Grazie! – Benedikt XVI.!

Eindrücke von der letzten Audienz Benedikts – von Herrn Dominique Humm

Plötzlich schallt es in der Ferne „viva el papa!“ und sogleich braust der Jubel los wie ein Orkan. Jeder will ihn zuerst sehen. Die Menge reckt die Köpfe, wer kann, steigt auf seinen Stuhl und späht erwartungsvoll in die Richtung, aus der die ersten Rufe kamen. Vorbereitete Transparente werden so positioniert, dass sie für den Vorbeifahrenden gut sichtbar sind. Handys und Kameras werden gezückt, um ein schönes Erinnerungsfoto zu erhaschen. Und dann ist das Papamobil zu sehen. Nun springen auch die Letzten von den Stühlen auf, die gerade noch die Sonne des herrlichen Morgen genossen haben.

Viele sind bereits in der Dunkelheit von ihren Pensionen aufgebrochen und haben sich schon früh vor dem Petersplatz versammelt, um bei der Audienz einen guten Platz zu bekommen. Als um 8:30 Uhr die Sicherheitsschleusen geöffnet wurden, strömten die Menschen wie der Sand in einer Sanduhr auf den Petersplatz und füllten ihn bis an den Rand aus. Bei frühlinghafter Sonne und einer angenehmen Priese herrschte ein fröhliches Treiben mit Benedetto-Rufen bis kurz vor 10:30 Uhr in freudiger Erwartung eine gespannte Ruhe einkehrte und nur mehr die Möwen ihre Kreise über die Menge ziehen.

Papst Benedikt XVI. bahnt sich in einem sommerlichen Papamobil, mit geöffneten Seiten, den Weg über den Petersplatz und hält mehrmals an, um Kinder zu segnen.

Es war kaum vorzustellen, es würde heute das letzte Mal sein, dass dieser Papst so in die Öffentlichkeit treten wird. Wie unterschiedlich der auch in seinem Pontifikat theologisch tätige Papst wahrgenommen wurde, so wurde doch vielerorts seine Ankündigung der Amtsniederlegung erstaunt und ungläubig aufgenommen. Mag man es zunächst für einen Faschingsscherz gehalten haben, so hat es einen anschließend doch zum Grübeln gebracht. Er hatte sich als Bischof den Wahlspruch „Mitarbeiter der Wahrheit“ gewählt. In diesem Sinne ist wohl auch sein Rücktritt zu verstehen, der konsequent seine Person dem Dienst hintan stellt.

Als ich den Papst Benedikt XVI. jetzt auf mich zufahren sehe, scheint es mir, dass ich, im Unterschied zu den letzten Jahren, in ein vom Alter gezeichnetes Gesicht blicke und er auch körperlich zerbrechlich wirkt. Ich bin über diese Reaktion wirklich überrascht, trotz der bekannten Zeitungsberichte über sein schwächer werden; denn sein Gesicht strahlt wie eh und jeh und gibt einem das Gefühl bis ins Herz sehen zu können. In ein Herz das für seinen Gegenüber ganz geöffnet ist und ihn ernst nimmt.

Wirklich verrückt, ich hatte drei Tage vorher den Entschluss gefasst, Dienstagabend von Frankfurt nach Rom zu fliegen und Donnerstag in aller Frühe schon wieder den Rückflug anzutreten. Über Facebook erfuhr ich von Freunden, die das gleiche Wagnis vorhatten und genau denselben Flug gebucht hatten. Im Flugzeug trafen wir noch einige andere Kurzentschlossene, die wie wir dem Papst für das viele Gute danke sagen wollten.

In der Ansprache spricht Benedikt XVI. seinen Dank an alle Kardinäle, Bischöfe und Gläubige aus und stärkt das Vertrauen indem er sagt „Gott führt die Kirche, er unterstützt sie immer, auch vor allem in schwierigen Momenten.“ Er erklärt, dass er selbst es entschieden habe, sich vom Petrusamt zurückzuziehen, aber nicht um ein privates Leben mit Begegnungen, Reisen und Vorträgen zu führen, sondern weiterhin ganz dem gekreuzigten Christus nahe zu bleiben. Sodann verweist Benedikt darauf, dass Christus selbst das Schiff der Kirche führt. Immer wieder wird der Papst durch Applaus und Benedetto-Rufe unterbrochen. Nach der Ankündigung des päpstlichen Segens auf Italienisch ruft eine Frau über den stillen Platz „Grazie“ und das ganze Menge bricht in Jubel aus.

Danke, das hat es auf den Punkt gebracht, denke ich. Danke Benedikt XVI. für das Vorbild in unserer Zeit, dass auch heute Glaube und Vernunft einander bedürfen und so zu einem wirklich sinnvollen Leben führen.

Nach der Audienz strömt die Menge nur langsam auseinander. Viele stehen noch zusammen, machen Erinnerungs-Fotos und tauschen sich lachend über die eindrucksvollen Erlebnisse des Tages aus. Auf den Gesichtern ist Dank für Papst Benedikt XVI. und große Freude und Zuversicht für die Zukunft abzulesen.

Herr Dominique Humm

One thought on “Grazie! – Benedikt XVI.!

  1. – War auch dabei am Petersplatz (kurzfristige Busfahrt). – Als Pilger hat man als Geschenk viele schöne Gedanken vermittelt bekommen und eine verhalten freundliche Stimmung!

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