Der Koran – ein unerwünschtes und gefährliches Geschenk? (13.04.2012)

Radikale Muslime wollen in Deutschland 25 Millionen Exemplare des Korans verschenken. In jedem deutschen Haushalt soll künftig ein Exemplar stehen. Mit dieser Mischung aus Großzügigkeit und Großspurigkeit sorgt derzeit eine radikale muslimische Minderheit für erstaunliche politische Aufregung.
Verteilt wird eine deutsche Ausgabe des Korans in einer neutralen, nicht fundamentalistischen, unkommentierten Übersetzung. An den Ständen stehen junge, meist bärtige Männer mit weißen T-Shirts, die mit der Aufforderung “Lies!” bedruckt sind. Die Aktion läuft schon seit Oktober vergangenen Jahres, gewinnt derzeit aber verstärkte Medienaufmerksamkeit.

Schon 250.000 Exemplare des Korans sollen auf diese Weise verteilt worden sein. Jeder, der schon einmal an einem Infostand Flugblätter verteilt hat, weiß, dass das nicht so einfach ist. Die vermeintlich hohen Erfolgszahlen sind wohl eher skeptisch zu betrachten. Ein wesentliches Ziel der ambitionierten Aktion ist es offenbar, mit übertriebenen Erfolgszahlen öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Und das ist bisher durchaus gelungen.

Der Rechtsstaat gewährleistet die Religionsfreiheit

Politiker von CDU/CSU, SPD und Grünen, der Zentralrat der Muslime sowie Vertreter der christlichen Kirchen sind besorgt, aber das Verschenken des Korans kann wohl kaum staatlich unterbunden werden, denn die Religionsfreiheit ist in Deutschland ein unschätzbares Gut. Es spricht deshalb zunächst nichts dagegen, dass religiöse Gruppen für ihren Glauben werben. Das geschieht täglich – und es stärkt die Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit in diesem Land, das Christen, Juden und Muslime gleichermaßen als ihre Heimat ansehen.

Tatsächlich geht es den Politikern und Kirchenvertretern auch nicht um den Koran selbst, sondern um die Personen, die ihn verteilen. Sie gehören zur Strömung der sogenannten Salafisten. Die Salafisten sind eine radikale muslimische Minderheit und betrachten nicht nur Christen und Juden als Ungläubige, sondern auch alle anderen Muslime, die diesen Extremismus ablehnen, und das ist die weitaus größere Mehrheit der Muslime wie der deutschen Moscheengemeinden. Sie wollen einen Gottesstaat schaffen, der sich an der islamischen Frühzeit orientiert. So tragen viele Salafisten weite Gewänder und wilde Bärte. Auch gesellschaftlich lehnen sie alles Moderne ab und streben an, dass alle Menschen nach den Gesetzen des islamischen Rechts, der Scharia, leben. Demokratie, Freiheit und die Gleichberechtigung von Mann und Frau werden als „unislamisch“ abgelehnt.

Zwei Strömungen der Salafisten

Die Salafisten werden vom Verfassungsschutz beobachtet, der zwei Strömungen unterscheidet. Die Dschihad-Salafisten wollen ihre Ziele mit Gewalt erreichen. Dagegen setzen die politischen Salafisten auf Propaganda und Missionierung. Die geschätzten fünftausend deutschen Salafisten gelten zwar nicht als gewaltorientiert, allerdings habe ihre Propaganda „radikalisierungsfördernde Wirkung“, so der Verfassungsschutz. Viele islamistische Terroristen, etwa der Serienmörder von Toulouse, Mohammed Merah, hatten zuvor Kontakt zu salafistischen Predigern. In Ägypten konnten sie 20% der Wähler für ihre Partei gewinnen.

