Die neuen Proselyten (27.05.2011)

Sie gibt es in Politik und Kirche – sind sie die Lösung für die Zukunft? 

 

In dieser Woche kündigte die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles an, dass sich ihre Partei für Sympathisanten öffnen will. Im Zuge der Reform der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) sollen zukünftig auch Nichtmitglieder bei der Kandidatenkür für Kanzleramt, Bundestag und Länderparlamente mitbestimmen dürfen. Andrea Nahles sprach sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung für diese Form der Mitsprache in der SPD aus, sagte aber auch, dass die Beteiligung Grenzen haben müsse. So bliebe die Wahl von Parteiämtern, wie beispielsweise des Vorsitzenden, weiterhin den Mitgliedern vorbehalten. Sollten Vorstand und Bezirksvorsitzende diesem Entwurf zustimmen, wäre die SPD die erste so genannte Volkspartei, die Nicht-Mitgliedern weitgehende Mitspracherechte zusichert.

 

Die Proselyten in der griechischen Welt

 

Diese Form der Mitwirkung in einer eigentlich geschlossenen Gruppe ist nicht neu. Sie gab es im Bereich der Religion bereits im Judentum zur Zeit der griechischen Antike. Man bezeichnete sie als Proselyten (aus dem Griechischen: hinzukommen), genauer als die Proselyten des Tores. Mit der Ausbreitung des Judentums in die griechische Welt, z.B. nach Antiochien, wurden auch Nicht-Hebräer auf die Religion aufmerksam. Das Judentum faszinierte die Griechen besonders wegen seines Monotheismus. Wer dem Judentum nähertreten wollte, wurde Proselyt. Er hatte damit bestimmte Rechte, durfte beispielsweise den Vorhof des Tempels betreten (daher auch der Name) und am Passahmahl teilnehmen. Dennoch hatte seine „Mitgliedschaft“ gewisse Grenzen. Er durfte nicht den inneren Teil des Tempels betreten, war aber auch dem Gesetzbuch Moses nicht vollständig unterworfen. Damit  war er aber auch kein Jude im vollen Sinn, wie ein Beschnittener der Abstammung nach.

 

Das Ringen der Volkspartei um Sympathisanten

 

Nun werden die Parteigenossen der SPD wohl kaum diese religiöse Parallele vor Augen gehabt haben, als sie über ihr Reformmodell nachdachten. Es werden vielmehr sehr pragmatische Gründe im Vordergrund gestanden haben: Parteiaustritte, altersbedingter Mitgliederschwund, Politikverdrossenheit. Die SPD kämpft, wie andere Parteien auch, um ihre Position als Volkpartei, die dann ins Wanken gerät, wenn beispielsweise wie in Baden-Württemberg, die Grünen in der Landtagswahl noch vor der SPD liegen. Die SPD muss auf diese Veränderungen reagieren.

Das musste das Judentum im griechischen Umfeld auch. Menschen interessierten sich, konnten aber nicht volles Mitglied werden. Somit wurde eine besondere Form der Zugehörigkeit geschaffen. In die aktuelle politisch-gesellschaftliche Lage hinein betrachtet, gibt es auch Menschen, die sich für Parteien interessieren, sich aber scheuen, voll und ganz „Ja“ zu einer Mitgliedschaft zu sagen. Auf diese Sympathisanten will die SPD nun zugehen, um mehr Stimmen bei den nächsten Wahlen auf sich vereinen zu können. Dieses Ziel wird besonders vor der Hintergrund der Äußerungen von SPD-Chef Sigmar Gabriel am Mittwoch dieser Woche deutlich: Er sprach sich vor Medienvertretern auch für ein Modell aus, in dem Interessierte aus der Linkspartei in der SPD Mitsprache und Anerkennung finden.

