Ein Gott für alle Völker – Rom gibt eine Ahnung

Auf den Straßen Roms trifft man Bewohner aller Kontinente. Auf dem Petersplatz bei der wöchentlichen Audienz des Papstes werden die Gruppen, die Schüler und Gemeinden in ihrer Muttersprache aufgerufen. Die meisten antworten mit Fahnenschwenken und Rufen. Ist die Vision des Jesaja in Erfüllung gegangen, dass sich die Völker in der Verehrung des einen Gottes zusammenfinden? Bringt eine Wallfahrt nach Rom wenigstens den einzelnen diesem Ziel näher?

Der Prophet hatte seine Vision für Jerusalem entwickelt: Die Nationen kommen, um den einen Gott zu verehren und untereinander Frieden zu schließen. Jesus wollte, dass der eine Gott von jedem Ort aus angebetet werden kann, Mohammed hat Mekka zum Zentrum der Verehrung gemacht, die Katholiken haben Rom. In New York treffen sich die Staaten, vereinte Nationen wollen sie sein. Das Ziel scheint jedoch seit Anfang der Menschengeschichte zum Scheitern verurteilt. Der Mythos vom einstürzenden Turm wurde bereits in den ersten Stadtstaaten an Euphrat und Tigris erzählt. In Babylon bauen die Menschen einen Turm, um damit den Himmel zur erreichen. Wollten sie so Unsterblichkeit erreichen, so dass die Götter eifersüchtig wurden? Die Bibel interpretiert die Erzählung als Aufstand gegen Gott und ein weiteres Scheitern. Nach Sündenfall und Brudermord wird die Erlösung aus der Gewalt dringender. Mit der Rettung Noahs aus den Wassern der Sintflut deutet sie sich an und konkretisiert sich in der Berufung Abrahams. Erst einmal eine Familie und dann das aus ihr erwachsende Volk verehrt den rettenden Gott und erkennt ihn, mit den Propheten, als den nur einen.

Doch nicht die Religion

Die Hoffnung auf die einigende Gebetskraft hat sich jedoch nicht erfüllt. Jerusalem ist zum Ort ständiger Kämpfe und Rivalitäten geworden. Die Muslime verehren Gott auf dem Tempelberg, die Juden an einer Mauer, die Christen auf dem Kreuzweg durch die Stadt und am Ort der Auferstehung, wo sie die Grabeskirche errichtet haben. Schon im Mittelalter, als die Sarazenen aus Arabien kommend, Jerusalem eroberten, kam es mit den Kreuzzügen zu einem Krieg zwischen den Religionen, der heute weitergeführt wird. Inzwischen spielt er sich auch in allen westlichen Metropolen ab. Wer in Rom den Petersdom betreten will, muss durch eine Sicherheitskontrolle und genauso, wer am Mittwoch zur Audienz des Papstes auf den Petersplatz gelangen will. Um dann doch etwas von der Verheißung des Jesaja zu erleben.

Weltweit eingebettet

Inmitten der Gruppen aus Italien, anderen europäischen Ländern, mexikanischen Hüten, brasilianischen Flaggen, den vielen Gesichtern Asiens und Afrikas, den englischsprachigen Ländern rund um den Erdballen fühlt man keine Fremdheit. Es gibt auf dem Platz keine festen Plätze, die z.B. den Indern  oder Argentiniern zugewiesen wären. Man steht und sitzt so nebeneinander, wie man angekommen ist. Es ist möglich, was der Prophet erhofft hat, dass die Fremdheit untereinander schmilzt und man froh ist, weltweit zusammen zu gehören. Es ist aber nur ein Vorausblick, wie es sein könnte. Denn in die Weltversammlung ragen die Weltkonflikte hinein, die bei den Bittgebeten überdeutlich werden.

Wer auf die Verheißung des Jesaja setzt, kann sich davon in Rom einen Vorgeschmack holen.

