Die Divisionen des Papstes (06.09.2013)

Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft

Der Bürgerkrieg in Syrien hat vor einigen Wochen mit dem Einsatz von chemischen Waffen einen brutalen Höhepunkt erreicht.  Chemische Kampfmittel, ganz gleich von welcher der sich bekämpfenden Seiten sie nun wirklich eingesetzt wurden, sind ein schweres Verbrechen gegen die Menschheit. Dies gilt für den Einsatz gegen Soldaten, aber noch mehr, wenn unschuldige Zivilisten zu Opfern werden. Daher ist es gut, wenn nun die Mächtigen der Welt eingreifen wollen, um die Gewalt in Syrien zu beenden. Auch wenn sie dabei sehr selbstkritisch sein müssen. Denn ein anderer großer Skandal des Syrienkrieges ist doch, dass seit mehr als zwei Jahren die Gewalt im ganzen Land herrscht und niemand aus der internationalen Gemeinschaft etwas zum Schutz der Unschuldigen unternommen hat.

Was tun für den Frieden?

Doch wie soll gehandelt werden und durch wen? Wer wird sich beteiligen und was kann letztlich erreicht werden? Einer der Mächtigen der Welt hat schon eine Antwort auf diese Herausforderungen gegeben: Papst Franziskus. Er hat die internationale Gemeinschaft immer wieder und sehr inständig zur Zusammenarbeit aufgerufen und ganz besonders um Frieden gebeten, Frieden gefordert. Der Oberhirte hat bei seiner Ansprache zum Angelus am vergangenen Sonntag wie seine Vorgänger Pius XII. und Paul VI. wiederholt: „Nie wieder Krieg!“ Im Vatikan scheint man die Lage in Syrien und weltweit sehr genau analysiert zu haben. So sehr, dass der Papst der Situation  ziemliche Brisanz zuschreibt  und die Welt am Rande eines großen Krieges sieht, den er verhindern möchte. Dazu appellierte der Pontifex nicht nur an die Herrschenden, sondern auch an die Gläubigen. Franziskus möchte nicht nur durch Diplomatie und moralische Autorität auf die Welt Einfluss nehmen. Der Aufruf zu einem Tag von Gebet und Fasten richtet sich an die Katholiken, alle Christen und alle gut gewillten Menschen weltweit. Hierfür hat der Papst viel Zuspruch erhalten, aber auch Kritik einstecken müssen. Der Journalist Henryk M. Broder glaubt, dem Kirchenoberhaupt vorwerfen zu müssen, dass es ein Fehler sei, auf das Gebet zu setzen anstatt seine politische Autorität, die der Bischof von Rom eben auch hat, in die Waagschale zu werfen.

Die Politik und das Gebet

Die Kritik am Gebets- und Fastentag von Franziskus verkennt jedoch, dass sich der Papst sehr eindringlich um eine friedliche Lösung des Syrien-Konflikts auch auf politischem Wege bemüht hat. Zahlreiche öffentliche Aufrufe an die Regierungen und ungezählte persönliche Gespräche mit Regierenden bei den Privataudienzen haben dem Kirchenoberhaupt die Möglichkeit zur Einflussnahme gegeben. Zudem beachtet diese Kritik nicht, dass für die Kirche auch eine andere Art der Beeinflussung der Geschehnisse der Welt wichtig ist. Sie bezieht sich auf das, was hinter aller weltlichen Wirklichkeit steht, jenseits von ihr und doch mit ihr verbunden. Das Gebet zu Gott kann daher für Christen weltverändernd sein. Wenn Papst Franziskus zu einem Gebetstag aufruft und dies mit einer Einladung zum Fasten verbindet, ist dies nicht weltfremd oder zynisch, nach dem Motto: Wir beten nur, handeln aber nicht. Beten ist auch Handeln, denn es verbindet mit Gott und untereinander, es zeigt Solidarität und es drückt eine große Hoffnung aus. Eine Hoffnung, die Realität werden kann. Dies hat jedoch nicht nur mit dem Handeln Gottes in der Welt zu tun, sondern auch mit dem Handeln der Menschen, die sich durch Gebet und Fasten bewegen lassen zu Gott und damit auch zum Nächsten hin. Diese veränderten Menschen sind die berühmten Divisionen des Papstes, die Truppen des Glaubens, die die Welt verändern können. Nicht zuletzt schafft das Gebet eine Verbindung zwischen Christen und Muslimen, deren heilsame politische Bedeutung kaum zu unterschätzen ist.

Gut zu wissen, dass auch viele der Regierenden weltweit sich zu christlichen und anderen gerechten und friedliebenden Glaubensgrundsätzen bekennen und dem Aufruf des Papstes folgen könnten. Von den Menschen guten Willens ganz zu schweigen.

Roland Müller
kath.de-Redaktion

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