 

Parallelen in der pastoralen Arbeit der Pfarrgemeinden

 

Die katholische Kirche steht vor ähnlichen Herausforderungen wie die politischen Parteien. Sie sucht genauso die Antwort auf die Frage: Wie können wir Menschen gewinnen, die sich von unserer Botschaft begeistern lassen und sich aktiv dafür einsetzen? Vor diesem Fragehorizont sehe ich auch die Dialogoffensive der deutschen Bischöfe. Es handelt sich um ein Angebot an Sympathisanten, die in manchen Bereichen kein volles „Ja“ zur Kirche sprechen können.

Ähnliche Phänomene gibt es auch in den Pfarrgemeinden. Man denke nur an die immer geringer werdende Bereitschaft zur Mitarbeit im Pfarrgemeinderat. Die Kandidatensuche im Vorfeld der Wahlen zu diesem kirchlichen Gremium wird auch immer schwieriger. Viele Menschen scheuen sich davor, für vier Jahre ein klares „Ja“ zum kirchlich-ehrenamtlichen Mitarbeiten zu sprechen. Sie helfen beispielsweise lieber mal beim Pfarrfest mit, gehen dann beim Kindergartenfest aber den Verpflichtungen in der Familie nach. Sie sind Sympathisanten der pastoralen Arbeit in den Gemeinden und als solche auch unverzichtbar. Dennoch sehnen sich viele Hauptamtliche in der Pastoral um ein Mehr an Mitwirkung.

 

Die Proselyten waren von der Botschaft fasziniert

 

Bei den vielen Parallelen, die eben im Bereich von Kirche und Politik gezogen wurden, gibt es einen entscheidenden Unterschied. Die Proselyten der griechischsprachigen Welt waren von der Botschaft des Judentums und später des Christentums angezogen. Sie kamen auf die Gruppe zu, nicht die Gruppe auf sie.

 

Diese entscheidende Bewegung des Sympathisanten auf die Gruppe hin muss auch in der aktuellen Lage erhalten bleiben, wenn sie für die Zukunft tragfähig sein soll. Menschen müssen im kirchlichen Leben von der Botschaft Jesu Christi fasziniert sein. Nur so werden sie zu Sympathisanten, zu den wahrhaft neuen Proselyten. Und nur so überwinden sie Zweifel, Ängste und Ablehnungen hin zu einer vollen Mitgliedschaft – einem ganzen „Ja“ zur Kirche und ihrer Botschaft von Jesus Christus. Die Gruppe muss ihnen dann natürlich auch die Möglichkeit zur vollen Mitgliedschaft einräumen, was die Christen in der griechischen Antike auch taten. So wurde die junge Kirche für Griechen noch attraktiver als der jüdische Glaube. Das Ziel bleibt die volle Mitgliedschaft, in der Kirche wie auch in der Politik.

 

Das zu erreichen ist schwer, kann aber funktionieren. Im kirchlichen Bereich wird es zum Beispiel sichtbar, wenn die Gruppe der Mitwirkenden bei einem Pfarrfest eine tolle Gemeinschaft ist – im Glauben und im Leben. Wenn sich ein neuer Mitarbeiter dort wohl fühlt und spürt, dass er nicht „verbraucht“, sondern durch den christlichen Geist aufgebaut wird. Wenn diese Wirkung eintritt, ist es nämlich egal, ob das Pfarrfest ein Erfolg war oder nicht. Jener Neue ist Mitarbeiter am Reich Gottes geworden und das zählt. Vielleicht vergessen wir bei allen Gremien und ehrenamtlich arbeitenden Kreisen diese Wirkung. Es braucht auch eine Stärkung dieser Kreise im Geistlichen wie im Geselligen. Nur dann werden aus Proselyten auch neue Christen im vollen Sinn. Denn schließlich kann eine missionarisch-pastorale wie auch politische Arbeit nur erfolgreich funktionieren, wenn es wirklich überzeugte Menschen und Mitglieder gibt, die die Botschaft auch glaubwürdig mit ganzem Herzen vertreten.

