Neuevangelisierung – Bloggen als Chance für das Laienapostolat

Welche Sendung und welchen Auftrag Kirche hat Kirche heute?

Das missionarische Kirche-Sein ist der rote Faden des Zweiten Vatikanischen Konzils. Hubertus Schönermann von der Katholischen Arbeitsstelle für Missionarische Pastoral hält mit dem Konzil die Inkarnation für den “tiefsten Grund für die Mission der Kirche”. Gott offenbare sich selbst, er suche die Gemeinschaft mit den Menschen. Das sei der Grund für Mission: Menschen in diese Gemeinschaft hineinzunehmen.

Der “Große Drive” der Neuevangelisierung

Der „große Drive“ für die Neuevangelisierung kam im Jahr 2010 mit dem Motu proprio „Ubicumque et semper“, mit dem der päpstliche Rat für die Neuevangelisierung unter Vorsitz von Erzbischof Rino Fisichella gegründet wurde. In diesem Rat ist auch Erzbischof Zollitsch drin. Der Rat stellt sich die Frage: Wie kann eine Neuevangelisierung stattfinden? Vor allem in den Ländern Mitteleuropas sei dies relevant: In den neuen Bundesländern, in Tschechien, Frankreich. Europa befindet sich einer ausgesprochenen Sondersituation; weltweit “boomt” Religion.

Gesellschaftlicher Wandel und Krisen

Gesellschaftlicher Wandel, Finanz- und Wirtschaftskrise, Krise in der Kirche. Krisen seien wohl die Zeichen unserer Zeit. Ist die Moderne an ein Ende gekommen? Was prägt unsere Gesellschaft? Welchen Stellenwert hat Religion zwischen Mobilität und Beschleunigung, zwischen Säkularisierung und religiöser Vitalität? Bis vor ein paar Jahren gab es noch die Säkularisierungs-These: Je moderner eine Gesellschaft ist, desto säkularer sei sie.

Religiöse Vitalität vs. Säkularität

Heute gebe es eine nicht unbedingt kirchliche, aber religiöse Vitalität, die sich häufig in Fragen und Praktiken ausdrücke. Esoterische Praktiken, aber auch der Islam in Deutschland hätten eine Vitalität, welche die Christen herausforderten, etwa auf die Frage zu antworten: Wie können wir als Christen leben mit dem Islam in Deutschland, „der uns deutlich entgegentritt”? (Schönermann). Zeitgleich zur Säkularität, zum Beispiel in den neuen Bundesländern, in denen es gar keine “Grammatik für das Religiöse” gebe, beobachte man eine neue Suche nach Sinn in Form religiöser Vitalität.

Mindestens vier Phänomene durchzögen heute die gesellschaftliche Realität

Individualität
Das Subjekt schaut von sich aus die Welt an. Viele in der Kirche sähen dies jedoch als Egoismus und als Schwierigkeit. Welche sind aber die positiven Anknüpfungspunkte dieses Phänomens? – Der Glauben kommt aus der Personenmitte, ist ein Antwort-Geben, dann ist Individualität auch wichtig, weil man persönlich antwortet und den Glauben für sich annimmt.

Pluralität
Verschiedene Lebensentwürfe, Biographien und Möglichkeiten – auch in der Kirche – seien Abbild der Gesellschaft. Das Evangelium stellt uns die Frage: Wie gehen wir mit Pluralität um? Dies werde momentan neu verhandelt.

Segmentierung der Lebensbereiche
Früher  – bis etwa zur industriellen Revolution – gab es einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, heute sind es eher getrennte Bereiche: Arbeit, Privates, Familie, Religiösität seien gleichsam wie einzelne Tortenstücke, die wenig mit anderen zu tun haben.

Professionalisierung
Die genannten Segmente seien häufig bestimmt durch Fachleute: Wenn ich religiös sein will, gehe ich zum Pfarrer, so wie ich z.B. zum Arzt gehe, wenn ich krank bin. Die Frage ist: Wie verhalten sich Communio und Ministratio, wie wichtig ist also auch die sog. “Dienstleistungspastoral”?

