Der Klimawandel und seine Folgen – ein ungerechtes Spiel (07.12.2012)

Ein diplomatisches Geschäft

Am heutigen Freitag geht in dem kleinen arabischen Staat Katar die diesjährige Klimakonferenz der Vereinten Nationen zu Ende. Die Erwartungen an das Treffen waren hoch und gleichzeitig auch niedrig. Die Erkenntnis, dass die Weltgemeinschaft angesichts der Bedrohung des Klimawandels handeln muss, ist inzwischen  nicht nur bei Umweltaktivisten und einfachen Bürgern, sondern zunehmend auch bei Politikern angekommen. Doch man ist es gewohnt, dass Klimagipfel sich stets auf der Ebene der Diplomatie und der internationalen Umweltpolitik abspielen und lediglich Ergebnisse geringer Relevanz für die Niederungen der Öffentlichkeit vorweisen.

Den leidtragenden Staaten Hilfe bieten

Dabei hat die Staatengemeinschaft für die Konferenz in Doha einige Punkte auf dem Programm. Der wichtigste ist sicher die Verhandlungen zur Verlängerung des Kyoto-Protokolls, das im nächsten Jahr ausläuft. In der nun beginnenden zweiten Phase der Klimavereinbarung werden sich nur noch wenige Staaten beteiligen, die zusammen nicht mehr als 15 Prozent des globalen Schadstoffausstoßes verantworten. Der Gipfel muss festlegen, welche Bedingungen für die teilnehmenden Staaten gelten, also bis zu welchem Wert Schadstoffe emitiert werden können oder ob nicht verbrauchte Ausstoßwerte der endenden ersten Phase in die nun beginnende zweite übernommen werden können. Ein großes Feilschen wird es auch bei den Verhandlungen zu einem international gültigen Klimaabkommen geben. Auf dem Klimatreffen in Durban 2011 wurde die Einführung eines ersten Abkommens beschlossen, das die Weltgemeinschaft zu dem Versuch der Eindämmung des Klimawandels verpflichten soll. Geplant ist dessen Einführung für 2015. Schließlich mussten sich die Teilnehmer in Doha damit beschäftigen, wie vor allem den Leidtragenden der Erderwärmung, den Entwicklungsländern, zu Hilfe geeilt werden kann. Finanzspritzen in Milliardenhöhe der Industriestaaten sind schon zugesagt, doch wie damit eine kontinuierliche Unterstützung der finanzschwachen Länder in ihrem Kampf gegen die Folgen des Klimawandels gewährleistet werden kann ist noch unklar.

Des einen Freud, des anderen Leid

Bei einer solchen Fülle an strittigen und brisanten Themen ist es nicht verwunderlich, dass die Umweltminister der Erde noch keine Entscheidungen gefällt haben und die Verhandlungen bis zur letzten Nacht der Konferenz ausdehnen. Aber dieses Verhalten ist auch fatal. Denn beim Klimawandel geht es um die Frage nach der weltweiten Gerechtigkeit. Die Länder der Erde sind sehr unterschiedlich von der Erderwärmung betroffen. So begrüßen zwei der größten Länder der Erde, Russland und Kanada, diese Entwicklung, denn sie ziehen einen Vorteil daraus. Erst die voranschreitende Erderwärmung macht große Flächen des Territoriums der beiden Riesenländer urbar. Der Rückzug von Eis, Schnee und Bodenfrost lässt Landwirtschaft oder Besiedlung großer Flächen möglich werden. Selbstverständlich haben diese Staaten keinen Antrieb, dem entgegenzuwirken.

Die Flucht vor dem Klima

Während einige Staaten einen Gewinn aus den Veränderungen im Klima ziehen, kämpfen andere ums nackte Überleben. Die Malediven, Kiribati oder Tuvalu gehören zu diesen Ländern. Für niedrig gelegene Inselstaaten sind die Konsequenzen des Klimawandels schon jetzt zu spüren. Der Meerwasserspiegel steigt aufgrund der abschmelzenden Polarkappen und mischt sich so mit dem niedrigen Grundwasserspiegel der Inseln. Den Einwohnern geht  langsam aber sicher das Trinkwasser aus. Schon in 80 Jahren wird es diese Staaten auf den Landkarten nicht mehr geben. Auch der von Australien finanzierte Deichbau, z. B. in Kiribati, kann daran nichts ändern, er kann das Verschwinden im Meer höchstens um einige Jahre hinauszögern. Eine neue Gruppe von Migranten wird sich bilden: Die Klimaflüchtlinge.

Gerechtigkeit unter den Staaten ist gefragt

Ungerecht sind die Folgen der Erderwärmung nicht nur dadurch, dass Menschen, die den Klimawandel nicht verursacht haben, die Leidtragenden sind. Dies passiert auf der individuellen Ebene in jedem Land der Welt. Das eigentlich ungerechte ist, dass ganze Staaten als Volksgemeinschaften betroffen sind. Die Industriestaaten der Erde haben die Erderwärmung zu verantworten, doch sie sind nicht die Leidtragenden. Dies sind die unterentwickelten und nicht industrialisierten Länder, vor allem in Asien, Afrika und Ozeanien. Die Milliarden der westlichen Länder zur Eindämmung der Folgen des Klimawandels sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und werden diesen Ländern nicht wirklich helfen können. Die versprochenen Zahlungen erscheinen wie der Versuch des Freikaufs einer eigenen Schuld. Und sie sind es. Was jedoch notwendig ist, wäre eine Solidarität mit den Verliererstaaten des Klimawandels. Eine wirkliche Unterstützung wäre durch Bildung und Entwicklungsförderung einer eigenen Wirtschaft gegeben. Doch da die Geschichte von den Gewinnern gemacht wird, trifft dies wohl auch auf die Klimapolitik und –geschichte zu. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie Umweltpolitiker in der katarischen Hauptstadt eine gemeinsame Lösung finden werden, um die Probleme möglichst klein zu halten. Doch vieles deutet darauf hin, dass dies nicht sehr  wahrscheinlich ist.

Roland Müller

kath.de-Redaktion

One thought on “Der Klimawandel und seine Folgen – ein ungerechtes Spiel (07.12.2012)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*