Revolutionär auf der Basis des Internets (25.02.2011)

Was jenseits des Internets notwendig ist: Der Aufbau politischer Strukturen muss folgen

Seit über einem Monat sind die nordafrikanischen Staaten von den größten Unruhen ihrer jüngeren Geschichte erfasst. In der vergangenen Woche eskalierte die Gewalt in Libyen, weil Staatschef Muammar Gaddafi mit Waffen gegen die Demonstranten vorging. Nach dem erfolgreichen Umsturz in Tunesien ist Husni Mubarak in Ägypten auf Druck des Volkes zurückgetreten. In Bachrain, Iran, Jemen, Algerien, Marokko, Jordanien, Syrien und Palästina gehen die Menschen für die Demokratisierung ihres Landes auf die Straßen.

 

Vernetzt mit einer weltweiten Öffentlichkeit

Die sozialen Netze spielen eine wichtige Rolle, welchen Einfluss sie bei diesen Revolutionen sie genau haben, ist schwerer einzuschätzen. Von den beispielsweise 600 Millionen Facebook-Nutzern weltweit leben die meisten in den USA, gefolgt von Indonesien, Großbritannien und der Türkei. Die arabischen Staaten machen nur einen geringen Prozentsatz der Nutzer aus. In welchem Ausmaß Facebook und Co. die politischen Ereignisse auch immer bestimmt haben mögen, so bleibt dennoch festzuhalten: Die mediale Vernetzung der Menschen half ihnen bei Organisation und Durchführung von  Demonstrationen und Protestmärschen. Sie nutzen die neuen Verbindungswege dazu, den politischen Widerstand zu organisieren. Als Beweis für die Bedeutung dieser Netzwerke kann die Namensgebung eines Kindes in Ägypten gelten. Dort nannten die Eltern ihr Kind „Facebook“, aus Dank für die geglückte Revolution mit Hilfe der neuen Medien.

 

Das Internet half aber nicht nur bei der Organisation. Es war und ist auch das Medium der Veröffentlichung. Bewegte Bilder von Opfern der Zusammenstöße erreichen uns weniger übe di Nachrichtenagenturen als über das Internet. Demonstranten filmen mit ihren Handykameras die Ereignisse und ersetzen so die Korrespondentenberichte, weil die ausländischen Journalisten behindert werden. Die zurrst für Internetplattformen aufgenommenen Bilder werden mittlerweile schon in der ARD, dem öffentlich-rechtlichen Sender mit dem größten deutschen Korrespondentennetz, ausgestrahlt. Gäbe es das Internet mit seinen sozialen Netzwerken nicht, hätten wir keine Bilder aus den betroffenen Regionen. Die beste staatliche Zensur kann nicht mehr verhindern, dass Bilder vom grausamen Vorgehen gegen Demonstranten in die weltweite Öffentlichkeit gelangen.

 

Sozial: Virtuell Bekannte sind sich in der Wirklichkeit oft unbekannt

Die sozialen Netzwerke verbinden Menschen. Sie helfen Berührungsängste abzubauen, sich einander vorzustellen und Gleichgesinnte mittels virtueller Gruppen zu finden. Dabei besteht aber die Gefahr, dass jeder Nutzer nur auf die Beliebtheit in einer ihm in Wirklichkeit unbekannten Öffentlichkeit zielt und deshalb beispielsweise in Facebook auf möglichst einfache Aussagen reduziert wird, so Zadie Smith  dargestellt von Eckhard Bieger.

Diese Reduktion schafft eine Oberflächlichkeit, die bei einem Treffen in Wirklichkeit den virtuell Bekannten zum Unbekannten werden lässt. Für eine zeitlich begrenzte, kurze Zeit mag eine Aktion mit einem virtuell bekannten Freund reizvoll sein und funktionieren. Als Beispiel kann das bereits seit einigen Jahren existierende Phänomen der Flashmobs gelten, bei dem sich meist via Internet Menschen an einem Ort zu einer bestimmten Zeit zu einer vorher vereinbarten Aktion treffen. Die Aktion beginnt spontan und wird für die Öffentlichkeit im Internet mit vielen Handykameras festgehalten. Die Beispiele solcher Aktionen reichen vom Chorgesang, über Tanzeinlagen auf Bahnhöfen bis hin zur Kissenschlacht vor dem Kölner Dom. Diese Flashmobs funktionieren, weil durch mediale Vernetzung sich Menschen mit gleichem Interesse treffen. Dazu ist es völlig unnötig, dass sie die Aktion für ein längerfristiges Ziel absprechen. Im Gegenteil: der Überraschungseffekt und das Außergewöhnliche ist der eigentliche Motor zum Handeln.