Wir besitzen das Evangelium nicht
Zwei hermeneutische Perspektiven:
1. Wir (Christen) besitzen das Evangelium und müssen es an andere weitergeben.
2. Das Evangelium ist nicht etwas, das wir besitzen, sondern etwas, dem wir dienen. Die Frohe Botschaft kontextualisiert sich demnach immer wieder neu. Das Evangelium ist kein festes Kompendium, sondern es antwortet auf die jeweiligen Fragen in einer bestimmten Zeit. Im Diskurs mit dem anderen kann ich überhaupt ermessen, was das Evangelium ist und was nicht. Mit Martin Buber gesagt: „Am Du wird das Ich zum Ich”.

Die grundsätzlichen Fragen lautet
Wo erlebt der Nicht-oder Andersglaubende Funken des Göttlichen?

Mission: Schon immer in der Kirche

Mission ist ein originäres Thema und ein Auftrag der Kirche. In der Antike ging die Mission von Jerusalem aus nach Rom. Im Mittelalter dann von Rom aus nach ganz Europa in den germanischen Raum und auch nach Russland, Amerika und Afrika. Es gab einen bestimmten Punkt, von dem aus das Evangelium in die Welt getragen wurde. Heute jedoch ist Europa selbst ein Missionsland. Das ist neu, sagt Hubertus Schönermann.

Verhältnis von Kirche und Welt

Sind Kirche und Welt Gegensätze? Die Kirche ist Teil dieser Welt. Unter dem Stichwort “Heterotopien” lässt sich sagen: Von den anderen Orten her erschließt sich uns, was Gott heute von uns will. Das Zweite Vatikanum sprach von der “Autonomie des Irdischen”. Man können die Spuren Gottes neu in der Welt entdecken. Gott handle auch außerhalb der verfassten Kirche.

Die erste Aufgabe ist das Leben des Evangeliums. Der Apostel Paulus schreibt: “Ich bin nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen.”

Der Modus des Erzählens werde in der Zukunft sehr wichtig werden. Die Frage ist: Wieviel Dialog mit wem brauchen wir, um die Identität des Christlichen klar zu kriegen?

Es müsse nicht – wie früher – nur eine Bewegung nach außen geben, sondern eine zweiseitige Bewegung. Nach innen hin brauche es ein Vertiefen des Glaubens. Man müsse sich gegenseitig den Glauben bezeugen innerhalb der Kirche, dafür gebe es zu wenige Auf der anderen Seite brauche es auch Punkte nach außen, Christen seien gesandt, zu den Menschen hinzugehen und sie einzuladen. Entscheidend sei der Austausch mit Menschen, die nicht Christen sind.

Warum sollen wir das Internet zur Evangelisierung nutzen?

Das Internet ist das zentrale Medium, ein “Kombi-Medium”, das verschiedene Dinge managed, es findet Identitätsmanagement (Facebook) statt, z.B. bei Facebook: Dort könne man sich ausdrücken, so wie man will.
Sozialmanagement: Die Nachricht, die für mich wichtig ist, kommt durch meine Freunde an mich. In der Frage, wie Menschen sich heute selber verstehen, habe das Internet eine große Bedeutung. Das Internet sei zwar „nur“ ein Medium, aber wir hätten immer mediale Vermittlung, auch wir als Personen seien wir Medien.

Das, was wir als glaubende Menschen und Blogger im Internet machen, könnte man vielleicht als  Ehrenamt bezeichnen, es sei ein wichtiger Ausdruck des Laienapostolats. Dies sei nicht nur ein Hobby, sondern damit realisierten wir unser Christsein und Kirchesein. Man müsse dazu im Internet nicht so präsent sein, dass man das ganze Internet abdeckt. Man könne nicht alle Menschen erreichen. Aber man müsse unterwegs sein und Akzente setzen.