Eckhard Bieger

 

Ohne Auferstehung ist alles doof

Nur jeder zweite Christ glaubt noch an die Auferstehung Jesu. Was bleibt aber ohne die Auferstehung für Christen? Kann dann die Bibel ernstgenommen werden, kann Jesus als Vorbild dienen und kann die Kirche eine echte Alternative für die Welt sein?

Bibel doof

Für die Antike und besonders die Juden des ersten Jahrhunderts waren die Auferstehungsberichte völlig bescheuert. Niemand erwartete einen gekreuzigten Messias. Vielmehr erwarten die Juden einen Herrscher, der die römische Besatzung besiegt und das gelobte Land in die Freiheit führt. Mit dem Tod am Kreuz durch die Besatzungsmacht kann Jesus von Nazareth unmöglich dieser Messias sein. N.T. Wright zeigt die beiden Optionen auf, die Jesu Anhänger in diesem religiösen und politischen Kontext hatten. Sie konnten einen anderen “Messias” finden und ihm folgen oder sich aus der messianischen Bewegung zurückziehen. Die Option, einen Gekreuzigten weiter als Messias zu verkünden, machte also keinen Sinn, wenn nicht etwas passiert ist, das den Kontext radikal verändert.

Ohne die Auferstehung sind die Kerntexte und Botschaft des neuen Testamentes also völlig abwegig und können nicht ernst genommen werden.

Jesus doof

Auch von Jesus von Nazareth bleibt, ohne die Auferstehung, nicht viel übrig. Manche meinen sich nur auf seine Botschaft, die sie für gut und nachahmenswert einschätzen, zu beziehen.  Jesus als einen guten Menschen zu sehen, eine Inspiration für ein gelingendes Leben, wie vielleicht auch Buddha oder Gandhi.

Doch Jesu Botschaft ist nicht einfach nur nett und schön. Die Konsequenzen von Nächstenliebe, die andere Wange hinhalten und die Feinde lieben sind drastisch. Von den Schriften des Neuen Testamentes, Flavius Josephus und anderen antiken Quellen wissen wir,  die Konsequenz ist das Kreuz. Der grausamsten, erniedrigten und abscheulichsten Folter die sich die Antike Welt ausdenken konnte und letztendlich in den Tod. Damit ist dann auch Schluss, wenn die Auferstehung nicht real ist.

Jesus Botschaft bedeutet also Leiden, Verzicht und Entbehrung. Das hat nicht nur Jesus erlebt sondern viele seiner Nachfolger. Nicht nur Märtyrer, sondern alle, die sich im Namen Jesu einsetzen, für Kranke, Notleidende und in der Verkündung des Evangeliums. Ohne Auferstehung gibt es keinen Grund, warum diese Leiden und Anstrengungen einen Sinn machen. Keinen Grund sein Leben für so etwas zu “vergeuden” oder zu verlieren.

Kirche doof

Letztendlich beruht alle Hoffnung der Kirche und ihrer Botschaft auf der Auferstehung. Dabei bedeutet die Auferstehung keine Vertröstung auf das Jenseits, sondern holt das Reich Gottes in unsere Welt. Mit der Auferstehung wird Jesu Botschaft vom anbrechenden Gottesreich auf Erden bestätigt. Der Auferstandene selber bringt die neue Welt in unsere hinein. Daher können wir hoffen, die Welt Schritt für Schritt besser zu machen. Denn aus der Auferstehung folgt, dass die Welt nicht grundsätzlich schlecht, sondern grundsätzlich erlöst ist. Ohne die Auferstehung gibt es für Christen keinen Grund darauf zu hoffen und erst rechten nicht die Anstrengungen, die Welt zu verbessern, auf sich zu nehmen.

Wer also nicht an die Auferstehung glaubt, muss die Bibel als unsinnig, Jesus als gescheiterten Menschen und die Kirche als eine Horde von verrückten Weltverbesserern sehen. Die Ablehnung der Auferstehung als unmöglich kann nicht das Kennzeichen eines rationalen Christen sein, denn Christ-sein ohne Auferstehung ist völlig irrational und abwegig. An die Auferstehung zu glauben, auch wenn sie nicht komplett verstanden werden kann, kann jedoch rational sein.