 

Revolutionär? – Mediale Vernetzung ist nicht automatisch politische Organisation

Dieses Phänomen lässt sich auch auf die Ereignisse in der arabischen Welt übertragen. Auch dort verabreden sich Menschen zu einer bestimmten Zeit an einem Ort zu einer vorher im Internet vereinbarten Demonstration, die zugleich mit Handys gefilmt und ins Internet gestellt wird. Der Staatsapparat ist überrascht von solchem Protest und kann lediglich im Nachhinein versuchen, die Drahtzieher zu finden.

Ähnlich wie beim Flashmob mag die Demonstration – auch wenn sie mehrere Tage und Nächte anhält – in einem zeitlich begrenzten Rahmen glücken. Aber eine politische Neuorganisation kann diese, durch virtuelle Vernetzung entstandene Situation nicht schaffen. Denn zum politischen Neuanfang braucht es wirkliche Gespräche von politisch engagierten Menschen. Deren Erfolge werden nicht anhand der Beliebtheitsskala sozialer Netzwerke bestimmt, sondern anhand der politischen Durchsetzungsfähigkeit in der Wirklichkeit.

Genau daran scheitert derzeit der politische Neuanfang in der arabischen Welt. Aus der virtuell vernetzten Masse, die den „Flashmob des politischen Umschwungs“ erwirkt hat, entsteht noch keine politische Organisation (Parteien, etc.), weil sich die Masse in Wirklichkeit unbekannt ist und es nur wenige politisch charismatische Persönlichkeiten gibt. So wie nach einem gewöhnlichen Flashmob alle wieder ihren gewohnten Beschäftigungen nachgehen, scheint die Lage sich zu beruhigen, ohne dass beispielsweise in Tunesien eine zukünftig tragfähige politische Alternative in Sicht wäre.

 

Der Wende in der DDR gingen intensive Gespräche voraus

Was es braucht, sind intensive Gespräche der Demonstranten untereinander, so dass Parteien und politische Positionen entstehen. Als Beispiel kann die friedliche Revolution in der DDR im Sommer 1989 gelten. Damals waren die sozialen Netzwerke die Kirchen, in denen sich die Menschen mit gleichen Interessen trafen, beteten und sich intensiv über die politische Zukunft des Landes austauschten. Der Unterschied zu den heutigen sozialen Netzwerken war aber, dass sich die Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenüber traten. Nur so war der Protest des Volkes nicht reiner Aktionismus, sondern ging mit einer breiten politischen Meinungsbildung einher. Politische Führungspersönlichkeiten bildeten sich heraus und diese waren eben die in Wirklichkeit Bekannten und Prägenden, nicht die nur virtuell Beliebten. Wollen die Revolutionen in der arabischen Welt erfolgreich seien, braucht es reale Gespräche um die politische Zukunft.

 

Sebastian Pilz

kath.de-Redaktion

Schmutzkampagne oder berechtigter Vorwurf? (18.02.2011)

Zur Debatte um den Plagiatsverdacht gegen Bundesverteidigungsminister Guttenberg

Selten ist einem Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik wohl in so kurzer Zeit so viel öffentliche Anerkennung zuteil geworden, wie Karl-Theodor zu Guttenberg. Trotz seiner erst 39 Jahre wird der mediengewandte Freiherr aus Oberfranken bisher regelmäßig als Nachfolger Angela Merkels im Kanzleramt gehandelt. Und nicht nur in der Boulevardpresse wurden er und seine Frau Stephanie – zumindest bis Mitte dieser Woche – uneingeschränkt bejubelt. Der CSU-Politiker hat im Laufe seiner Amtszeiten als Wirtschafts- und derzeit als Verteidigungsminister schon oft, zumindest äußerlich, eine gute Figur abgegeben – über die Erfolge seines politischen Agierens wird indes immer wieder kontrovers diskutiert. Eine Diskrepanz, die selbst Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jüngst veranlasste, das „Phänomen Guttenberg“ mit dem medialen „Zirkus“ um die Eurovision-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut zu vergleichen.