Grundhaltungen des Missionarischen könnten unter anderen folgende sein:
Dialog auf Augenhöhe, ein inkarnatorischer Blick (wo lässt Gott sich finden, in der Kirche und in der Welt), Vertrauen in Gott, dass er die Menschen dahinführt, wo er sie haben will (Gelassenheit), Interesse für die Lebenswelten unterschiedlicher Menschen; Konzentration darauf, was im Glauben wirklich ist; ein Blick auf die grundlegenden Themen des Glaubens, nicht alles im Glauben sei gleich wichtig. Eine Priorisierung der verschiedenen Aspekte und Dimensionen sei wichtig.

Doppeltes Sich-Überschreiten
Hubertus Schönermann schloss seinen Impuls mit diesem Zitat von Kardinal Lehmann:
„Die Kirche gerade unseres Raumes, die viele institutionelle Strukturen hat, darf sich auf diesem Weg nie in sich abschließen. Selbstgenügsamkeit ist für die Kirche der größte Sündenfall. Ihr Name sagt schon, dass sie von Gott berufen und herausgerufen ist in die Zerrissenheit der Welt hinein. Sie wird darum immer auch wie in der Fremde leben. Das Zelt Gottes unter den Menschen ist vielleicht ein besseres Bild als der Betonbunker. Darum muss sich Kirche immer wieder von ihren Sendungen her bestimmen lassen. Es gibt kein Wesen der Kirche, also keine Aussage über sie in sich selbst, ohne dass von diesem Gesendet-Werden und Über-sich-Hinausgehen die Rede ist. Die Kirche darf nicht Angst haben, sich selbst zu verlassen oder sich selbst preiszugeben.“

8 thoughts on “Neuevangelisierung – Bloggen als Chance für das Laienapostolat

  1. Wer:
    “Zwei hermeneutische Perspektiven:
    1. Wir (Christen) besitzen das Evangelium und müssen es an andere weitergeben.
    2. Das Evangelium ist nicht etwas, das wir besitzen, sondern etwas, dem wir dienen. Die Frohe Botschaft kontextualisiert sich demnach immer wieder neu.”
    mit
    “Wir besitzen das Evangelium nicht”
    überschreibt,
    der überschreibt auch
    “Es gibt nur a oder b”
    mit
    ” es gibt nur a!”

  2. Gegenfrage: Darf sich die Kirche selbst verlassen und sich selbst preisgeben? Und: Ist der schon ein “Bunkerkatholik”, der sich vor der Selbstpreisgabe der Kirche fürchtet? Die Metapher “Zelt” ist verbunden mit “Gott”, zu Kirche gehört die Metapher”Stadt”. Von Bunker ist nirgendwo die Rede. Was will uns der Kardinal eigentlich sagen?

  3. “Man können die Spuren Gottes neu in der Welt entdecken. Gott handle auch außerhalb der verfassten Kirche.”

    Das stimmt zwar: “Der Geist Gottes weht, wo er will.”
    Und natürlich kann auch ein Nicht-oder Andersglaubende Funken des Göttlichen erleben.

    s. auch II. Vat. Lumen gentium LG 8:
    “…Das schließt nicht aus, daß außerhalb ihres (der Kirche) Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen.”

    Wohlgemerkt:
    “…als der Kirche Christi eigene Gaben (!) auf die katholische Einheit (!) hindrängen.”

  4. Also, ich würde sagen:
    Wir (Christen) besitzen das Evangelium nicht, wir dienen ihm auch nicht, sondern wir sollen es leben.
    Das heißt, wir sollen Christi Boten sein, das Evangelium in die Welt tragen, weitererzählen, aber auch uns selbst immer mehr nach dem Evangelium, nach Gottes Wort ausrichten, seinen Willen tun, uns in Christus umgestalten (= heiligen).

    Dem widerspricht nicht, dass man versucht, die Spuren Gottes im Nächsten auch zu suchen, zu entdecken und nach Möglichkeit zur vollen Einheit mit der Kirche zu führen.

    Deshalb hat Christus die Kirche gestiftet, um die Menschen zu lehren, zu leiten und zu heiligen (s. z. B. Kompendium zum KKK 165,166).
    http://www.vatican.va/archive/compendium_ccc/documents/archive_2005_compendium-ccc_ge.html

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*