur Einnahme von verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln. Die NADA (Nationale Doping Agentur) warnt seit Jahren generell vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln im Sport.

Der Fehler steckt im System

Der Olympiastützpunkt (OSP) Bayern, wo Evi Sachenbacher-Stehle trainiert, wirbt auf seiner Homepage für Nahrungsergänzungsmittel. Demzufolge müsste der OSP Bayern seine Sportler und Sportlerinnen vor den eigenen Sponsoren warnen.

Doping-Tendenz

Hinterfragt man, warum gedopt wird, gibt es ein breites Spektrum von Gründen: Überzogene und unrealistische Medaillenvorgaben verleiten zum Dopen. In Sotschi sollten die deutschen Sportler 27 bis 42 Medaillen erkämpfen. 19 sind es dann geworden, Russland hat mit 33 olympischen Medaillen die Spitze erreicht. Sind die Erwartungen an unsere Mannschaft einfach so hoch, dass die Zielvorgaben ohne  Einnahme von Stimulanzien kaum erreicht werden können? Und außerdem: Nachwuchssorgen bei Trainern und Sportlern, mangelndes Interesse der Öffentlichkeit, fehlende Unterstützung sowohl finanziell als auch materiell.

Leistung auf Knopfdruck

Der Leistungsdruck einer ganzen Nation zur punktgenauen Höchstleistung, der immer härter werdende Konkurrenzkampf mit immer besserem Material überfordert manchen noch so talentierten Sportler. In jeder Sportlerkarriere, wie im täglichen Leben auch, gibt es gute und schlechte Phasen. Ein Leistungssportler muss aber diszipliniert  jeden Tag trainieren. Auszeiten  gibt es nicht. Mentale Engpässe werden wegtrainiert, der Mensch muss wie eine Maschine funktionieren – nur dann können Triumphe gefeiert und Siegerprämien kassiert werden.

Doch was passiert nach Verletzungspausen, bei Leistungsabfall durch körperliche Beeinträchtigungen, Mannschaftsgeklüngel, Depressionen, Familientragödien etc.? Spitzensportler müssen alles wegstecken, um punktgenau am Tag X für die Nation in Spitzenform zu sein. Immer weniger Athleten nehmen diese Strapazen im gesättigten Deutschland heute noch auf sich. Die sinkende Zahl der Medaillen zeigt es.

Nahrungsergänzungsmittel im Graubereich

Selbstverständlich ist die Einnahme von Stimulanzien zur Leistungserhöhung verboten, es gibt jedoch eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln, die nicht ad hoc als verbotene Substanzen zu erkennen sind. Möglicherweise war Evi Sachenbacher-Stehle nicht sorgfältig genug bei der Auswahl der angebotenen Produkte, doch soll man sie deshalb gleich in allen Medien abqualifizieren? Oder muss man nicht ein wenig Verständnis haben mit Athleten, die sich leidenschaftlich bis an den äußersten Rand ihrer Leistungsfähigkeit belasten, damit ihre eigene Gesundheit und vielleicht sogar ihr Leben gefährden? Da kann es schon sein, dass sie diese Mittel nutzen, um den Erwartungen eines ganzen Volkes gerecht zu werden.

Solange sich bei uns keine Suizid-Kultur im Versagensfall, wie z. B. in China, etabliert, sollten wir mit unserer Vorverurteilung vorsichtig sein und lieber politische Voraussetzungen schaffen, die kleine menschliche Sündenfälle unnötig machen.

Und man sollte den Anspruch an die Superleistung auf ein Normalmaß menschlicher Leistungsfähigkeit zurückholen, um künftig wieder den Spaß am Wettkampf der Besten zu fördern.

Die Olympischen Spiele gehören örtlich und mental wieder nach Athen

Aus meiner Sicht sollte die Olympische Idee zu ihren Wurzeln zurückkehren. Sämtliche Austragungsstätten in Athen sollten mit der Unterstützung aller Nationen bestmöglich ausgebaut werden, um kontinuierlich ohne politische Einflussnahme den sportlichen Geist zu stärken und die multikontinentalen Kräfte zu messen.