 

Tatsächlich bedient Guttenberg die Sehnsucht einer im Grunde am Gemeinwesen nur noch oberflächlich interessierten Gesellschaft, indem er sich als politischer Anti-Politiker in Szene setzt: Als tatkräftiger Macher, der sich nicht scheut, unangenehme Wahrheiten auszusprechen, und handelt, während andere noch reden. Dieses Bild von Politik hat jedoch mit der Wirklichkeit in hochkomplexen Gesellschaften oft wenig zu tun. Was mitunter als end- und sinnloses Diskutieren wahrgenommen wird, dient doch dem Ausgleich berechtigter Interessen. Und wenn jemand den berühmten symbolischen gordischen Knoten durchschlägt, geht dabei meist auch Einiges kaputt.

 

Viel Stil, stets eloquent und gut gekämmt: Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Meister der Symbole, vielleicht der Prototyp des Medienpolitikers unserer Zeit. Aber wer Erwartungen weckt, die niemand erfüllen kann, dem werden sie irgendwann zum Verhängnis. Schon der Umgang des Ministers mit dem blutigen Luftangriff im afghanischen Kundus und der Affäre um das Segelschulschiff Gorch Fock ließen in den Medien den Verdacht aufkommen, Guttenberg gehe es vor allem darum, ohne Rücksicht auf Verluste andere Personen verantwortlich zu machen und dies gleichzeitig für sich als Verantwortung zu deklarieren, um selbst gut da zu stehen.

 

Das allerdings wird ihm angesichts der in dieser Woche bekannt gewordenen Vorwürfe, er habe Teile seiner juristischen Promotion abgeschrieben, kaum gelingen. Über die wissenschaftlichen Konsequenzen entscheidet die zuständige Universität Bayreuth. Auch wenn es sich derzeit „nur“ um einen  Plagiatsvorwurf handelt und bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung gilt – Anlass zur Gelassenheit besteht keineswegs. Mehrere Textausschnitte der Dissertation sind teils wortwörtlich übernommen, teils leicht abgewandelt. Doch eines fehlt immer: Die Kennzeichnung als Zitat. Der Umstand, dass bereits die Einleitung der Promotionsarbeit bis in den Wortlaut hinein verblüffende Parallelen zu einem 13 Jahre alten Zeitungsartikel aufweist, ist erklärungsbedürftig.

 

Der Wunsch nach Aufklärung ist kein Wühlen in der Privatsphäre. Und auch kein gezielter politischer Angriff auf den Bundesminister. Eine Dissertation ist eine öffentliche Sache und muss öffentlich verteidigt werden.  Die Bundesregierung, der Guttenberg angehört, hat Bildung zum zentralen Politikfeld ausgerufen. Die Einhaltung der strengen Regeln auf diesem Gebiet ist eine Voraussetzung dafür, dass Deutschland in Forschung und Wissenschaft an der Weltspitze mithalten kann. Der Wunsch nach Klarheit richtet sich nicht zuletzt an die betreuende Universität. Sie hat die Doktorarbeit mit der Bestnote “summa cum laude” bewertet. Eine solche Einstufung erfordert die Einhaltung nicht nur der wissenschaftlichen Regeln, sondern auch der guten wissenschaftlichen Sitten.

 

Dreistes Abschreiben in einer Doktorarbeit ist schon mutig – und auch dumm. Eine Verzweiflungstat, vielleicht dem Zeitdruck geschuldet, aber dennoch nicht damit zu entschuldigen. Mit dieser Aktion erntet Guttenberg vielleicht die Zuneigung einiger weniger Studenten, die in Zeiten von Internet und Prüfungsstress in den neuen Studienstrukturen vor der gleichen Möglichkeit stehen, es dann aber doch meist bleiben lassen. Formal wird Guttenberg möglicherweise seinen Titel verlieren. Dass aber diese allemal unlautere Aktion, selbst wenn sie sich nur als schlampiges wissenschaftliches Arbeiten erweist, überhaupt „aufgeflogen“ zu sein scheint, bringt Guttenberg – völlig unabhängig vom Ausgang der Untersuchung – schon jetzt vor allem nur Eines ein: Spott und Hohn.