 

Sebastian Pilz

kath.de – Redaktion

 

 

Anmerkung: Die hier verwendete Erklärung des Wortes Proselyt darf nicht mit der Erklärung von Proselytismus verwechselt werden. Proselytismus meint nämlich das konkrete Abwerben von Mitgliedern einer Religion zu einer anderen. Papst Benedikt XVI. distanzierte sich 2007 auf der Bischofsvollversammlung in Aparecida (Brasilien) ausdrücklich vom Proselytismus.

 

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Das Kreuz mit dem Dialog (20.05.2011)

Das Lehramt im Konflikt mit der Praxis

 

Hans Maier durfte aus seinen Memoiren „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ nicht im Regensburger Diözesanmuseum vorlesen. Er mußte dazu in das Regensburger Kulturzentrum „Leerer Beutel“ umziehen, da ihm der Auftritt in kircheneignen Räumen des Bistums Regensburg untersagt wurde. Als Begründung wird festgestellt, Prof. Maier streite „in seinem Buch für ein Schwangerenberatungssystem, dem in den letzten beiden Jahrzehnten laut Statistischem Bundesamt fast jedes fünfte Kind eines Jahrganges zum Opfer fiel.“

 

Wenn dem so wäre, könnte man Bischof Müller verstehen. Ist es aber nicht vielmehr so, dass in kirchlichen Einrichtungen jahrelang Schwangerschaftskonfliktberatungen durchgeführt wurden und dass sich Papst Johannes Paul II. die Entscheidung nicht leicht machte, den deutschen Bischöfen zu verordnen, aus dem staatlichen Beratungssystem auszusteigen? Wer deshalb behauptet, die Kirche habe aktiv die Abtreibung unterstützt, der verkennt die Absichten und verdreht die Fakten.

Haben nicht viele Bischöfe diesen Schritt damals nur getan, weil es die kirchliche Disziplin erforderte und hat nicht der damalige Bischof Franz Kamphaus aus Limburg bis zuletzt daraus keinen Hehl gemacht, dass er die Entscheidung des Papstes auch nach reiflicher Gewissenprüfung nicht teilen kann? Und der Papst hat ihn deshalb weder „rausgeschmissen“, noch hat er seine grundsätzliche Loyalität in Frage gestellt.

 

Man mag in der Frage über Ausstieg oder Verbleib im staatlichen Beratungssystem der einen oder der anderen Meinung sein, die Ausladung von Hans Maier aus kirchlichen Räumen ist eine Botschaft. Bischof Müller möchte sie wohl als eindeutige Ablehnung der Abtreibung verstanden wissen. In Wirklichkeit aber ist die Botschaft eine andere. Denn Hans Maier wird von kaum jemandem in dieser Welt als Abtreibungsbefürworter betrachtet. Vielmehr ist es eine nicht zu bestreitende Tatsache, dass er ausspricht, was die Mehrheit der Katholiken in Deutschland denkt. Das ist kein Indiz für richtig oder falsch, aber es ist ein Fakt mit einer Bedeutung: Hier zeigt sich Gesprächsbedarf.

 

Die Ausladung vermittelt leicht die Botschaft, dass sachliche Auseinandersetzungen in kirchlichen Räumen nicht möglich sind, auch wenn sie von vielen Katholiken gewünscht und für die öffentliche Diskussion von großer Bedeutung wären. Die Ausladung ist ein Zeichen der Macht und eine Kapitulation vor der sachlichen Auseinandersetzung.  Dies wiegt schwer vor dem Hintergrund, dass die katholischen Bischöfe Vertrauen wiedergewinnen wollen und mit einem Gesprächsangebot aufwarten, das vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz Robert Zollitsch ursprünglich als Dialogangebot vorgeschlagen wurde. Ein Gespräch aber, das um des Vertrauenserwerbs willen geführt wird, setzt bei den Gesprächspartnern gewisse Tugenden voraus, deren erste ist, dem Gesprächspartner zuhören und sein Anliegen begreifen zu wollen.