Die Entscheidung in Garmisch-Patenkirchen über die Ausrichtung kommender Spiele in München sowie kritische Kommentare aus aller Welt über unmenschliche Zustände in Russland beim Bau der Wettkampfstätten verbunden mit immens hohen Kosten haben gezeigt, dass es sich lohnt, dass das Nachdenken darüber begonnen hat.

Birgit Thomas

Wie kann wieder Glaubwürdigkeit entstehen? (21.02.2014)

Die katholische Kirche steckt in der Krise. Nachdem sie jahrzehntelang höchste moralische Standards von der Gesellschaft eingefordert hat, verliert sie durch die Verheimlichung von Fällen sexuellen Missbrauchs und intransparentem Finanzgebaren jetzt ihre moralische Integrität. Die Kirchen in Deutschland scheinen gleichzeitig mit ihrem religiösen Potential keine Antwort auf die tiefgreifende Glaubenskrise der Gesellschaft zu finden. In dieser Krise diskutieren die Katholiken immer wieder die gleichen Themen: Sexualmoral, Lebensschutz, demokratische Entscheidungsfindung in der Kirche, Gleichberechtigung. Kein Wunder also, dass auch die Medien an den eingefahrenen Positionen festhalten. Progressiv gegen Konservativ – Modern gegen Traditionell. Dem Beobachter wird dabei vor allem eins deutlich: Der gesellschaftliche Wertekanon ist nicht deckungsgleich mit der kirchlichen Lehre.

Allein die Meinungen, wer von beiden sich dem Anderen anpassen sollte, gehen auseinander. Die katholische Kirche scheint in dieser Strukturdebatte festzustecken. Dabei möchte sie eigentlich für ihre Glaubensinhalte in der Gesellschaft einstehen. Um aus der Krise heraus zu kommen, muss eine neue Form gefunden werden, diese Inhalte zu vermitteln.

Zwei Päpste fordern Entweltlichung und eine arme Kirche

Die beiden Päpste Franziskus und Benedikt XVI. fordern zu einer neuen Form der Glaubensweitergabe auf. Bei seiner Deutschlandreise 2011 verlangte Benedikt XVI. von den deutschen Bischöfen die Entweltlichung der deutschen Kirche. “Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein”, erklärte Benedikt XVI. damals. Sein Nachfolger, Papst Franziskus, verschärft diese Forderung noch, wenn er von einem Ideal der „armen Kirche“ spricht und die pastorale Begleitung der Menschen zu seinem Herzensanliegen macht. Das Armutsideal steht bei beiden, dem emeritierten wie dem amtierenden Papst als Garantie für eine neue Glaubwürdigkeit. Mit einem „Mehr“ an Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit wollen sie die Kirche aus der Glaubenskrise führen.

Externe Prüfberichte dienen der Aufarbeitung und Neuausrichtung

Wenn sie diese Idee umsetzen und glaubwürdig sein möchten, müssen sich die deutschen Bischöfe als Repräsentanten der Kirche zuerst ihrer Verantwortung stellen. In den Missbrauchsfällen und Finanzskandalen stehen sie als Identifikationsfiguren stellvertretend für begangene Fehler gerade. Mit dem Untersuchungsbericht zur Causa Limburg und der neuen Studie zur Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs wurden dabei zwei wichtige Schritte getan.

2010 Bischof Walter Mixa und vermutlich 2014 Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, an zwei Fällen, wo Bischöfe persönlich die Konsequenzen ziehen mussten, wird deutlich, dass die Kirche mit ihrer Verantwortung ernst macht. Die Offenlegung der Haushalte der Bischöflichen Stühle und die Umsetzung einer einheitlichen Präventionsverordnung gegen sexuellen Missbrauch lassen hoffen, dass es auch weiterhin so bleiben wird.