Philipp Müller

War das Grab an Ostern leer?

Das Neue Testament berichtet von den Frauen, die am Ostermorgen das Grab, in das Jesus am Karfreitagabend gelegt worden war, leer vorgefunden haben. Diese Berichte werden von vielen Exegeten als Legenden eingestuft. Tatsächlich habe der Leichnam noch im Grab gelegen und die Erzählungen sind Fiktion. Diese Theorie ist aus zwei Gründen fraglich: In den biblischen Texte gibt es keine Anzeichen dafür und wenn es Reliquien von Jesus gegeben hätte, wäre das geheim zuhalten gewesen?

Das Grab musste als leer hingestellt werden, weil Jesus auch mit seinem Leib auferstanden ist

Für Maria von Magdala, für die anderen Frauen, die zum Grab kamen, für Petrus und Johannes war das Grab leer. Für viele Bibelwissenschaftler ist der weggewälzte Stein dagegen nur eine nachträglich entwickelte Legende, die logischerweise erzählt werden musste, wenn Jesus tatsächlich als Auferstandener leibhaftig erschienen sein soll. Für sie steht fest: Jesus war so tot, dass er nicht in dieses Leben zurückgekommen ist. Er hatte seinen Tod vorausgeahnt und ging wohl nicht davon aus, dass der in dieses Leben zurückkehren würde. Er sollte in ein anderes Leben auferstehen. Daraus folgt eigentlich: Sein Leichnam musste wie der anderer Verstorbener im Grab liegen. Das leere Grab musste von den Anhängern Jesu deshalb postuliert werden um seine leibhafte Auferstehung plausibel zu machen. Denn wenn er leibhaftig auferstanden ist, dann muss sein Grab leer sein. Die Geschichte des leeren Grabes ist damit eine Erfindung der ersten Christen.

Der Sprung zwischen zwei Gedanken bleibt

Wer diese Schlussfolgerung, die Geschichte vom leeren Grab sei eine bloße Legende, nicht mit vollzieht, kann leicht in den Geruch eines theologischen Naivlings geraten. Ehe man sich aber mit der Rolle des Naivlings abfindet, muss man mit dem Denken innehalten. Ist die oben skizzierte Schlussfolgerung einfach so möglich?

Basis der Argumentation ist die naturwissenschaftliche Ebene. Ein Leichnam löst sich nicht in drei Tagen restlos auf.  Die daraus gefolgerte Behauptung, das leere Grab sei Produkt einer Legendenbildung und nicht real leer gewesen, scheint logisch stringent zu sein. Doch diese Legende ist nicht auf der naturwissenschaftlichen Ebene überprüfbar, sondern ist auf der psychologischen angesiedelt. Es ist erst einmal nur eine Hypothese, die besagt: die Anhänger haben, um ihre Predigt von der leiblichen Auferstehung Jesu zu untermauern, die Legende vom leeren Grab entwickelt. Lassen sich in der Überlieferung Hinweise finden, die zumindest vermuten lassen, es habe in dem Grab noch etwas gegeben? Diese Andeutungen müssten von den Vertretern der These, das Grab sei nicht leer gewesen, angeführt werden. Drei gewichtige Punkte sprechen gegen die Hypothese der Legendenbildung:

1. Die biblischen Texte tendieren zur Eindeutigkeit.

Die Textsammlung aus vier Evangelien, Apostelgeschichte, Briefen und Apokalypse geht insgesamt davon aus, dass Jesus nicht ein gewöhnlicher Toter ist, für den es irgendwann ein Weiterleben nach seinem Ableben gibt, sondern dass mit ihm etwas Entscheidendes passiert ist. Die These lautet etwa so: „Der Grabstein war weggerollt, er ist nicht verwest, nicht nur seine Seele ist dem Tod entronnen, sondern auch sein Leib.“ Da die heute vorliegenden Texte erst später aufgeschrieben wurden, hätte die Erfindung eines leeren Grabes in den Gemeinden weiter erzählt werden müssen und damit auch überprüft worden sein. Es hat sich um einen größeren Personenkreis gehandelt. Paulus beschreibt im 1. Korintherbrief, den er um das Jahr 55, also etwa 20 Jahre nach den Ereignissen geschrieben hat, die die Anzahl der beteiligten Personen eher konstatierend:

Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der «Missgeburt». 1 Kor. Kap. 15, 3-8

2. Die Christen verehren die Reliquien Verstorbener

Die Reliquien der Märtyrer genießen seit den Anfangszeiten Verehrung. Das zeigt, wie die Christen zwischen ihren Heiligen und Jesus unterschieden haben. Über den Gräbern der Märtyrer wurden Kirchen erbaut und ihre Reliquien verehrt. Es gibt eine solche Kirche auch für Jesus. In der Grabeskirche, bei der nach der Tradition das Grab Jesu lag, werden jedoch keine Gebeine Jesu verehrt. Die Reliquienverehrung wird nicht auf Jesus angewandt. Die Christen unterscheiden zwischen normalen Toten, deren Gebeine sie verehren und dem besonderen Schicksal Jesu.

Die Berichte sind so eingebettet, dass eine von der Hinrichtung Jesu verunsicherte und enttäuschte Anhängerschaft auf die Botschaft, Jesu lebe, skeptisch reagierte. Die Anhänger Jesu, vor allem die Männer, müssen erst “zum Glauben kommen.” Die psychologische Erklärung, die Anhänger Jesu seien durch die Hinrichtung Jesu nicht so beeindruckt gewesen, dass sie von dem Fortbestand seiner Mission überzeugt gewesen wären, findet sich mit keiner Andeutung im Kontext der Berichte von den Erscheinungen Jesu. Wenn also die These, das Grab könne gar nicht leer gewesen sein, mit der psychologischen Hypothese verknüpft wird, die Anhänger Jesu hätten die Berichte erfunden, dann ist die Verknüpfung nicht schlüssig. Es gibt dafür keine überzeugenden Anhaltspunkte im Kontext der Berichte. Vielmehr wird erzählt, dass die Anhänger Jesu erst überzeugt werden mussten. Auch die Erklärung auf der biologischen Ebene muss daher geprüft werden.

3. Reliquien Jesu wären verehrt worden

Die Christen sind bei den anderen Toten, außer bei Maria, immer davon ausgegangen, dass es Reliquien gibt, deren Platz man im Auge behielt. Gäbe es solche Reliquien von Jesus, dann hätten einige seiner Anhänger, nicht zuletzt die Frauen, die am Ostermorgen seinen Leichnam einbalsamieren und endgültig lagern wollten, im Geheimen das Grab weiterhin besucht, wenn der Leichnam Jesu dort gewusst worden wäre. Es wäre wahrscheinlich auch ein Kampf entstanden, ob Reliquien aus dem Grab entnommen werden durften, um anderswo verehrt zu werden. So geschah es mit dem Kreuz. Diesem wurden Splitter entnommen und ins Abendland gebracht. Auch die Gewänder Jesu werden verehrt, aber keine Gebeine oder Zähne.

Es braucht bessere Erklärungen, was mit dem Leichnam Jesu geschehen ist.
Die christliche Tradition argumentiert nicht naturwissenschaftlich oder mit anderen externen Kriterien, sondern nennt als einzige Garantie die Glaubwürdigkeit der Zeugen. Will man diese untermauern oder erschüttern, müssen offensichtlich andere biologische und psychologische Hypothesen entwickelt werden. Die wären dann auch genau zu prüfen. Bis dahin ist man intellektuell nicht minderbemittelt, wenn man sich an die Berichte der Bibel als die einfachere und direktere Erklärung hält.

Eckhard Bieger S.J.