 

Das Gelingen einen Gesprächs, noch weniger gar eines Dialoges, ist durchaus nicht selbstredend gegeben. Die christliche Sichtweise auf den Dialog ist aber bereits lehramtlich und von Päpsten formuliert. So kann man lehramtlichen und anderen kirchlichen Texten entnehmen, dass ein Streitgespräch nicht so verwerflich ist, wie es einem der vorliegende Rausschmiß nahelegen mag. Bei Papst Paul VI. ist nachzulesen:

„Im Dialog entdeckt man, wie verschieden die Wege sind, die zum Licht des Glaubens führen, und wie es möglich ist, sie alle auf dasselbe Ziel hinzulenken. Die Dialektik dieses Denkens und dieser Geduld lässt uns auch in den Meinungen der anderen Wahrheitselemente entdecken.“

 

Oder in dem kirchlichen Dokument über die Medien „Communio et Progressio“ ist über Meinungsdifferenzen nachzulesen:

„Die Äußerung und der Kampf der verschiedenen Meinungen in der Öffentlichkeit greifen tief in das Leben der Gesellschaft ein, bereichern es und beschleunigen ihren Fortschritt.“

 

Zu guter Letzt könnte man sich an die Einleitung des Jesus-Buches von Papst Benedikt erinnern. Er sagt: „Gewiß brauche ich nicht eigens zu sagen, dass dieses Buch in keiner Weise ein  lehramtlicher Akt ist, sondern einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens (….). Es steht daher jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuß an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.“

 

So bleibt am Schluß die Frage: Dürfen auch engagierte Katholiken, die versuchen, christliche Werte in ihrem Lebenskontext zu verwirklichen, von den Bischöfen jenen Vorschuß an Sympathie erbitten, ohne den es kein Verstehen gibt? Und dürfen sie irgendwo in kirchlichen Räumen darum werben? Den päpstlichen Segen dazu dürfte man wohl voraussetzen, den bischöflichen nicht in jedem Fall.

 

Theo Hipp

kath.de-Redaktion

 

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„Von nun an werdet ihr Müll-Fischer sein…“ (13.05.2011)

Umweltpolitik auf europäisch: Zwischen Kosmetik und Geniestreich

Arbeitslose Fischer sollen künftig Müll aus den Meeren fischen, findet die EU. Und möchte damit gleich drei Probleme auf einmal beheben: die Arbeitslosigkeit der Fischer, die Überfischung geschützter Arten und natürlich die Vermüllung der Meere, an der die Öffentlichkeit ja schon lange immer wieder einmal empört Anstoß nimmt.

Drei auf einen Streich

Also das große Reinemachen in Europapolitik-Manier? Wenn es nach der griechischen EU-Kommissarin für Fischereiwesen, Maria Damanaki, geht, schon: Ein Pilotprojekt startet bereits am 20. Mai an Frankreichs Côte d’Azur. Wen wundert die Wahl des Ortes? Wo sich ausgerechnet hier sicherlich kein Urlauber die Traumkulisse durch unerfreulichen Müll wird trüben lassen wollen.

Doch nicht nur die französischen Küsten, auch Belgien und Spanien (vom außereuropäischen Raum ganz zu schweigen) sind massiv von angeschwemmtem Müll betroffen. Die Fischer sollen Abhilfe schaffen – und dafür selbstredend fair entlohnt werden. Die Bezahlung richtet sich nach dem Gewicht des abgefischten Mülls. Man orientiert sich am Tonnenpreis, der Fischern in Frankreich bislang für „ihren“ Müll – ehemals eher unliebsames Beiwerk im Netz – mit 375 Euro bezahlt worden ist.

Arbeit bedeutet Identität

Eine kritische Anfrage muss an dieser Stelle erlaubt sein und kommt in erster Linie von den Betroffenen, den Reedern und Fischern, selbst. So betont der Reedereiverband Galiciens, dass es – wenn überhaupt – nur eine zusätzliche Aufgabe sein kann, Müll zu fischen, nicht aber die eigentliche Tätigkeit eines Fischers.