Aufräumen reicht nicht

Bei dem Eingestehen vergangener Fehler und einer stärkeren Transparenz kann es aber nicht bleiben. Neben den Bischöfen sind die kirchlichen Konfliktgruppen gefragt, die Chancen in der Krise zu erkennen. Nachdem immer weniger Katholiken die pastoralen Angebote wahrnehmen und der gesellschaftspolitische Einfluss der kirchlichen Verbände schmilzt, eröffnet die Aufarbeitung der vergangenen Fehler einen Raum, um sich auf die zentralen Inhalte der eigenen Glaubensgemeinschaft zu besinnen. Aus der Aufarbeitung heraus könnten diese jetzt die Chance ergreifen, die Kirche zu erneuern. Der Bedarf nach Glaubensangeboten ist da.

Wie wird die katholische Kirche glaubwürdig in einer kirchenkritischen Gesellschaft?

Denn auch in der Postmoderne suchen die Menschen nach Antworten auf essentielle Fragen. Die Individualisierung hat nicht, wie im 20. Jahrhundert angenommen, zu einer Abnahme der Religiosität geführt. Der Wunsch und die Suche nach Spiritualität und Gott werden zwar von Strukturplanern oft ignoriert, in der Breite der Gesellschaft sind sie jedoch präsent geblieben. Diese Suche äußert sich jedoch nicht in der Debatte um moralische Grundsatzentscheidungen oder festgeschriebene Lebensformen, sondern vielmehr in einem glaubhaften Angebot von Werten und Botschaften, an denen sich der Einzelne frei orientieren kann. Will die Kirche in der Moderne als Glaubensvermittler überzeugen, reicht eine Veränderung der Strukturen daher nicht aus. Die Gründung von XXL-Pfarreien mag kircheninterne Personal- und Finanzfragen beantworten. Für Menschen, die auf der Suche nach Antworten für ihr eigenes Leben sind, braucht es jedoch Vorbilder und kleine Gemeinschaften, in denen sie sich verorten können.

Die christliche Glaubensbotschaft wird dann wahrgenommen, wenn sie von Menschen vorgelebt wird, die authentisch sind. Das Armutsideal von Franziskus setzt hier an. Es erinnert die Kirchenvertreter daran, nach diesen authentischen Glaubenszeugen Ausschau zu halten und sie durch das eigene Vorbild zu unterstützen. Die Forderung nach Entweltlichung setzt auf das Potential der christlichen Botschaft, die neben den gesellschaftlichen Themen einen weiteren Bedeutungshorizont eröffnet. Dabei kristallisiert sich oft gerade im Unterschied zu den Wertevorstellungen der Gesellschaft das Einzigartige der christlichen Hoffnung heraus. Indem die Päpste diese Unterschiede und die Bedeutung von Einzelpersonen betonen, machen sie nicht die Strukturen, sondern die Inhalte zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der Krisenbewältigung.

Auf die Aufarbeitung folgen neue christliche Gemeinschaften

Während die Bistumsführungen und Laienvertreter noch mit den Fragen ringen, wie die Skandale aufgearbeitet werden und welche Konsequenzen für kirchliche Organisationsstrukturen gezogen werden müssten, sind es vor allem kleine christliche Gemeinschaften, die eine Erfolgsgeschichte feiern. Seit Jahren entstehen innerhalb der katholischen Kirche eine Vielzahl unterschiedlicher Bewegungen, die sich auch an Orten ausbreiten, wo die territoriale Pfarrseelsorge im Rückzug begriffen ist. Neben neuen geistlichen Gemeinschaften wie beispielsweise dem Neokatechumenalen Weg kommen mit christlichen Migranten auch viele andere Vertreter kirchlicher Bewegungen in die deutschen Diözesen. Sie speisen ihre Vitalität nicht aus Seelsorgeeinheiten oder Finanzplänen, sondern aus der je eigenen gelebten Spiritualität. Die Entscheidungsträger sind gut beraten, in den neuen XXL-Pfarrstrukturen nach diesen lebendigen Gemeinschaften Ausschau zu halten, ihre Vitalität zu fördern und zu integrieren. Praktizierende Christen stehen glaubwürdig für die christlichen Werte und die katholische Kirche in der Gesellschaft ein – und können weder durch kirchliche gesellschaftspolitische Forderungen noch durch Strukturen ersetzt werden.

