Nicht nur der Fußball mit seinen Kämpfen erobert die Fernsehschirme, sondern auch das Mysterium der Hochzeit. Das kann England am besten inszenieren. Früher hatte das sogar eine politische Bedeutung, denn durch Heiraten wurden politische Bündnisse geschlossen. Da es politisch nicht mehr von Bedeutung ist, ob der englische Thronfolger eine Spanierin heiratet oder die zukünftige Königin einen deutschen Prinzen, kann man sich ganz der Symbolik widmen. Das englische Paar bringt die Ehe wieder ins Gespräch, Zeitschriften und Radioprogramme widmen dem Thema Beiträge.
Es wird deutlich, dass die Hochzeit nicht nur ein Vertrag zur gegenseitigen Unterstützung und Kooperation bei der Aufzucht von Kindern ist, sondern etwas Geheimnisvolles hat. Zumindest ist die menschliche Natur so angelegt, dass für beide Partner die Intuition zur Sicherheit wird: Er bzw. sie „ist es“. Das ist schon erstaunlich, denn wie viele junge Frauen hätten nicht ein Angebot des englischen Thronfolgers angenommen, ob aus Liebe oder weil sie von der Ehre überwältigt worden wären. Aber es ist nicht irgendeine, sondern nur diese, Kate Middleton.
Aber die Hochzeit ist noch mehr, nämlich eine Familienzusammenführung. Ein Mädchen, das der Enkel irgendwie kennenglernt hat, wird jetzt vom Vater zur Schwiegertochter adoptiert und damit auch von der Königin in die Familie aufgenommen. Sie ist nicht mehr bloß Freundin des Sohnes, auch nicht mehr Verlobte, sondern wird zur Tochter. Das ist gerade in einem Königshaus notwendig, trifft aber auf jede Familie zu. Die jetzt als Schwiegertochter sozusagen Adoptierte soll den Thronfolger zur Welt bringen. Damit wird die ganze Familie Middleton zu Verwandten der Königin und umgekehrt auch.
Die Erhebung zur Ehre der Altäre
In London wurde am Freitag rituell vollzogen, was vorher schon alles vereinbart war. Nicht anders in Rom. Hier wird feierlich vollzogen, was im Seligsprechungsverfahren für Johannes Paul II. sorgfältig abgewogen wurde. Allerdings war die Heiligsprechung eigentlich schon bei den Trauerfeierlichkeiten vollzogen, die Vielen, die nach Rom gekommen waren, hätten der frühen Kirche genügt, dass dieser Mensch im Rufe der Heiligkeit gestorben sein und daher gleich heiliggesprochen werden musste.
Im Rückblick auf die Trauerfeier im Jahr 2004 wird dann auch offensichtlich, dass das Heiligsprechungsverfahren überarbeitet werden muss. Denn als letzter Erweis der Heiligkeit gilt ein Wunder, worunter man eine Krankenheilung versteht. Aber die Leute sind damals nicht nach Rom geströmt, weil der Papst wie Pater Pio Wunder an Leib und Seele wirkte, seine Wunderkraft lag vielmehr auf der politischen Ebene. Er hat allein durch seine Predigten wesentlich dazu beigetragen, dass der Kommunismus zuerst in Polen zusammenbrach. Auch der Diktator Duvalier in Haiti wurde nach seinem Besuch dort gestürzt. Es waren auch nicht allein die Polen, die das so gesehen haben.
Nun ist es gut, dass der Vatikan nicht immer gleich reagiert, so wie wir das inzwischen von der Politik gewohnt sind. Aber trotzdem verstellt es die spirituelle Kraft des verstorbenen Papstes, wenn man auf dem Erweis einer Krankenheilung besteht. Menschen aus einer Diktatur herauszuführen, war schon der Auftrag an Moses gewesen. Dass auf sein Geheiß der Wind das Rote Meer zur Seite blies, damit die Israeliten hindurchziehen konnten, das hat Johannes Paul II. nicht durch seinen Stab, sondern durch seine Worte erreicht.
Trotz dieser Einführung des Seligsprechungsverfahrens wird der Ritus in Rom Ähnliches bewirken wie der in London: Werte werden überzeugend dargestellt.
Weil die Politik das nicht mehr kann, entdecken die Menschen die Kraft der Riten neu.
Eckhard Bieger S.J.
kath.de-Redaktion
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