Kluges Handeln ist von Nöten, keine Panikmache

Die Aufregung zahlreicher Politiker und Kirchenvertreter ist einerseits verständlich. Die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel, die bislang 300.000 Exemplare des Korans auslieferte, hat erste Konsequenzen gezogen und den weiteren Druck am Donnerstag dieser Woche eingestellt. Grundsätzlich ist es richtig, dass radikale Hassprediger mit allen rechtsstaatlichen und demokratischen Mitteln gestoppt werden müssen. Aber die Politik sollte und darf andererseits auch auf die positive Anziehungskraft einer freien und demokratischen Gesellschaft vertrauen, die dem steinzeitlichen Weltbild einer fundamentalistischen Minderheit in jeder Hinsicht überlegen ist.

Alle, die jetzt laut vor Gefahren warnen, machen damit zugleich beste Werbung für die radikalen Kräfte, die hinter der Aktion stehen und zahlenmäßig eine verschwindende Minderheit darstellen. Panikmache ist die falsche Reaktion, denn fundamentalistische Gruppen wollen oft nur eines, nämlich Aufmerksamkeit. Und die ist ihnen derzeit tatsächlich sicher.

Andrea Kronisch
kath.de
– Redaktion

4 thoughts on “Der Koran – ein unerwünschtes und gefährliches Geschenk? (13.04.2012)

  1. Aufklärung statt Aufregung

    Der Prophet Mohammed machte mit dem Koran den heute für Juden und Christen “ersten” Schöpfungsmythos der Genesis (7-Tage-Schöpfung), der nachträglich im 6. vorchristlichen Jahrhundert von der israelitischen Priesterschaft vor den heute “zweiten” Schöpfungsmythos (Paradiesgeschichte) gesetzt wurde, wieder rückgängig. Mehr steckt nicht dahinter.

    Zwar konnte Mohammed die wirkliche Bedeutung der heute in Genesis 3,1-24 beschriebenen Erbsünde aus eigener Kraft erkennen (Auferstehung), jedoch war er verglichen mit Jesus von Nazareth nur ein ganz kleines Licht, denn er fand nicht heraus, wie diese “Mutter aller Zivilisationsprobleme” zu überwinden ist (Erleuchtung):

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  2. Dank für diesen unaufgeregten Kommentar in diesen (hoffentlich nur von manchen gefühlt) hysterisch-apokalyptischen Zeiten.

  3. Der Koran wird massenhaft verteilt. Was ist, wenn Passanten den Koran annehmen und später zum Altpapier werfen, wie es mit Büchern oft geschieht? Ist das dann wieder Anlass zu Erregung und Racheaufrufen “in der islamischen Welt”? Die evangelische Kirche hat schon davor gewarnt, “diese heiligen Schriften wegzuwerfen. Die Bücher sollten bei muslimischen Gemeinde abgegeben werden.” (MZ 14.4.12) So ganz harmlos wie eine sonstige religiöse Werbung scheint mir das doch nicht zu sein.

  4. Mit dem Ausspruch des Kirchenlehrers Augustinus: Timeo lectorem unius libri (ich fürchte den Leser EINES Buches) wird er wohl an die Bibel gedacht haben. Wer sich ernsthaft mit Religion befasst, muss sich einen Überblick über die Weltreligionen und möglichst auch weitere verschaffen. Das schärft auch das eigene Urteilsvermögen. Glauben ist in erster Linie eine individuelle Angelegenheit und weniger eine oktroyierte.

    Politik und Religion sind seit alters her Methoden, Macht und Einfluss über Mitmenschen zu bekommen: ob zu deren (Gemein-) Wohl oder zum Schaden zugunsten der Mächtigen. Wie sich der einzelne entscheiden will, muss ihm selber überlassen werden. Voraussetzung ist allerdings das Wissen als Grundlage dazu.
    Zu diesem Wissen gehören allerdings auch Informationen wie die angebotenen:

    “Verteilt wird eine deutsche Ausgabe des Korans in einer neutralen, nicht fundamentalistischen, unkommentierten Übersetzung.”

    Sollten Interessierte diese Werke ohne Diskussionen oder Adressangaben ausgehändigt bekommen, so wäre ich persönlich den Kritikern dieser Aktion gegenüber sehr skeptisch.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*