Dario Hülsmann

kath.de-Redaktion

Konziliar oder demokratisch? (14.02.2014)

Diskussion über die katholische Morallehre stellt die Kommunikation der deutschen Bischöfe auf die Probe

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat mit seinen Äußerungen zur Sexuallehre der katholischen Kirche eine breite Diskussion innerhalb des deutschen Episkopates entfacht. Aus verschiedenen Bistümern gibt es verschiedene Wortmeldungen, manche kritisch, manche mit anderen Akzenten, manche zustimmend. Die Diskussion wurde angestoßen durch die Umfrage zur Vorbereitung der vatikanischen Bischofssynode. Unabhängig von der Thematik liegen in der gegenwärtigen Kommunikation Elemente aus einer parlamentarischen Demokratie und aus einem kirchlich konziliaren Prozess zu Grunde. Sie werden in der Öffentlichkeit schnell vermischt, sollten der Sache wegen aber voneinander unterschieden werden.

Demokratisch: vom Volk gewählt, vom Volk bestimmt

In einer Demokratie geht die Macht vom Volk aus. Das drückt sich in regelmäßigen Abständen in Wahlen aus. Sie sichern dem eigentlichem Souverän, dem Volk, seine Mitbestimmung. Daher gibt es immer wieder Umfragen, die den gewählten Vertretern zeigen, wie die Stimmungslage zu bestimmten Themen und über die gewählten Vertreter selbst ist. Im Wahlkampf gilt es, mit Themen die Menschen anzusprechen, die wiederum dann auf einen Kandidaten ihre Stimmen vereinen. Die Wahl von Vertreter auf Lebenszeit kommt in Demokratien nicht, oder nur zu Repräsentationszwecken vor. Sie widerspricht der Grundlegung, dass alle Gewalt vom Volk ausgeht. Darüber hinaus gibt es in Demokratien eine Gewaltenverteilung auf legislative, judikative und exekutive Elemente. Sie sind bewusst voneinander getrennt und werden immer von den Medien kritisch durchleuchtet, weshalb sie meist als vierte Gewalt im Staat bezeichnet werden. Die Medien helfen Prozesse aufzudecken und zu korrigieren und zum Gelingen demokratischen Handelns beizutragen. Oft genügt es, wenn sie die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Gewalten neu anstoßen.

Kirchlich: nicht vom Volk gewählt, aber um das Volk besorgt

Die kirchliche Kommunikationssituation in dieser Woche kann man schnell demokratisch verstehen. Es gibt eine Umfrage zur Sexualmoral, die – wenngleich auch nicht mit wirklich repräsentativen Zahlen gemessen an der Zahl der Mitglieder der katholischen Kirche – zu Tage fördert, dass es eine große Ablehnung gibt. Unter demokratischen Gesichtspunkten müssten sich nun die gewählten Vertreter danach richten. Eine öffentliche, in den Medien ausgetragene Diskussion kann in parlamentarischen Vollzügen helfen, die notwendigen Mehrheiten für seine Seite zu erhalten. Scheinbar vollzieht sich dies momentan auch bei den deutschen Bischöfen.

Doch die Kirche ist nicht demokratisch verfasst: Nun sind zwar die Bischöfe gewählt und von Papst ernannt, sie werden aber zum ersten auf Lebenszeit (bis zum 75. Lebensjahr) und zum zweiten nicht direkt vom Volk gewählt. Daran wird schnell deutlich, dass sie vom Heiligen Geist berufene, erwählte Vertreter Jesu Christi sind. Durch die Weihe, die als Ausdruck einer ununterbrochenen Kette bis hin zu Jesus Christus reicht (apostolische Sukzession), stehen sie in seiner Verantwortung und sollen ihm dienen. Anders als im demokratischen Prinzip gibt es keine Gewaltenteilung, denn die Bischöfe haben das lehrende, richtende und ausübend handelnde Amt der Kirche inne. Damit soll die Einheit auf Jesus Christus hin gesichert werden, weshalb bischöflicher Dienst immer auch Dienst an der Einheit der Kirche ist.