 

Politisch ist der Schaden für Guttenberg, der nunmehr in den Medien schon als „Selbstverteidigungsminister“ tituliert wird, erheblich. Denn gelitten hat sein größtes Kapital – sein Image als Vorzeigepolitiker und politischer Messias. Er selber hat dafür gesorgt, dass er nicht als ein Mensch wie jeder andere wahrgenommen wird. Guttenberg ist bisher der Politiker, der sich in Stil und Substanz von so vielen Anderen unterscheidet. Sein Nimbus beruht darauf, dass Viele glauben, er lasse in keiner Angelegenheit fünfe gerade sein. Er sei in Amt und Alltag ehrlich und aufrichtig. Er habe Anstand selbst in den kleinsten Dingen. Fakt aber ist auch: Wer Vorbild sein möchte, unterliegt strengeren Maßstäben, als Andere.

 

Den Anspruch, dass man im Leben ohne Regelverletzungen Erfolg haben kann – diesen von ihm geweckten Anspruch, möge Guttenberg nun mit Blick auf seinen akademischen Grad einlösen.

 

Andrea Kronisch

kath.de – Redaktion

Dialog – oder Babylonische Sprachverwirrung? (11.02.2011)

Über Glaubensschwund und Strukturen der katholischen Kirche

„Es war, als sei der ganze Ort ein Friedhof. Dieser Sonntagmorgen, an dem keine Kirchenglocken zu hören waren und kein Gottesdienst war, das war schrecklich.“ Der Schrecken und die Wut standen der Neunzigjährigen in den Augen. Nicht die Nazis, nicht der Zweite Weltkrieg und keine andere Widrigkeit hatten dies vermocht. Seit Jahrhunderten findet in der Pfarrkirche einer Gemeinde mit etwa viertausend Katholiken am Sonntag ein Gottesdienst statt, der von über 15% der Gemeindemitglieder besucht wurde. Jetzt haben Priestermangel und Pfarrerwechsel dazu geführt, dass diese Tradition unterbrochen wurde. Eine solche Erfahrung ist traumatisch und hat wenig mit dörflichem Nationalismus zu tun, sie darf getrost als Seelsorgenotstand bezeichnet werden.

 

Wenn praktizierende Katholiken, die auch Politiker sind, aus eigener Erfahrung überzeugt sind, dass ein sonntäglicher Gottesdienst für eine Dorf- oder Stadtgemeinde eine inspirierende und integrierende Funktion hat und der seelischen Gesundheit der Gemeindemitglieder zuträglich ist, dann müssen sie diese Notsituation zum Thema zu machen, wenn die Bischöfe zum Gespräch einladen. Es lag nahe, einen Vorschlag aufgreifen, den unter anderem Walter Kasper und Josef Ratzinger vor vierzig Jahren formulierten: bewährte Laien zu Priestern zu weihen. Damit aber war eine Themenfalle gesetzt: Der Zölibat.

 

Die Reaktion von Kardinal Brandmüller ließ nicht lange auf sich warten. Zölibat ist Kirchensache und Politiker haben sich nicht in Innerkirchliches einzumischen. Taufe, Firmung und praktizierter Glaube sind für ihn scheinbar keine Gründe, sich persönlich von kirchlichen Angelegenheiten betroffen zu fühlen. Über den Zölibat dürfen nach Kardinal Brandmüller offensichtlich nur betroffene Kleriker reden.

 

Der Spiegel für den Zölibat

Doch daran halten sich Journalisten bekanntlich nicht. Das führte dazu, daß es viel rhetorischen Rückenwind für den Zölibat gab, so viel wie selten in der Öffentlichkeit – schon gar nicht bei Spiegel Online.