Das Veto ist verständlich: Müllfang statt Fischfang bedeutet eine Herabwürdigung des Fischerberufs, der – wie jeder andere Beruf auch – das Selbstbild des Arbeitnehmers maßgeblich mitbestimmt. Die Bibel bringt in Psalm 104, 23 zum Ausdruck, wie der Mensch durch seine Arbeit sich selbst bestimmt: „Dann aber steht der Mensch auf und geht an seine Arbeit, er hat zu tun, bis es wieder Abend wird.“ Deswegen fragt der spanische Fischer Julio Alonso zu Recht: „Nun sollen wir Müll einsammeln, hält man uns für verrückt?“ Nicht nur, überhaupt Arbeit zu haben, hebt das Selbst. Auch die Qualität der Arbeit entscheidet darüber, wie ich mich wahrnehme. Und über meine Arbeitsethik.

Bloße Kosmetik

In zweiter Instanz ist zu fragen, was uns der Vorstoß der EU in Sachen Umweltpolitik lehrt. Ohne Frage stellt sich das Problem der Müllbeseitigung. Nur würde man sich wünschen, dass die Lösung nicht in einer rein kosmetischen Maßnahme versucht, sondern durch eine Wurzelbehandlung unternommen wird. Ursachenbekämpfung und das Ringen um nachhaltige Konzepte müssen das ökologische Bewusstsein der Europapolitik prägen.

Darauf verweist schon der Schöpfungsauftrag im Buch Genesis: „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ (1. Mose 2, 15) Wie aber soll die Bewahrung der Schöpfung gelingen, wenn schon im vermeintlich Kleinen nicht an die eigentlichen Ursachen der Umweltkrise herangetreten wird? Eine Grundsatzentscheidung steht an. Drücken wir uns davor, den Zusammenhängen auf den Grund zu gehen oder legen wir tatsächlich den Finger in die Wunde der geschundenen Schöpfung und stellen uns der eigenen Verantwortung?

Schadensbekämpfung statt Schadensbegrenzung

Ja, es ist gut, Arbeitslosen zu einer Arbeit zu verhelfen. Und auch daran, Müll aus dem Meer zu entfernen, wird per se niemand einen Makel finden. Nur drängt sich doch unüberhörbar die Frage danach auf, wo der Müll denn eigentlich herkommt. Und diese Frage verlangt eine Antwort, die bei unseren Konsumgewohnheiten ansetzt und mitten hinein ins Thema Müllbeseitigung führt.

Diese Konsequenzen fordert die große spanische Tageszeitung El País nicht, wenn sie die Initiative der EU diese Woche als glanzvolle Anti-Müll-Kampagne und Geniestreich zur Arbeitsbeschaffung preist – mit dem willkommenen Nebeneffekt der Rettung gefährdeter Arten. Denn Fischer, die vorrangig Müll fischen, fischen nicht mehr Fische als erlaubt.

Anstelle einer Verkettung gedanklicher Kurzschlüsse wünschte man sich hier offensive Forderungen nach umfassenderen ökologischen Zielsetzungen auf EU-Ebene – und für die Diskussion ganz allgemein mehr Aufrichtigkeit. Der Fall der Müllfischer besitzt dabei exemplarisches Gewicht: Stellenweise neigt die EU-Politik dazu, nationale Politikfehler kompensieren zu wollen – und verliert sich dabei in realitätsferner Flickschusterei. Das gilt überall dort, wo sie den Weg der Bürokratie wählt statt den Menschen sachkundig in den Blick zu nehmen.

Ob Mammut-Projekt Atomausstieg 2021 oder Vermüllung des Lebensraumes Meer: Wenn wir unsere Umwelt als uns überantwortete Schöpfung begreifen, reicht Schadensbegrenzung nicht aus. Was wir brauchen ist eine entschlossene Bekämpfung der Schadensursachen.

Veronica Pohl

kath.de-Redaktion

 

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