Andererseits gilt es für die Bischöfe immer auch den Glauben anhand der Zeit und ihrer gläubigen Menschen im Horizont von Heiliger Schrift und Tradition zu prüfen. Insofern dürfen, sollen und müssen sie die aktuelle Diskussion und die Umfrage ernst nehmen. Ihnen ist die Sorge für die Menschen anvertraut, wenngleich sie immer auch der Lehre Jesu in der durch die Jahrhunderte gewachsenen Auslegung der Kirche verpflichtet sind. Allein durch die Umfrage können also keine lehramtlichen Aussagen abgewählt werden. Es braucht die Beratungen im Bischofskollegium.

Konziliar: vom Heiligen Geist bestimmt, von Menschen erfasst

Um diese Spannung zwischen Verbindung zu Jesus Christus und dem Hinterfragen des Zeitgeistes im Licht des Heiligen Geistes zu lösen und in die aktuelle Zeit von Menschen hinein zu verfassen, sind seit Anfang der frühen Kirche an die Konzilien ein wichtiges Instrument. Als abgestuftes Mittel dem Konzil unterstellt hat das Zweite Vatikanische Konzil die Bischofssynoden. Sie sind den Arbeitsweisen der Konzilien ähnlich und auf sie verwiesen. Ein weiteres, damit in Zusammenhang stehendes Element sind die nationalen Bischofskonferenzen.

Genau in diesen Zusammenhang hinein sind die aktuellen Ereignisse zu verorten. Papst Franziskus öffnet gegenwärtig in der katholische Kirche ein Fenster, auf dass „frische Luft einziehe“, ähnlich wie einst Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberief. Es ist bezeichnend, dass seine baldige Heiligsprechung nach Ostern in die Zeit des Pontifikates von Papst Franziskus fällt. Am gleichen Tag wird auch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen, der in der Sexualmoral der Kirche mit seinen Enzykliken und den Katechesen zur Theologie des Leibes starke Akzente gesetzt hat.

Wie auch zwischen diesen beiden Päpsten eine Spannung zwischen Moderne und Tradition festzustellen ist, braucht es diese Auseinandersetzung auch in der aktuellen Debatte. Sie muss aber auf dem kirchlichen, dem konziliaren Weg erfolgen und nicht scheinbar demokratisch über die Medien geführt werden. So entsteht lediglich ein uneiniges Bild von Kirche, was weder dem Einheitsdienst der Bischöfe auf Jesus Christus hin dient noch wirklich demokratisch im weltlichen Sinne ist und auch nicht sein kann. Nur in einem wirklichen Dialog der Bischöfe miteinander, nicht via Zeitungen, kann eine reflektierte Theologie der Ehe entstehen, die Erzbischof em. Robert Zollitsch diese Woche angekündigt hat und die dann nach Rom zur Bischofssynode weitergereicht werden kann.

Die Bedeutung der modernen Medien könnte für diesen konziliaren Weg insofern die Zukunft vereinfachen, als dass sie ein Konzil, eine Synode oder eine nationale Bischofskonferenz schnell und kostengünstig ohne ein Zusammenkommen der Bischöfe an einem Ort ermöglichten. Wenn Gebetsgruppen via Facebook und Skype weltumspannend praktizieren können, wenn der päpstliche Segen „Urbi et Orbi“ via Fernsehen in die Welt gehen kann, dann können sich Bischöfe auch schnell zu ihren notwendigen konziliaren Beratungen „treffen“. Was für die Weltkirche noch eine Zukunftsmusik ist, kann für die deutschen Bischöfe das Gebot der Stunde sein und muss nicht bis zur persönlichen Vollversammlung aller im Herbst in Fulda warten.

Sebastian Pilz
kath.de-Redaktion