Der zölibatäre Priester verkörpere das monastische Leben mitten unter den Menschen. Er sei die auratische Figur, die – wenn der Zölibat gelinge – die Vollständige Hingabe an Gott und an die Gemeinde vorlebe. Er kennt die Welt und ist lebensklug. … Der zölibatäre Priester lebt im Angesicht des Heiligen. Er ist nicht der Kumpel, den man in der Kneipe trifft. Er ist die auratische Respektsperson, der man aus einer Andachtsdistanz heraus begegnet.

Kein Theologe hätte sich getraut, solche Lobeshymnen auf „den zölibatären Priester“ zu texten. Schließlich müsste er sich der unbequemen Frage stellen, auf welchem theologischen Erkenntnisweg er zu derart erlesenen Aussagen komme. Journalisten haben es leichter. Dank Matthias Matussek wissen wir, welche Wünsche lebendig sind und wie die Dinge idealerweise wären – wenn sie gelingen, wie der Autor ergänzend bemerkt.

 

So viel auratisches Potential vermögen kritische Professoren nicht zu entdecken. Aber sie sehen sich auch in der „Verantwortung zu einem echten Neuanfang“ beizutragen.

Mit unübersehbarer Torschlußpanik will eine stattliche Anzahl „die vielleicht letze Chance“ ergreifen und sieht sich gerufen, die  – so muss man annehmen – Hoffnung als christliche Urtugend zu retten, weil wohl sonst die „letzte Hoffnung“ in „Grabesruhe“ versänke. In doziler Manier wird kundgetan, was und wie zu reformieren sei.

 

Von diesen Forderungen der Professoren aber sehen die Unterzeichner der „Petition pro Ecclesia“ auf die Kirche „großen Schaden“ zukommen. Sie stellen deshalb Bedarf fest, sich stärkend an „die Seite der Bischöfe“ zu stellen und die Einheit mit dem Heiligen Vater eigens zu betonen. Abschließend bringen sie nochmals ihre „Sorge“ zum Ausdruck.

 

Man darf sich fragen, ob mit Dialog das gemeint war, was hier stattfindet. Die Eigendynamik des Diskurses, der sich auf die Dialogeinladung der Bischöfe eingestellt hat, zeigt eher die Aneinanderreihung von Monologen von Menschen, die sich in der Rolle sehen, die Kirche retten zu müssen. Sie sind jeweils bestrebt, die Kirche vor der Partei der anderen Kirchenretterkollegen und ihren Vorschlägen zu bewahren. Sie tun dies in einer Sprache, die jeden Verdacht vermeidet, das Anliegen der anderen Seiten in ihrem Grund verstehen zu wollen. Was bisher stattgefunden hat, gleicht eher einer babylonischen Sprachverwirrung als einem Dialog.

 

Glaubensschwund oder Kirchenstruktur

Offene Fragen, die die Vertrauenskrise der Kirche betreffen, und die Suchwege aus der Krise weisen könnten, vermisst man bisher weitgehend. Zu plakativ erscheint die jeweilige Ursachenanalyse für die Misere. Glaubens- und Gläubigenschwund scheint der Universalgrund für die Kirchenretter auf der einen, und die verknöcherte Kirche die Universalursache für die Kirchenretter auf der anderen Seite zu sein. Damit aber genügt die Kirche ihren eigenen Ansprüchen noch nicht. Paulus ermahnt Titus: Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2 Tit 1,6) In diesem Geist dürfte, wenn sich die Gesprächspartner als wirkliche Dialogpartner begreifen, noch manch anderes interessante Thema als bedenkenswert erscheinen.

 

Veränderungen der Gesellschaft wahrnehmen

Müßte man nicht darüber reden, welche Ursachen es haben könnte, dass das Thema Religion gegenwärtig die Öffentlichkeit erobert, die großen Kirchen in Europa daran aber weitgehend unbeteiligt sind? Warum es aber den evangelikalen Kirchen gelingt, beachtliche Zuwächse zu verzeichnen?

Dialog macht nur Sinn, wenn die grundsätzliche Bereitschaft besteht, aufeinander zu hören, einander verstehen zu wollen und gar voneinander zu lernen. Die Erwartung der Bischöfe, durch einen Dialog wieder Vertrauen zu schaffen, ist – bislang zumindest – nicht erfüllt – im Gegenteil.

 

Theo Hipp

kath.de-Redaktion